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日志


4月30日

Sommer und Swine flu

Nicht mal eine Woche ist seit dem letzten Eintrag vergangen, aber es ist schon wieder so viel passiert, dass ich befuerchte etwas zu vergessen, wenn ich nicht mal wieder ein bisschen was in den Blog schreibe. Er ist ja nicht zuletzt auch fuer mich eine Art Tagebuch.
 
Letzte Woche Donnerstag traf ich mich mit 4 Kommilitonen im Bluenote, im Studentenviertel Greenwich Village, wo wir einen sehr, sehr schoenen Jazzabend verbrachten. Wir hatten noch Plaetze an der Theke ergattert, die im Gegensatz zu den Tischplaetzen bezahlbar waren und man aber trotzdem ohne Fussschmerzen der Musik lauschen konnte. Der Star des Abend, der Pianist, kommt aus der Dominikanischen Republik, der Bassist aus Kuba und der Drummer aus Kalifornien. Genauso bunt wie die Herkunft der Combo war auch die Musik. Und tatsaechlich traf die Beschreibung, die ich vorher gelesen hatte, die Musik ziemlich genau: eine Mischung aus Jazz, Klassik und Latin. Dass ich mir am Schluss eine CD von der Gruppe gekauft habe, versteht sich ja wohl von alleine... ;-)
Da das Konzert auch nur bis um 10pm ging, bekam ich sogar noch genug Schlaf um an naechsten Tag im Krankenhaus voll einsatzfaehig zu sein. Ich hatte Glueck, und nach der round mit dem tollsten attending, Dr. Marino (kein Wunder bei dem Namen... *g*), und der Mittagskonferenz, in der Dr. Marino vom "Publikum", also lauter Studenten und Aerzten, an die Wand projizierte EKGs auswerten liess (ja, ich musste auch dran glauben, er meinte "Du wertest ja schon die ganze Woche EKGs aus, dann mal los...") ging ich zum Echo, also Herzultraschall und dort war es relativ ruhig und kein Auszubildender da - ausser mir. So konnte ich zwei Patienten schallen, was total super war! Und ich konnte sogar was aus dem erkennen, was ich da schallte! Erfolgserlebnis! Ich finde Echos sooo schoen! Und die ganzen Farben...! ;-) Nebenbei quatschte ich mit den Echo-Technikern, also denen, die die Echobilder machen, die Aerzte werten die Bilder dann ja nur noch aus. Jedenfalls war die Gespraeche sehr interessant. Der eine kommt urspruenglich aus Rumaenien und ist 1995 ausgewandert, weil er fuer seine Kinder in Rumaenien keine Zukunft sah. Er war dort allerdings Arzt und hatte seine eigene gynaekologische Praxis. Als er in die USA kam hat er zuerst sein Geld als Strassenfeger verdient, sein Examen wurde hier nicht anerkannt. Die andere kommt aus Russland, ist 1994 ausgewandert, und war dort Internistin. Beide haben dann hier die 2-jaehrige Ausbildung zum Echo-Techniker gemacht. Wollen aber irgendwann wieder zurueck in ihre Laender... Nach diesem spannenden Nachmittag traf ich mich eigentlich schon relativ kaputt abends mit Aila in Williamsburg, dem In-Viertel in Brooklyn, also bei mir um die Ecke. Dort liefen wir ein bisschen durch die Kneipenstrasse, in der vegane Kekse und Sandwiches etc. verkauft werden. Es gab aber auch normalen Apfelkuchen und Kakao... ;-) Dann wollten wir einfach mal gucken, ob wir nicht irgendwie zur Brooklynbridge laufen koennen und liefen mal los. Und liefen und liefen. Die Brueck erreichten wir zwar nicht, war doch etwas zu weit, aber unterwegs, direkt zwischen Williamsburg und meinem Viertel Bedford-Stuyvesant waren wir auf einmal in Jerusalem. Jedenfall fuehlte sich Aila sehr daran erinnert. Ich war da neulich schon mal durchgelaufen, aber am Freitagabend, wenn Schabbat gefeiert wird, war es noch krasser. Ausser uns waren wirklich ausschliesslich Familien orthodoxer Juden auf den Strassen unterwegs, mit grossen Hueten, Schlaefenlocken, wirklich sehr, sehr eindrucksvoll. Jetzt fielen mir auch die ganzen hebraeischen Plakate und Ladenbeschriftungen auf. Mein Krankenhaus ist ein Lehrkrankenhaus der Mount Sinai School of Medicine, die, wie der Name schon vermuten laesst, eine juedische Medical School ist. In meinem Krankenhaus sind daher auch viele juedische Aerzte mit sehr vielen deutschen Namen. Zum Teil tragen sie im Krankenhaus auch eine Kippa (ich habe mich frueher immer gefragt, wie die halten, aber jetzt habe ich gesehen, dass sie mit Haarspangen festgehalten trotz kurzer Haare sehr gut an Ort und Stelle bleiben. Es ist manchmal ein etwas komisches Gefuehl, gerade in diesem Viertel mit den orthodoxen Juden und wenn jemand erzaehlt, dass seine Familie eigentlich aus Deutschland kommt. Und besonders deutlich sieht man hier auch, wie viele extrem schlaue Koepfe Deutschland an Amerika verloren hat - aus vielerlei Gruenden.
Wir hatten Anfang der Woche einen Patienten, der Ende der 50er aus Deutschland ausgewandert ist - wobei ich mich auch gefragt habe, warum wohl. Er hatte einen "kleinen" Herzinfarkt, das EKG zeigte aber, dass die LAD, also eine sehr wichtige Herzkranzarterie, vermutlich betroffen sei, die jederzeit ganz zugehen koennte und somit ein hohes Risiko birgt. Aber der Patient meinte, er haette noch nie was von Herzkatheteruntersuchungen gehoert, waere immer gesund gewesen und fuehle sich jetzt auch gut und ausserdem koennte man mit dem Herzkatheter ja auch die Aorta durchpieksen und dann haette er mehr Probleme als vorher, er wuerde ausserdem nicht verstehen wie das EKG funktioniert, wie man Echo-Bilder liest, wir koennten ihm ja sonstwas erzaehlen etc. Also versuchten mehrere Oberaerzte und ich dann schliesslich auch auf Deutsch (sein Englisch war so naja; und ja, in Deutschland werden auch Herzkatheter durchgefuehrt, nein, er ist hier kein Versuchskaninchen...) ihm alles zu erklaeren, aber der war so stur und auch etwas einfacher gestrickt. Nach zwei Tagen konnte seine Frau ihn schliesslich ueberreden, den Herzkatheter durchfuehren zu lassen und tatsaechlich hatte er einen 95%-igen Verschluss der LAD und jetzt hat er nen Stent (natuerlich BMS, bei der compliance...!). Deutscher Dickkopf, puh...!
Sprachtechnisch bin ich hier wirklich gefordert. Eigentlich bin ich ja schon beschaeftigt mit Englisch, versteh zwar alles, aber mein gesprochenes Vokabular koennte echt besser sein. Na gut, zwischendurch Deutsch bekomme ich ja auch noch hin. Aber langsam komme ich auch wieder besser ins Spanisch rein, weil ich jetzt oefter die einzig Anwesende war, die Spanisch sprach. Zwischendurch lerne ich zwar auch immer mal wieder was Medizinisches, aber meine Herausforderung liegt eher auf der anderen Ebene... ;-)
 
