Marina 的个人资料Marinas Space照片日志列表 工具 帮助

日志


5月20日

Kein Titel

Ein kurzer Einfuehrungssatz fuer alle, die nicht so viel Zeit zum Lesen haben: Mir gehts gut, ich lerne viel, habe spannende Patienten und bin immer noch gesund - und das nach 2,5 Wochen in Mitten der Infectious Diseases... ;-)

Letzte Woche Sonntag war ich dann doch etwas fertig, Frick Collection mit Timo war aber super, und langsam bekomme ich kunstungebildeter Mensch auch so etwas wie Lieblingsmaler. Z.B. die Lichtkuenstler Vermeer, Turner, Whistler und - womit ich nicht gerechnet hatte - Rembrandt. Der hat schon krass gemalt, mit den hell-dunkel Kontrasten gespielt. In der Frick Collection (also der Kunstsammlung eines reichen New Yorkers, der extra fuer seine Schaetze ein sehr imposantes Haus bauen liess - immerhin vom gleichen Architekten, der auch die Public Library entwarf! - und dort dann auch wohnte) gabs Rembrandt Selbstportraet zu sehen, im Metropolitan Museum war sein Bild "Homer und Aristoteles" (oder andersherum ausgestellt), dass ich noch toller fand. Dann war noch Energie da fuer eine kleine Shoppingrunde in einen super Suessigkeitenladen (3 Etagen!) und Urban Outfitters, aber das wars dann auch. Lieber bei einem Buch (z.B. das super tolle Mikrobio-Buch!) noch ein bisschen aufladen fuer die naechste Arbeitswoche, die 2. in Infektiologie.

Die war auch wieder sehr anstrengend aber wirklich spannend. Ich hab wirklich interessante Patienten bekommen: Z.B. einer mit nektrotisierender Fasciits! Kenn ich sonst nur aus dem Lehrbuch... Toll war auch die Isolation einer meiner Patientinnen vom Stationsteam wegen V.a. Swine flue (wie dauernd) und Tbc, bei der ich aber ein derart krasses Herzgeraeusch gehoert habe (eigentlich war kein Herzton mehr hoerbar) und die nebenbei eine Vorgeschichte mit rheumatic heart disease hatte, dass dann doch mal ein TEE angeleiert wurde - und tatsaechlich: riesige Vegetationen auf Aorten- und Mitralklappe (sog. kissing lesion, wirklich eindrucksvoll). Dann wurde sie doch mal schnell zu den Herzchirurgen geschickt. Diese Woche kam dann noch ein Patient mit bestaetigter Influenza A (die Ergebnisse der Swine flu PCR stehen noch aus...) und eine Patientin mit idiopathischer konstruktive Perikarditis, bei der wir jetzt zur Ursachenforschung dazugerufen wurden. Ich komme ins Schwaermen. ;-)
Als consult-Team sind wir im ganzen Haus unterwegs und sehen wirklich viel. Daran, dass meine Patienten z.B. zum grossen Teil in Isolation wegen der Gefahr der Ansteckung sind, Spanisch sprechen, aus dem Gefaengnis kommen, also von Polizisten bewacht werden oder HIV-positiv sind, oder eine Kombination daraus, habe ich mich gewoehnt, so dass ich mich ganz auf ihre medizinischen Probleme konzentrieren kann.
Unser fellow und attending sind wohl auch mit uns Studenten (im Moment 4) zufrieden, jedenfalls bedanken sie sich tatsaechlich fuer unsere Hilfe und meinen, wir waeren eine so engagierte und intelligente Gruppe. Man kanns ja einfach mal glauben - nachdem in der Kardio ueberhaupt keine wirkliche Zusammenarbeit da war und man eher das Gefuehl hatte, zu stoeren und Zeit zu stehlen.

