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Marinas SpaceAlles über mich (oder das, was ich veröffentliche...) 7月28日 ZwischenstandMeine siebte Woche in Malawi ist gerade angebrochen und ich nutze die Gelegenheit der beinahe schon Halbzeit fuer den erneuten Versuch einen Zwischenbericht in den Blog zu stellen. Ich bin inzwischen nach einigen anfänglichen innerlichen Akklimatisierunghindernissen gut angekommen. Der Wechsel nach New York City war einfach schon krass und stressig. Die zwei Tage in Deutschland waren voller Organisiereien und mein Koerper hat mir deutlich gezeigt, dass ihm das nicht so richtig passte. Aber schliesslich in Malawi gelandet konnte ich ja erstmal mindestens zwei bis drei Gaenge runterschalten - was mir allerdings erst in der letzten Woche ansatzweise gelungen ist. Ich wurde gerade das erste Mal auf der Strasse von Malawiern ueberholt, was ein eindeutig gutes Zeichen in Richtung der Akklimatisierung ist. Ich wohne hier in der Kabula Lodge, der günstigsten Möglichkeit ein eigenes Zimmer zu bewohnen mit einem sagenhaften Blick auf einen der Hausberge Blantyres, den Ndirande, über welchem ich jeden Morgen den Sonnenaufgang bestaunen darf - ein guter Grund zwischen halb 6 und Viertel nach 6 aus dem Bett zu springen, den Fotoapparat zu schnappen, einmal kurz vor meine Zimmertür auf die ums ganze Haus herum verlaufende Veranda zu treten und mich hinterher wieder im kuschligen Bett aufzuwärmen. Temperaturtechnisch ist hier nämlich - logischerweise - Winter, der zwar nicht mit unserem deutschen Winter zu vergleichen ist, aber ab und zu sind es eben doch nur 5-10°C und mit mehreren Schichten Klamotten ist man gut beraten. Strom und Wasser ist in wechselnder Präsenz da, aber schliesslich gibt es Kerzen… Hier wohnen eigentlich hauptsächlich Studenten, die auch ein elective im Queens Central Hospital in Blantyre absolvieren oder sonstwie Praktika machen. Ich wohne direkt am anderen Ende der Stadt als das Krankenhaus, aber zu Fuß sind es etwa 50 Minuten und mit dem Minibus hin sogar nur etwa 25 Minuten. Zurück hält der vollgepackte Minibus etwas weiter entfernt am Markt, was für Einkäufe praktisch ist, aber dann brauche ich eben auch etwas länger nach Hause. Dies ist lediglich etwas stressig, wenn es schon "spät", nämlich gegen 5, halb 6pm ist, da es dann dunkel wird und man bei Dunkelheit lieber zu Hause sein sollte. Für den Zweifelsfall gibt es aber "Taxis", also Leute, die ein Auto haben und die man dann anrufen kann. Natürlich ne Ecke teurer. Billig ist es hier ohnehin nicht (klar, nix im Vergleich zu New York City, aber trotzdem), für Essen gebe ich etwa so viel aus wie in Deutschland und das Wohnen liegt zwischen Deutschland und New York. Neben dem Markt, auf dem Obst und Gemüse am Billigsten und meist am Besten ist gibt es einen großen Supermarkt mit allem Wichtigen noch hinter dem Krankenhaus und einen etwas kleineren auf dem Weg dorthin. Im Krankenhaus in Blantyre bin ich gut in die "Arbeit" reingekommen. Ich lerne ne Menge, gerade auch dadurch, dass ich um halb 6pm zu Hause sein muss, weil es dann dunkel ist und man nicht mehr draussen rumlaufen kann, zu gefaehrlich. Dadurch komme ich dazu viel in meinem Chirurgiebuch zu lesen. Wirklich viel zu machen gibts hier abends naemlich auch nicht - was nach dem Ueberangebot in New York eigentlich auch mal ganz angenehm ist. So habe ich nicht staendig das Gefuehl was zu verpassen, wenn ich abends zu Hause sitze (habe schon 700 Seiten in nicht rein-medizinischen Buechern gelesen, erst ein Buch ueber die Geschichte der Chirurgie und gerade eines ueber den Beginn der HIV/AIDS-Entdeckung). Im Krankenhaus sind alle sehr nett, das Englich ist halbwegs verstaendlich, es gibt auch zwei deutsche Chirurgen. Der eine hat mir einen richtigen Stundenplan zusammengestellt, auf meine Interessen abgestimmt, so dass ich erst 4 Wochen Allgemeinchirurgie hatte, dann eine Woche ENT (also HNO), dann hatte ich mir eine Woche in einem kleineren Krankenhaus organisiert, wo ich eine Woche bei einem deutschen Gynaekologen hospitieren wollte, dann habe ich 4 Wochen Kinderchirurgie, 2 Wochen Orthopaedie, eine Woche plastische Chirurgie (besonders viele Plattenepithelkardzinome bei Albinos und Brandverletzte) und noch ein bisschen Allgemeinchirurgie. Es läuft hier deutlich anders als in Deutschland. Vor allem viel langsamer (ohne 2 Stunden Mittagspause geht oft gar nichts - da wird auch der Patient mal auf dem OP-Tisch liegen gelassen, wenn man gerade mal was essen muss…). Auch das Verantwortungsbewusstsein felt - zumindest in der Chirurgic - bei vielen interns (Ärzte im ersten Jahr, die durch die Hauptgebiete der Medizin rotieren) und registrars (Assistenzärzte). Die consultants (Oberärzte) sind zum grossen Teil sehr engagiert und auch organisierter. Allerdings sind darunter nur drei Malawier. Dies hat unter anderem damit zu tun, dass die medizinische Uni in Blantyre (einzige in Malawi) erst Mitte der 90er Jahre nach der langen Diktatur Bandas ihren Betrieb aufgenommen hat. Zur Facharztausbildung mussten die meisten Ärzte allerdings noch ins Ausland (meist Grossbritannien oder Südafrike) gehen und blieben zum Teil dort. Bis vor etwa 5 Jahren waren die Briten in Malawi auch fleissig am recruiter - aus Ärztemangel nimmt man eben auch mal Entwicklungsländern die Ärzte weg. Es gab eine Zeit in der im Raum Manchester mehr malawische Ärzte gearbeitet haben als in Malawi selbst. Neuesten Studien nach gehen Malawi heute aber wohl nur noch 15% der ausgebildeten Ärzte verloren. Praktisch habe ich noch nicht so