Aber gut, es gab ja auch noch ein Wochenende mit kulturellen Highlights: Am Samstag war ich mit Beenish, einer elective-Studentin aus Kalifornien, die aber, weil billiger, in Pakistan studiert hat (ihre Eltern kommen aus Pakistan) und Timo, einem meiner peer-group aus Goettingen, im Metropolitan Museum. Wow, das tollste Museum, in dem ich je war! Der Wahnsinn. Die haben einfach aus der ganzen Welt alle moeglichen Dinge mitgehen lassen und dann in ein riesiges Gebaeude im Central Park gepackt. Da wir etwas ueberfordert waren mit der Dimension des Museums, nahmen wir an der Highlights-Fuehrung teil, die in 1,5 Stunden anhand von sechs Objekte (vom roemischen Sarkophag (ist Euch schonmal der Wortstamm aufgefallen: Sarko = Fleisch und Phag - wie Oesophagus nebenbeibemerkt - = Fresser?!) ueber moderne Kunst und ein Bild von Rembrandt) einen richtig guten Eindruck vom Museum gab. Wieder draussen bemerkten wir erst die Hitze, denn mittlerweile hat der Sommer in New York Einzug gehalten. Es waren um die 30 Grad Celsius, was nach zum Teil sehr kaltem und regnerischen Wetter tatsaechlich eine Umstellung war. Ich hatte ja schon gehoert, dass auf den Winter hier der Sommer folgt, aber so krass hatte ichs mir nicht vorgestellt. Nach einigem Rumlaufen im Central Park und in der Shopping Mall daneben, dem Columbus Centre, fuhren Timo und ich mit der subway nach Greenwich Village weiter im Sueden Manhattans, wo wir mexikanisch assen - und Eis fanden wir schliesslich auch. Ein rundum gelungener Tag!
Am naechsten Tag trafen Timo und ich uns und fuhren ganz in den Noren Manhattans zum Cloisters, einem Anhang des Metropolitan Museum. Dort wurde Ende der 1930er ein Kloster aufgebaut, in das einfach lauter romanische, gothische und einfach alte europaeische (insbesondere franzoesische, spanische und deutsche) Torboegen und bunte Kirchenfenster gebaut, Steinsaerge gestellt und aller moeglicher antiker Schnickschnack ausgestellt wurde. Rockefeller Jr. hatte das in die Wege geleitet und auch gleich das Ufer gegenueber, auf der anderen Seite des Hudson Rivers gekauft, damit keine neuen Bauprojekte dort den Blick vom Cloisters aus verschandeln konnten... Es war noch waermer als am Vortag - was aber ganz angenehm war, denn man konnte sich dann immer mal draussen aufwaermen, wenn man drinnen Dank Klimaanlage und dicken Steinen fror. Ausserdem freute ich mich ueber meine neuen, am Morgen schnell in der Not gekauften Sandalen. Die brauchte ich dann ja tatsaechlich und wirklich! ;-) Gegen Abend fuhren wir zum Central Park (da wir mal den Bus nahmen und der wirklich an jedem Block hielt, brauchten wir von der 190. bis zur 98. Strasse knapp 2 Stunden! Dort trafen wir uns dann noch mit einigen anderen elective students und picknickten. Allerdings wurde es dann auch bald recht kuehl als die Sonne weg war (klar, war ja auch der erste Tag an dem ich ohne Jacke losgegangen war...) und so fuhr ich nicht allzuspaet nach Hause.
 
