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June 16 gut angekommen Hallo liebe Marina-Fans, sie ist gut in Malawi angekommen und hat heute bereits ihren zweiten Tag in der Klinik hinter sich. Im Hostel hat sie jetzt ein Zimmer für sich und ne Menge netter Leute aus ganz Europa und Australien um sich. In der Klinik scheint es zum Teil gut organisiert zu sein, z.B. hat ihr ein deutscher Arzt erstmal einen netten Stundenplan nach ihren Interessen zusammengestellt. Das einzige Problem ist, dass sie in der Klinik nur einen schlechten Internetzugang hat, deswegen schreib ich auch erstmal was in ihren Blog. Sms kommen bei ihr an, allerdings kann sie aus irgendeinem Grund nich zurückschreiben, es kommt jedenfalls nichts zurück. Telefonieren ist aber kein Problem, und mit z.B. der 010029 oder 01056 kostet das ca. 9 Cent/Min und sie kostet es gar nichts :-) lg aus Göttingen Andre (ihr Freund, für alle, die mich noch nicht kennen...) June 08 Abschied von New YorkLang lang ists her, dass ich das letzte Mal in den Blog geschrieben habe. Wer sich noch erinnert: ein Satz lautete etwa "ich habe keine Lust immer nach der Arbeit so kaputt zu sein und gleich ins Bett zu gehen". Ja, das habe ich dann auch nicht mehr gemacht, war die ganze Zeit unterwegs, hab viel gesehen, bin viel rumgelaufen und hatte wirklich tolle, intensive letzte 3 Wochen.
Einige Highlights waren das Whitney Museum, ein weitere Besuch des Metropolitan Museum (das könnte ich noch sooo oft rein gehen, und hätte immer noch nicht alles interessante gesehen), das Guggenheim Museum (besonders wegen seiner Architektur ein Muss), das American Museum of Natural History, eine Walking Tour zum Thema 9/11 um Ground Zero herum, Tagestouren nach Boston und Washington D.C., ein Konzert von Art Brut in einer kleinen Kneipe und schließlich die West Side Story am Broadway! Dafür habe ich 4 Mal bei der Lotterie mitgemacht und 4 Mal nicht gewonnen. Aber ich wollte so dringend rein, dass ich mir dann doch die teuren Normalpreis Tickets besorgt habe. Und es hat sich wirklich gelohnt!! Ganz tolle Sänger in einem ganz tollen Arrangement in Englisch und Spanisch!
Gestern hatte ich noch einen wirklich schönen, warmen, sonnigen letzten NYC-Tag, bin stundenlang den Broadway runtergelaufen, hab die letzten wichtigen Dinge von meiner Shoppingliste abhaken können und habe tatsächlich mein Buch, das ich auf dem Hinflug in London-Heathrow angefangen hatte bei Stops in diversen Parks (Union Square, Battery Park mit Blick auf die Statue of Liberty...) zu Ende gelesen.
Jetzt kann ich mit dem wirklich zufriedenen Gefühl eine Menge erlebt, gesehen und gelernt zu haben und dem Vorhaben auf jeden Fall wieder in diese wahnsinigg pulsierende und abwechslungsreiche Stadt zurückzukehren mit einem lachenden und einem weinenden Auge abreisen. Meine Koffer sind gepackt (ja, zu meinem Standard-70l-Rucksack ist noch ein weiteres Gepäckstück hinzugekommen - es lebe das Freigepäck von 2x23kg!), gleich werde ich noch ein letztes Mal in mein Lieblingscafé gehen und mir einen großen Kaffee und irgendein Gebäck mit Pumpkin zum Frühstück besorgen, dann ganz entspannt mit meinem gesamten Hab und Gut in die subway steigen und heute Abend um 19:05 meiner Zeit abheben. Im Krankenhaus habe ich durchs Fenster immer die Flugzeuge gesehen, die von JKF abheben und je nach Stimmung wollte ich mit oder dachte, ätsch, ich kann noch bleiben. Jetzt sitze ich also auch gleich in einem und es fühlt sich richtig an. Ich konnte hier wirklich einen tollen Einblick sowohl in die amerikanische Medizin als auch den Lebensstil bekommen - auch wenn NYC wohl eher nicht repräsentativ für die USA ist, aber immerhin ein Anfang. Morgen, Dienstag, lande ich um 13:20 in Frankfurt, fahre dann nach Göttingen, wo ich eine Nacht bleibe, packe dann schnell meine Sachen bei meinen Eltern um, lasse mich verwöhnen und fliege am Freitag wieder los - auf nach Malawi. Ich fühle mich schon etwas gestresst, wenn ich dran denke, was ich in der kurzen Zeit zu Hause noch mal eben alles erledigen muss, aber ich habs mir ja selbst ausgesucht. Und außerdem bin ich ja noch jung! ;-) May 20 Kein TitelEin kurzer Einfuehrungssatz fuer alle, die nicht so viel Zeit zum Lesen haben: Mir gehts gut, ich lerne viel, habe spannende Patienten und bin immer noch gesund - und das nach 2,5 Wochen in Mitten der Infectious Diseases... ;-) So bin ich also nach wie vor engagiert von 8-9am in der Fruehkonferenz der Kardio um nebenbei noch etwas Kardio zu lernen und dann direkt im Anschluss bis zwischen 4 und 6pm in der Infektiologie unterwegs. Irgendwie wurden die Visiten im Laufe der Zeit immer laenger. Das finde ich eigentlich nicht schlimm, weil man wirklich was lernen kann, aber der attending macht dann auch immer noch so Zwischenkram, telefoniert mit seiner Familie etc. um zu klaeren, welches Kind welchen Freund wann mit nach Hause bringt etc. Gerade sitze ich in der Bibliothek des Krankenhauses und warte, dass es 3pm wird und wir endlich mitder Visite anfangen koennen. Der attending ist naemlich gerade noch irgendwie anders beschaeftigt. Normalerweise fangen wir gegen halb 2pm an und das dauert dann eben so im Durchschnitt bis 5 oder etwas spaeter. Mal gucken, wie lange das dann heute geht. Wir besprechen dann zuerst immer die follow-ups, das heisst die Verlaufsbeobachtungen unserer alten Patienten, und danach besprechen wir die neuen Faelle. Heute hat jeder von uns ein neues consult bekommen, also stellt jeder erst den Fall vor und dann gucken wir uns die neuen Patienten zusammen an. Weil der Tag so immer recht lang und halbwegs anstrengend ist, war ich dann letzte Woche etwas langweilig unterwegs - naemlich immer so zwischen 8 und 9pm im Bett. Und ich konnte wirklich gut bis um halb 6am schlafen. Klar, Freitagabend war ich natuerlich fit genug um noch was zu machen. Wochenenden muessen schliesslich ausgenutzt werden. So war ich mit Aila und Timo im SOB's, einem Salsa-Club bei Soho. Von 7-8pm war ne Salsastunde auf der supervollen Tanzflaeche und danach sind wir erstmal nebenan im mexikanischen Schnellimbiss eingekehrt und haben Abendbrot - oder auch Abendburrito - gegessen. Danach wars aber noch richtig toll. Wie immer, wenn man neu irgendwo hin kommt, wo keiner weiss wie man so tanzt, muss man sich erstmal bewaehren, also mit den ganzen Spaten tanzen. Und dann sehen die guten Taenzer, dass mans halbwegs hinkriegt und man arbeitet sich sozusagen hoch. So war das in Goettingen, Bremen, Guatemala - und eben auch in New York. Zum Schluss wars richtig super und ich hatte viel Spass bei irgendwelchen Fallfiguren mit nem richtig gut tanzenden Elektroingenieur aus der Bronx, der die ganze Zeit seinen Hut aufhatte. Witzig war auch, dass ein anderer Guter, mit dem ich tanzte irgendwann erzaehlte er sei Arzt, wuerde jetzt in der Psychiatrie anfangen. Ja ja, die Mediziner sind eben ueberall. Nebenbei hatte er gerade einen Sprachkurs in Oesterreich gemacht. Vielleicht treffen wir uns ja mal zum Tanzen irgendwo in Deutschland... Samstag traf ich mich mit Chrissie und Aila in Coney Island. Das ist das Vergnuegungs-Strand-Viertel im Sueden Brooklyns. Allerdings war es eher deprimierend, leer und abgerissen, so dass wir uns nach einem Spaziergang auf der Strandpromenade und einem kurzen Gang durch die Einkaufsstrasse mit russischen Laeden (ueberall kyrillische Buchstaben) wieder in die subway schwangen. Heute waren wir ja in meinem Viertel und so wollte ich natürlich zeigen, was Brooklyn alles so zu bieten hat. Ab zum Prospect Park, der einfach wirklich schoen, ruhig, eine gruene Oase ist. Einmal durch von Ost nach West und wir waren in Park Slope, einem jungen und gruenen eher alternativ-wohlhabenden Viertel, mit schoenen Cafes und Laeden. Dann nach einem Double-Chocolate-Muffin mit Chrissie weiter nach Williamsburg, dem hippen Viertel, wieder mit vielen netten Cafes und eher second hand Laeden, studentisch, mit jungen Leuten mit Gitarren, beim Picknicken im Park oder einfach durch den sonnigen Tag schlendern. Eigentlich war im Tageplan noch ein Museum enthalten, aber wir waren doch so kaputt, dass wir einfach nach Manhattan rueberfuhren (Brooklyn hatte - wie erwartet *g* - begeistert) und uns mit Timo in Hell´s kitchen beim Food Festival trafen, im westlichen Mitdtown war ueber mehrere Blocks eine Avenue gesperrt und ueberall waren Staende mit internationalem Essen und Souvenirs aufgebaut. Genau das richtige um sich fuer den kulturellen Teil des Tages zu staerken. Wir trafen uns naemlich weng spaeter wieder mit Aila am Lincoln Center, gingen noch schnell in Le Pain Quotidien, einen super franzoesisch-belgischen oder so etwas schickeren Imbiss mit tollem Brot, Kaese etc., und dann ab ins Ballett. Eigentlich hatte ich nach meiner eher maessigen Erfahrung im Ballett im Hildesheimer Stadttheater, wo ein sehr moderner Hamlet aufgefuehrt wurde, Ballett als wohl doch eher nichts fuer mich ad acta gelegt, aber dieser Abend mit Prokoviefs Romeo und Julia war wirklich beeindruckend und einfach schoen. Tolle Musik, tolle Taenzer, insbesondere "Julia" - und sooo romantisch *schmacht*... ;-) Sonntag wurde der naechste Versuch gestartet einen der hochgelobten Gospelgottesdienste in der Abyssinian Church in Harlem zu erleben. Man erinnere sich: Ostersonntag waren wir nicht reingekommen. Ich stand also nicht wirklich ausgeschlafen um 6 auf, traf Chrissie, Aila und Suzin in der Upper West Side und um kurz vor 9am waren wir an der Abyssinian Church - vor der wieder eine riesenlange Touristenschlange wartete. Also wieder nichts. Dabei nicht mal Ostern und der fruehe Gottesdienst, der angeblich nicht so voll sein sollte. Also starten wir vielleicht in zwei Wochen noch mal einen Versuch und sind um Punkt 7am vor der Kirche um um 9am in den Gottesdienst zu kommen... Etwas gefrustet fanden wir ein kleines, gemuetliches fanzoesisches Cafe, das uns mit heissem Kakao und Gebaeck ein aufmunterndes Fruestueck verschaffte. Mit neuer Energie bildeten wir uns im Museum of the City of New York weiter um dann einen weiteren multikulturellen Eindruck von Queens zu bekommen. Wir fuhren mit der Linie 7, die zum grossen Teil ueberirdisch faehrt (grosses "+"!), bis zur Endstation nach Flushing. Da ist doch tatsaechlich auch mein Urgrossvater Anfang des 20. Jahrhunderts hin ausgewandert. Allerdings gibts da heute eher Asiaten - und zwar ausschliesslich. Kaum stieg man aus der subway gab es nur noch chinesische Schriftzeichen und Chinesen. Wir gingen in ein - selbstverstaendlich chniesisches - Schnellrestaurant, in dem man fuer 4,99$ eine Algensuppe (oder so) + eine riesige Portion Reis mit 4 Komponenten nach Wahl (z.B. Gemuese in allen moeglichen Saussen, Fleisch, Fisch etc.) + eine Flasche Wasser + eine Orange bekam. Wahnsinn! Der Preis war super, das Essen dem einen oder anderen vielleicht doch etwas unheimlich - insbesondere als wir danach in einem Supermarkt lebendige Froesche und entpanzerte Schildkroeten sahen... Aber meins war glaub ich Chicken. Anschliessend machten wir noch DIE kulinarische Entdeckung: Bubble Tea! Das ist eine farbige milchige Fluessigkeit (wir nahmen das Original, naemlich Taro, eine lilane Fluessigkeit) mit Bubbles, also kleinen runden geleeartigen Einlagen. Dazu bekam man einen sehr dicken Strohhalm. Klar, damit die Bubbles auch durchpassten. Richtig suess, aber wirklich ganz lecker. Wir liefen noch etwas durch die Strassen und Laeden, die alle sehr fremd wirkten. Asien ist fuer mich glaube ich tatsaechlich die fremdeste Kultur und trotzdem oder gerade daher reizt es mich auch als Reiseziel gar nicht so sehr. Wir waren dann aber alle doch relativ kaputt, so dass jeder in seine Richtung fuhr und ich nach einem dringend noetigen Einkauf auch am fruehen Abend wieder zu Hause war. Z.B. in genau 3 Wochen, wenn ich fuer eine Nacht in Goettingen bin. Oh ja, so schnell vergeht die Zeit. Nebenbei habe ich diesen Bericht jetzt eben zu Hause zu ende geschrieben. Und hab ichs oben nicht gesagt? Ich war um Viertel vor 7pm zu Hause... Werde jetzt noch etwas Lesen und dann vermutlich auch mal wieder ziemlich bald ins Land der Traeume entschwinden. Immerhin, gestern war ich nicht langweilig! ;-) May 10 Einen ruhigen Abend...... mache ich mir heute mal. Ganz entspannt und etwas müde sitze ich nun an unserem Küchen-/Gemeinschaftstisch und muss erstmal überlegen, wo ich beim meinem letzten Eintrag stehengeblieben war. Daran, dass der schon länger her ist, könnt Ihr ersehen, dass ich ganz schön busy bin. Hab Euch natürlich trotzdem nicht vergessen. Aber wie meistens ist nicht zu hören ein gutes Zeichen.
Das erwähnte studentische Konzert an der Columbia Universität war wirklich beeindruckend. Eigentlich alle Musiker hatten Preise gewonnen und in größeren Orchestern Soli gespielt. Dementsprechend war das Niveau relativ hoch - so hoch, dass es mir z.T. zu modern wurde und wirklich alles nur noch sehr experimentell klang.
Am nächsten Tag war Freitag und mein letzter Tag in der Kardiologie. Die 4 Wochen waren durchwachsen gewesen, aber ich habe wirklich etwas lernen können. Dr. Rubinstein setzte sich auch noch einmal mit uns 3 elective Studenten zusammen und besprach die Einschätzung von Studien und den verschiedenen Studiendesigns mit uns, was so sinnvoll ist, aber meiner Meinung nach bei uns in der Uni viel zu wenig Beachtung findet. Welche Studie glaubt man bzw. hält man für aussagekräftig und ist nicht nur auf Profit aus, sondern auf eine Verbesserung der Qualität in der Medizin. Glücklicherweise fand dieses Treffen schon morgens statt, so dass ich mich dann einfach gegen 2pm nach Danke (besonders im Echo) und Tschüß noch schnell nach Hause fahren konnte, bevor ich mich um 5pm in der 5th Avenue mit Aila traf. Vor etwa 2 Wochen hatte uns auf der Straße ein Typ angesprochen, der uns ein promotion Beauty-Programm andrehen wollte. Und, na ja, als wir ihn durch unsere Unentschlossenheit solange runtergehandelt hatten, dass jeder von uns 2 Beauty-Programme für nur 30$ gesamt erhalten sollte, wililigten wir ein. An diesem Freitag hatten wir also unseren ersten Termin, bei dem wir eine Gesichtsbehandlung und Massage bekamen und ich auch, wo wir schon mal dabei waren, das erste Mal eine Maniküre ausprobierte. Na ja, war ne Erfahrung wert, aber geht auch ohne. Natürlich versuchten die Leute da uns die ganze Zeit noch etwas azusätzliches anzudrehen, aber wir blieben hart. Anschließend ging ich noch mit Chrissi und ihren Mitbewohnerinnen ins East Village in eine Kirche, in deren ersten Stockwerk eine Laientheatergruppe spielte und sang. Kurz gesagt stellten sie ein Chorwochenende nach, mit allem was dazugehört: singen, essen, lästern... Wirklich sehr originalgetreu. Das ist wohl auf der ganzen Welt gleich. Nebenbei wurde auch noch ein interkultureller Aspekt behandelt, klar, durfte in NYC ja nicht fehlen.
Am Samstagmorgen waren Aila und ich zu unserem 2. Termin wieder in diesem Beauty-Salon, wo wir jeder ein Waschen-Schneiden-Föhnen-Programm bekamen. Meine Haare sind ab, juchu, der Sommer kann kommen (s. Fotos)! Eigentlich wollten wir danach ins Museum, aber weil das Wetter so gut war blieben wir draussen - mit kleinen Besuchen des einen oder anderen Klamottenladens... Abends trafen wir uns dann mit Chrissi in Soho, wo wir in eine Geheimtipp-Bar gingen. Es war in einer kleinen Nebenstraße, schon eher Chinatown, alle Schilder auf Chinesisch, es war ziemlich düster, roch nach Gosse... Und dann war da eine Tür mit einem Türsteher davor. Noch immer eher unscheinbar. Er meinte, es wäre eine private Party, aber gut, wir drei dürften rein. Drinnen war ein sehr schicker, etwas barocker und schummriger großer Raum mit einer langen Theke am Ende des Raums. Die Barkeeper trugen Apothekerkittel und hantierten mit bunten Apothekerflaschen herum. Die Cocktailpreise waren zwar gesalzen, aber das wars wert (und es gab sogar auf mein Nachfragen einen spontanen Alkoholfreien Cocktail, sehr lecker und ausgefallen!). Die Cocktails hatten auch alle Medikamentennamen und waren auf der Karte je nach Wirkung unterschieden (Analgetisch, etc). Die Musik war auch ein toller Mix. Allerdings tanzte keiner. Nach und nach kamen immer mehr Gäste, scheinbar Kinder reicher Eltern. Fanden sich sehr wichtig und benahmen sich affektiert und aufgesetzt. Wir machten uns dann weiter auf der Weg ins Meatpacking District, das stylische Ausgehviertel. Wieder ähnliches Klientel, überall fuhren Limousinen rum und die aufgestylten Frauen (der Wahnsinn!) beteten ihre Typen an. Boah! Wir wollten vor allem einfach mal wieder Tanzen, sind dann auch in einen Club reingegangen (ATP oder so), aber getanzt hat da keiner. Aufschicken, gesehen werden und Männer aufreissen - das ist das Ziel der Frauen im Meatpacking District. Z.T. schon etwas beschämend für die Frauenwelt... Wir haben dann eben einfach als einzige getanzt und haben dann noch ein bisschen Leute und Limousinen geguckt.
Sonntag hatte ich Glück und Timo, Aila und ihre Tante, bei der sie wohnt, kamen nach Brooklyn, in meine neighbourhood. So konnte in entspannt Ausschlafen und mit nem großen Kaffee bewaffnet zu Fuß zum Prospect Park gehen - zwar auch ne Stunde, aber besser als die Stunden in der subway. Brauchte Auslauf! Im Botanic Garden neben dem Prospect Park wurde das Japanische Kirschblütenfest gefeiert und Timo und Ailas Tante, die beide schon mal kürzer oder länger in Japan waren, konnten uns in die geheimnisvolle Welt Japans einführen. Leider regnete es die ganze Zeit, aber zum Glück gab es ein großes Zelt mit einer Bühne, auf der getrommelt und getanzt wurde. Die rosablühenden Kirschblüten sahen auch im Regen toll aus. Es gab auch japanisches Essen, so aß ich das erste Mal in meinem Leben japanisch - mit Algen, Sushi und Bohnenmußkeksen zum Nachtisch. Hm, joa, war ne Erfahrung wert, ist aber nicht so mein Ding. Sehr fremder Geschmack. Das Sushi war noch am Besten.
Am nächsten Morgen war mir so schlecht und mein Kreislauf so lahm, dass ich zu Hause blieb (keine Lebensmittelvergiftung, den anderen gings gut). Vielleicht brauchte ich auch einfach mal einen Tag Ruhe. Den hatte ich schließlich schon seit ?? nicht mehr. Ich schlief also, las in meinem super tollen amerikanischen Mikrobiobuch (das ist wirklich so toll, les das erste Mal was über Viren, Pilze etc., dass ich mir scheinbar merke...) und ging kurz meinen Kühlschrank auffüllen.
Am Dienstag gings mir wieder besser und ich konnte meinen ersten Tag in der neuen Abteilung, nämlich Infectious Diseases (ID), beginnen. Da die Arbeit dort erst um 9am anfängt, gehe ich einfach weiter von 8-9am zur kardiologischen Morgenkonferenz, die sind meist sehr informativ. Dieser Dienstag war wohl der absolute Chaostag. Ich hatte ja keinen Vergleich, aber das meinten alle anderen Studenten. Wir waren tatsächlich mit 7 Stunden in ID, dann gibt es eine fellow (Assistenzärztin) und den attending (gibt glaub ich 3, die sich monatsweise abwechseln mit der Zuständigkeit für die consults). Wir 9 sind zusammen verantwortlich für die consults. Die meisten Abteilungen in den Krankenhäusern hier haben keine eigene Stationen. Es gibt Stationsteams (z.B. für Innere Medizin, für Chirurgie etc.) und die rufen dann immer die consult-teams der unterschiedlichen Abteilungen. Wenn also jemand eine nicht ganz billige Infektion hat, werden wir gerufen und sollen einen Rat abgeben. Die Aufgabe der Studenten ist die Aufnahme der neuen Patienten (Anamnese, Befunde, Untersuchung etc. zusammentragen) und das follow-up, also die weitere Verfolgung der Patienten, der Entwicklung ihrer klinischen Befunde etc. Wenn die Patienten entlassen werden oder wir das Problem gelöst haben machen wir den "sign-off", verlassen also den Patienten und überlassen ihn seinen primär behandelnden Ärzten. Um 12am ist dann wie gewohnt die internistische lunch-Konferenz und danach ist die round (Visite) mit dem fellow und dem attending, in der wir Studenten die neuen Patienten vorstellen und den Verlauf der alten berichten. Der attending fragt uns dann immer, was wir jetzt machen würden, über dies und jenes denken. Die Fellow ist immer auf dem Laufenden über alles, verteilt die Patienten an uns und findet trotz wirklich viel Arbeit noch die Zeit uns zu unterrichten. Die ist wirklich super, kann am Telefon zu Kollegen sehr harsch sein, wenn sie meint, jemand verschwendet ihre Zeit, mit uns ist sie aber immer super, will, dass wir auf jeden Fall was lernen. Sie meinte, ihr Ziel ist es, das wir nach diesem elective keine Leute mit Infektionskrankheiten umbringen. Klingt banal, ist es aber nicht unbedingt, wenn man sich ansieht, wieviel oder wenig Ahnung Ärzte allgemein von Infektiologie und Antibiotikatherapie haben. Der attending kommt ursprünglich aus Argentinien und ist auch nett, und erzählt gerne viel. Über Infektionen, aber auch über Gesundheitspolitik oder einfach ganz andere Themen. Daher dauern die rounds auch immer etwas länger... Aber meist ist es ziemlich interessant. Ich merke aber auch, dass mein Wissen in Infektiologie wirklich zu wünschen übrig lässt, mich aber wirklich fasziniert. Ich lese jeden Tag Sachen nach und es ist so spannend! Das Gute ist, dass ich die ganze Zeit etwas zu tun habe. Auch wenn ich morgens nur meine follow ups mache und keinen neuen Patienten habe, setze ich mich nach den follow-ups in die Bibliothek und lese Sachen nach. In Kardio wusste ich einfach schon mehr, konnte daher in den rounds auch gut folgen, kannte die Begriffe. In Infektiologie gibts wieder neue Abkürzungen, neue Medikamentennamen (und sie sagen nie die Wirkstoffe!) und eine große Menge neues Wissen, dass es zu erlangen gibt. Aber wie gesagt: ich bin völlig begeistert und finde Infektiologie super spannend, so dass ich mein Möglichstes tue zumindest das basic Wissen in den Kopf zu bekommen, eine gewisse Struktur zu erstellen! Infektiologie hat auch so viele soziopolitische Aspekte. Wusstet ihr, dass HIV in den 70er/80er Jahren u.a. so doll verbreitet wurde, weil die Bluttransfusionen den Virus enthielten - und insbesondere homosexuelle Männer Blut spendeten, weil in ihrer community eben soziales Verhalten (zu dem auch Blutspenden gehört) besonders stark ausgeprägt war... Das meinte jedenfalls mein attending, der zwar schon sehr polarisiert, aber wirklich viel Erfahrung hat. Zwischendurch, wenn wir rounden (in seinem Büro, neue Patienten gucken wir im Anschluss auch auf Station an), rufen oft HIV-Patienten an, die Fragen haben. HIV ist hier sowieso eher eine Nebendiagnose, da so viele Leute den Virus haben...
Okay, jedenfalls war der erste Tag so chaotisch, dass wir morgens direkt mit Dr. Salama, dem attending, Fälle besprachen, dann Prof. Bettone, einen 80-jährigen Professor vom Mount Sinai, der wohl in der Infektiologie nen ganz schönen Namen hat, trafen und mit ihm ein bisschen Malaria und Herpes mikroskopierten. Der war echt urig... Dann wars auch schon 2pm und wir hatten noch nichts gegessen. Was wir dann taten. Und um 3pm bekam ich 2 neue consults. noch jemand ein neues und der Rest keine. Keine Ahnung, was die anderen machten, ich war jedenfall bis 5pm beschäftigt und dann auch ganz gut kaputt. So war ich um 6 zu Hause und arbeitete noch bis halb 9 an meinen Patienten-histories bis ich ins Bett fiel und sofort einschlief.
Dafür waren die nächsten Tage wirklich ruhiger und organisierter (verliefen also so, wie ich die normalen Tage oben beschrieben hatte). In meiner ersten Woche hatte ich 3 eigene Patienten (einen mit zentralem Fieber bei Schädel-Hirn-Trauma, dem wir also seine Antibiotika wegnehmen konnten, eine Gefängnisinsassin mit Clostridium diffile dank ihrer Pneumonie-Antibiotika und einen jungen Patienten, mit riesigen Pleuraergüssen und Nierenabszess mit Staph. aureus, Tbc haben wir schon ausgeschlossen und suchen jetzt nach Gründen... Also Detektivspielen wie bei Dr. House - der doch auch Infektiologe ist, oder?