viel gelernt, aber es wird besser. Ich moechte insbesondere in der Chirurgie naehen lernen, das braucht man schliesslich in jedem Fachgebiet. Abends lese ich tatsaechlich auch in meinem Chirurgiebuch, denn mein Wissen ist peinlich gering. Ist wohl eine Interessensfrage... Allerdings habe ich wirklich schon vieles interstate gesehen, dass ich in Deutschland nicht unbedingt finden würde: Amputationen an allen vier Extremitäten bei Meningokokkensepsis (wie gut, dass ich geimpft bin!), riesige Osteosarkoma, ein riesiges Fibroadenom der Brust, die damit bis in die Leiste hing, einen riesigen Milzabszess, ganz viele angeborene Defekte bei Kindern (wie frontale und okzipitale Encephalozele, Anencephalus, Gastroschisis etc.) und so viel mehr! Chemotherapie gibts hier übrigens nur für Kinder und Vincristin bei Karposi Sarkom, Radiotherapie gar nicht. Krebs sollte man hier also nicht unbedingt haben. Gibts aber zu Hauf, insbesondere Ösophaguskarzinome, Blasenkarzinome (durch Bilharziose), Cervixkarzinome und lauter HIV-assoziierte Krebsarten wie Lymphome. Ich habe hier übrigens ganz spanned vor zwei Wochen bei der wohl ersten Ösophagektomie Malawis assistiert - nachdem man bislang wenn überhaupt Stents als palliativen Ansatz hatte ist dies also nun auch ein kurativer Ansatz. Allerdings nimmt die OP einen ganzen OP-Tag eines der drei Haupt-Ops ein, so dass die Frage ist, ob man nicht lieber mehr Leuten hilft, als einem. Ein komischer Gedankengang für unser System, aber hier vielleicht nachvollziehbar. Aber dadurch, dass hier so viele Europaeer aus den verschiedensten Laendern zusammen arbeiten und ich ja auch die Studenten mitbekomme (die meisten aus Grossbritannien und den Niederlanden) ist es doch sehr interessant, wie die Unterschiede in der Ausbildung sind. Und wir Deutschen sind leider echt nicht die am besten ausgebildeten. Gerade in der Praxis und in praxisbezogenen Fragen bin ich miserabel - und habe in Gespraechen mit den deutschen Aerzten, die ja auch die ganzen Studenten mitbekommen, auch immer wieder gehoert, dass das britische System extrem besser ist und man das bei der "Qualitaet" der Studenten merkt. Unser Praktisches Jahr ist in keiner Weise mit dem internship im 6. Jahr der Briten zu vergleichen. Sie haben viel mehr Verantwortung und Befugnisse und Aufgaben als wir, naemlich all die eines Arztes - ausserdem haben sie ihr Examen vor dem 6. Jahr, was in Deutschland ja auch mal aehnlich war. Aber das wurde ja vor kurzem mit dem Hammerexamen verschlimmbessert... An den Wochenenden war ich bislang immer unterwegs: Gleich das erste startete mit einer Wanderung, genannt Three peakes hike (also auf drei Gipfel) in die Umgebung Blantyres (von denen ich tatsaechlich auch zwei geschafft habe, u.a. den hoechsten der drei, der m Schluss einen Kletterpart hatte; da habe ich richtig Lust bekommen mehr im Kletterzentrum Roxxy in Goettingen zu machen) und zum Abschluss war ich statt des dritten peaks noch bei einem Konzert eines malawischen Rappers mit seiner franzoesischen Band (Latitudz, gar nicht uebel). Das zweite Wochenende verbrachte ich mit ein paar Leuten am Lake Malawi, in dem ich auch schnorcheln war und zwar die tollen bunten Malawiseefische gesehen habe, aber im Anschluss erstml Praziquantel aus der Apotheke besorgt habe. Hier bekommt naemlich jeder Bilharziose durch die kleinen Wuermer im See und das ist ein Risiko fuer Blasenkrebs, den hier dementsprechend auch viele haben (kommen ntuerlich meist zu spaet ins Krankenhaus...). Aber wenn man das Medikament nimmt kann man dem entgegenwirken. Am dritten Wochenende, was dank des Unabhaengigkeitstages am 6. Juli in Malawi ein langes Wochenende war, bestieg ich mit ein paar Leuten aus dem Krankenhaus den Mount Mulanje, den hoechsten Berg Zentralafrikas. Wir stiegen nicht bis zum hoechsten Gipfel, aber hatten viel Zeit mehr von dem tollen Plateau des Berges zu sehen und zu erwandern. Am vierten Wochenende war auch schon ein Monat rum und mein Visum am ablaufen, so dass ich einen Trip nach Mozambique machte, dort abenteuerliche 1600km im public transport oder durch nette Leute, die mich mitgenommen haben ueber Mocuba nach Chilimoni und dann ueber Tete wieder nach Malawi einmal einen Bogen um Malawi reiste - und beim Grenzuebergang ein neues Visum fuer Malawi bekam. Zurueck in Malawi hatte ich schon ein Gefuehl als ob ich nach Hause komme und es kam mir nach Mozambique extrem gut organisiert vor! Am naechsten Wochenende machte ich dann einen entspannten Trip, weil ueber Reisebuero hier gebuchten und nicht alleine reisend, sondern mit Clelia Anna, einer italienischen Amerikanerin, mit der ich viele Reiseplaene schmiedete, da wir aehnliche Vorstellungen hatten ueber Lilongwe nach Sambia, in den South Luangwa National Park, wo wir zwei Naechte in einem Camp schliefen und am Tag auf Safari waren. Elefanten liefen ohnehin direkt an unserem Chalet im Camp vorbei, Hippos waren die ganze Zeit zu hoeren und im Luangwa River vor unserer Haustuer zu erspaehen. Und dann gabs noch Giraffen, Zebras, Loewen, nicht zu vergessen die ganzen verschiedenen Antilopen etc. Durch die lange Fahrt (einen Tag hin, einen Tag zurueck und im Endeffekt nur einen richtigen Tag dort) war es doch ein halbwegs anstrengendes Wochenende, von dem ich direkt nach Ankunft in Lilongwe, der Hauptstadt Malawis nach Zomba reiste, wo ich Montagabend ankam. Ich hatte dies zwischendurch fuer eine Schnapsidee gehalten, weil ich eben voellig kaputt am Montagabend nach dem ganzen Tag unterwegs ohne Unterkunft im Regen und natuerlich Dunkeln hier