Montag startete dann meine letzte Woche in der Cardiology. Leider ist diese Woche eine ziemlich lahme und nicht so richtige schlaue bzw. dies nicht vermittelnde attending in den Visiten der CCU. Dafuer war der Nachmittag in der Ambulanz mit Mary wieder sehr lehrreich und gut. In der CCU hatten wir sozusagen einen VIP, eine der ersten Patienten, die eine Mitralklappe bekommen hatte (1967), dabei war allerdings wohl die Trikuspidalklappe kaputt gegangen und leckt jetzt ziemlich, sie moechte aber eigentlich keine dritte Herz-OP, was auch ein Risiko darstellt. Und nachmittags sah ich noch einen spannenden Fall, eine junge Patienten mit dem POEMS-Syndrom (wens interessiert, der kann es ja nachlesen, hatte da vorher auch noch nix von gehoert).
Im Anschluss an den Arbeitstag erledigte ich meinen woechentlichen Einkauf im "organic" Supermarkt an der Metropolitan Ave, also auf meinem subway-Heimweg. Allerdings wollte ich wohl schnell nach Hause und vergass daher eine meiner Einkaufstueten dort. Hab mich ziemlich geaergert, denn Essen, zumindest halbwegs gesundes, ist hier sauteuer. Also ging ich am Dienstag wieder hin, mit meinem Einkaufsbon, und obwohl ich ja nicht damit gerechnet hatte, bekam ich tatsaechlich alles, was ich vergessen hatte fuer umsonst! Juchu, der Tag war gerettet. :-) Spontan, wie man in unserem Alter doch tatsaechlich manchmal noch ist, traf ich mich abends mit Aila und Timo an der Metropolitan Opera, wo wir uns Wagners Walkuere ansahen. Die sechs Stunden im Stehen (Sitzplaete waren viel zu teuer) haben sich auf jeden Fall gelohnt! Es war eine richtig tolle Auffuehrung, obwohl ich sonst nicht so der Wagner-Fan war. An jedem Platz, sogar an jedem Stehplatz, hatte jeder Zuhoerer seinen eigenen Minibildschirm, auf dem er die Texte mitlesen konnte - in verschiedenen Sprachen, versteht sich. Das war von allem sehr nuetzlich, weil Placido Domingo (genau, DER Placido Domingo) als Siegmund sehr undeutlich gesungen hat. Kann der ueberhaupt Deutsch? Mein Stehnachbar meinte, Placido haette extra fuer seine Rolle als Siegmund Deutsch gelernt...
 