Abends war ich unter der Woche so kaputt (um kurz vor 7am aus dem Haus, gegen 6pm wieder zu Hause), dass ich abends zwischen 8 und 9pm ins Bett fiel. Gestern war Freitag, also konnte das Wochenende eingeläutet werden! So traf ich mich direkt nach der Arbeit mit Timo vor der Metropolitan Opera. Wir gingen erst was essen (mein erster typisch NYC-belegter Bagel: mit Cream Cheese und Salomon) und dann mit Chrissi und noch zwei anderen elective Studenten in Verdis Il Trovatore. Boah, Schnulze hoch 500! Hätt ich ja nicht gedacht, aber ich fand Wagner neulich besser - obwohl viel langatmiger und düsterer. Aber nicht so extrem Herzschmerz-kitschig! Wobei natürlich die Chorszenen bei Verdi was Besonderes sind. Anschließend fuhr ich mit Timo nach Brooklyn, wo eine Party mit Elektromusik sein sollte - also vielleicht endlich mal eine Gelegenheit zum Tanzen...?! Als wir ankamen, sahen wir nur Teenies, dann kam eine Rhythmus-Elektro-2Mann-Band, die ich gar nicht so schlecht fand, Timo, naja... Aber irgendwann, nachdem wir Zeuge typischer Teeny-Szenen wie, nein, zu eklig. Also, danach wurde die Musik wieder besser, das Publikum älter und mitten im Tanzen kamen auch noch Aila und einige andere students dazu. War wirklich ne super Party, mit guter Musik, alternativen Leuten, nicht dieses Schnittenstolzieren, sondern einfach Tanzen! So war ich dann gegen 4am zufrieden im Bett.
Samstag! Heute also. Puh, gleich habt ihrs geschafft... ;-) Lange schlafen konnte ich nicht, aber 5 Stunden sollten auch reichen, bin ja noch jung...! Ich fuhr nach Manhattan und ging ins New Museum of Contemporary Art. Alleine, wir hatten nichts verabredet. War eigentlich mal wieder ganz schön, einfach alles in meinem Tempo zu machen, kein Warten oder... Wirklich empfehlenswert! Sehr modern, gemalt, gespielt, hingestellt... Dank meinem AudioGuide verstand ich sogar die Bananenschale in der Ecke auf dem Boden, die "Kinderbilder", die eine ganze riesige Wand füllten, die zwei chaotischen Räume nebeneinander, in denen verrückte Szenen auf einer Leinwand liefen... Anschließend fuhr ich zu Ground Zero, neben dem DER Klamottenladen ist. Na ja, sollte er jedenfalls sein. Klar, schon viele Markenklamotten für wenig Geld, aber ich fand es sehr ramschig. Timo kam auch noch nach und zu zweit durchforsteten wir die Etagen des Einkaufschaos. Ein Paar reduzierte Schuhe, nicht schlecht für meinen Finanzstatus. Und die brauchte ich sogar... ;-)
Nachdem ich noch schnell in den Supermarkt sprang und mein Abendessen sicherte fuhr ich endlich nach Hause. Puh, schon wieder 7pm. Und dabei wollte ich doch so entspannt den ganzen Abend Blogschreiben, E-Mails beantworten, Lesen... Aber jetzt, um Viertel vor 10pm, habe ich doch nur den Blogeintrag geschafft und gehe ins Bett. Sorry, aber ich beantworte alle mail, freu mich über jede einzelne! Und ich freu mich schon auf Morgen, Frick´s Collection - und dann vielleicht noch ein bisschen shoppen... Ich muss ja meine letzten 4 Wochen in NYC noch einmal invollen Zügen nutzen und genießen! Aber da bin ich sehr, sehr optimistisch!! :-) April 30 Sommer und Swine fluNicht mal eine Woche ist seit dem letzten Eintrag vergangen, aber es ist schon wieder so viel passiert, dass ich befuerchte etwas zu vergessen, wenn ich nicht mal wieder ein bisschen was in den Blog schreibe. Er ist ja nicht zuletzt auch fuer mich eine Art Tagebuch.
Letzte Woche Donnerstag traf ich mich mit 4 Kommilitonen im Bluenote, im Studentenviertel Greenwich Village, wo wir einen sehr, sehr schoenen Jazzabend verbrachten. Wir hatten noch Plaetze an der Theke ergattert, die im Gegensatz zu den Tischplaetzen bezahlbar waren und man aber trotzdem ohne Fussschmerzen der Musik lauschen konnte. Der Star des Abend, der Pianist, kommt aus der Dominikanischen Republik, der Bassist aus Kuba und der Drummer aus Kalifornien. Genauso bunt wie die Herkunft der Combo war auch die Musik. Und tatsaechlich traf die Beschreibung, die ich vorher gelesen hatte, die Musik ziemlich genau: eine Mischung aus Jazz, Klassik und Latin. Dass ich mir am Schluss eine CD von der Gruppe gekauft habe, versteht sich ja wohl von alleine... ;-)
Da das Konzert auch nur bis um 10pm ging, bekam ich sogar noch genug Schlaf um an naechsten Tag im Krankenhaus voll einsatzfaehig zu sein. Ich hatte Glueck, und nach der round mit dem tollsten attending, Dr. Marino (kein Wunder bei dem Namen... *g*), und der Mittagskonferenz, in der Dr. Marino vom "Publikum", also lauter Studenten und Aerzten, an die Wand projizierte EKGs auswerten liess (ja, ich musste auch dran glauben, er meinte "Du wertest ja schon die ganze Woche EKGs aus, dann mal los...") ging ich zum Echo, also Herzultraschall und dort war es relativ ruhig und kein Auszubildender da - ausser mir. So konnte ich zwei Patienten schallen, was total super war! Und ich konnte sogar was aus dem erkennen, was ich da schallte! Erfolgserlebnis! Ich finde Echos sooo schoen! Und die ganzen Farben...! ;-) Nebenbei quatschte ich mit den Echo-Technikern, also denen, die die Echobilder machen, die Aerzte werten die Bilder dann ja nur noch aus. Jedenfalls war die Gespraeche sehr interessant. Der eine kommt urspruenglich aus Rumaenien und ist 1995 ausgewandert, weil er fuer seine Kinder in Rumaenien keine Zukunft sah. Er war dort allerdings Arzt und hatte seine eigene gynaekologische Praxis. Als er in die USA kam hat er zuerst sein Geld als Strassenfeger verdient, sein Examen wurde hier nicht anerkannt. Die andere kommt aus Russland, ist 1994 ausgewandert, und war dort Internistin. Beide haben dann hier die 2-jaehrige Ausbildung zum Echo-Techniker gemacht. Wollen aber irgendwann wieder zurueck in ihre Laender... Nach diesem spannenden Nachmittag traf ich mich eigentlich schon relativ kaputt abends mit Aila in Williamsburg, dem In-Viertel in Brooklyn, also bei mir um die Ecke. Dort liefen wir ein bisschen durch die Kneipenstrasse, in der vegane Kekse und Sandwiches etc. verkauft werden. Es gab aber auch normalen Apfelkuchen und Kakao... ;-) Dann wollten wir einfach mal gucken, ob wir nicht irgendwie zur Brooklynbridge laufen koennen und liefen mal los. Und liefen und liefen. Die Brueck erreichten wir zwar nicht, war doch etwas zu weit, aber unterwegs, direkt zwischen Williamsburg und meinem Viertel Bedford-Stuyvesant waren wir auf einmal in Jerusalem. Jedenfall fuehlte sich Aila sehr daran erinnert. Ich war da neulich schon mal durchgelaufen, aber am Freitagabend, wenn Schabbat gefeiert wird, war es noch krasser. Ausser uns waren wirklich ausschliesslich Familien orthodoxer Juden auf den Strassen unterwegs, mit grossen Hueten, Schlaefenlocken, wirklich sehr, sehr eindrucksvoll. Jetzt fielen mir auch die ganzen hebraeischen Plakate und Ladenbeschriftungen auf. Mein Krankenhaus ist ein Lehrkrankenhaus der Mount Sinai School of Medicine, die, wie der Name schon vermuten laesst, eine juedische Medical School ist. In meinem Krankenhaus sind daher auch viele juedische Aerzte mit sehr vielen deutschen Namen. Zum Teil tragen sie im Krankenhaus auch eine Kippa (ich habe mich frueher immer gefragt, wie die halten, aber jetzt habe ich gesehen, dass sie mit Haarspangen festgehalten trotz kurzer Haare sehr gut an Ort und Stelle bleiben. Es ist manchmal ein etwas komisches Gefuehl, gerade in diesem Viertel mit den orthodoxen Juden und wenn jemand erzaehlt, dass seine Familie eigentlich aus Deutschland kommt. Und besonders deutlich sieht man hier auch, wie viele extrem schlaue Koepfe Deutschland an Amerika verloren hat - aus vielerlei Gruenden.
Wir hatten Anfang der Woche einen Patienten, der Ende der 50er aus Deutschland ausgewandert ist - wobei ich mich auch gefragt habe, warum wohl. Er hatte einen "kleinen" Herzinfarkt, das EKG zeigte aber, dass die LAD, also eine sehr wichtige Herzkranzarterie, vermutlich betroffen sei, die jederzeit ganz zugehen koennte und somit ein hohes Risiko birgt. Aber der Patient meinte, er haette noch nie was von Herzkatheteruntersuchungen gehoert, waere immer gesund gewesen und fuehle sich jetzt auch gut und ausserdem koennte man mit dem Herzkatheter ja auch die Aorta durchpieksen und dann haette er mehr Probleme als vorher, er wuerde ausserdem nicht verstehen wie das EKG funktioniert, wie man Echo-Bilder liest, wir koennten ihm ja sonstwas erzaehlen etc. Also versuchten mehrere Oberaerzte und ich dann schliesslich auch auf Deutsch (sein Englisch war so naja; und ja, in Deutschland werden auch Herzkatheter durchgefuehrt, nein, er ist hier kein Versuchskaninchen...) ihm alles zu erklaeren, aber der war so stur und auch etwas einfacher gestrickt. Nach zwei Tagen konnte seine Frau ihn schliesslich ueberreden, den Herzkatheter durchfuehren zu lassen und tatsaechlich hatte er einen 95%-igen Verschluss der LAD und jetzt hat er nen Stent (natuerlich BMS, bei der compliance...!). Deutscher Dickkopf, puh...!
Sprachtechnisch bin ich hier wirklich gefordert. Eigentlich bin ich ja schon beschaeftigt mit Englisch, versteh zwar alles, aber mein gesprochenes Vokabular koennte echt besser sein. Na gut, zwischendurch Deutsch bekomme ich ja auch noch hin. Aber langsam komme ich auch wieder besser ins Spanisch rein, weil ich jetzt oefter die einzig Anwesende war, die Spanisch sprach. Zwischendurch lerne ich zwar auch immer mal wieder was Medizinisches, aber meine Herausforderung liegt eher auf der anderen Ebene... ;-)
Aber gut, es gab ja auch noch ein Wochenende mit kulturellen Highlights: Am Samstag war ich mit Beenish, einer elective-Studentin aus Kalifornien, die aber, weil billiger, in Pakistan studiert hat (ihre Eltern kommen aus Pakistan) und Timo, einem meiner peer-group aus Goettingen, im Metropolitan Museum. Wow, das tollste Museum, in dem ich je war! Der Wahnsinn. Die haben einfach aus der ganzen Welt alle moeglichen Dinge mitgehen lassen und dann in ein riesiges Gebaeude im Central Park gepackt. Da wir etwas ueberfordert waren mit der Dimension des Museums, nahmen wir an der Highlights-Fuehrung teil, die in 1,5 Stunden anhand von sechs Objekte (vom roemischen Sarkophag (ist Euch schonmal der Wortstamm aufgefallen: Sarko = Fleisch und Phag - wie Oesophagus nebenbeibemerkt - = Fresser?!) ueber moderne Kunst und ein Bild von Rembrandt) einen richtig guten Eindruck vom Museum gab. Wieder draussen bemerkten wir erst die Hitze, denn mittlerweile hat der Sommer in New York Einzug gehalten. Es waren um die 30 Grad Celsius, was nach zum Teil sehr kaltem und regnerischen Wetter tatsaechlich eine Umstellung war. Ich hatte ja schon gehoert, dass auf den Winter hier der Sommer folgt, aber so krass hatte ichs mir nicht vorgestellt. Nach einigem Rumlaufen im Central Park und in der Shopping Mall daneben, dem Columbus Centre, fuhren Timo und ich mit der subway nach Greenwich Village weiter im Sueden Manhattans, wo wir mexikanisch assen - und Eis fanden wir schliesslich auch. Ein rundum gelungener Tag!
Am naechsten Tag trafen Timo und ich uns und fuhren ganz in den Noren Manhattans zum Cloisters, einem Anhang des Metropolitan Museum. Dort wurde Ende der 1930er ein Kloster aufgebaut, in das einfach lauter romanische, gothische und einfach alte europaeische (insbesondere franzoesische, spanische und deutsche) Torboegen und bunte Kirchenfenster gebaut, Steinsaerge gestellt und aller moeglicher antiker Schnickschnack ausgestellt wurde. Rockefeller Jr. hatte das in die Wege geleitet und auch gleich das Ufer gegenueber, auf der anderen Seite des Hudson Rivers gekauft, damit keine neuen Bauprojekte dort den Blick vom Cloisters aus verschandeln konnten... Es war noch waermer als am Vortag - was aber ganz angenehm war, denn man konnte sich dann immer mal draussen aufwaermen, wenn man drinnen Dank Klimaanlage und dicken Steinen fror. Ausserdem freute ich mich ueber meine neuen, am Morgen schnell in der Not gekauften Sandalen. Die brauchte ich dann ja tatsaechlich und wirklich! ;-) Gegen Abend fuhren wir zum Central Park (da wir mal den Bus nahmen und der wirklich an jedem Block hielt, brauchten wir von der 190. bis zur 98. Strasse knapp 2 Stunden! Dort trafen wir uns dann noch mit einigen anderen elective students und picknickten. Allerdings wurde es dann auch bald recht kuehl als die Sonne weg war (klar, war ja auch der erste Tag an dem ich ohne Jacke losgegangen war...) und so fuhr ich nicht allzuspaet nach Hause.
Montag startete dann meine letzte Woche in der Cardiology. Leider ist diese Woche eine ziemlich lahme und nicht so richtige schlaue bzw. dies nicht vermittelnde attending in den Visiten der CCU. Dafuer war der Nachmittag in der Ambulanz mit Mary wieder sehr lehrreich und gut. In der CCU hatten wir sozusagen einen VIP, eine der ersten Patienten, die eine Mitralklappe bekommen hatte (1967), dabei war allerdings wohl die Trikuspidalklappe kaputt gegangen und leckt jetzt ziemlich, sie moechte aber eigentlich keine dritte Herz-OP, was auch ein Risiko darstellt. Und nachmittags sah ich noch einen spannenden Fall, eine junge Patienten mit dem POEMS-Syndrom (wens interessiert, der kann es ja nachlesen, hatte da vorher auch noch nix von gehoert).
Im Anschluss an den Arbeitstag erledigte ich meinen woechentlichen Einkauf im "organic" Supermarkt an der Metropolitan Ave, also auf meinem subway-Heimweg. Allerdings wollte ich wohl schnell nach Hause und vergass daher eine meiner Einkaufstueten dort. Hab mich ziemlich geaergert, denn Essen, zumindest halbwegs gesundes, ist hier sauteuer. Also ging ich am Dienstag wieder hin, mit meinem Einkaufsbon, und obwohl ich ja nicht damit gerechnet hatte, bekam ich tatsaechlich alles, was ich vergessen hatte fuer umsonst! Juchu, der Tag war gerettet. :-) Spontan, wie man in unserem Alter doch tatsaechlich manchmal noch ist, traf ich mich abends mit Aila und Timo an der Metropolitan Opera, wo wir uns Wagners Walkuere ansahen. Die sechs Stunden im Stehen (Sitzplaete waren viel zu teuer) haben sich auf jeden Fall gelohnt! Es war eine richtig tolle Auffuehrung, obwohl ich sonst nicht so der Wagner-Fan war. An jedem Platz, sogar an jedem Stehplatz, hatte jeder Zuhoerer seinen eigenen Minibildschirm, auf dem er die Texte mitlesen konnte - in verschiedenen Sprachen, versteht sich. Das war von allem sehr nuetzlich, weil Placido Domingo (genau, DER Placido Domingo) als Siegmund sehr undeutlich gesungen hat. Kann der ueberhaupt Deutsch? Mein Stehnachbar meinte, Placido haette extra fuer seine Rolle als Siegmund Deutsch gelernt...
Nach etwas ueber 4 Stunden Schlaf war ich gestern doch etwas muede und das einzig spannende war auch ein kurzer Besuch bei einer neurologischen Patientin. Die hatte naemlich einen rechts parietalen Schlaganfall gehabt und ihre Symptomatik bestand nun lediglich aus einem Ausfall des optokinetischen Nystagmus zur rechten Seite. So ungefaehr (bin ja nur cardiology-student...). War sehr beeindruckend. Wir habens auch nur durch Zufall gesehen, weil fuer zwei Wochen gerade eine neue Studentin in die Kardio gekommen ist, die vorher schon in der Neuro war und den Tipp von einem resident der Neuro bekam.
Gestern bin ich ausserdem das erste Mal etwas klarer meinem indischen Mitstudenten geworden, weil er mir immer ins Wort fiel, weil er meinte, er wuesste es besser und mich immer examinieren will, um zu zeigen, wie viel er weiss. Puh, das ist anstrengend! Und das hab ich ihm gesagt. Er koenne sein Wissen eben nicht zurueckhalten, meinte er, das muesse einfach raus. Als ich daraufhin meinte, dass das aber vielleicht andere etwas nerven und stoeren koennte, meinter er nur, das sei ihm egal. Nun denn. Er macht das auch nicht nur mit mir, sondern auch mit den Aerzten - allen. Aber wenn es ihm egal ist...
Ich habe letzte Nacht 10 Stunden geschlafen, war also um 8pm im Bett und bin immer noch kaputt. Seit dem Wochenende bin ich naemlich etwas erkaeltet und schlapp (ich sage nur Klimaanlagen ueberall!). Aber keine Angst, ist bestimmt keine swine flu. Obwohl ich mich schon auf naechste Woche freue, da fange ich ja in der Infektiologie-Abteilung an - und gerade ins Queens und ganz besonders hier im Elmhurst Hospital mit seinem multiethnischen Klientel ist die Wahrscheinlichkeit Patienten zu finden am Groessten... ;-) Aber keine Angst, erstens passe ich natuerlich auf mich auf und zweitens komm ich hier ja auch an Medikamente ran. Die Schweinegrippe ist ja auch, insbesondere im Gegensatz zur Vogelgrippe, viel weniger aggressiv und gefaehrlich. Im Prinzip ist sie wie die Influenza, man kann sich eben nicht impfen, aber behandeln kann man sie schon (insbesondere wenn man in den ersten 48 Stunden die antiviralen Medikamente gekommt). In den USA gibt es bislang einen Todesfall (www.cdc.gov), das geht doch noch.
Ach ja, noch was spannendes: Es gibt hier in der Naehe ein Gefaengnis, das Riker's. Und es gibt Vertraege, die besagen, dass alle maennlichen Patienten im Bellevue Hospital behandelt werden - alle weiblichen hier im Elmhurst Hospital Center. Ich hab schon oefter gesehen, dass Polizisten vor Zimmern sassen oder auch Tueren von Trakten automatisch geschlossen wurden, wenn Patienten/Haeftlinge geflohen waren. Tja, auf der CCU haben wir jetzt auch eine Patientin, die mit einer Handschelle am Knoechel ans Bett gebunden ist und vor ihrem Zimmer sitzt die ganze Zeit ein Polizist. Schon ein etwas komisches Gefuehl...
Um noch einmal zu zeigen, wie bunt meine Zeit hier zu gestalten ist, schreibe ich schon mal von meinen Plaenen fuer den Abend. Wir gehen naemlich mit ein paar Leuten zu einem klassischen Konzert im Miller Theatre in der Upper West Side, wo Studenten der Columbia Universiy ihr Spring Recital gestalten. Und noch etwas Besonderes gibt es dabei: es ist umsonst! ;-)
Ich hoffe, Euch gehts allen gut! Und immer schoen die Haende mit Seife waschen - bestes Mittel gegen die Swine flu ist schliesslich sie gar nicht erst zu bekommen...!
:-) April 25 FOTOS!Ich habs geschafft! Das erste Mal während einer Reise habe ich Fotos in den Blog geladen (unter "Fotos" zu finden...) - nicht zuletzt natürlich dank meines neuen Freundes: meinem Netbook! Was für eine sinnvolle Investition... ;-)
April 23 Neues aus NYCWie koennte ich meine Mittagspause (bzw. die Wartezeit zwischen Mittagskonferenz (mjam, heute war mal wieder Pizzatag) und meinem Date zum Computer Training besser nutzen als mit einer kleinen Aktualisierung meines blogs. Das Computer Training ist eine Einfuehrung in das Krankenhauscomputerprogramm und danach bekomme ich ein Passwort dafuer, was ich fuer meine naechste elective in Infectious Disaeses brauche, da in dem Programm die ganzen Patientendaten sind, die ich dann endlich brauchen werde - da bekommt man naemlich eigene Patienten, juchu! Ich bin zwar in der naechsten Woche noch in der Kardiologie, aber falls ich da consults machen sollte, waere ein Zugang zu Labordaten, Untersuchungsergebnissen etc. auch sinnvoll und ausserdem verliere ich so in meinem naechsten elective nicht den ersten Tag, an dem ich dann das Computer Training machen wuerde. Nachmittags habe ich ja gerade eigentlich Zeit fuer derartige Dinge... Anwesenheitskontrolle gibt es nicht, ab und zu fragt Dr. Rubinstein mal, was ich denn in der Woche so gemacht habe, aber die PC-Einfuehrung ist ja auch eine sinnvolle Sache.
In dieser Woche war es allerdings auch wirklich gut. Tatsaechlich kann ich von einer deutlichen Steigerung der Lehre und somit meiner Laune ueber die letzten knapp 3 Wochen in der Kardiologie berichten. Wie ja schon angesprochen weiss ich jetzt eben, wie ich meinen Tag am sinnvollsten organisiere. Und ausserdem ist in dieser Woche in der CCU ein super attending, Dr. Marino, der mich gleich am Montag (ich war die einzige Studentin, juchu) alle EKGs auswerten liess (die residents, also untersten Assistenzaerste, sprachen mich danach an und waren voellig begeistert und etwas verwirrt, weil ich angeblich die EKGs so gut lesen konnte, wo ich das bloss gelernt haette etc. Ich finde mich immer noch ziemlich durchschnittlich was EKGs angeht, aber es macht total Spass sich auf dem Gebiet weiterzubilden und ich will das richtig lernen!), mir "Hausaufgaben" aufgab ("morgen erklaerst Du uns...") und dauernd fragte und erklaerte, so dass die rounds, also Visiten, z.B. so lange dauerten, dass ich meine Mittagskonferenz samt Mittagessen verpasste - aber das wars auf jeden Fall wert! Die Lehre finde ich jetzt mit der Zeit wirklich gut. Jeden Morgen und jeden Mittag ist immerhin jeweils eine knappe Stunde Fortbildung, morgens Kardiologie, mittags generell Innere Medizin. Und die Kroenung ist, dass ein neuer fellow (also oberer Assistenzarzt), Salomon, fuer die naechsten zwei Wochen, also meine restliche Zeit, auf der CCU ist, der vorher schon attending (also sowas wie Oberarzt) in der Inneren Medizin war und jetzt eben in die Kardiologie gewechselt ist, wo ernatuerlich erstmal einen niedrigeren Rang hat. Aber der weiss natuerlich ne Menge, erklaert und fragt auch die ganze Zeit. Ich habe jetzt auch rausgefunden, dass die residents, die sich ja bislang ueberhaupt nicht um uns Studenten gekuemmert hatten, selbst nur fuer kurze Zeit (zum Teil 4 Wochen) in der CCU sind, auch gar nicht richtig in der Kardiologie, sondern in der Inneren Medizin oder Emergency Medicine sind, und somit von Kardio tatsaechlich maximal soviel wissen wie ich. Die waren selbst erstmal voellig ueberfordert und konnten sich daher natuerlich nicht um uns kuemmern. Ihr Arbeitsalltag ist eigentlich nicht wirklich stressig auf der CCU, sind ja nurmaximal 9 Patienten in der CCU und 4 auf einer mitbetreuten Art IMC (Intermediate Care Station, also zwischen Intensiv- und Normalstation, eben mit Monitoren). Aber dafuer haben sie jeden 3. Tag etwa 28 Stunden Schichten.
Die Hierarchie finde ich hier ziemlich human. Attendings spricht man zwar mit Nachnamen an, aber es wird viel rumgejuxt und vor allem zusammengearbeitet. Jeder darf eine Idee aufbringen, die wird dann diskutiert, erklaert warum oder warum es nicht so sein kann etc. Fuer bloede Fragen bekommt man keinen Aerger (nicht mal, wenn man als Arzt auf ner CCU fragt, ob der Patient, der gestern einen Stent bekommen hat und naechste Woche einen erneuten Herzkatheter bekommt, sein Clopidogrel davor absetzen soll... Vielleicht sollte man da doch mal etwas energischer drauf antworten.), sondern es wird alles erklaert. Scheinbar unabhaengig von der Zeit oder Laune des attendings beantworten die meisten alle Fragen und nehmen sich wirklich Zeit.
Am Montag war ich morgens nach der Morgenkonferenz in der round der CCU und direkt im Anschluss in der outpatient clinic (Ambulanz) mit Mary, einer fellow, was wieder ganz toll war. Sie meinte zwar am Anfang, sie haette sehr viele Patienten und deshalb nicht so viel Zeit zum Erklaeren, aber im Endeffekt erklaerte sie wieder alles, druckte mir noch eine Studie aus, die mich interessierte etc. Super!