So bin ich also nach wie vor engagiert von 8-9am in der Fruehkonferenz der Kardio um nebenbei noch etwas Kardio zu lernen und dann direkt im Anschluss bis zwischen 4 und 6pm in der Infektiologie unterwegs. Irgendwie wurden die Visiten im Laufe der Zeit immer laenger. Das finde ich eigentlich nicht schlimm, weil man wirklich was lernen kann, aber der attending macht dann auch immer noch so Zwischenkram, telefoniert mit seiner Familie etc. um zu klaeren, welches Kind welchen Freund wann mit nach Hause bringt etc. Gerade sitze ich in der Bibliothek des Krankenhauses und warte, dass es 3pm wird und wir endlich mitder Visite anfangen koennen. Der attending ist naemlich gerade noch irgendwie anders beschaeftigt. Normalerweise fangen wir gegen halb 2pm an und das dauert dann eben so im Durchschnitt bis 5 oder etwas spaeter. Mal gucken, wie lange das dann heute geht. Wir besprechen dann zuerst immer die follow-ups, das heisst die Verlaufsbeobachtungen unserer alten Patienten, und danach besprechen wir die neuen Faelle. Heute hat jeder von uns ein neues consult bekommen, also stellt jeder erst den Fall vor und dann gucken wir uns die neuen Patienten zusammen an.

Weil der Tag so immer recht lang und halbwegs anstrengend ist, war ich dann letzte Woche etwas langweilig unterwegs - naemlich immer so zwischen 8 und 9pm im Bett. Und ich konnte wirklich gut bis um halb 6am schlafen.

Klar, Freitagabend war ich natuerlich fit genug um noch was zu machen. Wochenenden muessen schliesslich ausgenutzt werden. So war ich mit Aila und Timo im SOB's, einem Salsa-Club bei Soho. Von 7-8pm war ne Salsastunde auf der supervollen Tanzflaeche und danach sind wir erstmal nebenan im mexikanischen Schnellimbiss eingekehrt und haben Abendbrot - oder auch Abendburrito - gegessen. Danach wars aber noch richtig toll. Wie immer, wenn man neu irgendwo hin kommt, wo keiner weiss wie man so tanzt, muss man sich erstmal bewaehren, also mit den ganzen Spaten tanzen. Und dann sehen die guten Taenzer, dass mans halbwegs hinkriegt und man arbeitet sich sozusagen hoch. So war das in Goettingen, Bremen, Guatemala - und eben auch in New York. Zum Schluss wars richtig super und ich hatte viel Spass bei irgendwelchen Fallfiguren mit nem richtig gut tanzenden Elektroingenieur aus der Bronx, der die ganze Zeit seinen Hut aufhatte. Witzig war auch, dass ein anderer Guter, mit dem ich tanzte irgendwann erzaehlte er sei Arzt, wuerde jetzt in der Psychiatrie anfangen. Ja ja, die Mediziner sind eben ueberall. Nebenbei hatte er gerade einen Sprachkurs in Oesterreich gemacht. Vielleicht treffen wir uns ja mal zum Tanzen irgendwo in Deutschland...