Nach etwas ueber 4 Stunden Schlaf war ich gestern doch etwas muede und das einzig spannende war auch ein kurzer Besuch bei einer neurologischen Patientin. Die hatte naemlich einen rechts parietalen Schlaganfall gehabt und ihre Symptomatik bestand nun lediglich aus einem Ausfall des optokinetischen Nystagmus zur rechten Seite. So ungefaehr (bin ja nur cardiology-student...). War sehr beeindruckend. Wir habens auch nur durch Zufall gesehen, weil fuer zwei Wochen gerade eine neue Studentin in die Kardio gekommen ist, die vorher schon in der Neuro war und den Tipp von einem resident der Neuro bekam.
Gestern bin ich ausserdem das erste Mal etwas klarer meinem indischen Mitstudenten geworden, weil er mir immer ins Wort fiel, weil er meinte, er wuesste es besser und mich immer examinieren will, um zu zeigen, wie viel er weiss. Puh, das ist anstrengend! Und das hab ich ihm gesagt. Er koenne sein Wissen eben nicht zurueckhalten, meinte er, das muesse einfach raus. Als ich daraufhin meinte, dass das aber vielleicht andere etwas nerven und stoeren koennte, meinter er nur, das sei ihm egal. Nun denn. Er macht das auch nicht nur mit mir, sondern auch mit den Aerzten - allen. Aber wenn es ihm egal ist...
 
Ich habe letzte Nacht 10 Stunden geschlafen, war also um 8pm im Bett und bin immer noch kaputt. Seit dem Wochenende bin ich naemlich etwas erkaeltet und schlapp (ich sage nur Klimaanlagen ueberall!). Aber keine Angst, ist bestimmt keine swine flu. Obwohl ich mich schon auf naechste Woche freue, da fange ich ja in der Infektiologie-Abteilung an - und gerade ins Queens und ganz besonders hier im Elmhurst Hospital mit seinem multiethnischen Klientel ist die Wahrscheinlichkeit Patienten zu finden am Groessten... ;-) Aber keine Angst, erstens passe ich natuerlich auf mich auf und zweitens komm ich hier ja auch an Medikamente ran. Die Schweinegrippe ist ja auch, insbesondere im Gegensatz zur Vogelgrippe, viel weniger aggressiv und gefaehrlich. Im Prinzip ist sie wie die Influenza, man kann sich eben nicht impfen, aber behandeln kann man sie schon (insbesondere wenn man in den ersten 48 Stunden die antiviralen Medikamente gekommt). In den USA gibt es bislang einen Todesfall (www.cdc.gov), das geht doch noch.
 
Ach ja, noch was spannendes: Es gibt hier in der Naehe ein Gefaengnis, das Riker's. Und es gibt Vertraege, die besagen, dass alle maennlichen Patienten im Bellevue Hospital behandelt werden - alle weiblichen hier im Elmhurst Hospital Center. Ich hab schon oefter gesehen, dass Polizisten vor Zimmern sassen oder auch Tueren von Trakten automatisch geschlossen wurden, wenn Patienten/Haeftlinge geflohen waren. Tja, auf der CCU haben wir jetzt auch eine Patientin, die mit einer Handschelle am Knoechel ans Bett gebunden ist und vor ihrem Zimmer sitzt die ganze Zeit ein Polizist. Schon ein etwas komisches Gefuehl...
 
Um noch einmal zu zeigen, wie bunt meine Zeit hier zu gestalten ist, schreibe ich schon mal von meinen Plaenen fuer den Abend. Wir gehen naemlich mit ein paar Leuten zu einem klassischen Konzert im Miller Theatre in der Upper West Side, wo Studenten der Columbia Universiy ihr Spring Recital gestalten. Und noch etwas Besonderes gibt es dabei: es ist umsonst! ;-)
 
Ich hoffe, Euch gehts allen gut! Und immer schoen die Haende mit Seife waschen - bestes Mittel gegen die Swine flu ist schliesslich sie gar nicht erst zu bekommen...!
:-)
4月25日

FOTOS!

Ich habs geschafft! Das erste Mal während einer Reise habe ich Fotos in den Blog geladen (unter "Fotos" zu finden...) - nicht zuletzt natürlich dank meines neuen Freundes: meinem Netbook! Was für eine sinnvolle Investition... ;-)
 
 
4月23日

Neues aus NYC

Wie koennte ich meine Mittagspause (bzw. die Wartezeit zwischen Mittagskonferenz (mjam, heute war mal wieder Pizzatag) und meinem Date zum Computer Training besser nutzen als mit einer kleinen Aktualisierung meines blogs. Das Computer Training ist eine Einfuehrung in das Krankenhauscomputerprogramm und danach bekomme ich ein Passwort dafuer, was ich fuer meine naechste elective in Infectious Disaeses brauche, da in dem Programm die ganzen Patientendaten sind, die ich dann endlich brauchen werde - da bekommt man naemlich eigene Patienten, juchu! Ich bin zwar in der naechsten Woche noch in der Kardiologie, aber falls ich da consults machen sollte, waere ein Zugang zu Labordaten, Untersuchungsergebnissen etc. auch sinnvoll und ausserdem verliere ich so in meinem naechsten elective nicht den ersten Tag, an dem ich dann das Computer Training machen wuerde. Nachmittags habe ich ja gerade eigentlich Zeit fuer derartige Dinge... Anwesenheitskontrolle gibt es nicht, ab und zu fragt Dr. Rubinstein mal, was ich denn in der Woche so gemacht habe, aber die PC-Einfuehrung ist ja auch eine sinnvolle Sache.
 