ankam, aber es war ein voller Erfolg! Eine wirklich nette Stadt, viel weniger "expats" (von expatriots, wie hier die ganzen Entwicklungshelfer oder Weissen allgemein genannt werden) und somit sind die Leute entspannter, weniger aufdringlich und schuechterner. Also sehr angenehm. Im Krankenhaus, dem Zomba Central Hospital, was der Grund fuer meinen Aufenthalt in Zomba war, denn ich hatte hier die Moeglichkeit beim deutschen Chefarzt einen Monat in der Gynaekologie zu hospitieren, war es sehr nett. Er erklaerte viel, und ich habe vieles gesehen, was ich in Deutschland wohl eher nicht sehen wuerde, was aber gerade auch fuer mich als angehende Kinderaerztin (?) interessant ist. Nicht nur schoene Dinge, eher mehr traurige, die durch eine lange Zeit bis zum Arztbesuch auch nicht besser gemacht werden... Vesikovaginale uns kombinierte vesikorektovaginale Fisteln (Oeffnung zwischen Blase und Vagina bzw. Blase, Bagina und Anddarm durch zu lange dauernde Geburten), Kaiserschnitte (u.a. mit dem toten, mazerierten Kind bei dem die Haut abging), Ausschabungen (u.a. mit einer Molenschwangerschaft, also keine richtige, unbefruchtet, sieht aus wie Foschlaich), habe bei einem 2 Wochen alten Baby einen Brustabszess drainiert, Schwangere geultraschallt (u.a. Diagnose einer Zyste, stellte sich aber als Zwillingsschwangerschaft heraus), super junge Muetter (eine 15-jaehrig, hat mit ihrem Onkel Hexenkuenste ausgeuebt, ist naemlich eine Hexe, tja, und dabei kam dann eben ne Schwangerschaft bei raus), habe einen Bendel Ring (oder so) gesehen (Zeichen fuer rupturierenden Uterus bei einer Schwangeren), eine riesige Ovarialzyste, die sich als Teratom mit Haaren und Haut entpuppte (kindskopfgross mit bestimmt nem Liter dicker Fluessigkeit drin) und mein erstes Baby samt Plazenta geboren! Jetzt weiss ich, wie es funktioniert. Am letzten Tag war ich mit dem Gynaekologen noch in Phalombe, einem district hospital, sehr schoen gelegen und interessante Arbeit - allerdings extrem fortschrittlich, wenn ich es mit unseren Gesundheitszentren in Guatemala vergleiche. Interessant... Wirklich eine lohnenswerte Woche in Zomba, die Stadt war uebrigens bis 1975 Hauptstadt, was man nicht unbedingt merkt, wuerde ich sagen. Gerade bin ich von einem superschönen Wochenende im Liwonde Nationalpark zurückgekommen. Total schön gelegen, tolle Unterkunft mittendrin mit viel und sehr gutem Essen (das beste bislang!) und natürlich game drive, walking safari (wobei wir überraschenderweise auf einen riesigen Elefanten gestoßen sind, den unser einer guide mit dem Gewehr verscheuchen musste, uiuiui....) und boat safari mit vielen Vögeln. Besonders toll war auch der Weg zum Camp, den wir per 45-minütigem Bootstrip nahmen und der auch schon eine Art Bootsafari war mit vielen Hippos und Elefanten ganz nah! Wirklich ein unheimlich tolles Wochenende. Malawi hat wirklich etwas zu bieten! Vor allem "ganz um die Ecke" in 3 Stunden mit dem Minibus erreichbar (klar, plus 45 Minuten Boot). Ich werde auch mal versuchen an guten Internettagen Fotos in den Blog zu stellen, könnt ja bei Gelegenheit mal checken. Jetzt muss ich los. Bin ja gerade in der Kinderchirurgie, um halb 8am ist immer handover, also Übergabe über die letzten 24 Stunden und dann ist heute OP-Tag, also ne Menge Peritonealshunts für Hydrocephali, ein großer Hirntumor, Hernien etc. Sofern es Wasser zum Waschen der OP-Kittel gab (es gab schon Tage an denen wegen Mangel an Kitteln keine Ops stattfanden) und der Strom da ist… ;-) Kurz zur Entstehung dieses langen Artikels: Der Anfang stammt aus meiner Mittagspause gestern in einem Internetcafé, dann habe ich heute Morgen weitergeschrieben, vor der Arbeit, allerdings fiel dann der Strom aus und ich konnte ihn nicht loss chicken. Nun ein erneuter Versuch. Nebenbei: den Hirntumor konnten wir heute nicht operieren, weil keines der 4 Intensivstationsbetten frei war, Hydrocephali kommen wohl morgen, aber ne Hernie gabs, und ne Kolostoma-Rückverlegung, riesige unklarer Genese am Bein bei einer 9-jährigen, follow-up einer 5-jährigen mit Zustand nach Blasenextrophie, deren Harnleiter jetzt ins Sigma münden… Also viel Kleinkram. Allerdings war ich heute die einzige Studentin mit meinem Kinderchirurgen und konnte so den ganzen Tag assisteren. J 6月16日 gut angekommen Hallo liebe Marina-Fans, sie ist gut in Malawi angekommen und hat heute bereits ihren zweiten Tag in der Klinik hinter sich. Im Hostel hat sie jetzt ein Zimmer für sich und ne Menge netter Leute aus ganz Europa und Australien um sich. In der Klinik scheint es zum Teil gut organisiert zu sein, z.B. hat ihr ein deutscher Arzt erstmal einen netten Stundenplan nach ihren Interessen zusammengestellt. Das einzige Problem ist, dass sie in der Klinik nur einen schlechten Internetzugang hat, deswegen schreib ich auch erstmal was in ihren Blog. Sms kommen bei ihr an, allerdings kann sie aus irgendeinem Grund nich zurückschreiben, es kommt jedenfalls nichts zurück. Telefonieren ist aber kein Problem, und mit z.B. der 010029 oder 01056 kostet das ca. 9 Cent/Min und sie kostet es gar nichts :-) lg aus Göttingen Andre (ihr Freund, für alle, die mich noch nicht kennen...) 6月8日 Abschied von New YorkLang lang ists her, dass ich das letzte Mal in den Blog geschrieben habe. Wer sich noch erinnert: ein Satz lautete etwa "ich habe keine Lust immer nach der Arbeit so kaputt zu sein und gleich ins Bett zu gehen". Ja, das habe ich dann auch nicht mehr gemacht, war die ganze Zeit unterwegs, hab viel gesehen, bin viel rumgelaufen und hatte wirklich tolle, intensive letzte 3 Wochen.