Samstag traf ich mich mit Chrissie und Aila in Coney Island. Das ist das Vergnuegungs-Strand-Viertel im Sueden Brooklyns. Allerdings war es eher deprimierend, leer und abgerissen, so dass wir uns nach einem Spaziergang auf der Strandpromenade und einem kurzen Gang durch die Einkaufsstrasse mit russischen Laeden (ueberall kyrillische Buchstaben) wieder in die subway schwangen. Heute waren wir ja in meinem Viertel und so wollte ich natürlich zeigen, was Brooklyn alles so zu bieten hat. Ab zum Prospect Park, der einfach wirklich schoen, ruhig, eine gruene Oase ist. Einmal durch von Ost nach West und wir waren in Park Slope, einem jungen und gruenen eher alternativ-wohlhabenden Viertel, mit schoenen Cafes und Laeden. Dann nach einem Double-Chocolate-Muffin mit Chrissie weiter nach Williamsburg, dem hippen Viertel, wieder mit vielen netten Cafes und eher second hand Laeden, studentisch, mit jungen Leuten mit Gitarren, beim Picknicken im Park oder einfach durch den sonnigen Tag schlendern. Eigentlich war im Tageplan noch ein Museum enthalten, aber wir waren doch so kaputt, dass wir einfach nach Manhattan rueberfuhren (Brooklyn hatte - wie erwartet *g* - begeistert) und uns mit Timo in Hell´s kitchen beim Food Festival trafen, im westlichen Mitdtown war ueber mehrere Blocks eine Avenue gesperrt und ueberall waren Staende mit internationalem Essen und Souvenirs aufgebaut. Genau das richtige um sich fuer den kulturellen Teil des Tages zu staerken. Wir trafen uns naemlich weng spaeter wieder mit Aila am Lincoln Center, gingen noch schnell in Le Pain Quotidien, einen super franzoesisch-belgischen oder so etwas schickeren Imbiss mit tollem Brot, Kaese etc., und dann ab ins Ballett. Eigentlich hatte ich nach meiner eher maessigen Erfahrung im Ballett im Hildesheimer Stadttheater, wo ein sehr moderner Hamlet aufgefuehrt wurde, Ballett als wohl doch eher nichts fuer mich ad acta gelegt, aber dieser Abend mit Prokoviefs Romeo und Julia war wirklich beeindruckend und einfach schoen. Tolle Musik, tolle Taenzer, insbesondere "Julia" - und sooo romantisch *schmacht*... ;-) 

Sonntag wurde der naechste Versuch gestartet einen der hochgelobten Gospelgottesdienste in der Abyssinian Church in Harlem zu erleben. Man erinnere sich: Ostersonntag waren wir nicht reingekommen. Ich stand also nicht wirklich ausgeschlafen um 6 auf, traf Chrissie, Aila und Suzin in der Upper West Side und um kurz vor 9am waren wir an der Abyssinian Church - vor der wieder eine riesenlange Touristenschlange wartete. Also wieder nichts. Dabei nicht mal Ostern und der fruehe Gottesdienst, der angeblich nicht so voll sein sollte. Also starten wir vielleicht in zwei Wochen noch mal einen Versuch und sind um Punkt 7am vor der Kirche um um 9am in den Gottesdienst zu kommen... Etwas gefrustet fanden wir ein kleines, gemuetliches fanzoesisches Cafe, das uns mit heissem Kakao und Gebaeck ein aufmunterndes Fruestueck verschaffte. Mit neuer Energie bildeten wir uns im Museum of the City of New York weiter um dann einen weiteren multikulturellen Eindruck von Queens zu bekommen. Wir fuhren mit der Linie 7, die zum grossen Teil ueberirdisch faehrt (grosses "+"!), bis zur Endstation nach Flushing. Da ist doch tatsaechlich auch mein Urgrossvater Anfang des 20. Jahrhunderts hin ausgewandert. Allerdings gibts da heute eher Asiaten - und zwar ausschliesslich. Kaum stieg man aus der subway gab es nur noch chinesische Schriftzeichen und Chinesen. Wir gingen in ein - selbstverstaendlich chniesisches - Schnellrestaurant, in dem man fuer 4,99$ eine Algensuppe (oder so) +  eine riesige Portion Reis mit 4 Komponenten nach Wahl (z.B. Gemuese in allen moeglichen Saussen, Fleisch, Fisch etc.) + eine Flasche Wasser + eine Orange bekam. Wahnsinn! Der Preis war super, das Essen dem einen oder anderen vielleicht doch etwas unheimlich - insbesondere als wir danach in einem Supermarkt lebendige Froesche und entpanzerte Schildkroeten sahen... Aber meins war glaub ich Chicken. Anschliessend machten wir noch DIE kulinarische Entdeckung: Bubble Tea! Das ist eine farbige milchige Fluessigkeit (wir nahmen das Original, naemlich Taro, eine lilane Fluessigkeit) mit Bubbles, also kleinen runden geleeartigen Einlagen. Dazu bekam man einen sehr dicken Strohhalm. Klar, damit die Bubbles auch durchpassten. Richtig suess, aber wirklich ganz lecker. Wir liefen noch etwas durch die Strassen und Laeden, die alle sehr fremd wirkten. Asien ist fuer mich glaube ich tatsaechlich die fremdeste Kultur und trotzdem oder gerade daher reizt es mich auch als Reiseziel gar nicht so sehr. Wir waren dann aber alle doch relativ kaputt, so dass jeder in seine Richtung fuhr und ich nach einem dringend noetigen Einkauf auch am fruehen Abend wieder zu Hause war.