In dieser Woche war es allerdings auch wirklich gut. Tatsaechlich kann ich von einer deutlichen Steigerung der Lehre und somit meiner Laune ueber die letzten knapp 3 Wochen in der Kardiologie berichten. Wie ja schon angesprochen weiss ich jetzt eben, wie ich meinen Tag am sinnvollsten organisiere. Und ausserdem ist in dieser Woche in der CCU ein super attending, Dr. Marino, der mich gleich am Montag (ich war die einzige Studentin, juchu) alle EKGs auswerten liess (die residents, also untersten Assistenzaerste, sprachen mich danach an und waren voellig begeistert und etwas verwirrt, weil ich angeblich die EKGs so gut lesen konnte, wo ich das bloss gelernt haette etc. Ich finde mich immer noch ziemlich durchschnittlich was EKGs angeht, aber es macht total Spass sich auf dem Gebiet weiterzubilden und ich will das richtig lernen!), mir "Hausaufgaben" aufgab ("morgen erklaerst Du uns...") und dauernd fragte und erklaerte, so dass die rounds, also Visiten, z.B. so lange dauerten, dass ich meine Mittagskonferenz samt Mittagessen verpasste - aber das wars auf jeden Fall wert! Die Lehre finde ich jetzt mit der Zeit wirklich gut. Jeden Morgen und jeden Mittag ist immerhin jeweils eine knappe Stunde Fortbildung, morgens Kardiologie, mittags generell Innere Medizin. Und die Kroenung ist, dass ein neuer fellow (also oberer Assistenzarzt), Salomon, fuer die naechsten zwei Wochen, also meine restliche Zeit, auf der CCU ist, der vorher schon attending (also sowas wie Oberarzt) in der Inneren Medizin war und jetzt eben in die Kardiologie gewechselt ist, wo ernatuerlich  erstmal einen niedrigeren Rang hat. Aber der weiss natuerlich ne Menge, erklaert und fragt auch die ganze Zeit. Ich habe jetzt auch rausgefunden, dass die residents, die sich ja bislang ueberhaupt nicht um uns Studenten gekuemmert hatten, selbst nur fuer kurze Zeit (zum Teil 4 Wochen) in der CCU sind, auch gar nicht richtig in der Kardiologie, sondern in der Inneren Medizin oder Emergency Medicine sind, und somit von Kardio tatsaechlich maximal soviel wissen wie ich. Die waren selbst erstmal voellig ueberfordert und konnten sich daher natuerlich nicht um uns kuemmern. Ihr Arbeitsalltag ist eigentlich nicht wirklich stressig auf der CCU, sind ja nurmaximal  9 Patienten in der CCU und 4 auf einer mitbetreuten Art IMC (Intermediate Care Station, also zwischen Intensiv- und Normalstation, eben mit Monitoren). Aber dafuer haben sie jeden 3. Tag etwa 28 Stunden Schichten.
Die Hierarchie finde ich hier ziemlich human. Attendings spricht man zwar mit Nachnamen an, aber es wird viel rumgejuxt und vor allem zusammengearbeitet. Jeder darf eine Idee aufbringen, die wird dann diskutiert, erklaert warum oder warum es nicht so sein kann etc. Fuer bloede Fragen bekommt man keinen Aerger (nicht mal, wenn man als Arzt auf ner CCU fragt, ob der Patient, der gestern einen Stent bekommen hat und naechste Woche einen erneuten Herzkatheter bekommt, sein Clopidogrel davor absetzen soll... Vielleicht sollte man da doch mal etwas energischer drauf antworten.), sondern es wird alles erklaert. Scheinbar unabhaengig von der Zeit oder Laune des attendings beantworten die meisten alle Fragen und nehmen sich wirklich Zeit.
 