Einige Highlights waren das Whitney Museum, ein weitere Besuch des Metropolitan Museum (das könnte ich noch sooo oft rein gehen, und hätte immer noch nicht alles interessante gesehen), das Guggenheim Museum (besonders wegen seiner Architektur ein Muss), das American Museum of Natural History, eine Walking Tour zum Thema 9/11 um Ground Zero herum, Tagestouren nach Boston und Washington D.C., ein Konzert von Art Brut in einer kleinen Kneipe und schließlich die West Side Story am Broadway! Dafür habe ich 4 Mal bei der Lotterie mitgemacht und 4 Mal nicht gewonnen. Aber ich wollte so dringend rein, dass ich mir dann doch die teuren Normalpreis Tickets besorgt habe. Und es hat sich wirklich gelohnt!! Ganz tolle Sänger in einem ganz tollen Arrangement in Englisch und Spanisch!
Gestern hatte ich noch einen wirklich schönen, warmen, sonnigen letzten NYC-Tag, bin stundenlang den Broadway runtergelaufen, hab die letzten wichtigen Dinge von meiner Shoppingliste abhaken können und habe tatsächlich mein Buch, das ich auf dem Hinflug in London-Heathrow angefangen hatte bei Stops in diversen Parks (Union Square, Battery Park mit Blick auf die Statue of Liberty...) zu Ende gelesen.
Jetzt kann ich mit dem wirklich zufriedenen Gefühl eine Menge erlebt, gesehen und gelernt zu haben und dem Vorhaben auf jeden Fall wieder in diese wahnsinigg pulsierende und abwechslungsreiche Stadt zurückzukehren mit einem lachenden und einem weinenden Auge abreisen. Meine Koffer sind gepackt (ja, zu meinem Standard-70l-Rucksack ist noch ein weiteres Gepäckstück hinzugekommen - es lebe das Freigepäck von 2x23kg!), gleich werde ich noch ein letztes Mal in mein Lieblingscafé gehen und mir einen großen Kaffee und irgendein Gebäck mit Pumpkin zum Frühstück besorgen, dann ganz entspannt mit meinem gesamten Hab und Gut in die subway steigen und heute Abend um 19:05 meiner Zeit abheben. Im Krankenhaus habe ich durchs Fenster immer die Flugzeuge gesehen, die von JKF abheben und je nach Stimmung wollte ich mit oder dachte, ätsch, ich kann noch bleiben. Jetzt sitze ich also auch gleich in einem und es fühlt sich richtig an. Ich konnte hier wirklich einen tollen Einblick sowohl in die amerikanische Medizin als auch den Lebensstil bekommen - auch wenn NYC wohl eher nicht repräsentativ für die USA ist, aber immerhin ein Anfang. Morgen, Dienstag, lande ich um 13:20 in Frankfurt, fahre dann nach Göttingen, wo ich eine Nacht bleibe, packe dann schnell meine Sachen bei meinen Eltern um, lasse mich verwöhnen und fliege am Freitag wieder los - auf nach Malawi. Ich fühle mich schon etwas gestresst, wenn ich dran denke, was ich in der kurzen Zeit zu Hause noch mal eben alles erledigen muss, aber ich habs mir ja selbst ausgesucht. Und außerdem bin ich ja noch jung! ;-) 5月20日 Kein TitelEin kurzer Einfuehrungssatz fuer alle, die nicht so viel Zeit zum Lesen haben: Mir gehts gut, ich lerne viel, habe spannende Patienten und bin immer noch gesund - und das nach 2,5 Wochen in Mitten der Infectious Diseases... ;-) So bin ich also nach wie vor engagiert von 8-9am in der Fruehkonferenz der Kardio um nebenbei noch etwas Kardio zu lernen und dann direkt im Anschluss bis zwischen 4 und 6pm in der Infektiologie unterwegs. Irgendwie wurden die Visiten im Laufe der Zeit immer laenger. Das finde ich eigentlich nicht schlimm, weil man wirklich was lernen kann, aber der attending macht dann auch immer noch so Zwischenkram, telefoniert mit seiner Familie etc. um zu klaeren, welches Kind welchen Freund wann mit nach Hause bringt etc. Gerade sitze ich in der Bibliothek des Krankenhauses und warte, dass es 3pm wird und wir endlich mitder Visite anfangen koennen. Der attending ist naemlich gerade noch irgendwie anders beschaeftigt. Normalerweise fangen wir gegen halb 2pm an und das dauert dann eben so im Durchschnitt bis 5 oder etwas spaeter. Mal gucken, wie lange das dann heute geht. Wir besprechen dann zuerst immer die follow-ups, das heisst die Verlaufsbeobachtungen unserer alten Patienten, und danach besprechen wir die neuen Faelle. Heute hat jeder von uns ein neues consult bekommen, also stellt jeder erst den Fall vor und dann gucken wir uns die neuen Patienten zusammen an. Weil der Tag so immer recht lang und halbwegs anstrengend ist, war ich dann letzte Woche etwas langweilig unterwegs - naemlich immer so zwischen 8 und 9pm im Bett. Und ich konnte wirklich gut bis um halb 6am schlafen. Klar, Freitagabend war ich natuerlich fit genug um noch was zu machen. Wochenenden muessen schliesslich ausgenutzt werden. So war ich mit Aila und Timo im SOB's, einem Salsa-Club bei Soho. Von 7-8pm war ne Salsastunde auf der supervollen Tanzflaeche und danach sind wir erstmal nebenan im mexikanischen Schnellimbiss eingekehrt und haben Abendbrot - oder auch Abendburrito - gegessen. Danach wars aber noch richtig toll. Wie immer, wenn man neu irgendwo hin kommt, wo keiner weiss wie man so tanzt, muss man sich erstmal bewaehren, also mit den ganzen Spaten tanzen. Und dann sehen die guten Taenzer, dass mans halbwegs hinkriegt und man arbeitet sich sozusagen hoch. So war das in Goettingen, Bremen, Guatemala - und eben auch in New York. Zum Schluss wars richtig