Am Dienstag war ich nachmittags im Herzkatheterlabor, wo nicht so viel loswar, aber dafuer der interventionalist lange mit einer fellow und mir ueber die "Katheterpolitik" diskutierte und den intracoronaren Unltraschall erklaerte. Krass, wusste vorher gar nicht, dass es so was gibt. Damit kann man viel besser die groesse von Stenosen der Koronargefaesse bestimmen, als nur mit dem normalen Kontrastmittel-Herzkatheter, fuer den es uebrigens neben der gaengigen pi x Daumen - Abschaetzung des Stenosegrades auch tatsaechlich halbwegs objektive Messmethoden gibt, die allerdings keiner durchfuehrt. Da es keinen Cath mehr gab ging ich dann einfach frueher nach Hause, ich wollte sowieso ganz viel nachlesen, was ich auch tat - mit meinem neuen Netbook, aber von diesen Freizeitspaessen spaeter mehr. Da ich so frueh, also schon gegen 4pm, zu Hause war, war ich abends noch so fit, dass ich mich spontan Aila und Verena, einer Mitbewohnerin von Chrissi, anschloss, die zu einer Milonga im unteren Manhattan gingen. War schon ein Erlebnis, irgendwo in einem alten, etwas abgerissenen Haus, waren auf einmal ganz viele schoene und schicke Leute am Tango Argentino tanzen. War kein grosser Raum, aber hatte irgendwie ne urige Atmosphaere. Die eine Wand war ganz mit einembunten Bild bemalt worden, dass vermutlich von Buenos Aires inspiriert den Blick aus imaginaeren Fenstern zeigte. Verena war 2 Monate in Buenos Aires zum Famulieren gewesen, war aber die meiste Zeit wohl tangotanzen gewesen, so dass sie die einzige von uns war, die es wirklich konnte. Aila hatte, wie ich, mal einen Semesterkurs in Goettingen gemacht - aber damit kam man hier nicht weit. Trotzdem tanzten wir alle drei auch ein bisschen, obwohl ich an und fuer sich vor allem das Zuschauen der anderen, wirklich toll tanzenden Paare, toll und beeindruckend fand. Vielleicht sollte ich auch mal ein paar Monate nach Buenos Aires - einfach zum Tangolernen... ;-)
Nach immerhin 5 Stunden Schlaf rechnete ich mit keinem langen Mittwoch im Krankenhaus. Aber wie das meistens so ist... Nach der Morgenkonferenz mit einem beruehmten Forscher des Mount Sinai (Dr. Fuster, ehrlich gesagt hab ich noch nie von dem gehoert, was aber natuerlich nichts heissen soll...), der round in der CCU und der Mittagskonferenz mit indischem Essen und Colitis ulcerosa - Therapie, versuchte ich herauszufinden, wie das mit dem Computer Training funktioniert, wo ich hingehen muss etc. Beenish, eine elective Studentin, die gerade im Infectious Diseases Department arbeitet meinte, dass es sich doch anbieten wuerde es bei freier Zeit jetzt schon zu machen, was eine wirklich gute Idee war. Also rannte ich zu verschiedenen Sekretariaten, die gerade Mittagspause machten, natuerlich nicht zustaendig oder auch nicht besetzt waren. Nun denn, nach einigem hin und her, das sich ueber 2 Stunden hinzog, hatte ich endlich meinen Termin, naemlich fuer heute um halb 3, also gleich. Jedenfall ging ich nach diesem Orgakram auf die CCU zurueck, eigentlich um meine Sachen zu holen und zu gehen. Allerdings blieb ich da dann doch haengen, weil Salomon ganz viel erklaerte, ich einen Patienten aufnahm (nicht wirklich spannend, kam gerade vom Cath, weil er einen positiven Stresstest gehabt hatte, war also schon klar, dass er eine KHK hat, aber immerhin ist er erst 40), der nur Spanisch sprach und ich dann fuer Salomon und den resident dolmetschte. Langer Rede, kurzer Sinn, so blieb ich also bis nach 6pm - und es hatte sich wirklich gelohnt! Danach war nicht mehr viel mit mir anzufangen, schliesslich brauch ich immer noch etwas eine Stunde, bis ich zu Hause bin. Das ist so eine Zeitverschwendung! Jeden Tag bin ich etwa 2 Stunden unterwegs, nur um zum Krankenhaus und wieder nach Hause zu kommen. Und die subways sind dauernd in Reparatur, deswegen fahren sie insbesondere am Wochenende aber zum Teil auch unter der Woche geaenderte Routen, die laenger dauern, oder sie fallen aus. Ich koennte so sinnvolle Sachen machen in dieser Zeit, so viele spannende Sachen nachlesen...! Jedenfalls war ich dann um kurz vor 9pm im Bett und schlief tief und fest bis heute morgen um 6am, als ich wieder aufstehen musste.
Heute wars bislang auch super, wie immer mit Morgenkonferenz, round in der CCU, Mittagskonferenz und jetzt gehe ich gleich zu besagtem Computer Training. Danach wollte ich eigentlich auch bald nach Hause, weil ich naemlich heute Abend mit ein paar Leuten ins Bluenote, eigentlich einem DER Jazzclubs ueberhaupt gehe. Da spielt in dieser Woche ein Musikprof aus der Dominikanischen Republik, der schon Emmys und Grammys gewonnen hat, Klavier spielt, noch einen Bassisten und einen Drummer dabei hat und wohl eine Mischung aus Jazz, Latin und Klassik spielt. Freu mich schon!! (Und weiss, dass einige von Euch jetzt neidisch sein koennten... *g*)
Ganz kurz noch zu letztem Wochenende:
Die Party am Freitagabend war insbesondere wegen der Location, also dem American Museum of Natural History ein Erlebnis! Die Musik ging so, ne Mischung aus Trance und Hip-Hop, nicht wirklich tanzbar, etwas lahm, war wohl ein ganz angesagter Typ von der West Side, nun denn. Da auch einer meiner Mit-elective-students mitgekommen war, der schon ein Jahr in NYC ist, gingen wir hinterher noch in eine Lounge, von der er ganz begeistert war. Nun denn, wir anderen eher weniger, sehr komische Leute... Ich fuhr dann gegen 3am allein mit der subway nach Hause, was etwa eine Stunde dauerte, weil die subways nachts viel seltener fahren. Ich haette auch bei Chrissi schlafen koennen, aber ich wollte es einfach mal ausprobieren. Trotz der Uhrzeit waren noch viele Leute unterwegs und ich fuehlte mich die ganze Zeit sicher. Test bestanden! :-) Jetzt weiss ich also, dass ich unabhaengig von anderen auch noch nachts in NYC unterwegs sein kann, dass ist ein gutes Gefuehl. Natuerlich bin ich immer vorsichtig, klar doch... ;-)
Am Samstag war so richtig tolles Wetter (mein Sonnenbrand ist heute, fast eine Woche spaeter, schon fast nicht mehr schmerzhaft...) und ich fuhr mit Chrissi, Aila und Suzin mit dem Schiff zur Statue of Liberty und nach Ellis Island. Das war toll! Nicht, weil das Museum so toll war, mit dem Auswandererhaus in Bremerhaven kann nichts mithalten, aber einfach diesen geschichtstraechtigen Ort zu betreten war schon toll. Im PC auf Ellis Island wollte ich eigentlich meinen Urgrossvater sucher, der in den 1930ern oder so nach NYC ausgewandert war, aber der PC beinhaltete leider nur Daten bis 1924. Wieder in Manhattan gingen wir dann noch ein bisschen shoppen (ich fand eine so tolle Tasche, dass ich einfach nicht wiederstehen konnte: braunes Leder, Verschluesse aus eingenaehten Magneten, soooo toll! Ca. 5 Minuten spaeter fiel dann auch meine alte Tasche auseinander. Na ja, meine Uhr auch, und meine Schuhe halten auch nicht mehr lange durch... *g*). Nachdem wir noch ein bisschen rumgelaufen waren, fuhr ich nach Hause, wo ich gegen 9pm totmuede ins Bett fiel...
Am Sonntag wachte ich daher frueh auf, es war wieder tolles Wetter und ich hatte bewegungsdrang, also lief ich mal wieder meine 1,5 Stunden zum Prospect Park, drin rum und wieder zurueck. Unter der Woche fehlt die Bewegung wirklich, und bevor ich nen Koller krieg lauf ich ihn lieber weg. Ich traf mich dann mit Aila und Chrissi in Brooklyn (juchu, ich musste nicht, wie sonst, eine Stunde frueher losfahren, sondern war ja schon fast am Treffpunkt! Mein Viertel eben...). Wir gingen die Brooklyn Heights Parade runter, die eine wirklich tolle, wenn nicht die beste Wohngegend hier ist (also wenn NYC, dann hier... *g*), mit tollem Blick auf die Skyline Manhattans, dann in den Fulton Ferry State Park unter der Brooklyn und der Manhattan Bridge durch und fuhren dann nach Manhattan. Dort besuchten wir den Young Designer Market, wo, wie der Name schon sagt, junge Designer ihre Sachen verkaufen. Und da war so ein toller, langer, roter Sommermantel... Direkt von der Designerin. Das ist eben NYC! Da der Hostel-PC immer kaputt oder besetzt ist und ich gerade auch aus resarch-Gruenden (Studien suchen, lesen etc.) Internet brauche bin ich dann doch mal zum Computerladen. Und jetzt bin ich stolze Besitzerin eine NoName Netbooks, das zweitbilligste was sie hatten, ganz schnucklig klein, mit 160GB Festplatte und eben der Wireless-Option. Meine Fotos habe ich schon alle draufgezogen, so dass ich halbwegs sicher sind (sicherer als auch dem Apparat) und ins Wireless Hostel-Internet kann ich so auch. Das ist wirklich eine praktische Anschaffung gewesen. Und noch ist der Dollar zum Euro zum Glueck ja relativ schwach... ;-)
So, aber nun muss ich los, nicht, dass ich mein appointment mit der Computer-Training-Tante noch verpasse...
Freu mich ueber Nachricht von Euch! :-) April 17 You've got to accentuate the positive... ;-)Hallihallo und schoenen guten Tag,
es ist Freitag, fueher nachmittag und ich wuerde sagen, ich habe jetzt Wochenende. Dennoch sitze ich noch im Hospital, weil der PC im Hostel abgeschmiert ist, seit Tagen, und ich hier schliesslich umsonst das Internet nutzen kann. Waere ja fast ein Grund, sich noch ein Netbook zu kaufen - Wireless Lan haben wir schliesslich noch im Hostel... ;-) Ich muss zugeben, mich auch schon informiert zu haben, aber noch kein Mac-Netbook gefunden zu haben. Und wenn schon, denn schon... Brauch ich ja aber eigentlich auch gar nicht, schliesslich sitze ich doch gerne im Krankenhaus rum! ;-)
Nach nun zwei Wochen ist bereits Halbzeit fuer mich in der Kardiologie. Un langsam habe ich raus, wie ich mir gute Lehre verschaffe und das sehe, was ich moechte. Ausserdem, dass ich fuer meine Laune und Energie auch ruhig mal um 4pm gehen kann, ohne ein schlechtes Gewissen, oder das Gefuehl, ich koennte was verpassen. Ich denke, dass meine Erwartungen an die Lehre hier einfach zu hoch waren. Ich hatte von festen Lehrplaenen gehoert, dass man eigene Patienten betreut, die ganze Zeit in Teams rumlaeuft, die einem ganz viel erklaeren. Na gut, war vielleicht utopisch. Jetzt, da ich meine Erwartungen zurueckgeschraubt habe, ist es eigentlich gar nicht mal schlecht, wenn nicht sogar ziemlich gut. Man muss nur wissen, wo man hingehen muss um etwas zu lernen. Im Endeffekt kann man hier viele spannende Faelle sehen, die man an einem kleineren und weniger spezialisierten Haus sowie einer weniger multiethnischen Ecke der Welt vermutlich nicht zu sehen bekommen wuerde. Z.B. hatten wir in der CCU (kardiologische Intensivstation) einen relativ jungen Patienten, der nach Herzstillstand Hirntod war. Die Feststellung dessen zog sich allerdings hin und so erhielt er, gerade auch bei seinem Alter und dem starken Wunsch der Familie, jegliche moegliche Therapie (Dialyse, Antibiotika etc.). Fand ich zuerst etwas komisch, dass bei einem Hirntoten noch so viel Geld investiert wurde, vor allem, weil es der Familie natuerlich auch den relativ grossen Funken der Hoffnung erhielt, dass doch alles wieder gut wird. Der Patient war Inder und die religiosen und spirituellen Ueberzeugungen seiner Familie, sowie die Tatsache, dass die Tochter zu gleichen Zeit mit Leukaemie in einem anderen Krankenhaus lag, was fuer die Ehefrau natuerlich alles zu viel war (so dass sie einen Nervenzusammenbruch bekam und auch kurz stationaer aufgenommen werden musste) fuehrten zu vielen interessanten und schwierigen Diskussionen. Im Endeffekt konnte dem Patienten letzte Nacht die Leber zur Organspende entnommen werden (heart beating donor). Das Organtrasplantationsteam war viel in der CCU und konnte mir viele Dinge erklaeren, was wirklich spannend war. Ausserdem hatten wir z.B. einen Patienten mit Brugada-Syndrom, einen mit Fanconi-Syndrom etc., so dass ich immer viel Input und Ideen zum Nachlesen bekam. Praktisch lerne ich hier zwar tatsaechlich nicht sehr viel (der eine Assistenzarzt sollte gestern eine BGA aus nem venoesen Leistenzugang entnehmen und war voellig hilflos...), aber theoretisch schon. Insbesondere das multiethnische Einzugsgebiet bietet viele Eindruecke und seltene Krankheitsbilder. In der Visite mussten heute Sprachkenntnisse in Englisch, Spanisch, Franzoesisch und Russisch rausgekramt werden. Jeder konnte irgendwas beisteuern, weil nicht nur die Patienten, sonder auch die Aerzte aus allen Ecken der Welt kommen. Vor allem aus Indien kommen viele Aerzte.
Man muss sich selbst einfach extrem stark darum kuemmern etwas zu tun zu haben oder etwas zu lernen, bekommt Lehrveranstaltungen fuer amerikanische Studenten bzw. Konferenzen der Aerzte nur durch Zufall mit. Wenn man das etwa nach 2 Wochen raus hat, wird alles wirklich besser und man kann auch was sehen (z.B. Elektophysiologie, Herzkatheter etc.). Der leitende Oberarzt erklaert zwar super, wie auch manche andere Oberaerzte (attendings), aber die fellows oder gar residents (alles Assistenzaerzte grob gesagt) kuemmern sich ueberhaupt nicht um Studenten - wenn sie nicht muessen.
Gestern Morgen war ein ganz beruehmter Kardiologe, Dr. Scheinman, aus Kalifornien ruebergejettet und dem Kardiologie department in Elmhurst (also nur uns!) etwas zur Lokalisations von Ventrikulaeren Tachykardien, also grob interventioneller Elektrophysiologie, zu erzaehlen. Er war der erste, der 1982 die erste kardiale Ablation gemacht hat. Hui, also wirklich jemand Wichtiges. War ziemlich spannend - und ich muss dringend meine Elektrophysiologiekenntnisse ausbauen! ;-) Einige Aerzte aus meinem Krankenhaus hier haben daraufhin einige Faelle vorgestellt und er war voellig begeistert - einen Fall wie den ersten vorgestellten habe er in seiner ganzen Laufbahn noch nicht gesehen! Tja, Elmhurst eben, hier gibts alles...
Gestern wollte ich mir im elektrophysiologichen Labor ein paar Eingriffe ansehen, aber sie fielen alle aus. Also lief ich mit zwei PAs (Physician Assistents) rum, die Herzschrittmacher kontrollieren. Die haben auch ganz viel erklaert und so wars super. Da im Klinikum Links der Weser in Bremen, wo ich vorher in der Kardiologie war, die Elektrophysiologie in eine angegliederte Praxis ausgegliedert ist, habe ich dort nur einmal bei einer ICD-Implantation zugesehen. Ich werde hier auf jeden Fall die Moeglichkeit nutzen mir mehr Prozeduren (z.B. Ablationen aller moeglichen Arrhzthmien) anzusehen - sofern sie stattfinden. Heute war wieder nicht viel. Aber ich habe ja noch zwei Wochen - und jetzt weiss ich ja, wo ich hingehen muss und was mitnehmen zu koennen...! ;-)
Hier noch ein paar kleine Einwuerfe ueber Dinge, die mir hier aufgefallen sind:
- Morgens in der Fruehkonferenz von 8-9 stellt immer jemand ein Thema vor (heute waren es interessante Faelle: schwere MI und MS und schwerer pulmonaler Hypertonus bei einer Schwangeren in der 24. Woche, schwere Aortenklappenendokarditis mit riesiger Vegetation bei einem jungen Mexikaner). Und dabei fruehstuecken immer alle - ausser den Studenten, die haben natuerlich vorher schon zu Hause gefruehstueckt. ;-) Jedenfalls bringt sich jeder seinen Kaffee im Pappbecher und seinen Bagel oder Burger mit und waehrend einer erzaehlt rascheln und schmatzen die anderen rum...
- Im ganzen Krankenhaus laufen viele Polizisten rum. Um ueberhaupt in den Aufzug zu den Abteilungen zu kommen muss man entweder seinen Mitarbeiterausweis (mit Lichtbild) oder eine Karte von der Rezeption sichtbar tragen. Es gibt auch immer mal wieder Patienten aus Gefaengnissen oder andere Kriminelle (?), vor deren Tuer und in deren Begleitung immer zwei Polizisten sind.
- Auf den Stationen laufen neben den Aerzten und Schwestern auch immer Orgaleute rum, die Telefonanrufe entgegennehmen, Sachen einsortieren etc. Sehr praktisch, sollte man sich in Deutschland ein Beispiel dran nehmen. Aber hier gibts sowieso extrem viele Angestellte, habe ich das Gefuehl. Wie war das mit den Mindestloehnen...?
So, gerade musste ich tatsaechlich meinen Eintrag unterbrechen, weil einer meiner elective-Kollegen kam und meinte, dass der eine attending uns drei elective students in CathLab (also Herzkatheterlabor) ruft. Das ist auch einer der Guten, finde ich. Hab schon Faelle einfach so mit ihm durchgesprochen, Echos angeguckt und rumdiskutiert, was an Diagnosemoeglichkeiten in Frage kommt. Aber es haengt eben alles an der Sympathiefrage. Ein anderer elective student hat Angst vor ihm, weil er ihn immer so bloed anmacht. Dafuer ist die fellow-Tante, von der ich geschrieben habe, die mich versetzt hat, zu diesem elective student super nett. Aber das gibts ja ueberall. Der Herzkatheter war uebrigens tatsaechlich ganz spannend, sehr aufwendig und langwierig. Die ganze RCA war voller Thromben und ganz zu - bei einem 42-jaehrigen Patienten ohne Risikofaktoren...!
Aber jetzt muss ich nach Hause, mich umziehen und los zu Chrissi nach Manhattan. Heute Abend gehen wir, also Chrissi, Aila, Timo und ich naemlich zu einer angesagten Party im American Museum of Natural History. Bin mal gespannt... Meine erste Party in NYC, juchu! Freu mich aufs Wochenende!! Diese Stadt hat einfach sooo viel zu bieten! :-)
April 15 Changes... That's it! Gerade habe ich Frau Niemeyer, unserer PJ-Koordinatorin, meinen Wunsch fuer einen Wechsel meines PJ-Wahlfachs mitgeteilt. Am Montag hatte ich zunaechst angefragt, ob es moeglich waer, und sie hatte mir meine Moeglichkeiten aufgezeigt. Ich werde nun also mein Wahlfach-Tertial ab Oktober statt in der Anaesthesie in Sanderbusch in der Paediatrie, also Kinderheilkunde, in Oldenburg absolvieren. Ich hatte schon bei der initialen Wahl geschwankt, weil ich Paediatrie extrem spannend finde, besonders weil mich seit meinem Wahlfach im letzten Semester in der Paediatrischen Intensiv- und Notfallmedizin insbesondere die Kinderkardiologie immer mehr in ihren Bann zog. Ausprobieren moechte ich es auf jeden Fall. Auch wenn ich es hinterher vielleicht doch nicht machen moechte, ist bei mir die "normale" Kardiologie sonst auf Platz 1. Und wenn ich die Paediatrie nicht ausprobiere, weiss ich nie, ob es nicht genau das gewesen waere, was ich machen moechte... Es regnet... Hui, hab ja tatsaechlich seit genau einer Woche nichts mehr geschrieben. Da kann ich ja eigentlich meinem Blog mal wieder zumindest ein paar kleine Anekdoten und Lebensgefuehle hinzufuegen. In der letzten Woche war ich jeden Tag morgens von 8-9am in der morgendlichen Kardiologie-Konferenz, wo immer ein Vortrag zu einem kardiologischen Thema gehalten und im Anschluss drueber diskutiert wurde, dann bis etwa 12am in der Visite der CCU (eben der kardiologischen Intensivstation), dann war bis etwa 1pm gratis Mittagsessen und Grand Round, also irgendein internistischer Vortrag (pulmonale Hypertonie, HIV...) - sofern er stattfand, also Donnerstag und Freitag - und dann irrten mein indischer Kollege und ich ohne wirkliche Aufgabe rum, bastelten an unserer Fallvorstellung fuer den leitenden Oberarzt am Freitag oder hingen im Echo rum. Dort war es immer sehr nett. Die nurses, die die Echos machen (nein, keine Aerzte, besonders studierte nurses, die die Bilder machen und speichern, so dass die Aerzte sie am PC im Nebenraum auswerten koennen), sind super, vor allem einer aus Rumaenien, die immer tolle Denkanstoesse gibt. So war ich immer bis mindestens 5pm im Krankenhaus. Ausser am Freitag, da hatten wir, die drei Studenten, die gerade in der Kardiologie eingeteilt sind, eine Fortbildungsveranstaltung mit dem leitenden Oberarzt (schaetze, so etwa ist er) Dr. Rubinstein. Die Veranstaltung begann damit, dass er uns aufforderte und Kittel auszuziehen und mitzukommen. Waehrend wir uns also ueber die Splittung des 2. Herztons bei pulmonalem Hypertonus unterhielten, gingen wir durch die Strassen von Queens und er lud uns auf 'nen Kaffee ein. Dann gingen wir zurueck und diskutierten so lange ueber den Fall des anderen Studenten, dass wir zu meinem nicht mehr kamen. Aber das fand ich auch nicht weiter schlimm. Ueber meinen hatten wir auch schon oft gesprochen, war ein spannender Fall, weil er eine Chagas Kardiomyopathie hatte, Z.n. ventrikulaeren Tachiykardien darunter, hat jetzt nen AICD, und jetzt zur Rhythmuskontrolle seines Afib (also Vorhofflimmerns) gekommen war. Dann ging ich das erste Mal frueher, so dass ich um kurz nach 4pm am MoMA (Museum of Modern Arts) war, bei dem jeden Freitag der Eintritt zwischen 4 und 8pm umsonst ist. Dort traf ich mich dann mit einigen Freunden. Allerdings waren so viele Leute da und die Zeit sehr knapp fuer dieses vollgepackte Museum, dass ich es gar nicht richtig geniessen und aufnehmen konnte. Vielleicht geh ich noch mal regulaer rein. Es gab natuerlich Kunst, aber wirklich jeder Art. Gemaelde, Fotos und so, aber auch z.B. einen verrueckten Chinesen, der ein Jahr in einem Kaefig gewohnt hat und sich dabei immer fotografieren liess. Wie nennt man denn so was? Darstellende Kunst, Lebenskunst...? Das tollste war eine riesen Spielwiese mit lauter verrueckten, grossen Sachen drauf. Natuerlich nicht zum Spielen oder Anfassen, war ja schliesslich ein Kunstwerk, aber man konnte es die ganze Zeit angucken und fand immer wieder etwas anderes. Ein riesiges Spiegelei, dasaussah wie ein Sitz und um das Eisenbahnschienen fuehrten, ein Schreibtisch mit vertikalen Schubladen, die aus Bildern bestanden... Einfach toll! Uebrigens war der MoMA-Shop auch so ein Highlight fuer sich. Da muss ich unbedingt noch mal rein, wenn sich meine Finanzen mit der Zeit stabilisiert haben... ;-) Anschliessend gingen wir (1 US-Amerikaner, 1 Brasilianer, 4 Deutsche) noch mexikanisch essen und waren aber alle recht kaputt vom "Arbeitstag", so dass wir nicht allzu lange machten. Am Samstag traf ich mich mit Chrissi, Aila und Marisa, einer weiteren deutschen elective-Studentin in Manhattan. Das Wetter war mal wieder saumaessig, weil Regen pur, so dass wir ja gar nicht anders konnten, als shoppen zu gehen... Nein, halt, erst gingen wir ins Center of Photography, wo verrueckte und z.T. sehr provokante Modefotos hingen. Aber dann gingen wir shoppen: Banana Republic, Macy's, Victoria Secret... Oh ja, bei Voctoria Secret waren Visagistinnen, die Kunden mit Victoria Secret - Make up schminkten. An die gerieten wir irgendwie auch, und auf einmal malte eine wirklich witzige Afroamerikanerin in meinem Gesicht rum. Sie meinte, ich haette so ein schoenes Gesicht, ob ich schon mal Promotion gemacht haette. Nein? Das koenne sie ja gar nicht glauben! Wie gesagt, sie war echt gut in dem was sie machte - denn sowohl Chrissi als auch ich deckten uns hinterher mit Victoria Secret - Make up ein. Mal wieder zwei Kunden in die Falle gelockt! Das war also die Geschichte, wie ich fast zum Victoria Secret - Model wurde... ;-) Spaeter trafen wir noch Timo und entdeckten DAS Cafe ueberhaupt: Le pain cotidien. Ganz auf franzoesisch getrimmt gibts dort tolles Brot, Kaeseplatten etc. Aber auch meine belgische heisse Schokolade war wirklich nicht zu verachten! Dann ab zu Chrissi in die Upper East Side, wo wir erst wieder einen riesigen Topf mit Obstsalat schnippelten und dann mit einigen Leuten lustig beisammen sassen und Chips futterten - natuerlich "fat free"... ;-) Die Mehrzahl wollte um 2am noch losziehen zu irgendeiner Party in Tribeca (Triangle before Canal, also im Suedwesten Manhattans), aber Chrissi und ich wollten am naechsten Tag, Ostersonntag einen Gospelgottesdienst in Harlem besuchen, so dass wir nicht mitgingen. Weil es schon so spaet war und ich am naechsten Morgen ohnehin wieder nach Manhattan bzw. noch weiter nach Harlem fahren muesste (dauert immerhin etwa eine Stunde von Brooklyn), schleppten wir eine Matratze eines anderen Studenten, Noel aus Brasilien, Luxemburg und Florida, in Chrissis Zimmer - wie gut, dass es Fahrstuehle gibt! - und ich schlief bei ihr. So gut hab ich lange nicht mehr geschlafen - kein Schnarchen! ;-) Am Sonntagmorgen, nach einem Dunkin' Donut als Ersatz fuer ein Osterei, fuhren wir nach Harlem zur fuer ihren extrem guten Chor beruehmten Abbasynian Church. Wir stellten uns ins eine Schlange vor der