Am Montag war ich morgens nach der Morgenkonferenz in der round der CCU und direkt im Anschluss in der outpatient clinic (Ambulanz) mit Mary, einer fellow, was wieder ganz toll war. Sie meinte zwar am Anfang, sie haette sehr viele Patienten und deshalb nicht so viel Zeit zum Erklaeren, aber im Endeffekt erklaerte sie wieder alles, druckte mir noch eine Studie aus, die mich interessierte etc. Super!
Am Dienstag war ich nachmittags im Herzkatheterlabor, wo nicht so viel loswar, aber dafuer der interventionalist lange mit einer fellow und mir ueber die "Katheterpolitik" diskutierte und den intracoronaren Unltraschall erklaerte. Krass, wusste vorher gar nicht, dass es so was gibt. Damit kann man viel besser die groesse von Stenosen der Koronargefaesse bestimmen, als nur mit dem normalen Kontrastmittel-Herzkatheter, fuer den es uebrigens neben der gaengigen pi x Daumen - Abschaetzung des Stenosegrades auch tatsaechlich halbwegs objektive Messmethoden gibt, die allerdings keiner durchfuehrt. Da es keinen Cath mehr gab ging ich dann einfach frueher nach Hause, ich wollte sowieso ganz viel nachlesen, was ich auch tat - mit meinem neuen Netbook, aber von diesen Freizeitspaessen spaeter mehr. Da ich so frueh, also schon gegen 4pm, zu Hause war, war ich abends noch so fit, dass ich mich spontan Aila und Verena, einer Mitbewohnerin von Chrissi, anschloss, die zu einer Milonga im unteren Manhattan gingen. War schon ein Erlebnis, irgendwo in einem alten, etwas abgerissenen Haus, waren auf einmal ganz viele schoene und schicke Leute am Tango Argentino tanzen. War kein grosser Raum, aber hatte irgendwie ne urige Atmosphaere. Die eine  Wand war ganz mit einembunten  Bild bemalt worden, dass vermutlich von Buenos Aires inspiriert den Blick aus imaginaeren Fenstern zeigte. Verena war 2 Monate in Buenos Aires zum Famulieren gewesen, war aber die meiste Zeit wohl tangotanzen gewesen, so dass sie die einzige von uns war, die es wirklich konnte. Aila hatte, wie ich, mal einen Semesterkurs in Goettingen gemacht - aber damit kam man hier nicht weit. Trotzdem tanzten wir alle drei auch ein bisschen, obwohl ich an und fuer sich vor allem das Zuschauen der anderen, wirklich toll tanzenden Paare, toll und beeindruckend fand. Vielleicht sollte ich auch mal ein paar Monate nach Buenos Aires - einfach zum Tangolernen... ;-)
Nach immerhin 5 Stunden Schlaf rechnete ich mit keinem langen Mittwoch im Krankenhaus. Aber wie das meistens so ist... Nach der Morgenkonferenz mit einem beruehmten Forscher des Mount Sinai (Dr. Fuster, ehrlich gesagt hab ich noch nie von dem gehoert, was aber natuerlich nichts heissen soll...), der round in der CCU und der Mittagskonferenz mit indischem Essen und Colitis ulcerosa - Therapie, versuchte ich herauszufinden, wie das mit dem Computer Training funktioniert, wo ich hingehen muss etc. Beenish, eine elective Studentin, die gerade im Infectious Diseases Department arbeitet meinte, dass es sich doch anbieten wuerde es bei freier Zeit jetzt schon zu machen, was eine wirklich gute Idee war. Also rannte ich zu verschiedenen Sekretariaten, die gerade Mittagspause machten, natuerlich nicht zustaendig oder auch nicht besetzt waren. Nun denn, nach einigem hin und her, das sich ueber 2 Stunden hinzog, hatte ich endlich meinen Termin, naemlich fuer heute um halb 3, also gleich. Jedenfall ging ich nach diesem Orgakram auf die CCU zurueck, eigentlich  um meine Sachen zu holen und zu gehen. Allerdings blieb ich da dann doch haengen, weil Salomon ganz viel erklaerte, ich einen Patienten aufnahm (nicht wirklich spannend, kam gerade vom Cath, weil er einen positiven Stresstest gehabt hatte, war also schon klar, dass er eine KHK hat, aber immerhin ist er erst 40), der nur Spanisch sprach und ich dann fuer Salomon und den resident dolmetschte. Langer Rede, kurzer Sinn, so blieb ich also bis nach 6pm - und es hatte sich wirklich gelohnt! Danach war nicht mehr viel mit mir anzufangen, schliesslich brauch ich immer noch etwas eine Stunde, bis ich zu Hause bin. Das ist so eine Zeitverschwendung! Jeden Tag bin ich etwa 2 Stunden unterwegs, nur um zum Krankenhaus und wieder nach Hause zu kommen. Und die subways sind dauernd in Reparatur, deswegen fahren sie insbesondere am Wochenende aber zum Teil auch unter der Woche geaenderte Routen, die laenger dauern, oder sie fallen aus. Ich koennte so sinnvolle Sachen machen in dieser Zeit, so viele spannende Sachen nachlesen...! Jedenfalls war ich dann um kurz vor 9pm im Bett und schlief tief und fest bis heute morgen um 6am, als ich wieder aufstehen musste.
Heute wars bislang auch super, wie immer mit Morgenkonferenz, round in der CCU, Mittagskonferenz und jetzt gehe ich gleich zu besagtem Computer Training. Danach wollte ich eigentlich auch bald nach Hause, weil ich naemlich heute Abend mit ein paar Leuten ins Bluenote, eigentlich einem DER Jazzclubs ueberhaupt gehe. Da spielt in dieser Woche ein Musikprof aus der Dominikanischen Republik, der schon Emmys und Grammys gewonnen hat, Klavier spielt, noch einen Bassisten und einen Drummer dabei hat und wohl eine Mischung aus Jazz, Latin und Klassik spielt. Freu mich schon!! (Und weiss, dass einige von Euch jetzt neidisch sein koennten... *g*)
 