super und ich hatte viel Spass bei irgendwelchen Fallfiguren mit nem richtig gut tanzenden Elektroingenieur aus der Bronx, der die ganze Zeit seinen Hut aufhatte. Witzig war auch, dass ein anderer Guter, mit dem ich tanzte irgendwann erzaehlte er sei Arzt, wuerde jetzt in der Psychiatrie anfangen. Ja ja, die Mediziner sind eben ueberall. Nebenbei hatte er gerade einen Sprachkurs in Oesterreich gemacht. Vielleicht treffen wir uns ja mal zum Tanzen irgendwo in Deutschland... Samstag traf ich mich mit Chrissie und Aila in Coney Island. Das ist das Vergnuegungs-Strand-Viertel im Sueden Brooklyns. Allerdings war es eher deprimierend, leer und abgerissen, so dass wir uns nach einem Spaziergang auf der Strandpromenade und einem kurzen Gang durch die Einkaufsstrasse mit russischen Laeden (ueberall kyrillische Buchstaben) wieder in die subway schwangen. Heute waren wir ja in meinem Viertel und so wollte ich natürlich zeigen, was Brooklyn alles so zu bieten hat. Ab zum Prospect Park, der einfach wirklich schoen, ruhig, eine gruene Oase ist. Einmal durch von Ost nach West und wir waren in Park Slope, einem jungen und gruenen eher alternativ-wohlhabenden Viertel, mit schoenen Cafes und Laeden. Dann nach einem Double-Chocolate-Muffin mit Chrissie weiter nach Williamsburg, dem hippen Viertel, wieder mit vielen netten Cafes und eher second hand Laeden, studentisch, mit jungen Leuten mit Gitarren, beim Picknicken im Park oder einfach durch den sonnigen Tag schlendern. Eigentlich war im Tageplan noch ein Museum enthalten, aber wir waren doch so kaputt, dass wir einfach nach Manhattan rueberfuhren (Brooklyn hatte - wie erwartet *g* - begeistert) und uns mit Timo in Hell´s kitchen beim Food Festival trafen, im westlichen Mitdtown war ueber mehrere Blocks eine Avenue gesperrt und ueberall waren Staende mit internationalem Essen und Souvenirs aufgebaut. Genau das richtige um sich fuer den kulturellen Teil des Tages zu staerken. Wir trafen uns naemlich weng spaeter wieder mit Aila am Lincoln Center, gingen noch schnell in Le Pain Quotidien, einen super franzoesisch-belgischen oder so etwas schickeren Imbiss mit tollem Brot, Kaese etc., und dann ab ins Ballett. Eigentlich hatte ich nach meiner eher maessigen Erfahrung im Ballett im Hildesheimer Stadttheater, wo ein sehr moderner Hamlet aufgefuehrt wurde, Ballett als wohl doch eher nichts fuer mich ad acta gelegt, aber dieser Abend mit Prokoviefs Romeo und Julia war wirklich beeindruckend und einfach schoen. Tolle Musik, tolle Taenzer, insbesondere "Julia" - und sooo romantisch *schmacht*... ;-) Sonntag wurde der naechste Versuch gestartet einen der hochgelobten Gospelgottesdienste in der Abyssinian Church in Harlem zu erleben. Man erinnere sich: Ostersonntag waren wir nicht reingekommen. Ich stand also nicht wirklich ausgeschlafen um 6 auf, traf Chrissie, Aila und Suzin in der Upper West Side und um kurz vor 9am waren wir an der Abyssinian Church - vor der wieder eine riesenlange Touristenschlange wartete. Also wieder nichts. Dabei nicht mal Ostern und der fruehe Gottesdienst, der angeblich nicht so voll sein sollte. Also starten wir vielleicht in zwei Wochen noch mal einen Versuch und sind um Punkt 7am vor der Kirche um um 9am in den Gottesdienst zu kommen... Etwas gefrustet fanden wir ein kleines, gemuetliches fanzoesisches Cafe, das uns mit heissem Kakao und Gebaeck ein aufmunterndes Fruestueck verschaffte. Mit neuer Energie bildeten wir uns im Museum of the City of New York weiter um dann einen weiteren multikulturellen Eindruck von Queens zu bekommen. Wir fuhren mit der Linie 7, die zum grossen Teil ueberirdisch faehrt (grosses "+"!), bis zur Endstation nach Flushing. Da ist doch tatsaechlich auch mein Urgrossvater Anfang des 20. Jahrhunderts hin ausgewandert. Allerdings gibts da heute eher Asiaten - und zwar ausschliesslich. Kaum stieg man aus der subway gab es nur noch chinesische Schriftzeichen und Chinesen. Wir gingen in ein - selbstverstaendlich chniesisches - Schnellrestaurant, in dem man fuer 4,99$ eine Algensuppe (oder so) + eine riesige Portion Reis mit 4 Komponenten nach Wahl (z.B. Gemuese in allen moeglichen Saussen, Fleisch, Fisch etc.) + eine Flasche Wasser + eine Orange bekam. Wahnsinn! Der Preis war super, das Essen dem einen oder anderen vielleicht doch etwas unheimlich - insbesondere als wir danach in einem Supermarkt lebendige Froesche und entpanzerte Schildkroeten sahen... Aber meins war glaub ich Chicken. Anschliessend machten wir noch DIE kulinarische Entdeckung: Bubble Tea! Das ist eine farbige milchige Fluessigkeit (wir nahmen das Original, naemlich Taro, eine lilane Fluessigkeit) mit Bubbles, also kleinen runden geleeartigen Einlagen. Dazu bekam man einen sehr dicken Strohhalm. Klar, damit die Bubbles auch durchpassten. Richtig suess, aber wirklich ganz lecker. Wir liefen noch etwas durch die Strassen und Laeden, die alle sehr fremd wirkten. Asien ist fuer mich glaube ich tatsaechlich die fremdeste Kultur und trotzdem oder gerade daher reizt es mich auch als Reiseziel gar nicht so sehr. Wir waren dann aber alle doch relativ kaputt, so dass jeder in seine Richtung fuhr und ich nach einem dringend noetigen Einkauf