Das ist wirklich DAS tolle an New York City: Seine Vielfaeltigkeit! Und dieses Wochenende war, wie die meisten hier, wieder ein gutes Beispiel dafuer.

Da ich keine Lust darauf hab immer so kaputt zu sein nach der Arbeit und nur noch langweilig ins Bett zu gehen, traf ich gestern am spaeten Nachmittag noch Chrissie in der Upper West Side, wo wir in ein wirklich tolles Cafe gingen. Cafe Lalo, 83. Strasse, Nr. 201. Da muss man mal gewesen sein. Haben sich wohl ausser uns noch andere gedacht und gleich eine Szene eines Kinofilms dort gedreht: "You got Mail" oder auch "Email fuer Dich". Hab ich mit Doris mal in Bremen gesehen - und ebenso romantisch wie der Film war auch das Cafe - mit DER Auswahl an Torten, Kuchen etc. Nach einem Bagel, Kaffee und Schokoladentorte fuehlt man sich doch gleich wie ein neuer Mensch. Bagel sind sowieso total toll! Warum war ich denn noch nie in dem Goettinger Bagelshop in der Fussgaengerzone? Muss ich mal hin.

Z.B. in genau 3 Wochen, wenn ich fuer eine Nacht in Goettingen bin. Oh ja, so schnell vergeht die Zeit. Nebenbei habe ich diesen Bericht jetzt eben zu Hause zu ende geschrieben. Und hab ichs oben nicht gesagt? Ich war um Viertel vor 7pm zu Hause... Werde jetzt noch etwas Lesen und dann vermutlich auch mal wieder ziemlich bald ins Land der Traeume entschwinden. Immerhin, gestern war ich nicht langweilig! ;-)

5月10日

Einen ruhigen Abend...

... mache ich mir heute mal. Ganz entspannt und etwas müde sitze ich nun an unserem Küchen-/Gemeinschaftstisch und muss erstmal überlegen, wo ich beim meinem letzten Eintrag stehengeblieben war. Daran, dass der schon länger her ist, könnt Ihr ersehen, dass ich ganz schön busy bin. Hab Euch natürlich trotzdem nicht vergessen. Aber wie meistens ist nicht zu hören ein gutes Zeichen.
 
Das erwähnte studentische Konzert an der Columbia Universität war wirklich beeindruckend. Eigentlich alle Musiker hatten Preise gewonnen und in größeren Orchestern Soli gespielt. Dementsprechend war das Niveau relativ hoch - so hoch, dass es mir z.T. zu modern wurde und wirklich alles nur noch sehr experimentell klang.
 