Ganz kurz noch zu letztem Wochenende:
Die Party am Freitagabend war insbesondere wegen der Location, also dem American Museum of Natural History ein Erlebnis! Die Musik ging so, ne Mischung aus Trance und Hip-Hop, nicht wirklich tanzbar, etwas lahm, war wohl ein ganz angesagter Typ von der West Side, nun denn. Da auch einer meiner Mit-elective-students mitgekommen war, der schon ein Jahr in NYC ist, gingen wir hinterher noch in eine Lounge, von der er ganz begeistert war. Nun denn, wir anderen eher weniger, sehr komische Leute... Ich fuhr dann gegen 3am allein mit der subway nach Hause, was etwa eine Stunde dauerte, weil die subways nachts viel seltener fahren. Ich haette auch bei Chrissi schlafen koennen, aber ich wollte es einfach mal ausprobieren. Trotz der Uhrzeit waren noch viele Leute unterwegs und ich fuehlte mich die ganze Zeit sicher. Test bestanden! :-) Jetzt weiss ich also, dass ich unabhaengig von anderen auch noch nachts in NYC unterwegs sein kann, dass ist ein gutes Gefuehl. Natuerlich bin ich immer vorsichtig, klar doch... ;-)
Am Samstag war so richtig tolles Wetter (mein Sonnenbrand ist heute, fast eine Woche spaeter, schon fast nicht mehr schmerzhaft...) und ich fuhr mit Chrissi, Aila und Suzin mit dem Schiff zur Statue of Liberty und nach Ellis Island. Das war toll! Nicht, weil das Museum so toll war, mit dem Auswandererhaus in Bremerhaven kann nichts mithalten, aber einfach diesen geschichtstraechtigen Ort zu betreten war schon toll. Im PC auf Ellis Island wollte ich eigentlich meinen Urgrossvater sucher, der in den 1930ern oder so nach NYC ausgewandert war, aber der PC beinhaltete leider nur Daten bis 1924. Wieder in Manhattan gingen wir dann noch ein bisschen shoppen (ich fand eine so tolle Tasche, dass ich einfach nicht wiederstehen konnte: braunes Leder, Verschluesse aus eingenaehten Magneten, soooo toll! Ca. 5 Minuten spaeter fiel dann auch meine alte Tasche auseinander. Na ja, meine Uhr auch, und meine Schuhe halten auch nicht mehr lange durch... *g*). Nachdem wir noch ein bisschen rumgelaufen waren, fuhr ich nach Hause, wo ich gegen 9pm totmuede ins Bett fiel...
Am Sonntag wachte ich daher frueh auf, es war wieder tolles Wetter und ich hatte bewegungsdrang, also lief ich mal wieder meine 1,5 Stunden zum Prospect Park, drin rum und wieder zurueck. Unter der Woche fehlt die Bewegung wirklich, und bevor ich nen Koller krieg lauf ich ihn lieber weg. Ich traf mich dann mit Aila und Chrissi in Brooklyn (juchu, ich musste nicht, wie sonst, eine Stunde frueher losfahren, sondern war ja schon fast am Treffpunkt! Mein Viertel eben...). Wir gingen die Brooklyn Heights Parade runter, die eine wirklich tolle, wenn nicht die beste Wohngegend hier ist (also wenn NYC, dann hier... *g*), mit tollem Blick auf die Skyline Manhattans, dann in den Fulton Ferry State Park unter der Brooklyn und der Manhattan Bridge durch und fuhren dann nach Manhattan. Dort besuchten wir den Young Designer Market, wo, wie der Name schon sagt, junge Designer ihre Sachen verkaufen. Und da war so ein toller, langer, roter Sommermantel... Direkt von der Designerin. Das ist eben NYC! Da der Hostel-PC immer kaputt oder besetzt ist und ich gerade auch aus resarch-Gruenden (Studien suchen, lesen etc.) Internet brauche bin ich dann doch mal zum Computerladen. Und jetzt bin ich stolze Besitzerin eine NoName Netbooks, das zweitbilligste was sie hatten, ganz schnucklig klein, mit 160GB Festplatte und eben der Wireless-Option. Meine Fotos habe ich schon alle draufgezogen, so dass ich halbwegs sicher sind (sicherer als auch dem Apparat) und ins Wireless Hostel-Internet kann ich so auch. Das ist wirklich eine praktische Anschaffung gewesen. Und noch ist der Dollar zum Euro zum Glueck ja relativ schwach... ;-)
 