auch am fruehen Abend wieder zu Hause war. Z.B. in genau 3 Wochen, wenn ich fuer eine Nacht in Goettingen bin. Oh ja, so schnell vergeht die Zeit. Nebenbei habe ich diesen Bericht jetzt eben zu Hause zu ende geschrieben. Und hab ichs oben nicht gesagt? Ich war um Viertel vor 7pm zu Hause... Werde jetzt noch etwas Lesen und dann vermutlich auch mal wieder ziemlich bald ins Land der Traeume entschwinden. Immerhin, gestern war ich nicht langweilig! ;-) 5月10日 Einen ruhigen Abend...... mache ich mir heute mal. Ganz entspannt und etwas müde sitze ich nun an unserem Küchen-/Gemeinschaftstisch und muss erstmal überlegen, wo ich beim meinem letzten Eintrag stehengeblieben war. Daran, dass der schon länger her ist, könnt Ihr ersehen, dass ich ganz schön busy bin. Hab Euch natürlich trotzdem nicht vergessen. Aber wie meistens ist nicht zu hören ein gutes Zeichen.
Das erwähnte studentische Konzert an der Columbia Universität war wirklich beeindruckend. Eigentlich alle Musiker hatten Preise gewonnen und in größeren Orchestern Soli gespielt. Dementsprechend war das Niveau relativ hoch - so hoch, dass es mir z.T. zu modern wurde und wirklich alles nur noch sehr experimentell klang.
Am nächsten Tag war Freitag und mein letzter Tag in der Kardiologie. Die 4 Wochen waren durchwachsen gewesen, aber ich habe wirklich etwas lernen können. Dr. Rubinstein setzte sich auch noch einmal mit uns 3 elective Studenten zusammen und besprach die Einschätzung von Studien und den verschiedenen Studiendesigns mit uns, was so sinnvoll ist, aber meiner Meinung nach bei uns in der Uni viel zu wenig Beachtung findet. Welche Studie glaubt man bzw. hält man für aussagekräftig und ist nicht nur auf Profit aus, sondern auf eine Verbesserung der Qualität in der Medizin. Glücklicherweise fand dieses Treffen schon morgens statt, so dass ich mich dann einfach gegen 2pm nach Danke (besonders im Echo) und Tschüß noch schnell nach Hause fahren konnte, bevor ich mich um 5pm in der 5th Avenue mit Aila traf. Vor etwa 2 Wochen hatte uns auf der Straße ein Typ angesprochen, der uns ein promotion Beauty-Programm andrehen wollte. Und, na ja, als wir ihn durch unsere Unentschlossenheit solange runtergehandelt hatten, dass jeder von uns 2 Beauty-Programme für nur 30$ gesamt erhalten sollte, wililigten wir ein. An diesem Freitag hatten wir also unseren ersten Termin, bei dem wir eine Gesichtsbehandlung und Massage bekamen und ich auch, wo wir schon mal dabei waren, das erste Mal eine Maniküre ausprobierte. Na ja, war ne Erfahrung wert, aber geht auch ohne. Natürlich versuchten die Leute da uns die ganze Zeit noch etwas azusätzliches anzudrehen, aber wir blieben hart. Anschließend ging ich noch mit Chrissi und ihren Mitbewohnerinnen ins East Village in eine Kirche, in deren ersten Stockwerk eine Laientheatergruppe spielte und sang. Kurz gesagt stellten sie ein Chorwochenende nach, mit allem was dazugehört: singen, essen, lästern... Wirklich sehr originalgetreu. Das ist wohl auf der ganzen Welt gleich. Nebenbei wurde auch noch ein interkultureller Aspekt behandelt, klar, durfte in NYC ja nicht fehlen.
Am Samstagmorgen waren Aila und ich zu unserem 2. Termin wieder in diesem Beauty-Salon, wo wir jeder ein Waschen-Schneiden-Föhnen-Programm bekamen. Meine Haare sind ab, juchu, der Sommer kann kommen (s. Fotos)! Eigentlich wollten wir danach ins Museum, aber weil das Wetter so gut war blieben wir draussen - mit kleinen Besuchen des einen oder anderen Klamottenladens... Abends trafen wir uns dann mit Chrissi in Soho, wo wir in eine Geheimtipp-Bar gingen. Es war in einer kleinen Nebenstraße, schon eher Chinatown, alle Schilder auf Chinesisch, es war ziemlich düster, roch nach Gosse... Und dann war da eine Tür mit einem Türsteher davor. Noch immer eher unscheinbar. Er meinte, es wäre eine private Party, aber gut, wir drei dürften rein. Drinnen war ein sehr schicker, etwas barocker und schummriger großer Raum mit einer langen Theke am Ende des Raums. Die Barkeeper trugen Apothekerkittel und hantierten mit bunten Apothekerflaschen herum. Die Cocktailpreise waren zwar gesalzen, aber das wars wert (und es gab sogar auf mein Nachfragen einen spontanen Alkoholfreien Cocktail, sehr lecker und ausgefallen!). Die Cocktails hatten auch alle Medikamentennamen und waren auf der Karte je nach Wirkung unterschieden (Analgetisch, etc). Die Musik war auch ein toller Mix. Allerdings tanzte keiner. Nach und nach kamen immer mehr Gäste, scheinbar Kinder reicher Eltern. Fanden sich sehr wichtig und benahmen sich affektiert und aufgesetzt. Wir machten uns dann weiter auf der Weg ins Meatpacking District, das stylische Ausgehviertel. Wieder ähnliches Klientel, überall fuhren Limousinen rum und die aufgestylten Frauen (der Wahnsinn!) beteten ihre Typen an. Boah! Wir wollten vor allem einfach mal wieder Tanzen, sind dann auch in einen Club reingegangen (ATP oder so), aber getanzt hat da keiner. Aufschicken, gesehen werden und Männer aufreissen - das ist das Ziel der Frauen im Meatpacking District. Z.T. schon etwas beschämend für die Frauenwelt... Wir haben dann eben einfach als einzige getanzt und haben dann noch ein bisschen Leute und Limousinen geguckt.