Am nächsten Tag war Freitag und mein letzter Tag in der Kardiologie. Die 4 Wochen waren durchwachsen gewesen, aber ich habe wirklich etwas lernen können. Dr. Rubinstein setzte sich auch noch einmal mit uns 3 elective Studenten zusammen und besprach die Einschätzung von Studien und den verschiedenen Studiendesigns mit uns, was so sinnvoll ist, aber meiner Meinung nach bei uns in der Uni viel zu wenig Beachtung findet. Welche Studie glaubt man bzw. hält man für aussagekräftig und ist nicht nur auf Profit aus, sondern auf eine Verbesserung der Qualität in der Medizin. Glücklicherweise fand dieses Treffen schon morgens statt, so dass ich mich dann einfach gegen 2pm nach Danke (besonders im Echo) und Tschüß noch schnell nach Hause fahren konnte, bevor ich mich um 5pm in der 5th Avenue mit Aila traf. Vor etwa 2 Wochen hatte uns auf der Straße ein Typ angesprochen, der uns ein promotion Beauty-Programm andrehen wollte. Und, na ja, als wir ihn durch unsere Unentschlossenheit solange runtergehandelt hatten, dass jeder von uns 2 Beauty-Programme für nur 30$ gesamt erhalten sollte, wililigten wir ein. An diesem Freitag hatten wir also unseren ersten Termin, bei dem wir eine Gesichtsbehandlung und Massage bekamen und ich auch, wo wir schon mal dabei waren, das erste Mal eine Maniküre ausprobierte. Na ja, war ne Erfahrung wert, aber geht auch ohne. Natürlich versuchten die Leute da uns die ganze Zeit noch etwas azusätzliches anzudrehen, aber wir blieben hart. Anschließend ging ich noch mit Chrissi und ihren Mitbewohnerinnen ins East Village in eine Kirche, in deren ersten Stockwerk eine Laientheatergruppe spielte und sang. Kurz gesagt stellten sie ein Chorwochenende nach, mit allem was dazugehört: singen, essen, lästern... Wirklich sehr originalgetreu. Das ist wohl auf der ganzen Welt gleich. Nebenbei wurde auch noch ein interkultureller Aspekt behandelt, klar, durfte in NYC ja nicht fehlen.
 
Am Samstagmorgen waren Aila und ich zu unserem 2. Termin wieder in diesem Beauty-Salon, wo wir jeder ein Waschen-Schneiden-Föhnen-Programm bekamen. Meine Haare sind ab, juchu, der Sommer kann kommen (s. Fotos)! Eigentlich wollten wir danach ins Museum, aber weil das Wetter so gut war blieben wir draussen - mit kleinen Besuchen des einen oder anderen Klamottenladens... Abends trafen wir uns dann mit Chrissi in Soho, wo wir in eine Geheimtipp-Bar gingen. Es war in einer kleinen Nebenstraße, schon eher Chinatown, alle Schilder auf Chinesisch, es war ziemlich düster, roch nach Gosse... Und dann war da eine Tür mit einem Türsteher davor. Noch immer eher unscheinbar. Er meinte, es wäre eine private Party, aber gut, wir drei dürften rein. Drinnen war ein sehr schicker, etwas barocker und schummriger großer Raum mit einer langen Theke am Ende des Raums. Die Barkeeper trugen Apothekerkittel und hantierten mit bunten Apothekerflaschen herum. Die Cocktailpreise waren zwar gesalzen, aber das wars wert (und es gab sogar auf mein Nachfragen einen spontanen Alkoholfreien Cocktail, sehr lecker und ausgefallen!). Die Cocktails hatten auch alle Medikamentennamen und waren auf der Karte je nach Wirkung unterschieden (Analgetisch, etc). Die Musik war auch ein toller Mix. Allerdings tanzte keiner. Nach und nach kamen immer mehr Gäste, scheinbar Kinder reicher Eltern. Fanden sich sehr wichtig und benahmen sich affektiert und aufgesetzt. Wir machten uns dann weiter auf der Weg ins Meatpacking District, das stylische Ausgehviertel. Wieder ähnliches Klientel, überall fuhren Limousinen rum und die aufgestylten Frauen (der Wahnsinn!) beteten ihre Typen an. Boah! Wir wollten vor allem einfach mal wieder Tanzen, sind dann auch in einen Club reingegangen (ATP oder so), aber getanzt hat da keiner. Aufschicken, gesehen werden und Männer aufreissen - das ist das Ziel der Frauen im Meatpacking District. Z.T. schon etwas beschämend für die Frauenwelt... Wir haben dann eben einfach als einzige getanzt und haben dann noch ein bisschen Leute und Limousinen geguckt.
 