Kirche, wurden aber zu einer anderen, einer Touristenschlange verwiesen. So gab es also eine sehr dunkle und eine sehr helle Schlange. Die dunkle native Schlange kam nach etwa einer halben Stunde Schlangestehen auch rein, wir mussten draussen bleiben, weil die Kirche voll war. Etwas deprimiert zogen wir ab und kamen zufaellig an einer anderen Kirche vorbei. Der St. Mark's United Methodist Church. Dort wurden wir diskret im Gottesdienst platziert. Es gab auch einen Chor, na ja, nicht weltberuehmt, aber immerhin. Der Pastor dafuer umso charismatischer und energiegeladener. Z.T. hatte ich ein etwas merkwuerdiges Sektengefuehl, aber das habe ich eigentlich immer, wenn ich in irgendeine Kirche geh, aber bei dieser exzentrischen Art zu predigen vielleicht noch mehr. Dennoch konnte ich mich der Energie, die von der Predigt ausging, nicht immer entziehen. Wir fuehlten uns gerade nach dem frustrierenden Versuch in die andere Kirche zu kommen wie Gestrandete, die von einem anderen Boot aufgelesen wurden. Ach, klingt das poetisch...! ;-) Danach - also nach ueber 2 Stunden - gingen wir raus in den Sonnenschein. Ja, die Sonne schien, und wie! So konnten wir den ganzen Rest des Tages einfach laufen, laufen, laufen. Zum Hudson, am Husdon entlang, zur Columbia University (krasser Campus!), zur groessten Kirche der USA und drittgroessten der Welt (Hauptsache groesser...), der St. John irgendwas church in der Upper West Side. Die Upper West Side ist ein richtig sympathisches Studentenviertel, mit Buecherlaeden, Chocolaterien (juchu, doch noch ein Osterhase!) und netten Cafes - sowie einem tollen Sandwichladen! Mit 3 Sandwiches beladen machten wir uns auf zum Central Park. Er ist einfach unbeschreiblich, ueberwaeltigend, oasengleich! Hinter der Baumwipfeln sieht man in der Ferne noch skyscraper, ist aber selbst mitten in der Natur, mit richtig grossen Seen und Waeldern... Wir trafen dann Timo, der sich ueber sein Sandwich freute - ebenso wie wir, denn wir waren ueber 5 Stunden einfach nur rumgelaufen. Langsam war die Sonne weg und es wurde schnell kalt. Wir trafen noch kurz Suzin und machten uns dann aber auf unsere diversen Heimwege. Ich nicht ohne noch einmal am Whole Food Market am Union Square, meinem teuren Lieblingssupermarkt, in dem es naemlich richtiges Muesli gibt (aber Achtung: Auschrift "this is not a low calorie food", damit auch keine Zweifel aufkommen. Aber ich will doch auch satt werden! Wie soll ich eine 3-stuendige Visite mit fat free Hamburgern durchhalten?!) einzukehren. Gestern wollte ich im Krankenhaus endlich consults mitmachen. Es gibt hier in den Krankenhaeusern fuer alles Teams. Stationsteams, aber eben vor allem auch Konsilteams, die z.B. als Kardiologie-consult-Team Patienten des gesamten Krankenhauses angucken, die irgendwelche Herzproblemunklarheiten haben. Letzte Woche hatte ich Mittwoch und Donnerstag schon mal den fellow (also so was wie Internisten, der gerad die Spezialisierung fuer Kardiologie macht, glaub ich), eine junge Aerztin in diesem Fall, gefragt, ob ich mitkommen koennte (da hat man wohl auch eigene Patienten zu betreuen, die man dann nachmittags dem attending (also Oberarzt) vorstellt). Beide Male sagte sie aus einem fadenscheinigen Grund wie, es sei heute zu viel zu tun, ab. Na und? Sie muss sich ja nicht weiter um mich kuemmern, ich komm eben einfach mit und seh Patienten. Jedenfalls schickte sie mich jedes Mal wieder auf die CCU zurueck, auf der ausser den morgendlichen Visiten tatsaechlich ueberhaupt nichts fuer mich zu tun ist. Jedenfalls hatte mich Dr. Rubinstein am Freitag gefragt, was ich denn in der naechsten Woche machen wollte, und ich hatte gemeint consults. Also sprach ich ihn gestern Morgen direkt an, an wen ich mich denn nun fuer consults wenden sollte. Er verwies mich an die direkt neben ihm sitzende fellow, die ich letzte Woche gefragt hatte. Jetzt konnte sie schlecht nein sagen. Sie schickte mich dann zu einer Patientin, ich solle sie anpagen, wenn ich fertig sei. Nachdem ich ihre charts gelesen und ihr EKG angesehen hatte, wollte ich die history der Patientin aufnehmen und sie untersuchen, aber gerade da wurde sie zum X-Ray, also Roentgen, abgerufen. Na gut, also warte ich auf sie. Nachdem ich eine halbe Stunde gewartet habe, treffe ich die fellow, die meint, ich solle sie anrufen, wenn die Patientin wieder da ist. Also warte ich weiter. Eine Stunde. Da kommt die fellow wieder und meint, warum ich sie nicht angepagt habe. Na ja, weil die Patientin noch nicht wieder da ist. Ach so. Dann erzehle ich ihr kurz worum es sich bei der Patientin handelt, zwischendurch kommt Dr. Rubinstein dazu, der der fuer die consults zustaendige attending ist. Irgendwann ist die Patientin wieder da, ich untersuche sie, stelle sie Dr. Rubinstein und der fellow noch mal vor. Eigentlich krass. V.a. Pneumonie, okay, aber nebenbei arbeitet sie bei Dunkin' Donut, wo sie fuer einen kleinen Abschlag auch hinten im Laden schlaeft. Eigentlich ist sie also obdachlos, vielleicht aufgrund ihrer Depression? Schon erschreckend. Jedenfalls ist es jetzt etwa Viertel nach 11 und die fellow meint, sie koenne mich ja pagen, wenn Dr. Rubinstein zur Visite kommt. Aehm, ich hab keinen Pager. Dann soll ich im Kardio-Konferenzraum warten, sie ruft dann dort an. Aehm, ich komme nicht in den Raum rein, meine Karte geht da nicht. Dann soll ich in der CCU warten, sie ruft dann dort an. Also warte ich in der CCU. Wo natuerlich nichts fuer mich zu tun ist. Aber ich bewege mich da nicht weg, schliesslich will ich die Visite nicht verpassen. Die Zeit vergeht. Es wird halb 3pm. Die fellow reagiert weder auf ihren Pager noch auf ihr Telefon. Da sehe ich die CCU-fellow zur outpatient-clinic, also Betreuung ambulanter Patienten, entschwinden und haeng mich einfach an sie dran. Sie ist zwar erst auch abweisend, es waere immer viel los und so, aber ich lasse nicht locker. Bin echt gerade ziemlich frustriert und wuerde sonst einfach nach Hause gehen. In der clinic - von wegen so viel los - hat sie keinen einzigen Patienten. So schickt sie mich zu einer Kollegin, die gleich einverstanden ist. Und das ist mein Glueck. So lande ich bei Mary, einer weiteren fellow, die super ist. Sie fragt mich ab, sie erklaert mir was, laesst mich untersuchen, bindet mich ein. Oh, ist das schoen! Ich lerne was!! - Schon mal was von der ACCORD-Study gehoert? - Nein. Les ich nach. Juchu, input fuer mein Gehirn. Es lebt noch! So bleibe ich doch bis um 6pm und bin Mary sehr dankbar. Sie gibt mir auch positives feedback und laedt mich ein, doch morgen mit ins Echo zu kommen, wenn ich nichts anderes zu tun habe. Na ja, Echo hab ich ja die ganze letzte Woche gesehen, aber egal. Super!! :-) Vom Krankenhaus fahre ich direkt nach Manhattan, genauer Soho. Wow, was fuer ein Stadtteil. Wie eine europaeische mediterane Stadt mit Cafes, wahnsinnig tollen, stylishen Laeden...! Ich treffe Chrissi und wir wollen was essen gehen. Bin auch echt hungrig, schliesslich habe ich morgens um halb 7 mein Muesli gegessen - und dann die Mittagszeit mit Warten in der CCU verbracht...! Wir finden in Little Itlay einen bezahlbaren Italiener (hey, nur $10 ohne tax, das ist hier immer das Fiese...). Schoener Abschluss des Tages. Chrissi und ich wollen in etwa das Gleiche, naemlich viel sehen, viel laufen, na ja, vielleicht ein bisschen (mehr) shoppen... ;-) Passt super! Heute war ich erst wie immer (ich hatte keine Lust mehr auf consults mit dieser arroganten, hinterhaeltigen fellow - vor dem Chef erklaert sie natuerlich immer ganz toll und redet auch mit Studenten, oho!) in der kardiologischen Fruehkonferenz (Thema "Abrechnungen von consults", na ja), dann in der CCU-Visite (z.T. ganz spannend, ein Patient mit Brugada-Syndrom, einer mit Fenconi-Syndrom, eine Patientin, die dann notfallmaessig intubiert wurde - allerdings weiss ich nicht so richtig warum und fand alles sehr chaotisch: BGA war gut bis auf O2 von 60, ausserdem hab ich noch nie gesehen, dass man Patienten bebeutelt, waehrend sie noch voellig ansprechbar sind, da wuerde ich mich auf wehren, und dann kein Propofol wegen Hypotension, okay, aber nur Fentanyl, warum denn kein Eto oder so? Ich bin ja nur Laie, aber ich fand das alles etwas komisch... Vor allem meinte die Kardiologin zum Anaesthesisten, dass er wegen des Drucks kein Propofol nehmen sollte, woraufhin er etwas hilflos fragte, was denn dann...). Dann ging ich zur Grand Round zum Thema "Pulmonary politics", was ich echt ganz spannend fand. Da war der Chef der ACCP, Dr. Berlin, der ueber Gedunheitspolitik sprach. Mein indischer Mit-elective-student ging wieder, als er das Thema sah. Das waere ja nur interessant, wenn er hier bleiben wuerde. Na ja, kann man sich denn sonst nicht dafuer interessieren? Er wollte aber z.B. am Freitag auch nicht mit ins MoMA. Das waere ja nur zum Vergnuegen. Na ja, meinte ich, aber Kultur, und einfach mal sehen, was es auf der Welt sonst noch so gibt. Man ist ja nicht so oft in New York City. Nee, meinte er, er hat seine eigene Kultur. Und er wuerde lieber lernen. Medizin sei fuer ihn das einzig wichtige. Aber in den USA arbeiten will er jetzt wohl doch nicht mehr. Erstens hat er Heimweh, und zweitens wuerden die hier, wie er jetzt in der einen Woche gesehen hat, keine gute Medizin machen. Ist ja alles nur mit Maschinen. Die koennen gar nicht richtig klinisch untersuchen. Hm, klar, es wird sicherlich zu viel und zu teuer technisch gearbeitet, aber ist denn das eigene, das, was man kennt, wirklich das einzig wahre? Kann man nicht aus beiden System das fuer einen selbst beste extrahieren und so ein immer besserer Arzt werden? Nun denn, jedenfalls ging ich nach der Mittagskonferenz ins nuclear lab, wo gerade ein medikamentoeser Stresstest gemacht wurde. An einer Gefaengnisinsassin, wie ich hinterher hoerte. Sie hatte mal deutsch in der Schule gelernt, erzaehlte sie stolz. Aber wieder wurde nichts erklaert, auf meine Fragen nur kurz geantwortet. Tja, und dann kam der Inder und wir gingen. Er war heute voellig frustriert, wie ich gestern Morgen, denke ich, und meinte, wie muessten noch mal mit Dr. Rubinstein ueber die unzulaengliche Lehre reden. Die Einzigen, die mir bisher etwas beibringen wollten, sind Dr. Rubinstein, der nurse im Echo und Mary in der outpatient-clinic gestern. Alle anderen beachten uns ueberhaupt nicht. Und so ist man einen grossen Teil des Tages untaetig und wartet. Ich war sofort einverstanden und wir gingen zu seinem Buero. Aber dort war nur die Sekretaerin. Wir erzaehlten ihr kurz, worum es uns ginge und sie verstand es zuerst nicht, meinte, was wir denn ueberhaupt wollten, wir seien schliesslich nur 4 Wochen hier, es haette sich noch nie jemand beschwert und wir seien doch hier um zu lernen. Ja, das wuerden wir ja auch gerne. Und wir bemuehen und wirklich, waren mittlerweile in jeder Funktionsdiagnostik, in der CCU, der clinic und den consults. Aber wir erzaehlten ihr auch, dass die fellow fuer die consults uns abgewehrt hatte. Da war sie dann doch auch endlich auf unserer Seite, meinte, dass das der Job der fellow sei und wir es Dr. Rubinstein erzaehlen sollten. Aber ich hab auch keine Lust auf Zickenkrieg. Na ja, jedenfalls pagten wir Dr. Rubinstein dann an, gingen zu ihm und er war gerade mit der besagten fellow in der Visite der consult-patients. Wir liefen dann einfach mit und das war super - wie immer, wenn wir mit ihm etwas machen. Er fragt, foerdert, erklaert - alles auf eine sehr angenehme Art und Weise. Und interessant: z.B. die Fragestellung, ob es Sinn macht bei einer 76-jaehrigen Patientin einen ASD zu verschliessen, die unter ihrem paroxysmalen VHF symptomatisch wird, aber nicht ganz klar ist, ob das am VHF oder am ASD liegt... Wir kamen nicht mehr dazu mit ihm ueber das Problem zu reden, werden wir morgen machen. Hier im Hostel riecht es langsam wieder besser. Ich sitze naemlich direkt neben einem Gasherd, in dem eine tote Maus lag. Einer hat sich gerade erbarmt und sie rausgeschmissen. Das war wohl gerade kurz bevor ich kam ein riesen Problem. Maeuse ueberall, auch in den Schlafraeumen und Kuechen sowieso. Glueck gehabt... Und jetzt ab ins Bett - solange noch keiner schnarcht. Aber ich habe mir gerade eine neue Packung mit Ohrstoepseln gekauft, da kann nichts mehr schiefgehen! ;-) April 08 Mein Anfang im US-amerikanischen Gesundheitssystem Zwei Tage meines ersten electives, also meiner ersten 4-woechigen Arbeitseinheit, sind nun schon um. Allerdings bestand der erste Tag, naemlich gestern, lediglich aus Organisation. Ich traf mich im Hauptkrankenhaus der Mount Sinai School of Medicine zwei Blocks vom Central Park in der Upper Eastside mit zwei anderen Goettingern, Chrissi und Aila. Wir trabten dann zuerst zu Mrs. Persaud, mit der wir alle schon mehr oder noch mehr regen Kontakt bei der Vorbereitung unseres Aufenthalts und unserer Arbeit am Mount Sinai gehabt hatten. Sie stellte sich als eine etwa 50-jaehrige resolute Afroamerikanerin raus, die total busy war und etwas ungeduldig. Wir waren etwa 15 Studenten aus der ganzen Welt, insbesondere Deutschland, Singapur, Schweden, einigen US-Amerikanern und einem Englaender mit einem krassen Akzent (Oxfoeoeoeoedt statt Oxford und so). Dann ab zum Kittel abholen (jeder nur einen, den wir zu Hause waschen sollen, wenn wir meinen, dass er nicht die zwei Monate durchgetragen werden sollte...), mal wieder einige der gesammelten Traveler check's abgegeben, mit einem Shuttle ein paar Blocks weiter zur Immigration (oh Mist, ich hab immernoch keine mail mit einer Zimmernummer oder so was geschickt, die Adresse allein reicht nicht, da finden sie mich ja gar nicht im Hostel! Ah ja...). Einen kleinen Schreck bekam ich, als ein Test angekuendigt wurde, den wir mit mindestens 70% bestehen muessten, sonst koennten wir gleich wieder nach Hause fahren. Das faellt denen ja frueh ein. Ich machte mich dann auch gleich nach den anderen Formalitaeten dran, und dieser bloede Test stellte sich zwar als machbar heraus, aber auch als extrem langwierig. So sass ich 2 Stunden vor einem PC in der Library des Krankenhauses und las etliche Seiten zu Datenschutz, Patientendaten etc. und immer nach einigen Duzend ein Quiz ueber das gerade gelesene zu machen. Danach durfte ich mir von Mrs. Persaud einen Brief abholen, den ich in meinem Krankenhaus, dem groessten Lehrkrankenhaus der Mount Sinai School of Medicine, naemlich dem Elmhurst Hospital Center in Queens abgegeben sollte, wenn ich dort am naechsten Tag anfangen wuerde. Das einzig gute an diesem Test war es, im Anschluss immerhin diese eine ueberfluessige Formalitaet zu boykottieren, indem eine andere und ich unsere Antworten unter den Kommilitonen verteilten... Aber Pssssst! ;-) Nachdem ich um halb 4 endlich mit allen Formalitaeten durch war, endlich nebenan in einem Diner was gegessen hatte und mir noch im Krankenhausshop ein Buch gekauft hatte, was ich schon lange haben wollte ("Microbiology for dummies" oder so) ging ich mit Chrissi und Suzin, einer richtig netten Ex-Goettingerin, nach Midtown um die Shoppinlage zu checken... Und ich habe nichts gekauft, echt! ;-) Richtig schoen wurde es auch noch, als ich mit Suzin zu Chrissi in die Upper East Side zurueck fuhr, wir da auch Timo trafen und uns einen riesigen Topf voll Obstsalat zusammenschnibbelten und bei stimmungsvoller Musik in Chrissis Loft-Zimmer assen. So schoen kann das Leben sein. Heute morgen war ich dann nach meinen neuen NYC-Ritualen (wie Aufstehen, Duschen, Fruehstuecken, zur Subway laufen, auf dem Weg bei Dunkin' Dounut einen Kaffee kaufen) in der Subaway nach Queens und fand das Elmhurst Hospital Center auch recht schnell. Dort wartete ich auf Beenish, eine Studentin aus Florida, die ich gestern auch bei Mrs. Persaud kennengelernt hatte, und die ebenfalls in Elmhurst anfangen wuerde. Wir gingen dann zusammen auf in den naechsten Formalitaetenkrieg - den ich mir allerdings gar nicht mehr so schlimm vorgestellt hatte, schliesslich war ja am Tag zuvor schon alles geregelt worden. Dachte ich zumindest. Nanu, da hatte mir Mrs. Persaud ja in dem Papierstapel, den ich in Elhurst abliefern sollte, meinen PPD (Tuberkulose-Test) vom letzten Jahr mitgegeben, nicht den von diesem. Den brauchte Mrs. Rose Bales aber auf jeden Fall. Ohne koennte ich nicht anfangen. Also habe ich Mrs. Persaud angerufen. - Aber sie haette doch geschrieben, ich sollte eine Kopie mitbringen. - Aber ich habs ihr doch auch geschickt. - Na gut, sie sucht mal. Findet aber nichts. - Und was soll ich jetzt machen? - Wiederholen. (Das dauert aber Tage!) Na gut, sie guckt nochmal... - *Bibber, aerger* - Ja, sie hat ihn gefunden. Sie faxt ihn. - Puh! Also nochmal ein paar Formulare ausfuellen, im Keller bei der Polizei ein Foto fuer den Personalausweis machen lassen (wer weiss, wo das Foto jetzt ueberall gespeichert ist...), zum Buero der Cardiology, von dort weitergeschickt zur CCU, einer Art Intensivstation, insbesondere fuer kardiologische Patienten. Dort ist gerade Visite. Ausser mir hat noch ein indischer Student seinen ersten Tag dort heute. Der Oberarzt (?) in der Visite ist super. Erklaert viel, zeigt interessante Herzkatheter- und Echobefunde. Aber die Aerztin, die die Patienten vorstellt ist grottig. Erzaehlt ganze Romane, ohne das man weiss, warum der Patient ueberhaupt da ist. Aha, aber interessant, er hatte vor 7 Jahren eine Blinddarmentzuendung... Tztz. Die Visite geht bis etwa 12, dann schicken uns die Aerzte in den Konferenzraum, wo es auch Essen umsonst geben soll. Die Konferenz faellt aus, das Essen ist alle, also gehen wir in die Cafeteria, der Inder und ich. Die Aerzte, die wir nach dem Weg zur Kafeteria fragen, lachen gutmuetig und meinen, dies seien die USA, die Kantine gibts nicht mehr, aber vor Jahren wurde ein Vertrag mit MacDonalds abgeschlossen, so dass im Keller ein MacDonalds ist. Hatte ich schon gehoert, also stimmt es wirklich. Ich schlug vor, auf der Strasse vor dem Krankenhaus nach Essenstaenden zu gucken, aber der Inder wollte nicht. Also gabs zum Mittag French Fries und Diet Coke. Was fuer ein Mittagessen... Wieder auf Station waren alle im Stress, keiner kuemmerte sich um uns. Also schlug ich vor, Patienten zu untersuchen. Besser, als bloed rumzustehen. Danach guckten wir bei der relativ schwierigen Anlage eines Dialysekatheters in die Leiste eines relativ jungen Patienten zu. Ich will ja nicht laestern, aber es war doch etwas anstrengend mit dem anderen Studenten zusammenzuarbeiten. Er hat seine Examen schon hiner sich, muss nur noch 3 Monate praktisch arbeiten (also wie uns das PJ) und bekommt dann sein BBS, also Zertifikat fuers bestandene Medizinstudium. Daher glaubte er alles zu wissen - oder zumindest alles besser als ich. Allerdings hat er noch nie Blut abgenommen geschweige denn hatte er eine Ahnung von der Seldinger-Technik. Er konnte einfach nicht begreifen, warum die Aerztin jetzt einen Draht in die Leiste schob. Soll der zum Herzen? Nein... Ist ja nicht schlimm, wenn man was nicht weiss, aber dann so besserwisserisch zu sein... So was finde ich extrem nervig! Z.B. habe ich doch tatsaechlich schon einige Blutkulturen abgenommen und weiss daher vielleicht ein bisschen besser, was da schiefgehen kann. Er hat noch nie in den letzten 5,5 Jahren seines Medizinstudiums Blut abgenommen. Wenn dann in einer Blutkultur S. epidermidis waechst, ist die Wahrscheinlichkeit tatsaechlich gegeben, dass es nicht unbedingt der Erreger einer Sepsis sein muss, sondern vielleicht einfach eine Verunreinigung der Probe ist. Als ich das meinte, hat er darauf beharrt, dass es dann ja eine nosokomiale Infektion ist. Na ja, nosokomial, also im Krankenhaus erworben, in diesem Sinne ist die Verunreinigung schon, aber eine Infektion hat der Patient damit noch lange nicht. Das konnte er ueberhaupt nicht verstehen. Ausserdem war im Sputum des Patienten MRSA gefunden worden. Und er war nicht isoliert. Fand ich ganz interessant. War sowieso ein ganz interessanter Fall: Der Patient hatte ventrikulaere Tachykardien gehabt, war dann abladiert worden (was ich bei VTs noch nicht so richtig verstehe, muss ich noch mal nachlesen, kenns nur von SVTs) und hatte zwei Wochen spaeter einen Herzstillstand, musste reanimiert werden. Scheinbar war fuer so lange Zeit keine Zirkulation vorhanden gewesen, er im kardiogenen Schock gewesen, dass die Nieren ausstiegen, er neurologisch immer schlechter wurde und nun eben dialysepflichtig ist. Ach ja, der andere Student wollte mir weissmachen, dass die unterschiedlichen Probleme gar nichts mir einander zu tun haetten... Ich habs irgendwann aufgegeben. Ach ja, toll war aber, dass tatsaechlich viele Patienten kein Englisch sprachen - aber Spanisch! Es war so schoen, wie die Patienten merklich entspannten, als ich sie dann auf Spanisch weiter befragte und mit ihnen redete. Die Stationsaerztin und der Oberarzt sprachen auch mehr oder weniger gut Spanisch. Als die Aerzte auf Station uns nach Hause schicken wollten, weil nichts mehr zu sehen sei, gingen wir in die Funktionsdiagnostik und sahen beim Echo zu. Dort war es sehr nett und vor allem wurde uns auch was erklaert. Gegen 5 machte ich mich dann auf den Weg, der Inder war traurig, dass er keine Nachtdienste hatte, woraufhin ich meinte, dass er bestimmt welche mitmachen kann. Er ging dann nochmal ins Echo. Er wohnt naemlich direkt neben dem Krankenhaus, wo er sich ein Zimmer gemietet hat. Er war noch gar nicht in NYC unterwegs, obwohl er sogar etwas laenger da ist also ich, weil die Gegend nicht so sicher sei, wie er meinte. Ah ja... Er ist lieber Tag und Nacht im Krankenhaus. Als ich meinte, dass ich nach Hause gehen wuerde, wenn ich nichts mehr lernen wuerde, war er sehr perplex... Ich fuhr dann jedenfalls noch mal rueber nach Manhattan, wo ich Aila traf, wir in einem supertollen Healthy-Food-Supermarkt umherwanderten und ein bisschen durch die Viertel liefen. Eigentlich wollte Suzin auch kommen, aber das hat leider nicht mehr geklappt. Bei ihr ist es richtig bloed gelaufen. Sie sollte heute in der Bronx mit Chirurgie anfangen, allerdings wollten die dort 2 offizielle ID sehen (z.B. Reisepass und Fuehrerschein). Allerdings hatte Suzin nur eins, warum sollte man auch in NYC nen Fuehrerschein dabei haben?! Tja, so geht das aber nicht. Jetzt muss sie sich von zu Hause ihren Fuehrerschein schicken lassen, sonst kann sie nicht anfangen. Also musste sie unverrichteter Dinge wieder aus dem Krankenhaus abziehen. Wie aergerlich! Ich kann den Frust echt nachvollziehen, weil es mir ja wegen der PPD-Geschichte fast ebenso ergangen waere. Ich finde auch, dass diese organisatorischen Dinge Mrs. Persauds Sache sind. Wir probieren ja alles so auszufuellen und zu erledigen, wie uns vorgeschrieben wird. Und der ganze Papier- und Orgakram fuer diese zwei Monate war wirklich immens, habe ich ganz ehrlich unterschaetzt. Und dann jetzt auf den letzten Metern noch Steine in den Weg gelegt zu bekommen, ist einfach unfair. Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich den Tag heute enttaeuschend fand. Von einigen elective students, die im Hauptkrankenhaus in der Upper East Side Manhattans arbeiten, habe ich von richtigen Lehrplaenen gehoert. Ich kam an, keiner hatte Zeit, es gab keinen Plan, keiner wusste so richtig, wer wir waren, was man von uns erwarten konnte. Also mal wieder alles selbst organisieren. Ist ja okay, aber fuer dieses sauteuren electives kann man ehrlich gesagt mehr verlangen, finde ich... Aber vielleicht ist es einfach der erste Tag und morgen wird alles besser... Ich gebe die Hoffnung nicht auf, auch wenn ich gerade echt etwas enttaeuscht bin. Da haette ich von zwei Monaten LdW in Bremen wirklich mehr gehabt. Das einzig gute ist, dass der Tag mit der angenehmen Treffen mit Aila endete. Immerhin. Und New York bleibt New York. :-) April 06 Kurze Einblicke Morgen ist also mein erster Tag im Krankenhaus und vorher wollte ich wenigstens einige der spannendsten Highlights rauslassen, bevor ich sie ueber den naechsten vergesse. Zuallererst das Letzte: Die A-Linie der Subway, mit der ich gern von Brooklyn nach Manhattan fahre muss gerade repariert werden, deshalb faehrt die F-Linie, die ich auch gut nehmen kann anders und alles ist etwas chaotisch. Gestern war das alles kein Problem, bin einfach allen anderen Passagieren hinterher gedackelt und hab mich in den Shuttlebus zur naechsten Station bringen lassen. Heute war das zunaechst auch der Plan - nur, dass der Shuttlebus nicht an den Zwischenhalten stoppte, sondern nur am Endhalt, ich also viel zu weit fuhr. Der Fahrer reagierte auch auf keinerlei Rufe und Bitten auch anderer Passagiere. Nebenbeibemerkt war ich die einzige Weisse, was ein ganz interessantes Gefuehl war. Kann ich mich ja schon mal dran gewoehnen, fuer Malawi. Ich wohne hier in Brooklyn im Stadtteil Bedford-Stuyvesant, einem traditionell afroamerikanisch gepraegten Stadtteil. Der Bus fuhr aber nicht nur immer weiter, er ging auch immer aus. Alle drei Minuten mindestens, immer wenn der Fahrer auf die Bremse trat. Dann ging alles Licht aus, der Motor sowieso. Ach so, es war so gegen 19 Uhr, also schon langsam am Daemmern. Dann fuhr der Bus auch noch gegen ein Auto und schliesslich stieg nach Gummi stinkender Qualm vom hinteren Reifen auf. Endlich gingen dann die Tueren auf und alle stuermten raus. Tja, aber wo war ich denn jetzt - und vor allem: wie kam ich nach Hause? Wie gut, dass ich heute Morgen in schoenstem Sonnenschein um kurz vor 7am schon (dem Jetlag sei Dank) Joggen war. In diesen 1,5 Stunden zum, im und weg vom Prospect Park (von den gleichen Machern wie der Central Park, nur angeblich noch toller - eben der mir am naechsten gelegene Park) hatte ich die Moeglichkeit meine Orientierung aus zu bauen und landete somit und nach einigem Durchfragen bei sehr hilfebereiten Leuten endlich zu Hause. Ich hatte mich trotz der etwas dunklen Gegend aber eigentlich immer sicher gefuehlt, also: keine Angst, mir gehts gut! :-) Habe ich schon erwaehnt, dass hier immer und ueberall die beruehmten gelben New Yorker Taxis rumfahren? Ich haette auch sofort eins genommen, aber wenn man sie mal braucht... Kein Einziges! Uebrigens, aber morgen frueh um 5am sollen die Bauarbeiten fertig sein... ;-) Ansonsten waren der gestrige und heutige Tag ein voller Erfolg. Gestern traf ich erst meinen Goettinger Freund Thomas und sein girl-friend aus Boston Christine, dann kam Chrissi dazu, die mit mir im Mount Sinai anfaengt und schliesslich komplettierten wir uns mit Timo, einem Kommilitonen, der auch morgen anfaengt, allerdings in einem anderen Krankenhaus hier in New York. Mit ihm waren wir am Times Square verabredet, der mehrere Strassen umfasst, wir waren eine halbe Stunde zu spaet - und dennoch trafen wir uns sofort.So war ich gestern erst bei Ground Zero, irgendwie auf eine komische Art und Weise wirklich beeindruckend, dann bei der Wall Street, die aber wegen einer grossen Anti-Kriegs-Demonstration gesperrt war (auf einem T-Shirt stand "George W. killed my son"), wir gingen runter durchs Financial District bis zum Ableger der Faehren nach Ellis Island, sahen die Statue of Liberty aus der Ferne und bei AT&T besorgte ich mir eine Simcard mit recht guten Konditionen auch fuer internationale Anrufe (wer die Nummer gerne haette, schreibt mir bitte kurz oder fragt Andre oder meine Eltern). Schliesslich trafen wir einen Freund von Christine im "Klong", einem Thai-Restaurant in Noho (Aha-Erlebnis: das kommt von North of Houston Street, dementsprechend kommt von Soho von... Na?... Genau, South of Houston Street!). Das ist ein ziemlich toller, bunter, multikulti, alternativer Stadtteil. Heute war ich dann wieder mit Chrissi und Timo unterwegs. Eigentlich wollten wir ins MoMA (Museum of Modern Art), aber die Sonne strahlte einfach so verlockend, dass wir uns lieber 2 Stunden im Empire State Building anstellten - zum Glueck schien die Sonne aber immernoch, als wir dann oben im 86. Stock auf der Aussichtsplattform ankamen. Ist eben ein "Must do", war aber etwas ernuechternd - vor allem nach der langen Wartezeit. Ausgehungert stuerzten wir uns anschliessend in die Subway Richtung Meatpacker Viertel , wo wir leckere Pizzastuecke fanden. Zum Nachtisch gab es Eis im Univiertel Greenwich Village, mit dem wir uns in den Washington Park in die Sonne setzten und von allen Seiten Trommeln, Gitarren und im Rhythmus quietschende Schaukeln vom Kinderspielplatz hoerten und bunte, ausgelassene, entspannte (besonders junge) Leute beobachteten. Den Rueckweg von diesem schoenen Tag habe ich ja gleich oben schon beschrieben... ;-) Jetzt gehts ab ins Bett. Hoffentlich schnarcht die eine in meinem Zimmer nicht wieder so laut und vielleicht sind meine roomates ja auch etwas leiser, wenn sie mal wieder betrunken nachts ins Bett gehen. Die haben naemlich gerade Spring brake. Und sind glaub ich alle juenger als ich, zumindest vergnuegungssuechtiger. Oder ich bin einfach alt und langweilig... Aber so gehts mir ganz gut, und dann kanns ja nicht falsch sein. Gute Nacht! :-) April 04 Erster Eindruck So kaufte ich mir gestern also einfach eine Monatskarte fuer die Subway, stieg ein und los gings. Zuerst landete ich in DUMBO (Down Under the Manhattan Bridge Overpass), noch auf der richtigen Seite des Hudson, also in Brooklyn (*g*), wo ich auch gleich das Highlight des Tages erlebte: Die Brooklyn Bridge von unten und der erste Blick, unter der Brooklyn Bridge stehend, auf Manhattan's Skyscraper, die bis in die - zugegebenermassen tiefhaengenden - Wolken reichten. Vor dem flutartigen Regen fluechtete ich je nach Gelegenheit in stylishe Bookstores und Schokoladen-Confisserien. Die letzte Rettung war schliesslich die trockene Subway, die mich nun auf die andere Seite des Hudson brachte - ab nach Manhattan, in den Puls der Stadt. Am Liebsten gehe ich, wenn ich neu in einer Stadt bin, erstmal einfach rum, mach mir einen Eindruck von Entfernungen und Orientierungsmoeglichkeiten und bekomme ein Gefuehl fuer die Stadt. Mir bringt es nichts gleich alle Museen abzuklappern, habe ich waehrend meiner Reisen gemerkt. Ich fuehle mich viel mehr Angekommen, wenn ich, wie hier, z.B. einfach die Subway am Rockefeller Center verlasse, mich in diesem Rieseneinkaufcenter verlaufe, ploetzlich auf der 5th Avenue stehe, direkt vor der St. Patrick's Cathedral, mich dann in Richtung Times Square aufmache, also die 7th Avenue runterlaufe bis zur 42nd St. ungefaehr, mich von lauter bunten Werbetafeln anblinken lasse, dann ab in die Natur, na ja, also den Bryant Park und kulturell wertvoll durch die Public Library laufe, die von aussen wirklich beeindruckend, edel und riesig wirkt, aber die Reading rooms nichts im Vergleich zur Library in Dublin sind. Viele Leute, viel zum Shoppen, sehr bunt und schnell. Aber ich bin trotzdem ganz entspannt gewesen, hab mich einfach treiben lassen und die Freiheit genossen, dorthin zu gehen, wo ich wollte, und immer irgendwas zu sehen, was mir bekannt vorkam. Das hab ich doch schon mal im Fernsehen gesehen... ;-) Schliesslich fand ich tatsaechlich einen Sitzplatz in einem Starbuck's im ersten Stock eines Buchladens (nichts gegen den in DUMBO, aber immerhin mit Cafe!), wo ich bei einer riesigen Hot chocolate und einem Blueberry Scone mein Buch weiterlas, welches ich auf dem Flughafen London-Heathrow zugeklappt hatte - immerhin handelte der Anfang von einem Flugzeugabsturz ueber London-Heathrow... Aber gut geschrieben (Saturday von ...). Inzwischen war es 5pm geworden, und ich merkte doch langsam meinen Jetlag. Also verschob ich das Treffen mit Chrissi, meiner Kommilitonin, auf den naechsten Tag. Der ist heute. Also mache ich mich gleich auf in die Lower Eastside zum World Trade Center Tribute Center, wo ich neben Chrissi auch noch meinen Freund Thomas aus Goettingen und seine Freundin Christine aus Boston treffen werde. Und es regnet im Moment gar nicht...! ;-) April 03 New York, New York... Hallihallo, da bin ich also. Gut angekommen im Big Apple. Draussen regnet es ununterbrochen und ich trockne gerade, nachdem ich meine 20kg Einkaeufe (u.a. 9 Liter Wasser) nach Hause geschleppt habe und meine Arme immer noch am Zittern sind. Aber so lange ich noch tippen kann... ;-) Das Einkaufen war uebrigens ein Erlebnis: es gab ein meterlanges Regal mit Mueslis und Cornflakes, aber kein einziges Schokomuesli! Von wegen, Land der unbegrenzten Moeglichkeiten... Aber dafuer hat mich ein anderer Einkaeufer ploetzlich angesprochen und meinte "Your jeans looks great. Wow!". Ich war zugegebenermassen etwas perplex. Dafuer fuehlte ich mich fast "wie zu Hause", weil die meisten Angestellten sich in Spanisch ueber den ganzen Laden weg unterhielten. Wie schoen! :-) Mein Hostel ist uebrigens super, hat alles was man braucht. Wie z.B. auch diese Internetmoeglichkeit, die ich gerade nutze. Zwar ist wohl gerade alles ausgebucht - mit extrem vielen Deutschen Studis, die alle bei irgendeinem 5-taegigen Event der UN mitmachen -, aber alle sind weg oder schlafen noch, so dass ich hier ganz entspannt vor mich hin tippen kann. Waehrend ich trockne, schmoeker ich im Lonely Planet um trockene Aktivitaeten fuer meinen ersten Tag auszukundschaften. Gleich werde ich mir mal ein Subway-Ticket besorgen und einfach losfahren. Mal sehen, wo ich ankomme... ;-) Und fuer heute Abend bin ich schon mit einer Kommilitonin in Manhattan zum Kochen verabredet. Aufs Global Village! March 30 Abschied von Bremen - auf nach New York!Nach knappen 6 Wochen in der Kardiologie des Klinikums Links der Weser in Bremen geht es am Donnerstag in den zweiten Teil des ersten Tertials meines Praktischen Jahres: gute 2 Monate New York City. Morgen fang ich langsam an zu packen, bevor ich zu meinem letzten Spätdienst auf die Zentrale Aufnahmestation des LdW gehe. Es war eine richtig schöne und sehr lehrreiche Zeit in Bremen und Kardiologie wird immer mehr zu einer Möglichkeit meines späteren (nun denn, in einem Jahr also) Arbeitslebens.
In New York werde ich einen Monat in der Kardiologie und einen Monat in der Infektiologie am Elmhurst Hospital Center in Queens, einem Lehrkrankenhaus der Mount Sinai School of Medicine absolvieren.
Anschließend geht es nach zwei Tagen Aufenthalt zum Wäschewaschen und Sachenumpacken bis Ende September in die Chirurgie an das Queen Elizabeth Central Hospital in Blantyre, Malawi.
Und zum Abschluss meines Praktischen Jahres ist ein Tertial in der Anästhesie in Sanderbusch bei Wilhelmshaven geplant.
Das LdW in Bremen war ein toller Auftakt und ich hoffe, dass der weitere Verlauf dieses Jahres ebenso erfolgreich wird...
Ab nun gibt es also wieder ab und zu ein Blogeintrag, für alle, die wissen wollen, wie es mir gerade so geht - aber ich hoffe auf mindestens ebenso rege Berichte von Euch!
:-) September 12 GöttingenEs sind Semesterferien - aber ich bleib dieses Jahr ganz und gar in Göttingen. Klar unterbrochen von einer Woche Blockpraktikum Pädiatrie in Oldenburg, Gynäkologie in Lüneburg... Also im Großen und Ganzen: Göttingen. Ist ja auch sehr schön hier... Egal, hauptsache, meine Doktorarbeit schreibt sich langsam mal fertig... Es sieht nicht ganz schlecht aus, denke ich. :-)
Aber auf dieser Seite bin ich eigentlich gerade nur, weil meine "kleine" Schwester Marcella jetzt gerade in Australien unterwegs ist - für die nächsten 8-9 Monate... Viel spannender als Göttingen...!
:-) April 13 LimaHola,
uebermorgen gehts zurueck - da muss ich doch noch mal die Gelegenheit nutzen und sozusagen live aus Suedamerika in den Blog schreiben. Wer weiss schliesslich, wie chaotisch der morgige Pack- und was-wir-noch-sehen-muessen-und-auf-Freitag-verschoben-haben-Tag wird.
Ihr seid ja jetzt auf dem Stand, dass wir Cuzco verlassen und uns und unsere Rucksaecke das letzte Mal in diesen 8 1/2 Wochen in den Bus schmeissen wollten. Dies taten wir auch - aber erst nachdem wir noch im groessten Supermarkt Cuzcos, in dem es am fruehen Morgen noch kein Wechselgeld gab, auf die Broetchen warteten, die ebenfalls noch nicht eingetroffen waren, bei der Banco de la Nacion fuer den Polizeibericht bezahlten und dann einen abschliessenden Besuch bei der ach so netten Touri-Polizei in Cuzco hinter uns brachten. Der Beamte, mit dem wir uns am Vortag ja nicht so richtig gut verstanden hatten war nicht da, so dass uns sein Stellvertreter einen ausgedruckten Bogen hinhielt, den ich noch unterschreiben sollte. Dies musste ich allerdings nach dem ersten Lesen verweigern, da der Polizist von gestern zwar - wie ja zum Schluss zugesagt - nun doch meine Geschichte in den Bericht mit hinein genommen hatte, aber nicht die ganze, sondenr nur einen der unwichtigeren Teile (naemlich, dass wir im Hostel angerufen und erfahren hatten, dass der Fotoapparat dort nicht liegen geblieben war) und dann noch eine glatte Luege, die ich so nie geschrieben hatte: seinem Bericht nach hatte ich nach der Busfahrt festgestellt, dass mein Rucksack offen war und die Kamera fehlte. Hallo? Warum habe ich eine Din-A-4 Seite in meinem besten Spanisch mit einer ausfuehrlichen Schilderung des Geschehenen vollgekritzelt, wenn er einfach schreibt, dass der Rucksack offen war, obwohl das einfach nicht stimmte? Klar, logischer waere es gewesen - aber was ist schon logisch auf dieser Welt?! Ausserdem waren die Namen der Speicherkarte und des Akkus falsch geschrieben, was ja wohl eigentlich das Wichtigste am Ganzen war. Als ich dem Polizisten sagte, dass ich das so nicht unterschreiben kann, weil... mischte sich ein anderer vom Nachbarschreibtisch ein, der mir ziemlich sauer sagte, dass ich das doch gestern schon mit dem anderen (unhoeflichen) Kollegen diskutiert haette, und der mir erklaert haette, dass er mir nur etwas in dieser Form und keine Anzeige schreiben koennte. Ach nee, ganz bloed bin ich auch nicht. Ich sagte ihm, dass die Form ja auch voellig in Ordnung sei (natuerlich haette ich lieber eine Anzeige wegen Diebstahl aufgegeben, aber wenn das nun mal nicht geht, dann eben nicht), aber ich nichts unterschreiben wuerde, was einfach falsch sei. So ging das dann noch ziemlich lange hin und her, bis wir zwar nicht meinen handschriftlichen Bericht des gestrigen Besuchs, aber doch den des Polizisten fanden, in dem nichts von einem offenen Rucksack stand. Na gut, sie wuerden es aendern, wir sollten morgen wiederkommen, da dann der andere Polizist wieder da sei, und sie ja jetzt nicht in seinem Bericht rumfuschen koennten. Aeh... wir fahren um 2pm nach Lima. Dann muessten wir eben wann anders fahren. Aber unser Flug geht von dort aus (zwar erst in einer Woche, aber meine Guete). Dann sollten wir die Tickets zeigen. Wer sind hier ide Verbrecher?? Wir zeigten also die Busticket fuer den Bus nach Lima, und ploetzlich ging es dann doch, dass sie im Computer den Bericht korrigierten, ich ihn unterschrieb und endlich einen Zettel mit immerhin vier Stempeln und zwei Unterschriften in der Hand hielt, der zumindest nicht Falsches, wenn auch in der Menge ueberhaupt nur wenig aussagte. Jetzt hatten wir uns aber ein Fruehstueck im Café mit Blick auf die Plaza Mayor verdient! Und dann war es auch schon an der Zeit die Rucksaecke aus dem Hostel zu holen und ein Taxi zum terminal terrestre zu schnappen. Ueber die Fahrt nach Lima laesst sich eigentlich nicht viel sagen: Die Strecke war zu 90% extrem kurvig, weil an Berghaengen entlang, aber ich hatte mir in weister Voraussicht das erste Mal ein Scopolamin-Pflaster hinter das Ohr geklebt, dass kontinuierlich Scopolamin transdermal und transkutan ausschuettet, welches die Sensibilitaet des Gleichgewichtsorgans und somit Reiseuebelkeit mindern sollte. Ich war auch ziemlich zufrieden mit der Wirkung. Zwar war mir zwar des Oefteren schlecht, aber es war irgendwie anders und ich konnte gut schlafen - im Gegensatz zu der Kleinfamilie neben uns. Papa, Mama und kleines Kind, dass sich die ganze Zeit auf den Boden uebergeben hat, was natuerlich den Geruchssinn (vor allem ueber so einen langen Zeitraum) ganz schoen strapaziert hat. Die unfaehige Mutter hat dann immer wieder nachgefuellt, naemlich Milch und Kekse gegeben, hatte keine Tuete dabei... In dieser Hinsicht haette die Fahrt also etwas schoener verlaufen koennen.
Als letztes gibt es wohl nur noch anzumerken, dass die eigentlich 19 Stunden dauern sollende Fahrt im Endeffekt 24 dauerte, so dass wir also am Ostersonntag gegen 1pm im Hotel España in Lima waren, wo wir schon zwei Betten in einem dorm (12 Soles pro Nacht, also 3 Euro) per e-mail vorgebucht hatten. Ostersonntag... man wiess ja nie. Dieses Hotel ist super organisiert, relativ gross mit einer schoenen Dachterrasse zum Fruehstuecken und Abendbrotessenm es gibt warme Duschen (die in Cuzco deutlich noetiger gewesen waeren, denn Lima ist ziemlich warm) - nur die Touris, die es noch nicht gerallt haben, dass man Klopapier in den Muelleinmer und nicht ins Klo schmeisst und die Klospuelung etwas laenger betaetigen muss, damit es klappt, sind etwas nervig. Es ist bestimmt eines der schoensten Hotels die wir hatten (geraeumig, Kolonialstil mit vielen grossen Gemaelden, Stuck etc.), aber auch das mit dem groessten Kloverstopfungsproblem. Kurz Sachen abladen und losziehen zum Supermarkt - endlich mal wieder ein richtiger grosser Supermarkt mit allem was man braucht in grosser Auswahl - nur mal wieder keine einzelnen Schokoriegel, aber schon die Wise Guys singen ja so passend "Du kannst nicht alles haben...". Mit den Einkaeufen auf die Treppen vor der Catedrale an der Plaza Mayor und den ersten guten Schmierkaese seit (gefuehlten) Ewigkeiten vernichten. Natuerlich koennen wir, zwei blonde (ja, auch Sarah zaehlt fuer die Suedamerikaner zu den Blonden) extranjeras mal wieder nicht ungestoert einfach auf einem oeffentlichen Platz sitzen, ohne dass wir angequatscht werden, was mal netter und mal eher nervig ist. Diesmal war es eine Mischung, da der Peruaner in den 30ern sehr gut informiert war - zumindest was Klischees von Laendern und ihre Einwohnerzahlen etc. angeht. Ganz baff war er, als wir ihm erzaehlten, dass es in Deutschland um die 300 verschiedenen Brote gibt - da hat er neben den Biersorten und den ganzen Wuerstchen noch eine weitere Zahl gelernt. Sein 22-jaehriger Begleiter war deutlich schuechterner, aber dabei sehr sympathisch - vor allem im Vergleich mit diesem Laberkopp. Irgendwann konnten wir uns losreissen und fanden in der Fussgaengerzone einen Eisladen mit wirklich gutem Eis (wir meistens undichten Waffeln, aber s.Wise Guys...). Mit diesem bewaffnet gingen wir einfach mal los, was nach dem ganzen Sitzen im Bus aeusserst angenehm war. Schliesslich kamen wir wieder im Hostel an, was nur wenige Blocks von der Plaza Mayor entfernt ist, genossen die Dusche und unterhielten uns mit einem Israeli, der eben erst vom Flughafen gekommen und noch etwas verpeilt war. Wie die meisten Israelis, die man hier trifft - und das sind einige! - hatte er gerade seinen Militaerdienst hinter sich und jetzt noch 6 Monate Zeit zum Reisen bevor das Studium losgeht. Und wie fast alle, die wir trafen, wollte er dann Ingenieurwissenschaften studieren. Nee, aber Museen und so wollte er sich erstmal nicht angucken. Die hat er zu Hause, bei Tel Aviv, genug. Lieber nach Bariloche. Was? Argentinien ist noch teurer als Peru? Die 2 1/2 Liter Wasser haben doch gerade schon 0,75 Euro gekostet! Na ja, er wuerde sich schon noch an Suedamerika gewoehnen - und vielleicht sogar noch ein bisschen Spanisch lernen...? Dann gab es fuer uns nur noch eins: Schlafen - und zwar im Bett!
Ostermontag, den 09.04. also, konnten wir gleich mal unser erstes groesseres Lima-Projekt angehen: Pachacamac. Dafuer gingen wir ein ganzes Stueck bis zu einer der Hauptverkehrsadern - die es in dieser doch recht grossen Stadt mit seinen etwa 10 Mio. Einwohnern in einer Vielzahl gibt. An den Bussen steht bzw. die Busschreier schreien dann z.B. "Toda Arequipa" oder "Toda Grau" oder... , was einem dann eben sagt, dass sie diese ganze Strasse langfahren und man eben abspringt, wenn man da ist. Auch mal mitten auf der Strasse, weil die Spur am Buergersteig gerade belegt ist... Nun denn, wir fuhren etwa eine Stunde mit Umsteigen und noch einen kleinen Stueck laufen und dann waren wir an den Ruinen von Pachacamac. Pachacamac war seit etwa 300 v.Chr. ein Orakel fuer die Reiche und Maechtigen, gleichzeitig aber auch der Señor de los temblores, der ja schon in Cuzco einer der ganz wichtigen war, weil er mit einer einzigen Bewegung Erdbeben beenden konnte. Besonders interessant an dieser archaeologischen Staette - neben der Tatsache, dass sie mitten in der Wueste liegt und eine Oase an sie grenzt, die auf der anderen Seite vom nahen Pazifik (endlich wieder Wasser!!) eingegrenzt wird - ist, dass die jeweiligen expandierenden Gruppen sich dort verewigten, in dem sie neue, hoehere und schoenere Tempel bauten. Erst die Lima, dann die Wari, dann die Yschma und schliesslich die Inka, die ja das groesste Territorium ihr eigen nennen konnten. Wenn schon, denn schon: wir nahmen uns eine guía, die viel spannendes zu erzaehlen hatte. Z.B. haben die Inka den Tempel der Sonne gebaut, den hoechsten des Komplexesm in welchem Jungfrauen geopfert wurden. Diese wurden erstmal "rangezuechtet", und zwar im Palacio de las Mamacuñas, dem Tempe der auserwaehlten Frauen. Diese lebten unter der Aufsicht aelterer Frauen separiert in diesem Tempel (konnten wohl auch gehen, wenn sie nicht mehr wollten, war kein Gefaengnis - aber wer verwehrt sich schon der Ehre den Goettern geopfert zu werden?!) und wurden dann irgendwann eben ihrem Schicksal, Sinn des Lebens oder was auch immer ueberlassen - dem Geopfertwerden. Super Sache... Also, wie gesagt: Wueste. Es war also ganz schoen warm und wir nach zwei Stunden besichtigen froh ueber den Schatten am Ausgang. Wir nahmen dann einen Bus zurueck ins Zentrum, wo es nach dem Eis erstmal kurz nach Hause ging um die gewaschene Waesche von der lavanderia nebenan abzuholen, die wir morgens hingebracht hatten. Auf frische Waesche freut man sich doch immer fast wie auf Weihnachten, gerade, wenn es so warm ist und man so stinkt wie in Lima. Umso enttaeuschender war es dann festzustellen, dass die Waesche irgendwie nicht richtig sauber, sondern immer noch etwas stinkig roch. Lima hat auf Grund seiner klinatischen Bedingungen Wasserrestriktionen und scheinbar war unsere Waesche irgendwie trocken gewaschen worden. Grummel... Um dem Abend doch noch etwas Positives zu geben ging es mal wieder in den Supermarkt, sowie ins Internet und dann mal ganz edel in ein schickes chinesisches (na ja, es liefen dort nur Peruaner rum, es gab Messer (!) zu der Gabel...) Restaurant mit schieken und vor allem ganz vielen Kellnern, fuer die doch eher uebersichtliche Menge an Gaesten - und das alles fuer so billig wie wir wohl noch nie assen. Jeder mit einer riesigen Portion Reis, Gemuese und Soyasauce (mjam und doppel-mjam!) und einem lauwarmen Ananassaft (na ja, zumindest war er frisch) ziemlich gut bedient. Nicht nur die Temperatur des Ananassaftes, sondern auch die aeussere haette zwar ruhig etwas niedriger sein koennen, aber mit diesem Reis waren wir im siebten Himmel! Natuerlich auch gleich wieder ne Karteikarte mit e-mail-Adresse abgesahnt, klar *grins* Na ja, wer kann denn auch Elmas Adresse nicht wollen - erinnert doch irgendwie gleich an Sesamstrasse, oder? Mal ein kurzer Abstecher in ein typisches Gespraech mit ganz egal welchem Anquatscher (auf der Strasse, beim Eiskaufen, im Restaurant, im Museum, auf der Plaza, beim Busfahren...): Wo kommt ihr her? - Aus Deutschland. - Ah, guten Tag. Wo genau? Berlin? - Nein. Aus dem Norden. - Muenchen? - Nein, aus dem Norden, Muenchen ist im Sueden. Hamburg ist im Norden. - Aah... Wirklich, mit ganz kleinen Abweichungen sieht das immer in etwa so aus. Je nach Allgemeinstimmung eben mal lustiger, mal nerviger.