Sonntag hatte ich Glück und Timo, Aila und ihre Tante, bei der sie wohnt, kamen nach Brooklyn, in meine neighbourhood. So konnte in entspannt Ausschlafen und mit nem großen Kaffee bewaffnet zu Fuß zum Prospect Park gehen - zwar auch ne Stunde, aber besser als die Stunden in der subway. Brauchte Auslauf! Im Botanic Garden neben dem Prospect Park wurde das Japanische Kirschblütenfest gefeiert und Timo und Ailas Tante, die beide schon mal kürzer oder länger in Japan waren, konnten uns in die geheimnisvolle Welt Japans einführen. Leider regnete es die ganze Zeit, aber zum Glück gab es ein großes Zelt mit einer Bühne, auf der getrommelt und getanzt wurde. Die rosablühenden Kirschblüten sahen auch im Regen toll aus. Es gab auch japanisches Essen, so aß ich das erste Mal in meinem Leben japanisch - mit Algen, Sushi und Bohnenmußkeksen zum Nachtisch. Hm, joa, war ne Erfahrung wert, ist aber nicht so mein Ding. Sehr fremder Geschmack. Das Sushi war noch am Besten.
Am nächsten Morgen war mir so schlecht und mein Kreislauf so lahm, dass ich zu Hause blieb (keine Lebensmittelvergiftung, den anderen gings gut). Vielleicht brauchte ich auch einfach mal einen Tag Ruhe. Den hatte ich schließlich schon seit ?? nicht mehr. Ich schlief also, las in meinem super tollen amerikanischen Mikrobiobuch (das ist wirklich so toll, les das erste Mal was über Viren, Pilze etc., dass ich mir scheinbar merke...) und ging kurz meinen Kühlschrank auffüllen.
Am Dienstag gings mir wieder besser und ich konnte meinen ersten Tag in der neuen Abteilung, nämlich Infectious Diseases (ID), beginnen. Da die Arbeit dort erst um 9am anfängt, gehe ich einfach weiter von 8-9am zur kardiologischen Morgenkonferenz, die sind meist sehr informativ. Dieser Dienstag war wohl der absolute Chaostag. Ich hatte ja keinen Vergleich, aber das meinten alle anderen Studenten. Wir waren tatsächlich mit 7 Stunden in ID, dann gibt es eine fellow (Assistenzärztin) und den attending (gibt glaub ich 3, die sich monatsweise abwechseln mit der Zuständigkeit für die consults). Wir 9 sind zusammen verantwortlich für die consults. Die meisten Abteilungen in den Krankenhäusern hier haben keine eigene Stationen. Es gibt Stationsteams (z.B. für Innere Medizin, für Chirurgie etc.) und die rufen dann immer die consult-teams der unterschiedlichen Abteilungen. Wenn also jemand eine nicht ganz billige Infektion hat, werden wir gerufen und sollen einen Rat abgeben. Die Aufgabe der Studenten ist die Aufnahme der neuen Patienten (Anamnese, Befunde, Untersuchung etc. zusammentragen) und das follow-up, also die weitere Verfolgung der Patienten, der Entwicklung ihrer klinischen Befunde etc. Wenn die Patienten entlassen werden oder wir das Problem gelöst haben machen wir den "sign-off", verlassen also den Patienten und überlassen ihn seinen primär behandelnden Ärzten. Um 12am ist dann wie gewohnt die internistische lunch-Konferenz und danach ist die round (Visite) mit dem fellow und dem attending, in der wir Studenten die neuen Patienten vorstellen und den Verlauf der alten berichten. Der attending fragt uns dann immer, was wir jetzt machen würden, über dies und jenes denken. Die Fellow ist immer auf dem Laufenden über alles, verteilt die Patienten an uns und findet trotz wirklich viel Arbeit noch die Zeit uns zu unterrichten. Die ist wirklich super, kann am Telefon zu Kollegen sehr harsch sein, wenn sie meint, jemand verschwendet ihre Zeit, mit uns ist sie aber immer super, will, dass wir auf jeden Fall was lernen. Sie meinte, ihr Ziel ist es, das wir nach diesem elective keine Leute mit Infektionskrankheiten umbringen. Klingt banal, ist es aber nicht unbedingt, wenn man sich ansieht, wieviel oder wenig Ahnung Ärzte allgemein von Infektiologie und Antibiotikatherapie haben. Der attending kommt ursprünglich aus Argentinien und ist auch nett, und erzählt gerne viel. Über Infektionen, aber auch über Gesundheitspolitik oder einfach ganz andere Themen. Daher dauern die rounds auch immer etwas länger... Aber meist ist es ziemlich interessant. Ich merke aber auch, dass mein Wissen in Infektiologie wirklich zu wünschen übrig lässt, mich aber wirklich fasziniert. Ich lese jeden Tag Sachen nach und es ist so spannend! Das Gute ist, dass ich die ganze Zeit etwas zu tun habe. Auch wenn ich morgens nur meine follow ups mache und keinen neuen Patienten habe, setze ich mich nach den follow-ups in die Bibliothek und lese Sachen nach. In Kardio wusste ich einfach schon mehr, konnte daher in den rounds auch gut folgen, kannte die Begriffe. In Infektiologie gibts wieder neue Abkürzungen, neue Medikamentennamen (und sie sagen nie die Wirkstoffe!) und eine große Menge neues Wissen, dass es zu erlangen gibt. Aber wie gesagt: ich bin völlig begeistert und finde Infektiologie super spannend, so dass ich mein Möglichstes tue zumindest das basic Wissen in den Kopf zu bekommen, eine gewisse Struktur zu erstellen! Infektiologie hat auch so viele soziopolitische Aspekte. Wusstet ihr, dass HIV in den 70er/80er Jahren u.a. so doll verbreitet wurde, weil die Bluttransfusionen den Virus enthielten - und insbesondere homosexuelle Männer Blut spendeten, weil in ihrer community eben soziales Verhalten (zu dem auch Blutspenden gehört) besonders stark ausgeprägt war... Das meinte jedenfalls mein attending, der zwar schon sehr polarisiert, aber wirklich viel Erfahrung hat. Zwischendurch, wenn wir rounden (in seinem Büro, neue Patienten gucken wir im Anschluss auch auf Station an), rufen oft HIV-Patienten an, die Fragen haben. HIV ist hier sowieso eher eine Nebendiagnose, da so viele Leute den Virus haben...