Sonntag hatte ich Glück und Timo, Aila und ihre Tante, bei der sie wohnt, kamen nach Brooklyn, in meine neighbourhood. So konnte in entspannt Ausschlafen und mit nem großen Kaffee bewaffnet zu Fuß zum Prospect Park gehen - zwar auch ne Stunde, aber besser als die Stunden in der subway. Brauchte Auslauf! Im Botanic Garden neben dem Prospect Park wurde das Japanische Kirschblütenfest gefeiert und Timo und Ailas Tante, die beide schon mal kürzer oder länger in Japan waren, konnten uns in die geheimnisvolle Welt Japans einführen. Leider regnete es die ganze Zeit, aber zum Glück gab es ein großes Zelt mit einer Bühne, auf der getrommelt und getanzt wurde. Die rosablühenden Kirschblüten sahen auch im Regen toll aus. Es gab auch japanisches Essen, so aß ich das erste Mal in meinem Leben japanisch - mit Algen, Sushi und Bohnenmußkeksen zum Nachtisch. Hm, joa, war ne Erfahrung wert, ist aber nicht so mein Ding. Sehr fremder Geschmack. Das Sushi war noch am Besten.
 
Am nächsten Morgen war mir so schlecht und mein Kreislauf so lahm, dass ich zu Hause blieb (keine Lebensmittelvergiftung, den anderen gings gut). Vielleicht brauchte ich auch einfach mal einen Tag Ruhe. Den hatte ich schließlich schon seit ?? nicht mehr. Ich schlief also, las in meinem super tollen amerikanischen Mikrobiobuch (das ist wirklich so toll, les das erste Mal was über Viren, Pilze etc., dass ich mir scheinbar merke...) und ging kurz meinen Kühlschrank auffüllen.
 