Am Dienstag machten wir mal einen auf Kultur und gingen zunaechst in die grosse Catedrale an der Plaza de Armas und anschliessend ins Museo de Arte. Dieses ist auf jeden Fall einen Besuch wert: Von praekolumbianischer Keramik und Textilverarbeitung ueber Kolonialkunst (wichtig: Escuela cuzqueña oder Cuzco Schule), unterbrochen durch eine aktuelle Fotoausstellung von Gruenwald und alte Fotos von Chambi und den Vargas-Bruedern, bis zu moderner Kunst war fuer jeden etwas dabei. Mehr Erklaerungen waeren, wie in den meisten Museen, die wir besucht haben, schoen gewesen, aber so konnte man sich eben ganz auf die Werke konzentrieren. Nach drei Stunden in eigentlich nur einem grossen Saal waren wir erstmal kunstgesaettigt und setzten uns draussen in den Park. Hier trafen wir auch die Nonne ganz in weiss mit ihren schwarzgekleideten Novizinnen (alle mit dem gleichen Haarschnitt), die schon in der Catedrale rumgewuselt waren, wieder, die meisten mit einem Wassereis und die Chefin mit einem digitalen Fotoapparat bewaffnet - ein Bild fuer die Goetter... oh, es gibt ja nur einen... Anschliessend wollten wir noch etwas Orgakram erledigen und unseren Flug bestaetigen. Bei Taca weiss man ja nie... Im ersten Reisebuero gaben sie uns eine Telefonnummer von Taca, im zweiten war die Frau so merkwuerdig, dass sie zwar irgendwo anrief, aber spaetestens als sie ueberrascht bemerkte, dass wir ja verwandt waeren, wegen der gleichen Namen auf den Tickets (ich glaube, sie meinte "Deutsche Lufthansa"), war uns klar, dass wir das selbst nochmal machen wollten. Es folgten die taeglichen Selbtsverstaendlichkeiten mit Eisessen, Supermarkt, Abendessen auf der Dachterrasse, Duschen und Schlafen. Wundervoll! Ach ja, und als wir im Internet waren lernte ich einen netten Taetowierer kennen, der mir sein Equipment gezeigt hat - sogar mit Sterilisator und eingeschweisster steriler Spitze fuer jeden einzelnen Kunden. Ich konnte mich aber dennoch beherrschen. Er ist aber mal ein ganz netter, nicht so ein Aufreisser, sondern eher schuechtern, mit dem man sich gut unterhalten kann. Mit seinen 20 Jahren hat er schon 'ne ordentliche Gastritis, was bei seinem Lebenswandel keine grosse Ueberraschung ist (mit 18 von zu Hause weg, Stress mit dem Ziehvater, zwei Jahre irgendwie durchgeschlagen, bei Freunden gewohnt, dann wegen seiner kleinen kranken Schwester, die wohl schlimmes Asthma hat, wieder zurueck, aber der familiaere Stress geht so natuerlich weiter). Sich hier mit einem Mann zu unterhalten, der einen nicht anmachen oder einem etwas verkaufen will, ist schon etwas Besonderes. Er hat mir im Endeffekt sogar einen Gluecksbringer geschenkt - den er doch wohl deutlich noetiger hat als ich...
Gestern, Mittwoch, dem 11.04., stand Urlaub ganz gross auf dem Programm. Wir nahmen also einen Bus nach Miraflores, DEM Shopping- und Strandviertel, wo auch die meisten Reisenden unterkommen (das Zentrum ist ja soooo gefaehrlich - haben wir noch nichts von gemerkt, na ja, sind ja auch immer spaetestens um halb 10pm im Bett...). Meer!! Als erstes also runter an den Strand. Dieser besteht aus Steinen und liegt direkt an einer grossen Strasse, aber nachdem wir uns die mehr oder weniger gluecklichen Versuche der Surfer angeschaut und ein bisschen am Wasser entlang gegangen waren, fanden wir einen tollen einsamen Platz - ohne Blick auf die Strasse und mit dem alleinigen, dafuer umso lauteren Geraeusch des Wassers und der rauschenden Steine bei jeder Welle. Sarah machte einen vorsichtigen Versuch zu plantschen, gab aber angesichts der ziemlich grossen Wellen ziemlich schnell wieder auf. Aber einfach am Wasser zu sitzen, in die Weite zu sehen und dem Wasser und den Steinen zuzuschauen ist schliesslich Erholung und Entspannung pur! Nach einiger Zeit machten wir uns wieder auf, hoch auf den oberen Teil der Steilkueste, wo eine Mall direkt in den Felsen gebaut ist - wir wollten aber bei diesen Preisen und der Waerme nicht gross shoppen: wir wollten ein Klo (super Klo, mit Klopapier, automatischer Spuelung, Seife und Papierhandtuechern, hui!!) und ein Eis. Letzteres war ebenfalls von extremem Erfolg gekroent, wir hatten schliesslich die Qual der Wahl aus 36 Sorten auszuwaehlen. Mit Blick uebers Meer genossen wir auch diesen Teil des Tages und machten uns auf, den angeblich groessten Supermarkt von Lima zu erkunden, der mit einer Mall mithalten koennen sollte. Eher enttaeuscht von diesem Supermarkt, der kleiner und teurer war, als unserer im Zentrum, erlagen wir der Versuchung und begruben unseren (angesichts dieses tollen Tages doch eher geringen) Frust bei KFC - auf den Imperialismus! Nach erfolgreichem Stoebern in artesanías-Maerkten war es auch schon ganz schoen spaet geworden, so dass wir den Bus zurueck ins Zentrum nahmen. Heute waren wir mal so richtige Klischee-Touris, muss ja auch mal sein. Na ja, doch nicht ganz, schliesslich kauften wir unser Abendessen mal wieder im Supermarkt und gingen nicht Essen... Der Appetit hielt sich aber ohnehin in Grenzen.
Heute, vorletzter ganzer Tag der Reise: Nachdem Sarah gerade nicht mehr so der Durchschlaefer ist, hat sie etwas ganz schoen dreistes bemerkt. Wir haben gerade, nun ja, nicht ganz perfekte Leute im dorm. Der Israeli und ein netter Californier sind abgereist, jetzt haben wir Spanier und Amis, die sich hier wohl noch nicht ganz so aklimatisiert haben. Zumindest scheinen sie noch nicht zu wissen, dass man hier sein eigenes Klopapier kaufen muss. Jedenfall hat sich unser Vorrat ganz schoen dezimiert und Sarah haette wohl fast zuviel bekommen, als heute Nacht einfach jeder sich unsere Rolle geschnappt hat, die natuerlich heute Morgen kaum noch vorhanden war. Grrrr. Natuerlich, klar, kein Weltuntergang, aber wie dreist muss man eigentlich sein. Tztz... Wir lassen uns aber nicht unterkriegen und sind dann erstmal wieder in die Welt der Kultur abgetaucht - naemlich mit dem Bus (no gracias, wir wollen kein Taxi) ins Museo de la Nación gefahren. DAS Museum Perus. Puh, das war vielleicht anstrengend. Ich meine, klar, alles ueber die praekolumbianischen Voelkergruppen, das Besondere ihrer Keramik etc. zu erfahren ist schon interessant - aber auf vier Etagen, so dass man etwa vier Stunden braucht um da durch zu kommen? Und ausserdem: wenn es schon Mueo de la Nación heisst, haette ich eigentlich erwartet, dass meinetwegen zwei Etagen praekolumbianisch, dann eine Kolonialzeit und dann eine aktuelle Geschichte (Kolonialzeit bis jetzt) waere. Eher so ein bisschen wie in Ediburgh, wo es ein ganz tolles Naional Museum (ich glaube, es heisst so) gibt. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, finde ich, aber meine obengenannten Verbesserungsvorschlaege waeren doch durchaus beachtungswert... Nach einem kleinen Kraeftetanken in der Sonne draussen beim Koi-Becken, fuhren wir zurueck ins Zentrum und - ihr koennt es Euch schon denken - Eisessen, auf die Plaza und ins Internet. Und gleich gehen wir zur Feier des Tages und weil wir noch einige Soles haben Essen. Hunger!
Morgen folgt wohl ein Pack- und was-wir-noch-sehen-muessen-und-auf-Freitag-verschoben-haben-Tag. Samstag um 10:15am gehts dann ab in die Luefte. Und Sonntag um 10:45am landen wir hoffentlich samt Rucksaecken (man weiss ja nie, was Taca so macht - siehe Ankunft La Paz) in Hannover...
April 07 Cuzco IISchon mal am Anfang eine kleine Vorwarnung - dieser Eintrag koennte oder wird sogar ziemlich sicher weniger positiv ausfallen als die letzten. Wer also ohnehin schon schlechte Laune hat oder deprimiert ist, sollte das Lesen vielleicht auf einen guenstigeren Zeitpunkt verschieben. Nun denn...
Vorgestern, am Mittwoch, dem 04.04., schnappten wir uns unsere kleinen Rucksaecke mit dem Noetigsten, unsere Essenstueten (die gut vorbereiteten Deutschen eben...) und liessen unsere grossen Rucksaecke im deposito de Hostels zurueck. Um halb 9am fuhr passenderweise gerade als wir bei der Busstation ankamen einer nach Urubamba ab, wo wir nach etwa 1 1/2 Stunden Fahrt ankamen und in einen Minibus umstiegen, der uns in etwa 20 Minuten nach Ollantaytambo brachte. Dort gab es eine kleine Staerkung auf dem Hauptplatz dieses kleinen touristischen und trotzdem sympathischen Staedtchens (2000 Einwohner), das am Fusse einer Inkaruine gelegen ist, auf welche wir nun klettern wollten. Zuvor wollte ich bereit sein fuer alle Schandtaten und tollen Ausblicke und meinen Fotoapparat herausholen, machte also meinen Rucksack auf, fand darin meine geoeffnete aber leere Tasche fuer den Fotoapparat und wuehlte, zuerst sicher, dass er nur rausgefallen und irgendwo in den Tiefen des Rucksacks laege, doch immer besorgter meinen Rucksack durch, kippte ihn aus, durchwuehlte alle Tueten - aber der Fotoapparat blieb verschwunden. Morgens hatte ich ihn ganz sicher eingepackt, das wusste ich, da ich noch den Akku nach dem Laden wieder eingesetzt hatte. Ich hatte zum Trocknen noch ein Handtuck ueber den Rucksack geknotet, so dass der Zugang noch schwieriger geworden waere, ganz davon abgesehen, dass wir nicht durch Menschenmengen gegangen sind und sich auch sonst niemand dem Rucksack genaehert hatte. Im Bus nach Urubamba hatte ich einmal kurz etwas aus dem Rucksack geholt und ihn hinterher gleich wieder geschlossen und im Minibus anschliessend hatten wir alleine auf der letzten Bank gesessen - mit verschlossenem Rucksack. Die einzige Moeglichkeit das Verschwinden zu erklaeren war also, dass im Bus von Cuzco nach Urubamba ein aeusserst geschickter Dieb am Werk gewesen, oder dass der Fotoapparat rausgerutscht war - was ich aber eigentlich wirklich haette bemerken muessen, ganz davon abgesehen, dass die kleine Tasche des Fotoapparats geschlossen gewesen war. Zunaechst riefen wir im Hostel in Cuzco an, um zu fragen, ob er vielleicht doch liegen geblieben war, aber beim Saeubern des Zimmers war nichts gefunden worden. Danach schnappten wir uns ein teures Taxi, damit wir schneller als mit einem colectivo, also einem Minibus, wieder in Urubamba waren, und es wahrscheinlicher war, dass unser Bus noch da und nicht schon wieder auf dem Rueckweg nach Cuzco war. So waren wir kurze Zeit spaeter wieder in Urubamba am terminal de buses, das gerade einer der Busse verliess. Ich war viel zu konzentriert ihn aeusserlich zu checken, nicht das unser Bus vor unserer Nase wegfuhr, als dass ich den metertiefen Abwasserkanal bemerkte, ihn den ich dann natuerlich erstmal mit einem Bein fiel. Egal, Hauptsache den Bus finden! Dieser stand zum Glueck noch auf dem Hof und wir gingen gleich rein um nach der Kamera zu suchen. Nichts. Draussen fanden wir den Fahrer, der meinte, dass er ihn noch nicht gereinigt habe und wir doch noch einmal gut suchen sollten. Wieder erfolglos. Genauso wie das Fragen im Buero der Busgesellschaft - wer gibt auch schon eine gefundene Fotokamera ab? So ein Mist. Natuerlich ganz schoen fertig (nicht nur wegen des materiellen Verlusts, sondern vor allem wegen den fuer immer verlorenen Fotos immerhin einer ganzen Woche!) nahmen wir dann den naechsten Bus zurueck nach Ollantaytambo. Was haetten wir auch anderes tun koennen? Dort gingen wir zum Eingang der archaeologischen Staette und konnten netterweise unsere schweren Essenstueten in einem Kabuff deponieren. Da nun einmal alles zusammen kommen muss stiess ich mir beim Verlassen dieses Kabuffs ziemlich doll den seitlichen Teil meines Kopfes, so dass er noch am naechsten Tag droehnte und mir schlecht war (das kann natuerlich auch einfach an dem allgemeinen Stress und Schrecken des Verlusts gelegen haben, den ich nicht verleugnen kann). Das Aergerlichste fuer mich ist, dass ich einfach nicht nachvollziehen kann, wie der Fotoapparat wegkommen konnte. Ich hatte ihn in der geschlossenen Fototasche in meinem geschlossenen Rucksack, der waehrend der ganzen Fahrt auf meinen Knien in meinen Armen lag und zusaetzlich von einem Handtuch bedeckt war. Als mir in Guatemala meine Sachen geklaut wurden, war ich wenigstens wirklich bloed und selber Schuld, wusste, wie es passiert war, aber jetzt? Nun denn. Wir stiegen also auf die Ruinen hoch, die einstmals sowohl eine tempel- als auch eine militaerische Funktion hatten. Hier erlebten die Spanier z.B. eine ihrer schlimmsten Niederlagen gegen die Inka - auch wenn sie spaeter mit Verstaerkung wieder kamen und doch noch siegten, aber trotzdem: bei den steilen Stufen und Abhaengen kann es kein Kinderspiel gewesen sein. Nach einigem Rumgekletter und Gegucke verliessen wir die Ruinen wieder und picknickten erstmal an einem Fluss. Fuer die Nerven fuehrte die anschliessend Suche nach einem Eis schliesslich zum teilweisen Erfolg: wir fanden Eis, aber es war das schlechteste Eis, der ganzen Reise. Wie gesagt: wenn schon, dann richtig (Murphy's Law, das Fungi Law schien eine Pause zu brauchen)! Dass die Ruinen uns trotz allem begeisterten, spricht eindeutig fuer sie! Ich war ziemlich kaputt, eindeutig zu viel Adrenalin ausgeschuettet heute, also liefen wir zwar kurz ueber den artesanias-Markt, aber landeten schliesslich in einem Café, wo ich selbigen auch konsumierte - irgendwie muss man ja wieder wach werden. Waehrend ich also ueber meinem Kaffee doeste loeste Sarah das Geheimnis einer Knotentechnik eines Bandes, das an einer Kette baumelte, die ich auf dem Markt gekauft hatte - eindeutig zu viel fuer meinen Kopf nach diesem Tag. Das Einzige, was ich wollte, war ganz kurz ins Internet zu gehen und meine Eltern zu informieren, da sie besonders in solchen Situationen einfach immer weiter helfen koennen - ja, ganz tolle Eltern!! Wir warteten etwa eine halbe Stunde, weil eine Amifrau mit ihrem Sohn unbedingt von Ollantaytambo, wo das Internet (wie wir selbst spaeter feststellten) extrem lahm und unzuverlaessig war, einen Flug uebers Netz buchen mussten. Super Idee... Nachdem ich nach einer Stunde auch endlich die mail fuer meine Eltern losgeworden war und es mittlerweile draussen dunkler wurde, machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof, wo der Zug nach Aguas Calientes (DEM Ausgangspunkt fuer Machu Picchu - Besuche) abfahren sollte, fuer den wir ja immerhin schon Tickets hatten - an einem Tag wie heute, an dem fast alles schief ging also aeusserst wertvoll. Auf dem Weg zum Bahhof lernten wir Joergen und Kaj kennen, zwei daenische Rentner, die so nett waren, dass wir uns gleich mit ihnen am Banhof in ein Café setzten und einen Tee tranken. Schliesslich schien sich draussen was zu regen und nach einigem Warten und Draengeln waren wir im Zug und gegen 20:15 ging die Fahrt los. Wir fuhren die ganze Zeit an einem reissenden, rauschenden Fluss entlang, dem Urubamba, der in den Amazonas und schliesslich in den Atlantik muendet. Daruber der Vollmond - wirklich schoen. Wir hatten ja bereits eine Hostelreservierung gemacht und wurden dann auch prompt nach unserer Ankunft gegen 10pm vom Bahnhof abgeholt und ueber den Hauptplatz dieses fast noch touristischeren Staetchens (ebenfalls 2000 Einwohner), der fast direkt am Bahnhof lag, gefuehrt, in dessen Ecke unser Hostel gebaut war. Suboptimal, weil mit Fenstern in perfekter Einstiegshoehe (ich hatte ja sowieso nichts spannendes mehr fuer moegliche Diebe...) und extrem verstaubt, aber relativ guenstig (etwa 3,75 Euro pro Nacht pro Person). Wir waren beide voellig fertig und fielen nach dem Zaehneputzen in einer Staubwolke ins Bett. Fuer Sarah war dies tatsaechlich ein Problem, da sie allergisch auf Hausstaub reagiert - sie meinte zwar, dass sie schon Schlimmeres erlebt hatte (das sagen wir des oefteren...), aber der Schlaf kam bei ihr in den beiden Naechten in Aguas Calientes eher etwa kurz.
Wir hatten uns ja fest vorgenommen frueh aufzustehen, hoch zu der archaeologischen Inkastaette Machu Picchu zu wandern (uebrigens eines der Sieben Weltwunder) und wachten somit dank Wecker um 20 vor 4am auf. Draussen prasselte der Regen, so dass wir den Wecker auf Viertel nach 4am stellten - keine Chance, draussen regnete es Bindfaeden. Na gut, schade, aber dann eben nicht. Somit gingen wir erst zwischen 6 und halb 7am los: erst etwa 20 Minuten die Strasse am Río Urubamba entlang, die auch die Touribusse nach Machu Picchu nehmen und dann den gut beschilderten, steilen, fast nur aus unregelmaessigen Stufen (beim Rueckweg gezaehlte 1580) bestehenden "Fussweg" hoch. Gegen 8am waren wir endlich oben - toller Weg mit tollen Blicken auf die benachbarten teils wolkenverhangenen gruen bewachsenen Berge, aber Stufen sind nun einmal nicht der angenehmste Weg zuf einen Berg zu steigen. Wir hatten bei 2040m Hoehe angefangen und waren hinterher auf etwa 2500m. Eigentlich also nicht wirklich viel an Hoehenmetern, da sind wir schon deutlich hoeher gestiegen, aber die Art des Steigens war einfach anstrengend - vielleicht auch gerade, weil wir ohne Fruehstueck dort hochgegangen sind. Nach der Fruehstueckspause oben waren wir voller Tatendrang nun endlich die Staette zu sehen. Wir nahmen uns einen guía, der ein richtiger Gluecksgriff war: ein aelterer Mann namens Francisco, der von den Inka und ihrer Intelligenz - sowohl was das Bauen, als auch was das astrologische Wissen anbelangte - extrem beeidruckt war, die Spanier, wie er im Nebensatz nuschelte, eher nicht so mochte, Ahnung von Pflanzen hatte, die er uns immer wieder zum Riechen unter die Nase hielt und erzaehlte, was man damit machen koennte, sich Zeit nahm, und vom Fotografieren (unsere Sammlung von Fotos, auf denen Sarah und ich sind, hat sich von einem nach sieben Wochen Reisen auf etwa 10 bei dieser einen Tour vermehrt) fast genauso begeistert war, wie von den Inka. Gerade diese Begeisterung und sein geheimnisvolles Erzaehlen von Energien etc. machten ihn so sympathisch. Gegen 11am war die Tour zu Ende und wir brauchten erstmal eine Pause, die wir erst in der Sonne (bloss nicht auf den Rasen der Terassen gehen, sonst wird man von den Aufpassern mit Trillerpfeife runter gepfiffen!) und dann, durch Steine von den meisten anderen Touris abgeschirmt im Schatten verbrachten. Trotz Nebensaison war es recht voll (die meisten fuhren mit den zirkulierenden Bussen hoch und waren mit organisierten Touren unterwegs - wie schoen frei zu sein, muss mal wieder gesagt sein!) und wir wollten uns lieber nicht vorstellen, wie es hier in der Hauptsaison aussehen musste. Machu Picchu war einfach beeindruckend. Ich weiss gar nicht, wie ich es beschreiben soll - fahrt also am Besten alle mal hin - aber diese "verlorene" Stadt, die erst 1911 von dem US-Amerikaer Hiram Bingham verlassen wieder entdeckt und vorher von keinem conquistador o.a. erwaehnt worden war, ist einfach dermassen intelligent gebaut und hat so viele Details - ob die geometrischen, meist im Halbkreis angeordneten Terrassen an der steilen Wand, der Intihuatana, mit dem eben anhand des Sonnenstandes das Sonnenjahr bestimmt wurde, der Wahnsinnspostkartenblick ueber die ganze Stadt oder der Condor, dessen einer Fluegel aus den Folterbuchten besteht: beeindruckendst!! Was ich auch spannend fand, ist die gegenseitige Begruessung der Inka: "Sei kein Raeuber, sei kein Luegner, sei kein Faulenzer" - "Du auch nicht" Wenn man eine dieser als schlimmste angesehenen Eigenschaften besass, war man reif fuer einer der erwaehnten Folterbuchten. Im Hintergrund DES Postkartenbildes gibt es den Huayna Picchu (2690m), den kleinen Bruderberg des Machu Picchu sozusagen, den man hochlaufen kann, aber irgendwie waren wir ganz schoen kaputt von dem, was wir bisher gesehen und gelaufen hatten und verzichteten somit auf diese Moeglichkeit. Was total super war, war, dass die liebe Sarah mir eine ihrer Kamaras in Hand drueckte (sie hat zwei Spiegelreflex dabei, eine fuer Farbfotos und eine fuer s/w - das konnte ich ja in meiner digitalen durch eine Drehbewegung am Rad einstellen *schnief*) und ich so auch eigene Fotos von Machu Picchu habe, was ja doch einfach ein was anderes ist, als "nur" ihre Kopien. Ausserdem sind Spiegelreflexkamaras einfach toll - wir sind schon auf der ganzen Reise dabei, die Vor- und Nachteile von Spiegelreflex- und Digitalkameras zu vergleichen... Ein endgueltiges Ergebnis gibt es aber nicht, da natuerlich jede ihre guten und ihre schlechten Seiten hat. Digitale Spiegelreflex - das muss das hoechste der Gefuehle sein (mal ein paar Inhaber interviewen). Hauptsache Fotos - und sogar selbst gemachte Fotos. Danke, Sarah!! Nach den letzten Fotos machten wir uns an den Abstieg, der nur 40 Minuten dauerte, so dass wir gegen 3pm wieder unten in Aguas Calientes waren und uns dort zunaechst auf die Suche nach einem Kugeleis machten - unglaublich in einem solchen Touritown, aber erfolglos, so dass wir schliesslich ein ebenfalls leckeres Wassereis lutschend an der Plaza mayor sassen. Ein kurzer Internetbesuch, der mich etwas aufmunterte, da es sein kann, dass die Gepaeckversicherung einspringt. Morgen also gleich zur Polizei in Cuzco gehen, damit das Verschwinden aufgenommen wird und ich was fuer die Versicherung in der Hand habe. Nach dem Internet kurz in die Markthalle und dann auf der Plaza picknicken (aetsch, ihr vor-den-Restaurants-Steher - euer Werben und Rufen hat nichts gebracht, wir haben unsere Provianttueten). Zum Glueck ist es gegen 6pm schon dunkel, so dass wir uns nicht allzu komisch fuehlen um halb 7pm im Bett zu liegen. Aber wir sind einfach total kaputt und muessen am naechsten Morgen mal wieder frueh aufstehen, um den Zug zurueck nach Ollantaytambo zu nehmen.