Okay, jedenfalls war der erste Tag so chaotisch, dass wir morgens direkt mit Dr. Salama, dem attending, Fälle besprachen, dann Prof. Bettone, einen 80-jährigen Professor vom Mount Sinai, der wohl in der Infektiologie nen ganz schönen Namen hat, trafen und mit ihm ein bisschen Malaria und Herpes mikroskopierten. Der war echt urig... Dann wars auch schon 2pm und wir hatten noch nichts gegessen. Was wir dann taten. Und um 3pm bekam ich 2 neue consults. noch jemand ein neues und der Rest keine. Keine Ahnung, was die anderen machten, ich war jedenfall bis 5pm beschäftigt und dann auch ganz gut kaputt. So war ich um 6 zu Hause und arbeitete noch bis halb 9 an meinen Patienten-histories bis ich ins Bett fiel und sofort einschlief.
Dafür waren die nächsten Tage wirklich ruhiger und organisierter (verliefen also so, wie ich die normalen Tage oben beschrieben hatte). In meiner ersten Woche hatte ich 3 eigene Patienten (einen mit zentralem Fieber bei Schädel-Hirn-Trauma, dem wir also seine Antibiotika wegnehmen konnten, eine Gefängnisinsassin mit Clostridium diffile dank ihrer Pneumonie-Antibiotika und einen jungen Patienten, mit riesigen Pleuraergüssen und Nierenabszess mit Staph. aureus, Tbc haben wir schon ausgeschlossen und suchen jetzt nach Gründen... Also Detektivspielen wie bei Dr. House - der doch auch Infektiologe ist, oder?
Abends war ich unter der Woche so kaputt (um kurz vor 7am aus dem Haus, gegen 6pm wieder zu Hause), dass ich abends zwischen 8 und 9pm ins Bett fiel. Gestern war Freitag, also konnte das Wochenende eingeläutet werden! So traf ich mich direkt nach der Arbeit mit Timo vor der Metropolitan Opera. Wir gingen erst was essen (mein erster typisch NYC-belegter Bagel: mit Cream Cheese und Salomon) und dann mit Chrissi und noch zwei anderen elective Studenten in Verdis Il Trovatore. Boah, Schnulze hoch 500! Hätt ich ja nicht gedacht, aber ich fand Wagner neulich besser - obwohl viel langatmiger und düsterer. Aber nicht so extrem Herzschmerz-kitschig! Wobei natürlich die Chorszenen bei Verdi was Besonderes sind. Anschließend fuhr ich mit Timo nach Brooklyn, wo eine Party mit Elektromusik sein sollte - also vielleicht endlich mal eine Gelegenheit zum Tanzen...?! Als wir ankamen, sahen wir nur Teenies, dann kam eine Rhythmus-Elektro-2Mann-Band, die ich gar nicht so schlecht fand, Timo, naja... Aber irgendwann, nachdem wir Zeuge typischer Teeny-Szenen wie, nein, zu eklig. Also, danach wurde die Musik wieder besser, das Publikum älter und mitten im Tanzen kamen auch noch Aila und einige andere students dazu. War wirklich ne super Party, mit guter Musik, alternativen Leuten, nicht dieses Schnittenstolzieren, sondern einfach Tanzen! So war ich dann gegen 4am zufrieden im Bett.
Samstag! Heute also. Puh, gleich habt ihrs geschafft... ;-) Lange schlafen konnte ich nicht, aber 5 Stunden sollten auch reichen, bin ja noch jung...! Ich fuhr nach Manhattan und ging ins New Museum of Contemporary Art. Alleine, wir hatten nichts verabredet. War eigentlich mal wieder ganz schön, einfach alles in meinem Tempo zu machen, kein Warten oder... Wirklich empfehlenswert! Sehr modern, gemalt, gespielt, hingestellt... Dank meinem AudioGuide verstand ich sogar die Bananenschale in der Ecke auf dem Boden, die "Kinderbilder", die eine ganze riesige Wand füllten, die zwei chaotischen Räume nebeneinander, in denen verrückte Szenen auf einer Leinwand liefen... Anschließend fuhr ich zu Ground Zero, neben dem DER Klamottenladen ist. Na ja, sollte er jedenfalls sein. Klar, schon viele Markenklamotten für wenig Geld, aber ich fand es sehr ramschig. Timo kam auch noch nach und zu zweit durchforsteten wir die Etagen des Einkaufschaos. Ein Paar reduzierte Schuhe, nicht schlecht für meinen Finanzstatus. Und die brauchte ich sogar... ;-)
Nachdem ich noch schnell in den Supermarkt sprang und mein Abendessen sicherte fuhr ich endlich nach Hause. Puh, schon wieder 7pm. Und dabei wollte ich doch so entspannt den ganzen Abend Blogschreiben, E-Mails beantworten, Lesen... Aber jetzt, um Viertel vor 10pm, habe ich doch nur den Blogeintrag geschafft und gehe ins Bett. Sorry, aber ich beantworte alle mail, freu mich über jede einzelne! Und ich freu mich schon auf Morgen, Frick´s Collection - und dann vielleicht noch ein bisschen shoppen... Ich muss ja meine letzten 4 Wochen in NYC noch einmal invollen Zügen nutzen und genießen! Aber da bin ich sehr, sehr optimistisch!! :-) |
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