Am Dienstag gings mir wieder besser und ich konnte meinen ersten Tag in der neuen Abteilung, nämlich Infectious Diseases (ID), beginnen. Da die Arbeit dort erst um 9am anfängt, gehe ich einfach weiter von 8-9am zur kardiologischen Morgenkonferenz, die sind meist sehr informativ. Dieser Dienstag war wohl der absolute Chaostag. Ich hatte ja keinen Vergleich, aber das meinten alle anderen Studenten. Wir waren tatsächlich mit 7 Stunden in ID, dann gibt es eine fellow (Assistenzärztin) und den attending (gibt glaub ich 3, die sich monatsweise abwechseln mit der Zuständigkeit für die consults). Wir 9 sind zusammen verantwortlich für die consults. Die meisten Abteilungen in den Krankenhäusern hier haben keine eigene Stationen. Es gibt Stationsteams (z.B. für Innere Medizin, für Chirurgie etc.) und die rufen dann immer die consult-teams der unterschiedlichen Abteilungen. Wenn also jemand eine nicht ganz billige Infektion hat, werden wir gerufen und sollen einen Rat abgeben. Die Aufgabe der Studenten ist die Aufnahme der neuen Patienten (Anamnese, Befunde, Untersuchung etc. zusammentragen) und das follow-up, also die weitere Verfolgung der Patienten, der Entwicklung ihrer klinischen Befunde etc. Wenn die Patienten entlassen werden oder wir das Problem gelöst haben machen wir den "sign-off", verlassen also den Patienten und überlassen ihn seinen primär behandelnden Ärzten. Um 12am ist dann wie gewohnt die internistische lunch-Konferenz und danach ist die round (Visite) mit dem fellow und dem attending, in der wir Studenten die neuen Patienten vorstellen und den Verlauf der alten berichten. Der attending fragt uns dann immer, was wir jetzt machen würden, über dies und jenes denken. Die Fellow ist immer auf dem Laufenden über alles, verteilt die Patienten an uns und findet trotz wirklich viel Arbeit noch die Zeit uns zu unterrichten. Die ist wirklich super, kann am Telefon zu Kollegen sehr harsch sein, wenn sie meint, jemand verschwendet ihre Zeit, mit uns ist sie aber immer super, will, dass wir auf jeden Fall was lernen. Sie meinte, ihr Ziel ist es, das wir nach diesem elective keine Leute mit Infektionskrankheiten umbringen. Klingt banal, ist es aber nicht unbedingt, wenn man sich ansieht, wieviel oder wenig Ahnung Ärzte allgemein von Infektiologie und Antibiotikatherapie haben. Der attending kommt ursprünglich aus Argentinien und ist auch nett, und erzählt gerne viel. Über Infektionen, aber auch über Gesundheitspolitik oder einfach ganz andere Themen. Daher dauern die rounds auch immer etwas länger... Aber meist ist es ziemlich interessant. Ich merke aber auch, dass mein Wissen in Infektiologie wirklich zu wünschen übrig lässt, mich aber wirklich fasziniert. Ich lese jeden Tag Sachen nach und es ist so spannend! Das Gute ist, dass ich die ganze Zeit etwas zu tun habe. Auch wenn ich morgens nur meine follow ups mache und keinen neuen Patienten habe, setze ich mich nach den follow-ups in die Bibliothek und lese Sachen nach. In Kardio wusste ich einfach schon mehr, konnte daher in den rounds auch gut folgen, kannte die Begriffe. In Infektiologie gibts wieder neue Abkürzungen, neue Medikamentennamen (und sie sagen nie die Wirkstoffe!) und eine große Menge neues Wissen, dass es zu erlangen gibt. Aber wie gesagt: ich bin völlig begeistert und finde Infektiologie super spannend, so dass ich mein Möglichstes tue zumindest das basic Wissen in den Kopf zu bekommen, eine gewisse Struktur zu erstellen! Infektiologie hat auch so viele soziopolitische Aspekte. Wusstet ihr, dass HIV in den 70er/80er Jahren u.a. so doll verbreitet wurde, weil die Bluttransfusionen den Virus enthielten - und insbesondere homosexuelle Männer Blut spendeten, weil in ihrer community eben soziales Verhalten (zu dem auch Blutspenden gehört) besonders stark ausgeprägt war... Das meinte jedenfalls mein attending, der zwar schon sehr polarisiert, aber wirklich viel Erfahrung hat. Zwischendurch, wenn wir rounden (in seinem Büro, neue Patienten gucken wir im Anschluss auch auf Station an), rufen oft HIV-Patienten an, die Fragen haben. HIV ist hier sowieso eher eine Nebendiagnose, da so viele Leute den Virus haben...
Okay, jedenfalls war der erste Tag so chaotisch, dass wir morgens direkt mit Dr. Salama, dem attending, Fälle besprachen, dann Prof. Bettone, einen 80-jährigen Professor vom Mount Sinai, der wohl in der Infektiologie nen ganz schönen Namen hat, trafen und mit ihm ein bisschen Malaria und Herpes mikroskopierten. Der war echt urig... Dann wars auch schon 2pm und wir hatten noch nichts gegessen. Was wir dann taten. Und um 3pm bekam ich 2 neue consults. noch jemand ein neues und der Rest keine. Keine Ahnung, was die anderen machten, ich war jedenfall bis 5pm beschäftigt und dann auch ganz gut kaputt. So war ich um 6 zu Hause und arbeitete noch bis halb 9 an meinen Patienten-histories bis ich ins Bett fiel und sofort einschlief.
 
Dafür waren die nächsten Tage wirklich ruhiger und organisierter (verliefen also so, wie ich die normalen Tage oben beschrieben hatte). In meiner ersten Woche hatte ich 3 eigene Patienten (einen mit zentralem Fieber bei Schädel-Hirn-Trauma, dem wir also seine Antibiotika wegnehmen konnten, eine Gefängnisinsassin mit Clostridium diffile dank ihrer Pneumonie-Antibiotika und einen jungen Patienten, mit riesigen Pleuraergüssen und Nierenabszess mit Staph. aureus, Tbc haben wir schon ausgeschlossen und suchen jetzt nach Gründen... Also Detektivspielen wie bei Dr. House - der doch auch Infektiologe ist, oder?
 