Somit standen wir heute, Freitag, Morgen um Viertel nach 5am auf und fuhren bis etwa halb 8am mit dem Zug nach Ollantaytambo zurueck, wo wir uns erstmal ein tolles Fruehstueck mit allem was dazu gehoert (Ruehrei, Pfannkucen, Kaffee etc.) goennten und ein Wechselgeldproblem entfachten, weil wir die 25 Soles mit einem 100 Soles-Schein bezahlten (immerhin etwa 25 Euro, soviel Wechselgeld hat man doch in einem Touritown am fruehen Morgen noch nicht in der Kasse). Die Zeit des Wartens nutzte allerdings ein suedamerikaniches Paerchen um sich mit uns fotografieren zu lassen (toll, blond!) und nachdem aus der Not heraus von den Kellnern ein Sixpack gekauft worden war, gab es auch Wechselgeld. Wir schnappten uns einen Minibus nach Urubamba, wo wir noch einmal im Buero nach meinem Fotoapparat fragten, erfolglos, und meine e-mail-Adresse fuer den unwahrscheinlichen Fall des Wiederauftauchens dort liessen und fuhren schliesslich weiter mit dem Bus ueber Pisac (wo wir bei Regen allerdings keine Lust auf weitere Ruinen hatten) nach Cuzco. Dort war das Wetter auch nicht das dollste, so dass wir uns freuten, gestern bei Sonnenschein in Machu Picchu gewesen zu sein. Der allererste Weg fuehrte zur Polizei, wo wir in den ersten Stock zur Policía turística und dort in ein Buero geschickt wurden. Im Lonely Planet hatten wir gelesen, dass es eben diese grosse Touripolizei in Cuzcu gab, waehrend z.B. in Urubamba keine aufgefuehrt war, weshalb wir erst jetzt und in Cuzco die Anzeige aufgeben wollten. Da gab es aber zwei Probleme: man musste eine Anzeige innerhalb von 24 Stunden aufgeben (bei mir waren es jetzt ja schon 48) und sie musste am Ort des Geschehens, also des Diebstahls, aufgegeben werden, was in meinem Fall Urubamba gewesen waere. Ich war natuerlich bloed und ehrlich und der Polizist erzaehlte mir immer wieder, warum er keine Anzeige aufnehmen koennte (aus den beiden oben genannten Gruenden), und sie hier nicht dafuer da waeren Berichte fuer Versicherungen zu schreiben, sondern den Fall zu untersuchen. Das war mir schon klar... Aber meine Argumente, dass ich nicht wusste, wie das in Peru laeuft, mir so etwas nicht jeden Tag passiert und es mir ja leid tut, dass ich alles falsch gemacht haette, aber man doch auch noch jetzt etwas machen koennen muesste liess er nicht gelten. Dass der Lonely Planet schrieb, dass hier die Touristenpolizei sei war fuer ihn auch kein Argument, ich wuerde schliesslich sehr gut spanisch sprechen und haette zu jeder Polizeistation gehen koennen - ja, wenn ich nur englisch spraeche, dann waere das ja vielleicht noch ein Grund. Er nahm also meine Anzeige nicht auf, weil ich bloederweise spanisch spreche??!! Als er dann meinte, das es schliesslich genug betruegerische Touris gaebe, die nur die Versicherung prellen wollten, wurde es mir doch etwas zu viel, und ich meinte, dass ich keine Luegnerin sei und mir das hier auch keinen Spass machen wuerde, ich ausserdem Opfer und nicht Taeter waere und es mir ja wie gesagt leid tun wuerde, dass ich mich nicht an die peruanischen Regeln fuer Anzeigen gehalten haette, aber dies ja nicht aus boeser Absicht geschehen waere. Ich wurde langsam etwas wuetend und wenn ich wuetend werde habe ich mit den Traenen zu kaempfen. Dies schien zu helfen, denn er meinte, er koennte meine Aussage aufnehmen, aber nicht als Diebstahl, sondern als Verlust, als ob ich die Kamara also verloren haette. Besser als nichts, dachte ich mir, schrieb ihm also detailliert auf, was passiert war - und benutzte dabei weder "verloren" noch "gestohlen". Er schrieb es dann scheinbar ab, aber bei Sarahs und meinem Korrekturlesen merkten wir gleich, dass er nur die verschwundene Kamara beschrieben hatte, und kein bisschen meine Geschichte (geschlossener Rucksack auf den Knien etc.). Als mir dies anmerkten, meinte er, dass er uns dies ja schon vorher die ganze Zeit gesagt haette, dass er keine Anzeige aufnehmen , sondern nur den Verlust aufschreiben wuerde. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass mir dies irgendetwas bringen wuerde, unterschrieb aber und gab auch einen Fingerabdruck - meinen Pass hatte er ueberhaupt nicht kontrolliert. Er gab mir dann einen Zettel, mit dem ich am naechsten Tag zur Banco de la Nacion gehen sollte, danach wieder zu ihm um die Kopie des Geschriebenen abzuholen. Voellig unzufrieden, enttaeuscht und wuetend ging ich mit Sarah aus dem Buero, antwortete dem Polizisten der uns in dieses Buero geschickt hatte auf seine Frage, ob man uns helfen konnte mit einem deutlichen Nein und wir gingen vor die Tuer, wo ich ob des Aergers einen kleinen Weinanfall hatte. So ein A...!!! Und das soll jetzt die Touristenpolizei der Touristenhauptstadt Perus sein - unfaehig und unmoeglich, nicht sehr gastfreundlich! Da kam ein anderer Polizist vorbei, der sah, dass es mir nicht sonderlich gut ging, der meinte, wir sollten reingehen, man wuerde uns helfen, was ich nicht glaubte und ihm dies auch sagte, aber er schob uns trotzdem wieder rein, wo auch schon der Rezeptionspolizist auf uns zu kam, wir uns setzen sollten und der Polizist, mit dem wir vorher die ganze Zeit verhandelt hatten, aus seinem Buero geholt wurde. Auf einmal meinte er, er wuerde meine Darstellung des Ganzen noch dazufuegen und ich koenne das dann morgen, nachdem ich in der Bank war, abholen. Ich weiss zwar nach wie vor nicht, ob und wie er das macht, aber wenn dies erst geht, wenn man mit den Traenen und anderen Polizisten kommt, finde ich es ganz schoen schwach! Wenn es dann immernoch nicht gegangen waere, okay, konsequent, aber so? Merkwuerdig. Ich hoffe also, dass es tatsaechlich klappt, auch wenn ich es noch nicht so ganz glauben kann. Nach dieser ganzen Seifenoper war ich mal wieder voellig fertig und ging mit Sarah erstmal in ein Café an der Plaza de armas, wo wir immerhin einen sehr netten Kellner hatten, mit dem wir uns ein bisschen ueber die Polizei aufregen konnten und den besten heissen Kakao unserer ganzen Reise genossen - der warme Apfelkuchen war ebenfalls nicht zu vernachlaessigen! Mit Zucker versorgt und etwas beruhigt rief ich anschliessend meine Eltern an, um die Neuigkeiten loszuwerden - gerade die Aussage, dass ich zu gut spanisch sprechen wuerde, als dass er meine Aussage aufnehmen wuerde, loeste deutliche Heiterkeit aus. Es war aber auch einfach zu verrueckt! Das Wetter war nach wie vor nicht so doll, so dass wir nur einmal kurz zur Touri Info gingen um zu fragen, was es mit der Banco de la Nacion auf sich haette (aha, ich muss da 3 Soles bezahlen um die Kopie des Geschriebenen zu bekommen, interessant - hoffentlich schreibt er es jetzt wirklich richtig...!!), stockten unseren Schokoriegel- und Olivenvorrat auf, wobei wir mal wieder (zum 4. Mal?) einen der Daenen von Ollantaytambo trafen und machten uns dann auf den Weg hierher, ins Internet. Ich hoffe, ich habe an alle spannenden und kuriosen Aspekte dieser doch eigentlich nur drei letzten Tage gedacht - es ist einfach unheimlich viel passiert. Wir haben eine der beeindruckendsten Sehenswuerdigkeiten der Reise gesehen und gleichzeitig den aergerlichsten Teil der selbigen erlebt. Es ist also kaum zu sagen, ob diese Tage jetzt super oder bescheuert waren - alles wohl eben zu seiner Zeit.
Morgen frueh verbringen wir hier unsere letzten Stunden in Cuzco - voraussichtlich mit einem Gang zur Banco de la Nacion, dem Abholen eines hoffentlich passablen Schreibens von der Polizei und einem Grosseinkauf. Um 2pm geht naemlich unsere letzte und laengste Fahrt der Reise los: (hoffentlich nur) 20 Stunden nach Lima, von wo aus wir ja morgen, also Samstag, in einer Woche unseren Rueckflug antreten werden. Angeblich soll Lima die gefaehrlichste Stadt ueberhaupt sein - wurde mir schon von einer peruanischen Aerztin am Hospital de Clinicas in La Paz eingebleut -, aber da ich ja nichts mehr zu verlieren habe... Nein, wir werden natuerlich angemessen vorsichtig sein, gleich bei Ankunft den Flug bestaetigen und uns die Bestaetigungsnummer ordentlich notieren, nicht nachts durch irgendwelche dunklen Gaesschen huepfen - also das fortfuehren, was wir bereits in den letzten 7 1/2 Wochen exerziert haben. Kein Grund also sich Sorgen zu machen! :-) April 04 Cuzco ISamstagmorgen, 31.03., ging es also fast puenktlich um halb 8am in Arequipa los - 10 Stunden Fahrt nach Cuzco lagen vor uns (mindestens, man weiss ja nie was die Reifen so hergeben, wie oft man stehenbleiben muss, um Leute ein- oder auszuladen...). Wieder trennte eine Wand den Fahrer- vom Fahrgastraum ab, schade, sonst haetten wir von unserer ersten Reihe aus eine noch tollere Sicht gehabt. So hatten wir zumindest ein ziemlich grosses seitliches Fenster. Ueber den Gang neben uns sass ein Peruaner, der ganz konzentriert im "Kauderwelsch Peru" und einem Woerterbuch Deutsch-Spanisch las und uns schliesslich auch ansprach, da wir wohl offensichtlich deutsch waren (mit den grossen Tueten voller Proviant fuer die lange Fahrt - die Deutschen und ihre Vorsorge- und Planeigenschaft... von der er allerdings auch profitierte, da er naemlich nichts dabei hatte). Er hatte Tourismus studiert und war letztes Jahr fuer acht Monate in Deutschland, genauer in Bonn, gewesen, was er wohl total toll fand - obwohl die Maedchen alle so unromantisch waren (wollten sich keinen Stuhl unterschieben lassen oder gar ihre Rucksaecke selber tragen - was Unselbststaendigkeit mit Romantik zu tun hat ist mir zwar nach wie vor unklar, aber gut), Vermieter rassistisch (weil sie ihm sagten, dass die Wohnung schon vergeben sei, aber ein deutscher Freund von ihm sie spaeter fuer ihn bekommen hat) und Bahnkontrolleure ungebildet (er ist schwarz gefahren und hat dann erzaehlt, er wusste nicht, dass er ein Ticket brauchte, weil er aus Peru kommt, wo es nur Lamas und Alpacas gibt, sie ihm das "glaubten" - ziemlich kulant -, manche Leute trotz Deutschland als erster Welt nicht wussten, wo Peru lag etc.). Na ja, das sahen wir etwas anders. Ausserdem war er auch nicht sonderlich gut informiert, dafuer, dass er hier als guia arbeitet, denn er meinte, unter 25 US$ wuerden wir kein Hostel finden und die Fahrt nach Machu Picchu plus Eintritt fuer etwa 120 US$ waere ein guter Preis. Als wir gegen halb 6pm in Cuzco waren fanden wir ein zentrales Hostel mit Dachterrassenblick auf die Plaza de Armas, also den Hauptplatz mit der Cathedrale fuer 30 Soles (etwa 7,50) pro Nacht fuer uns beide und um schon mal kurz vorzugreifen: fuer die Fahrt von Ollantaytambo, welches eine weitere Inkaruine hat und wo man von Cuzco fuer etwa 1 US$ mit einem oeffentlichen Bus, von dort aus bezahlt man fuer die Fahrt nach Aguas Calientes (bei Machu Picchu) hin und zurueck 47 US$ und schliesslich als Student fuer den Eintritt nochmal etwa 20 US$ - somit waeren wir insgesamt bei 68 US$ (etwa 51 Euro) statt seinen mindestens 120 US$ - vielleicht sollten wir einen Infostand fuer Low Budget-Reisende aufmachen... Jedenfalls waren wir nach der Fahrt - obwohl wir doch nur gesessen hatten - ziemlich kaputt. Draussen regnete es und somit gab es noch ne Avocado und dann nichts wie ab ins Bett. Man merkte ziemlich deutlich die Hoehe - Cuzco liegt immerhin auf 3326m -, es war naemlich um einiges kuehler hier als in den letzten Tagen. Die Betten hatten drei Wolldecken, aber Struempfe im Bett waren zum ersten Auftauen nicht zu verachten ;-)
Sonntag waren wir gut ausgeschlafen und machten uns erstmal an den Orgakram. Aber keine Hektik, erstmal in Ruhe fruehstuecken - und zwar ausgiebig. Vielleicht sollte ich das zu Hause auch oefter machen (zumindest Andre waere garantiert mit Begeisterung dabei). Es gab Ruehrei, Brot und Marmelade, Pfannkuchen mit Obst, Muesli, heisse Schokolade und Fruchtsaft - mjam! Gut gestaerkt konnten wir uns nun also an den Orgakram machen. Zunaechst gingen wir zur Bahnkartenverkaufsstation, wo man eine Nummer ziehen musste und dann, wenn man dran war, seine Zahl auf einem grossen Bildschirm lesen konnte - der helle Wahnsinn, wie organisiert! Wahrscheinlich ist dieses System gerade in der Hauptsaison Gold wert, jetzt, in der Nebensaison, war es einfach ueberraschend und nicht unpraktisch. Wir hatten uns vorher schon in der Touris-Info und im Lonely Planet informiert und wussten somit, was wir wollten - die Frage war nur noch, inwiefern in den angeblich immer ausgebuchten Zuegen zu einem Zeitpunkt, der uns passte noch Platz war. Wir wollten Tickets fuer Mittwochabend von Ollantaytambo aus (s.o.) kaufen und dann am Freitagmorgen zurueck fahren. Gar kein Problem, wir bekamen Platz 1 und 2 (die planenden Deutschen also mal wieder). Nicht richtig erfolgreich war dagegen bisher die Geldautomatensuche gewesen - wir konnten zwar abheben, aber immer nur kleine Betraege, was auf Grund von Abhebungsgebuehren natuerlich unpraktisch war. Aber nach einigem Suche wurden wir auch in dieser Hinsicht fuendig. Das lief ja wie am Schnuerchen. Unser naechster Weg fuehrte uns zum terminal terrestre, da wir uns schon mal um unsere Bustickets nach Lima kuemmern wollten. Bis zu unserem geplanten Abfahrtstag, dem naechsten Samstag, war zwar noch fast eine Woche Zeit, aber diese Woche ist nicht irgendeine Woche: es ist Semana santa, die Woche vor Ostern, in der hier lauter Prozessionen, Gottesdienste u.ae. stattfinden. Wohl die wichtigste Woche des Jahres. Aber auch hier schlug das Fungi-Law wieder zu: wir fanden ein Busunternehmen, dass uns fuer 70 Soles pro Person (etwa 17,50 Euro) in 20 Stunden von Cuzco nach Lima bringen wuerde. Unsere allerletzte grosse Fahrt dieser Reise war also auch geregelt. Perfekt! Nun konnte fast mit dem Cuzco-Kennenlernen angefangen werden. Aber zunaechst kauften wir im groessten Supermarkt der Stadt ein - eher enttaeuschend, dafuer waren die Broetchen die wir dort kauften mit Abstand die besten der letzten beiden Monate. Einkaeufe die steilen und bei Regen ziemlich rutschigen Stufen zum Hostel hoch bringen(der Name der Strasse und des Hostels - resbalosa - ist also Programm...) und los ziehen. Die Cathedrale war leider zu, ebenso dass Museo de Historia Regional (Sonntagsschlaf), daher gingen wir in die Iglesia de la Campañia, die der Cathedrale mal Konkurrenz gemacht hat und daher beschlossen wurde, dass sie dies nicht duerfte und man beim Bauen darauf achten sollte. Da war es aber schon zu spaet, und jetzt stehen an der Plaza de Armas in naechster Nachbarschaft zwei ziemlich protzige Kirchen. Toll an diesem Besuch war, dass man auf einen der Tuerme ein Stuckchen raufsteigen konnte, so dass man einen schoenen Blick ueber die Plaza de Armas hatte. Auf dieser war am Morgen schon ordentlich was losgewesen mit Militaerparaden und so, wohl um die Semana santa einzuleuten. Jetzt liefen nur noch die Touris und die Verkaeufer von Postkarten, Bildern, Finger- und groesseren Puppen in traditioneller Kleidung und weiterem artesanias-Kram auf der Plaza rum. Wir hatten auch noch voller Freude einen kleineren aber ueberzeugenderen Supermarkt an der Plaza gefunden, wo wir uns mit allem moeglichen und Schokoriegeln (die amerikanischen sind einfach ueberzeugender, als die lokalen) eindeckten. Dank der nachmittaeglichen Sonne und den hoeheren Temperaturen waren wir in Eislaune und fanden tatsaechlich einen Eisladen mit ziemlich leckerem Eis - vor allem das Minzeis war super, Schoki kann ja fast jeder halbwegs gut hinbekommen. Mit Eis machten wir uns auf den Weg zur Iglesia de Santo Domingo, die auf den Inkaruinen von Coricancha, einem ehemals goldenen Inkatempel, gebaut wurde. Nach der Eroberung Cuzcos der Spanier hatte Francisco Pizarro den Tempel seinem Bruder Juan geschenkt, der ihn dann den Dominikanern weitergeschenkt hat. Somit wurde aus dem Inkatempel eine dominikanische Kirche. Das Gold war natuerlich nach der Conquista nicht mehr an seinem Platz - wer es da wohl weggeholt und geschmolzen hat...? Heute wird zwar die Kirche nach wie vor genutzt, aber ausserdem gibt es eben ein Museum, in dem man die alten Inkamauern, die heute eine Symbiose mit dem Kolonialbau und einem modernen Glasdach bilden, bewundern kann. Es ist einfach unglaublich, wie genau die Inka Steine bearbeitet um dann aus ihnen perfekt-passgenau eine Mauer zu bauen - und zwar ohne Moertel versteht sich. Es war nun schon halb 6pm und nach einem Foto von einem einsturzgefaehrdeten Haus, dass mit Holzbalken fast kuenstlerisch gehalten wird, wurde noch einmal kurz ins Internet geschaut und dann ging es auch schon nach Hause, zum Abendessen und zum kalten Duschen (von wegen 24 Stunden heisses Wasser, was bei den abendlichen Aussentemperaturen schon ziemlich schoen gewesen waere - aber so haertet man eben ab).
Am Montag, dem 02.04., schliesslich legten wir das Kulturprogramm ein. Gestern war ja schon ein netter Einstieg gewesen, aber Cuzco hatte ja noch mehr zu bieten. Wir fingen mit der Cathedrale an der Plaza de armas an, in der der Erzbischof gerade eine Predigt hielt, die ueberraschenderweise gar nicht so schlecht war. Nicht nur "wir sind alle schlecht und schuldig" wie man es hier so oft hoert, nein, es ging um Liebe, vor allem Naechstenliebe, die wichtiger ist als Geld und sozialer Stand. Na ja, wenn man das hat ist es einfach zu sagen, dass es nicht wichtig ist, aber immerhin. Die Cathedrale an sich war schon beeindruckend. Die Baenke waren zur Seite geraeumt, so dass die Leute alle standen und ehr Platz war. Was ich toll fand, war die live-Musik. Es gab naemlich einen kleinen Chor, der zu Orgelmusik gesungen hat, was dann ueber die Lautsprecher ueberall zu hoeren war. Musik kommt hier sonst in der Kirche, nach dem was ich bisher so erlebt habe, ziemlich kurz. Vorne am Altar war auch schon der Señor de los temblores aufgestellt. Eine dunkelhaeutige Jesusfigur, die angeblich 1650 dafuer gesort hat, dass das Erdbeben aufhoert. Laut Lonely Planet, der ja doch manchmal einfach die Sachen auf den Punkt bringt, ist dies kein Wunder: schliesslich hoeren alle Erdbeben irgendwann mal auf, und wenn man lange genug betet und Prozessionen macht... Na ja, jeder soll glauben, was er will. Wir gingen weiter zur Tourist Info, um noch ein paar Dinge zu fragen und das Boleto Turistico zu erwerben, mit dem man hier in die meisten Museen und Inkaruinen rein kommt. Um dies gleich zu nutzen, gingen wir weiter zum Museo de la Historia Regional, das in dem ehemaligen Haus des interessanten Historiker und Mestizen Inka Garcilaso de la Vega eingerichtet ist. Das Museum bestand aus einigen praekolumbianischen Gegenstaenden und einigen Bildern der Escuela Cusqueña, DER Kunstrichtung hier in der Gegend. Europaeische, gerade natuerlich spanische Maler wurden imitiert und mit der traditionellen Inkakunst zu einem interessanten Hybrid zusammengefuehrt. Leider fanden wir trotz Suchens keinen guia, der uns mehr dazu erzaehlen konnte. Schade, wenn man mal einen guia braucht... Sonst bieten sich einem die ganze Zeit irgendwelche Menschen mit mehr oder weniger Wissen an, egal, was man besucht. Im naechsten Museum im Keller der Tourist-Info war das Museo de Arte popular, fuer das man wirklich keinen guia brauchte. Es war ganz nett, aber auch nicht mehr. Vor allem Plastiken der Weihnachtsgeschichte und des alltaeglichen Lebens in Peru und der Region waren zu sehen, die seit Jahrzehnten am Weihnachtstag auf der Plaza de armas verkauft werden. Nach einem Besuch der Hauptsouvenirstrasse und einer Baeckerei, deren gesamter Gewinn in ein Projekt fuer jugendliche Maedchen fliesst, setzten wir uns auf die Stufen vor der Cathedrale, assen und warteten darauf, dass DAS Semana santa - Event Cozcos losging: die Prozession des Señor de los Temblores. Wenn man sich in Cuzco auf oder an die Plaza de armas setzt muss man damit rechnen alle zwei Minuten von irgendwelchen Verkaeufern oder Bettlern angesprochen zu werden, was sich natuerlich anbietet, aber doch mit der Zeit nervig und anstrengend wird. Wir bekamen dort sitzten mit, dass die kleine Pressegruppe mal zu einem ankommenden Auto rannte, mal Richtung Hintereingang und sahen somit bestimmt ne Menge Prominenz - nur schade, dass wir keinen erkannten. Wir sind aber irgendwie schon auf der ganzen Reise immer dort, wo auch die Praesidenten des jeweiligen Landes sind: erst Evo Morales mit seinem Hubschrauber auf der Pujllay in Tarabuco in Bolivien, dann waren wir einen Tag nach dem Besuch der chilenischen Praesidentin in Arica und nun also Semana santa in Cuzco. Schliesslich postierte sich das Militaer und andere fahnentragenden Gruppen vor der Cathedrale und alle warteten darauf, dass der Bischof und der Señor de los Temblores, getragen auf einem Kreuz der Anden, aus der Cathedrale kommen und die Prozession losgehen wuerde. Aber ploetzlich entleerten sich die schwarzen Wolken und alle rannten los um sich unterzustellen. Nur Sarah und ich standen in Regenjacken mitten auf dem Platz und amuesierten uns ueber das vor dem Regen fluechtende Militaer. Schliesslich hatten die Regenueberwuerfeverkaeufer den Umsatz des Jahres gemacht und die Prozession ging trotz nicht ganz trockenen Wetters los. Das imposanteste war fuer mich aber nicht die eigentliche Prozession, sondern die aufmarschierten Muellmaenner- und frauen, die sich hinter der Prozession postiert hatten und schliesslich loslegten zu fegen, damit auch keine der ueber die Jesusfigur geworfenen Blueten die Strasse "verschmutzen" sollte. Die spinnen die Peruaner! Wir gingen schliesslich in die andere Richtung als die Prozession und sahen uns noch einige beeindruckende Imkamauern und einer kleinen Gasse an, bevor wir zum Museo de la Arte contemporanea weitergingen. Dort gab es zwar wirklich interessante Bilder, aber leider war kaum einer der Saele geoeffnet - wohl der Preis der Nebensaison. Aber es reichte jetzt auch mit Kunst und Kultur. Ich war ziemlich kaputt und kreislauf- und bauchtechnisch auch nicht so ganz fit und Sarah war auch fuer eine Verschnaufpause, so dass wir uns in eines der Cafes an der Plaza de armas setzten. Das tolle an diesen Cafes ist, dass sie im ersten Stock meistens einen Balkon haben, auf dem man sitzen und dem Treiben auf dem Platz zusehen kann. Ausserdem war hier die Musik gut und der Cafe wuerde schon seine aufputschende Wirkung bringen. Nach diesem kleinen Ausruhstopp ging es noch einmal in die artesanias-Geschaefte, die uns aber ueberhaupt nicht ueberzeugen konnten, so dass wir ziemlich direkt weiter ins Internetcafe und schliesslich zum Essen in eine Pizzeria zogen. Satt und zufrieden fielen wir also bald nach einem Blick ueber die Lichter der Stadt von der hosteleigenen Dachterrasse ins Bett.