Abends war ich unter der Woche so kaputt (um kurz vor 7am aus dem Haus, gegen 6pm wieder zu Hause), dass ich abends zwischen 8 und 9pm ins Bett fiel. Gestern war Freitag, also konnte das Wochenende eingeläutet werden! So traf ich mich direkt nach der Arbeit mit Timo vor der Metropolitan Opera. Wir gingen erst was essen (mein erster typisch NYC-belegter Bagel: mit Cream Cheese und Salomon) und dann mit Chrissi und noch zwei anderen elective Studenten in Verdis Il Trovatore. Boah, Schnulze hoch 500! Hätt ich ja nicht gedacht, aber ich fand Wagner neulich besser - obwohl viel langatmiger und düsterer. Aber nicht so extrem Herzschmerz-kitschig! Wobei natürlich die Chorszenen bei Verdi was Besonderes sind. Anschließend fuhr ich mit Timo nach Brooklyn, wo eine Party mit Elektromusik sein sollte - also vielleicht endlich mal eine Gelegenheit zum Tanzen...?! Als wir ankamen, sahen wir nur Teenies, dann kam eine Rhythmus-Elektro-2Mann-Band, die ich gar nicht so schlecht fand, Timo, naja... Aber irgendwann, nachdem wir Zeuge typischer Teeny-Szenen wie, nein, zu eklig. Also, danach wurde die Musik wieder besser, das Publikum älter und mitten im Tanzen kamen auch noch Aila und einige andere students dazu. War wirklich ne super Party, mit guter Musik, alternativen Leuten, nicht dieses Schnittenstolzieren, sondern einfach Tanzen! So war ich dann gegen 4am zufrieden im Bett.  
 
Samstag! Heute also. Puh, gleich habt ihrs geschafft... ;-)  Lange schlafen konnte ich nicht, aber 5 Stunden sollten auch reichen, bin ja noch jung...! Ich fuhr nach Manhattan und ging ins New Museum of Contemporary Art. Alleine, wir hatten nichts verabredet. War eigentlich mal wieder ganz schön, einfach alles in meinem Tempo zu machen, kein Warten oder... Wirklich empfehlenswert! Sehr modern, gemalt, gespielt, hingestellt... Dank meinem AudioGuide verstand ich sogar die Bananenschale in der Ecke auf dem Boden, die "Kinderbilder", die eine ganze riesige Wand füllten, die zwei chaotischen Räume nebeneinander, in denen verrückte Szenen auf einer Leinwand liefen... Anschließend fuhr ich zu Ground Zero, neben dem DER Klamottenladen ist. Na ja, sollte er jedenfalls sein. Klar, schon viele Markenklamotten für wenig Geld, aber ich fand es sehr ramschig. Timo kam auch noch nach und zu zweit durchforsteten wir die Etagen des Einkaufschaos. Ein Paar reduzierte Schuhe, nicht schlecht für meinen Finanzstatus. Und die brauchte ich sogar... ;-)
Nachdem ich noch schnell in den Supermarkt sprang und mein Abendessen sicherte fuhr ich endlich nach Hause. Puh, schon wieder 7pm. Und dabei wollte ich doch so entspannt den ganzen Abend Blogschreiben, E-Mails beantworten, Lesen... Aber jetzt, um Viertel vor 10pm, habe ich doch nur den Blogeintrag geschafft und gehe ins Bett. Sorry, aber ich beantworte alle mail, freu mich über jede einzelne! Und ich freu mich schon auf Morgen, Frick´s Collection - und dann vielleicht noch ein bisschen shoppen... Ich muss ja meine letzten 4 Wochen in NYC noch einmal invollen Zügen nutzen und genießen! Aber da bin ich sehr, sehr optimistisch!! :-)