Heute, Dienstag, dem 03.04. war mal wieder ein Tag zum fruehen Aufstehen. Der Regen der Nacht hatte zum Glueck aufgehoert, der Himmel war blau, und so zogen wir gegen 8am los zu den Bussen Richtung Pisac. Wir fuhren aber nur etwa 8km und stiegen dann bei Tambomachay, dem sogenannten Bad der Inkas, einer Ruine mit noch intakten Wasserabfluessen, aus. Als wir die ganzen Leute, die dies mit Touren machten, sahen, waren wir so froh ganz allein entscheiden zu koennen, wo wir lang gehen, wie lange wir stehen bleiben um zu gucken und Fotos zu machen und zu entscheiden, wann wir weiterziehen. Keine Tour mehr fuer uns! Schraeg gegenueber von Tambomachay liegt Puca Pucara, eine weitere Inkaruine, von der aus man einen tollen Blick ueber das Cuzco-Tal hat, den auch die Inka schon zum Spaehen und Jagen genutzt haben. Nach diesem Besuch gingen wir die Strasse in Richtung Cuzco entlang, bis wir rechts abbogen und bergab zur naechsten Ruine, der groessten und wichtigsten hier, Sacsayhuaman. Sie war sowohl von religioeser als auch von militaerischer Bedeutung. Die Inka bauten Cuzco in der Form eines Pumas, von dem Sacsayhuaman den Kopf darstellen sollte und die zickzackfoermigen Waende dessen Zaehne. Diese bildeten auch eine extrem effektive Verteidigungsmaschinerie. Ausserdem hatte man von oben auch einen tollen Blick ueber Cuzco und auf die grosse, weisse Jesusstatue auf dem Nebenhuegel - natuerlich nicht so gross wie die in Cochabamba, aber immerhin. Die letzte Ruine des Tages war Qenko, etwa eine Viertelstunde bergauf von Sacsayhuaman. Qenko heisst Zickzack, was sich auf die zickzackfoermigen Wasserabfluesse bezieht, die von runden Wasserauffangbehaeltern ausgehen. In den vielen Loechern, die das ganze etwas wie Schweizerkaese erscheinen lassen, haben die Inka die Konstellation der Sterne, die sich spiegelten, betrachtet und gedeutet. Ein Kettenverkaeufer sprach uns an, wollte uns aber eigentlich nur ein bisschen was zu dieser Ruine und zu Heilpflanzen erzaehlen, sich mit uns unterhalten, und war nicht auf Geld aus, was hier schon wirklich selten und mal ganz entspanend ist. Es war interessant und er wirklich nett. Schliesslich zeigte er uns einen kleinen Weg, auf dem wir wieder ins Zentrum von Cuzco kommen wuerden, was super war, weil es ja nicht so richtig spannend ist nur an der Strasse lang zu latschen. Somit waren wir gegen zwei, halb drei wieder in Cuzco und goennten uns erstmal ein grosses Eis in besagter Eisdiele, mit dem wir uns wieder vor die Cathedrale setzten. Es war naemlich ganz schoen warm geworden, und die Sonne hatte ziemlich gebrannt - man sollte eben die Hoehensonne (Tambomachay war immerhin auf 3750m gewesen) nie unterschaetzen, und ich bin mal wieder etwas verbrannt. Aber man soll ja auch naechste Woche Sonntag, wenn wir wieder in Deutschland landen, sehen, dass wir im Urlaub waren *grins*. Nach dieser kleinen Verschnaufpause gingen wir mal wieder in die Tourist Info und weiter zu einem Buero, wo man Eintrittskarten fuer Machu Picchu kaufen koennen sollte. Dort waren sie aber gerade in ausgedruckten Eintrittskarten ertrunken, so dass wir erstmal einkaufen gingen, anschliessend klappte auch der Ticketkauf. Eben die Sachen nach Hause bringen und wieder raus. Tja, und so sitze ich hier nun im Internet und bekomme langsam Hunger. Aber Sarah und ich sind ja gut organisiert, so dass das ziemlich guenstige vegetarische Restaurant gleich neben dem Internetcafe liegt ;-)
Morgen geht es nach Ollantaytambo, wo wir uns die Ruinen ansehen werden, und von wo wir abends nach Aguas Calientes weiterfahren werden. Das Hostel dort ist schon gebucht, die Karten fuer Machu Picchu fuer Donnerstag ebenfalls. Freitag werden wir wieder in Cuzco sein und schliesslich Samstag mit der Fahrt nach Lima starten - wo wir planmaessig am Ostersonntagvormittag ankommen werden. Ob der Osterhase wohl auch in Bussen Eier versteckt...?? March 31 Arequipa und UmgebungPuh, ist mir warm. Nein, kein Neid, draussen hat sich schon abgekuehlt, aber hier im Internetcafe direkt unter dem Dach ist die Luft etwas dicker... aber es ist schnell, und was will man mehr!
Nach wie vor sind wir in Arequipa und einfach begeistert von dieser schoenen, kleinen (vom Gefuehl her) - grossen (immerhin doch 750.000 Einwohner) Stadt auf 2325m - also eher tiefer gelegen, die Gute.
Wenn ich mich recht entsinne hatte mein Bericht mit letztem Montag, unserem Ankunftstag in Peru geendet. Nun ist also schon Dienstag, der 27.03. Nach dem tollen Erlebnis des Ausschlafens und einem gemuetlichen und ausfuehrlichen Fruehstueck im Innenhof unseres einfach tollen Hostels mit nur nettem, hilfsbereiten Personal, Duschen, die warm und kalt sind, wann man es moechte,... ich komme ins schwaermen. Wie gut, dass wir auf der Lonely Planet - Empfehlung bestanden haben und uns nicht vom Taxifahrer am Vortag einlullen liessen, der uns ja ein viel tolleres, billiegeres empfohlen... egal. Auf jeden Fall liefen wir nun also gut gesaettigt durch Wassermelone und Avocado-Broetchen zum terminal de buses, da wir auf jeden Fall das Highlight der Region, den Cañon del colca besuchen wollten, den einstmals tiefsten Cañon der Welt (ca. 3000m tief), der jetzt von einem seiner Nachbarn abgeloest wurde, der doch tatsaechlich noch 163m tiefer ist. Erstens sollte es dort landschaftlich sehr schoen sein, relativ untouristisch und toll zum Wandern und ausserdem ist das DER Ort zum Condore beobachten - die groessten Voegel der Welt und typische Andenbewohner, somit auch Landesvogel diverser suedamerikanischer Laender, wie z.B. Boliviens. Nun gut, also erstmal die grossen Tueten dreckiger Waesche zur lavanderia gebracht, kurz zur Post und dann auf zum terminal. Da dies ziemlich ausserhalb des Zentrums liegt, war schon dies eine kleine Wanderung - aber wenn wir eines moegen, dann ist es schliesslich laufen, laufen und nochmals laufen. Angekommen erfuhren wir, dass es zwei verschiedene terminales gibt, wir natuerlich zum falschen gelatscht waren, aber zum Glueck dass richtige direkt gegenueber lag. Dort gab es allerdings die schlechte Neuigkeit, dass der Bus, den wir nehmen wollten, naemlich um 6am nur bis Chivay, dem Anfangsort des cañons, und nicht bis Cabanaconde fahren sollte, wo wir eigentlich hin wollten, zwecks Condoraussichtspunkt (Cruz del condor). Aber besser bis Chivay als gar nicht zum cañon. Von da wuerden wir schon irgendwie weiter kommen. Nachdem wir auf dem Weg zurueck an der schicken medizinischen Hochschule vorbeigelaufen sind und tatsaechlich auch wieder auf irgendeinem Wege ins Zentrum gefunden hatten machten wir uns gleich an den zweiten Punkt des Tagesplanes: das Convento de Santa Catalina. Sauteurer Eintritt, aber angeblich der primaere Grund, warum ein Teil Arequipas ins Unesco Weltkulturerbe aufgenommen wurde. War auch wirklich eindrucksvoll, eine eigene Stadt. Zunaechst war es hier wohl ziemlich rund gegangen, bis 1870 irgendein hoher Glaubensmann vorbeikam und sich ueber das unzuechtige Verhalten aufregte, so dass er eine Aufpasserin hierher abstellte, die nun auf Zucht und Ordnung achtete, jede Nonne durfte z.B. nur noch eine Angestellte haben... Aber jede hatte im Prinzip ihr eigenes Apartment (von denen wir uns viiiiiiiele ansahen) mit Wohn-, Bet- und Kochraum, schick in blaub und rot mit vielen Blumen. So war das Leben also bis 1970 die Tueren fuer die Oeffentlichkeit aufgingen zwar beschraenkter und von jeglichem Kontakt nach aussen abgeschirmt, aber das Leben im Convento de Santa Teresa in Potosi schien uns doch deutlich haerter gewesen zu sein. Was ganz angenehm war, war die klassische Musik, die einen dezent begleitete. Und nicht zu vergessen die Dachterrasse, die jede Nonne hatte und ausserdem auch eine, die ueber der Kirche war und auf die man auch als Besucher kam. Diese Moeglichkeit nutzten wir gleich schamlos fuer ein Verschnaufen nach den ganzen "Zellen" (oder doch Apartments...?) und ein Picknick mit unserem unerschoepflichem Obstvorrat aus. Wir hatten es dann aber auch bald geschafft und machten uns hungrig auf die Suche nach etwas richtigem zu essen, was wir schliesslich in Form eines Restaurants mit dem klangvollen Namen "El Turko" fanden - vegetarische Doener, mjam! Nun war es auch schon spaeter Nachmittag und wir suchten, wie in jeder Stadt, eine gute Eisdiele. Wir fanden eine mit guten Waffeln, was schonmal ein grosses Plus ist, aber das Eis war zu viel fuer die kleinen Waffeln und auch nicht so super, wie z.B. das von DiMango in Arica, aber besser als nichts. Anschliessend das Uebliche: Supermarkt, Internet, Duschen und ab ins Bett. Am naechsten Morgen sollte es schliesslich frueh losgehen...
Tatsaechlich standen wir also mal wieder um 5am auf, verstauten unsere grossen Rucksaecke im deposito des Hostels, liessen uns vom Taxi zum terminal bringen und fuhren dann mit dem Bus nach Chivay. Die Fahrt bot mal wieder einiges an Natur. So fuhren wir beispielsweise an den Fernen Vulkanen, die Arequipa einsaeumen, in den ersten Sonnenstrahlen vorbei und direkt an einem schneebedeckten Gipfel entlang. Schliesslich ging es mal wieder in die Hoehe. Chivay liegt auf 3700m und Cabanaconde auf 3290m. Aber dahin mussten wir ja erstmal kommen. So nutzten wir die Klos am terminal von Chivay, assen die wohl schlechteste Plastik-Empanada, die wir auf der ganzen Reise gegessen haben und warteten zusammen mit zwei Franzosen auf den Bus nach Cabanaconde. Dieser kam gegen 10am und wir stiegen ein und freuten uns, dass so viele Leute ausstiegen. Leider stiegen die auch wieder ein, so dass wir den erwaehlten Platz raeumen und uns im Gang niederlassen mussten. Zum Glueck fuer meine Kreislauf- und Uebelkeitsprobleme wurden waehrend der Fahrt wieder Plaetze frei, was aber mein Wohlbefinden nur beschraenkt besserte. So war ich also ganz froh, als wir nach etwa 2 1/2 Stunden in Cabanaconde waren. Dort suchten wir uns ein Hostel und wurden schliesslich im Valle del fuego fuendig, wo wir zu zweit ein Zimmer mit vier Betten (die sich spaeter zum nasse Sachen drueber haengen als sehr praktisch erweisen sollten...) fuer gerade mal 20 Soles pro Nacht (2,50 Euro pro Person)belegten. Kurz die kleinen Rucksaecke umpacken und los - schliesslich waren wir ja nicht zum Vergnuegen hier ;-) Wir fragten also den Hosteltypen, mal wieder ein richtig netter, wie wir am besten den cañon runterwandern koennten. Er meinte, ob wir denn gut zu Fuss seien, da es schliesslich tief runtergeht, man fuer den Abstieg 2:30 Stunden und fuer den Wiederaufstieg mindestens 3:30 Stunden brauchen wuerde, es schon halb 1pm sei und man um 6:45 absolut nichts mehr sehen wuerde. Doch doch, das ist schon okay, wir muessen ja auch nicht ganz runter, keine Angst. Er brachte uns noch ein Stueck, damit wir uns nicht verlaufen ("Ach, ihr seid Deutsche, die sind starke Wanderer, im Bier sind schliesslich so viele Vitamine" - aeh, wir sind beide total unalkoholisch, aber ich glaube, an Vitaminen mangelt es uns als letztes...), erklaerte uns dann mehrmal, wo wir langlaufen muessten, mahnte nochmal vor der Dunkelheit und dann durften wir los. Wir sind also staendig in besorgten und guten Haenden. So liefen wir denn los, einfach einen geroelligen, sandigen Weg bergab, das konnte ja nicht falsch sein, schliesslich wollten wir nach unten. Etwa 1 1/2 Stunden liefen wir denn runter, unterbrochen von kleinen Fotopausen und uns ueberholenden Eseln mit antreibenden campesinos. Wir waren dann etwas weiter unten als zur Haelfte, hoerten den Fluss rauschen, und machten uns auf Grund fortgeschrittener Zeit wieder an den Aufstieg. Obwohl wir uns Zeit liessen waren wir, wie schon bei unserer Miniwanderung in Chulumani, fast in der gleichen Zeit wieder oben, in der wir runtergekraxelt sind. Wir sind schon ganz schoen fit, muss ich ja mal bemerken - Hoehentraining eben ;-) Wir waren im Endeffekt auch ganz froh, dass wir nicht die ganze helle Zeit bis Viertel vor 7pm ausgenutzt haben, denn die Wolken koennen auch ganz schoen die Sicht nehmen. Dies dachten wir uns, als wir hungrig und zufrieden in einem kleinen comedor an der Plaza sassen und man draussen nicht mehr zum naechsten Haus sehen konnte - und es war gerade mal etwa 5pm. Das Essen war ausgezeichnet - vor allem, weil es viel war. Spaghetti mit Fertigtomatensauce, aber extra vielen Zwiebeln reingebraten, dazu die obligatorischen Licuados (Banane mit Milch fuer Sarah und fuer mich den seit Guatemala geliebten Banane und Papaya mit Milch) - super! Draussen hatte es in der Zwischenzeit angefangen aus Kuebeln zu giessen, aber wir wollten den Regen nicht abwarten (eine Ende war auch nicht in Sicht), so dass wir die Kapuzen aufsetzten und losrannten. Eigentlich einmal ueber den Platz und zwei Bloecke weiter, aber nach den ersten Sekunden waren wir pitschnass, was durch die Strassen, auf denen zentimeterhoch das Wasser reissend rauschte, durch die wir aber dennoch durchmussten noch forciert wurde. Klatschnass kamen wir also im Restaurant, zu dem das Hostel gehoerte an und bestellten uns erstmal einen heissen Kakao, in dem tatsaechlich Kakao drin war - nicht unbedingt ein Selbstgaenger. Die Kroenung bildeten die gemuetlichen Sessel, auf denen wir uns niedergelassen hatten, das sanfte Kerzenlicht, das nur bedingt erhellend war, der an die Fensterscheiben klopfende Regen - und ein super-sonder Pfannkuchen mit Erdbeermarmelade. Einzig die nassen Klamotten waren etwas stoerend. Nachdem wir uns noch laenger mit dem Hosteltypen ueber die besten Plaetze in Peru unterhalten und ihm eine kleine medizinische Infostunde gegeben hatten ("Was ist besser fuer den Koerper: Alkohol trinken oder Marihuana rauchen?") rannten wir noch einmal durch den Regen einen Block weiter zum Hostel, wo wir die nassen Klamotten zum trocknen auf die freien Betten legten (aha!) und uns in die Decken kuschelten. Das half allerdings nichts, so dass wir uns waehrend der Nacht immer mehr wieder anzogen. Mit dem Schlafen wurde es also dank eiskalter Haende und Fuesse nicht so richtig was.
Somit war es kein Problem am naechsten Morgen gegen Viertel nach 5am aufzustehen - schliesslich wollten wir den Sonnenaufgang sehen. Also raus in die Morgenkaelte und zu einem Aussichtspunkt, wo man den Sonnenaufgang laut Hosteltyp ganz toll sehen koennen sollte. Waer ja bestimmt auch so gewesen, wenn es nicht so bewoelkt gewesen waere. Na ja, aber morgens draussen rumzurennen ist auch so toll - anschliessend nochmal zum Aufwaermen wieder ins Bett zu gehen aber auch. Fuer das Aufwaermen von innen gingen wir gegen halb 9am ins Restaurant nebenan, wo es fuer hungrige Reisende eine grosse Portion Ruehrei mit Broetchen und noch einen Pfannkuchen mit Erdbeermamelade gab - mjam! Dann ab zum Aussichtspunkt, an dem wir morgens schon waren, und noch ein Stueckchen weiter mit Blick direkt den cañon runter. Eigentlich wollten wir ja die 10km zum Cruz del condor wandern um dort die Condore zu beobachten, aber der Hosteltyp hatte gemeint, dass der Weg total schlammig und nicht schoen zu gehen sei, man aber vom mirador aus auch eine groessere Chance haette diese eindrucksvollen Tiere zu erblicken. Sie stehen naemlich total auf termische Aufwinde, die gerade wegen der kuehleren Temperaturen spaerlicher waeren, aber eher am mirador vorkaemen. Also gut, wir lassen uns ja gerne gute Tipps geben. Auf einem Stein mit super Blick ueber den cañon liessen wir uns von der Sonne aufwaermen und genossen die Ruhe. Kein einziger Touri war ausser uns hier. An diesem Morgen hatte uns der Hosteltyp erzaehlt, dass ein Freund von ihm ganz frueh am Cruz del condor war, aber es dort dermassen neblig gewesen sei, dass man weder Condore noch sonst was sehen koennte. Also gut, wir hatten einen super Blick, die Wolken, die aus dem cañon aufstiegen verhiessen zumindest Aufwinde - also warten. Wir sahen viele Schwalben, aber keine Condore. Bis halb 11am gaben wir ihnen eine Chance, dann wollten wir zum Bus. Wir rechneten eigentlich schon gar nicht mehr damit und waren auch eher semi-aufmerksam, als ich ploetzlich einen weissen Schleier von rechts kommend auf uns zu schweben sah. Aufgeregt machte ich Sarah darauf aufmerksam und tatsaechlich: ein Condor! Riesig mit seinen ausgebreiteten Schwingen flog er direkt vor uns laengs durch den cañon. Die Fluegelspannweite kann bis zu 3m betragen und so wirkte es auch. Dann kam ein zweiter und schliesslich ein Junges, dass vor uns einige Kreise zog und dann wohl zurueckflog. So schnell wie wir wollten konnten wir leider mit den Fotoapparaten nicht reagieren, so dass die Fotos wohl eher maessig werden und jeden Vogel darstellen koennten - aber es waren Condore!! Leider gefiel es den Alten wohl in der Ferne links besser als bei uns, so dass wir nach einigen Minuten aufgaben - immerhin hatten wir sie gesehen, im Gegensatz zu vielen, mit denen wir geredet hatten. Das Fungi-Law - der Gegensatz von Murphies-Law, das uns auf unserer Reise schon oft zur Hilfe geeilt ist. Toll!! Ich hatte morgens bei den Busgesellschaften nach Moeglichkeiten gefragt, wie wir nach Arequipa kommen koennten, aber angeblich war alles ausgebucht. Wir gingen einfach trotzdem Viertel vor 11am zur Plaza, wo uns ein deutscher Touri ansprach und meinte, dass der Bus, der um 11am fahren sollte wohl bei Chivay verreckt sei und er und einige andere nun hinten auf einem kleinen LKW auf der Ladeflaeche mitfahren wuerden. Da waer sicher noch Platz. Ist doch super, Hauptsache wir kommen heute wieder nach Arequipa. Somit fuhren wir beide mit vier Franzosen und dem anderen Deutschen auf der mit einer Plane abgedeckten Ladeflaeche eines kleinen LKWs, der ausser uns in einer Affenhitze Getraenke und Joghurt (natuerlich ungekuehlt) transportierte. Die Fahrt dauerte etwa zwei Stunden und fahr ganz vergnueglich - auch wenn wir keine Ahnung, wo wir waren, denn schliesslich konnten wir nicht nach draussen sehen. Aber: No risk, no fun. Im Endeffekt kamen wir nach einer ruckeligen Fahrt in Chivay an und wurden auch schliesslich rausgelassen - nachdem der Fahrer unauffaellig an einigen Polizeifahrzeugen vorbeigefahren war, denen er lieber nichts von seiner zusaetzliche Fracht zeigen wollte. Ab zum terminal, wo wir Tickets fuer den naechsten Bus kaufen, noch ein bisschen rumsitzen und die superleckeren Hershey-Riegel geniessen (auch Quaker's Muesliriegel sind nicht zu verachten) - suedamerikanische Schoki ist nicht immer zu empfehlen (ich habe wirklich viel probiert, aber ein Asche-Nachgeschmack oder aehnliches sind dann doch nicht so mein Fall) - und schliesslich ab in den Bus. Puenktlich zur Abfahrt faengt es an zu Regnen, draussen sieht man kaum noch was, da auch die Wolken wieder tiefer haengen, und somit "erfreue" ich mich eher am Film ("Black Hawk Down"). Das einzig spannende an der Fahrt ist, dass wir bei einem Bus halten, der in einen Graben gefahren ist, versuchen, ihn rauszusiehen, aber nach dem Reissen des Stahlseils aufgeben. Trotzdem dauert die Fahrt extrem lange und ich bin unheimlich kaputt. Eine Abwechslung bietet auch die Verkaeuferin, die uns im Bus mit einem heissen Maiskolben und einem Stueck Kase versorgt, aber irgendwie ist mein Bauch gerade nicht so ganz in Ordnung, so dass mir hinterher eher noch etwas unwohler ist. Aber schliesslich, gegen 8pm, also nach einer Reise von neun Stunden, sind wir endlich in Arequipa, sozusagen zu Hause, denn diese sympathische Stadt haben wir sofort adoptiert. Noch schnell ein Ticket fuer die Fahrt nach Cozco am Samstag gekauft und ab ins Taxi Richtung Zentrum. In dem kaputten Zustand, in welchem ich mich befinde, habe ich auch keine Lust auf Small-Talk mit dem Fahrer, der uns eigentlich auch nur ein anderes Hostel andrehen will, dem ich aber ziemlich deutlich sage, dass er uns einfach dorthin bringen soll, wo wir hinwollen, und dass dann alles Bestens ist. Beleidigt berechnet er uns auch gleich fast das Doppelte des eigentlichen Preises, da bringt auch unsere Bescherde nichts, dass wir nicht das erste Mal diese Strecke fahren und den richtigen Preis wuessten. So ein A... Ach, wie schoen ist es dagegen wieder in unserem netten, tollen Hostel zu sein, das unser Zimmer freigehalten hat, und sofort mit den grossen Rucksaecken hilft etc. Kaputt gibts fuer mich dann noch eine Dusche und dann nur noch das Bett. Endlich!!
Heute, Freitag, dem 30.04., war unser letzter richtiger Tag in Arequipa. Diesen nutzten wir zum Entspannen und Urlaubmachen. Zunaechst wachten wir frueh auf und gingen dann gegen 8am los zu einem Vorort von Arequipa, Yanahuara, wo wir den im Lonely Planet angekuendigten und gepriesenen mirador mit toller Sicht auf El Misti und die anderen Vulkane besuchen wollten. Na ja, wir fanden auch den Platz auf dem er sich befinden sollte und ebenso die Kirche, die nach ihrem Bau zunaechst abbrannte, dann einem Erdbeben zum Opfer fiel, und immer wieder aufgebaut wurde, ganz schick, neben einem Park mit Palmen, aber einen Turm mit toller Aussicht, nein, den kannte hierk einer. Trotzdem sahen wir die Vulkane neben uns und Arequipa von oben ganz gut, gingen dann auf eine Brueck zurueck, wo der Blick noch besser war und wieder runter ins Zentrum von Arequipa. Dort war gerade Gottesdienst in der Catedrale an der Plaza de Armas, dem Hauptplatz also - endlich mal die Gelegenheit sie von innen zu sehen, da sie sonst meinstens geschlossen war. Die Catedrale von aussen ist schon eindrucksvoll, da sie die einzige Catedrale in Peru ist, die die Laenge eines ganzen Blockes hat. Wir setzten uns in eine der Baenke im hinteren Teil der Kirche und liessen sie auf uns wirken. Kirchen sind einfach beeindruckende Bauwerke, gefallen mir aber deutlich besser, wenn nicht der Pfarrer vorne erzaehlt, wie schlecht wir doch alle sind... Was an dieser Catedrale aber meiner Meinung nach das beeindruckendste ist, ist ihre Internationalitaet. Der grosse haengende Leuchter ueber dem Altar ist aus Spanien, die Orgel, die die groesste in ganz Suedamerika sein soll, ist aus Belgien etc. Nach diesem geistigen Futter gab es koerperliches: Eis, sozusagen zum Fruehstueck. Und zwar in einem anderen Eisladen, der grosse Waffeln und extrem leckeres, recht unsuesses Eis hatte. Damit setzten wir uns in die Sonne, auf die Stufen vor der Catedrale, wollten waerenddessen weder Sonnenbrillen noch Handyhuellen kaufen, was wir den fleissigen Verkaeufern schnell klarmachen konnten. Nein, und bitte auch keine Heiligenbilder angepinnt bekommen und hinterher dafuer zur Kasse gebeten werden, hierbei musste man schon etwas rabiater werden, weil die Frauen einem sofort mit gezueckter Nadel am T-Shirt hingen. Aber da sind wir nun mal gnadenlos und voellig ohne Mitleid. Nach dem Eis wollte Sarah mit ihrem Freund telefonieren und ich legte somit eine fruehe Internetsession ein. Auf dem Weg zum Internet fiel mir ein 20 Soles - Schein aus der Hosentasche, die mir ein netter Peruaner rufend hinterherbrachte. Er ging aber auch gleich ran, wollte mein e-mail-Adresse, gab mir schliesslich seine "Karte" (einen Fetzen Papier), auf dem stand, dass er Angestellte suchte. Wenn ich also Interesse haette... Er haette eine internationale Firma (wofuer auch immer), wuerde Geschaefte mit Russland etc. machen. Ah ja, okay - und tschuess. Nach Internet bzw. Telefonat war uns nach Mittagessen, so dass wir eines der vegetarischen Restaurants aus dem Lonely Planet (manchmal ist er doch ganz schoen gut) ausuchten, wo wir endlich mal richtig gut gewuerztes Essen bekamen. Einen tollen Salat, Reisgerichte mit Tofu, Gemuese, teils scharf, teils suess-sauer, Licuados... Urlaub!! Danach der Einkauf im Super, ein Besuch in der Baeckerei "Las Americas", die gerade einen Preis gewonnen hat - und diesen zumindest fuer den Apfelkuchen auch verdient hat - und fanden tatsaechlich ein Cafe, das uns Coffee to go verkaufte, mit dem wir uns dann wieder auf unseren Stammplatz, die Stufen vor der Catedrale, setzten und somit ein gepflegtes Kaffee und Kuchen - Paeuschen einlegten. Unterhalten wurden wir dabei zunaechst von einem Peruaner, der fuer ein Kinderprojekt sammelte und dabei auch Erfolg hatte, weil er es einfach nett rueberbrachte und sich auch hinterher noch nett mit uns unterhielt und einem anderen, der uns fuer abends zu einem Event auf die Plaza einlud, wo wir mehr ueber die Kultur der Inka erfahren wuerden, zu einem heiligen Platz gehen etc. - und alles fuer umsonst! Mehr Eifer legte er allerdings an den Tag, als er seine Deutschkenntnisse auspackte und mehr lernen wollte. War ja auch ganz nett - aber wir wollten doch nur in Ruhe Kaffeetrinken und Kuchenessen... Da es hinteher schon relativ spaet war und wir frueh ins Bett wollten (morgen gehts schliesslich wieder frueh los) gingen wir anschliessend direkt ins Internet - schliesslich war mal wieder ein Blogeintrag faellig. Dieser hier schliesst naemlich mit Arequipa ab, da es morgen frueh um 7:15am nach Cuzco geht. Die Fahrt dauert zwischen 10 und 12 Stunden - hoffen wir 10... Cuzco soll toll sein, sagen uns alle Leute, mit denen wir sprechen. Nicht nur wegen Machu Picchu, sondern auch sonst. Unser Hosteltyp in Arequipa meinte, 10 Tage seien Minimum. Mal sehen... |
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