So, aber nun muss ich los, nicht, dass ich mein appointment mit der Computer-Training-Tante noch verpasse...
 
Freu mich ueber Nachricht von Euch! :-)
4月17日

You've got to accentuate the positive... ;-)

Hallihallo und schoenen guten Tag,
 
es ist Freitag, fueher nachmittag und ich wuerde sagen, ich habe jetzt Wochenende. Dennoch sitze ich noch im Hospital, weil der PC im Hostel abgeschmiert ist, seit Tagen, und ich hier schliesslich umsonst das Internet nutzen kann. Waere ja fast ein Grund, sich noch ein Netbook zu kaufen - Wireless Lan haben wir schliesslich noch im Hostel... ;-) Ich muss zugeben, mich auch schon informiert zu haben, aber noch kein Mac-Netbook gefunden zu haben. Und wenn schon, denn schon... Brauch ich ja aber eigentlich auch gar nicht, schliesslich sitze ich doch gerne im Krankenhaus rum! ;-)
 
Nach nun zwei Wochen ist bereits Halbzeit fuer mich in der Kardiologie. Un langsam habe ich raus, wie ich mir gute Lehre verschaffe und das sehe, was ich moechte. Ausserdem, dass ich fuer meine Laune und Energie auch ruhig mal um 4pm gehen kann, ohne ein schlechtes Gewissen, oder das Gefuehl, ich koennte was verpassen. Ich denke, dass meine Erwartungen an die Lehre hier einfach zu hoch waren. Ich hatte von festen Lehrplaenen gehoert, dass man eigene Patienten betreut, die ganze Zeit in Teams rumlaeuft, die einem ganz viel erklaeren. Na gut, war vielleicht utopisch. Jetzt, da ich meine Erwartungen zurueckgeschraubt habe, ist es eigentlich gar nicht mal schlecht, wenn nicht sogar ziemlich gut. Man muss nur wissen, wo man hingehen muss um etwas zu lernen. Im Endeffekt kann man hier viele spannende Faelle sehen, die man an einem kleineren und weniger spezialisierten Haus sowie einer weniger multiethnischen Ecke der Welt vermutlich nicht zu sehen bekommen wuerde. Z.B. hatten wir in der CCU (kardiologische Intensivstation) einen relativ jungen Patienten, der nach Herzstillstand Hirntod war. Die Feststellung dessen zog sich allerdings hin und so erhielt er, gerade auch bei seinem Alter und dem starken Wunsch der Familie, jegliche moegliche Therapie (Dialyse, Antibiotika etc.). Fand ich zuerst etwas komisch, dass bei einem Hirntoten noch so viel Geld investiert wurde, vor allem, weil es der Familie natuerlich auch den relativ grossen Funken der Hoffnung erhielt, dass doch alles wieder gut wird. Der Patient war Inder und die religiosen und spirituellen Ueberzeugungen seiner Familie, sowie die Tatsache, dass die Tochter zu gleichen Zeit mit Leukaemie in einem anderen Krankenhaus lag, was fuer die Ehefrau natuerlich alles zu viel war (so dass sie einen Nervenzusammenbruch bekam und auch kurz stationaer aufgenommen werden musste) fuehrten zu vielen interessanten und schwierigen Diskussionen. Im Endeffekt konnte dem Patienten letzte Nacht die Leber zur Organspende entnommen werden (heart beating donor). Das Organtrasplantationsteam war viel in der CCU und konnte mir viele Dinge erklaeren, was wirklich spannend war. Ausserdem hatten wir z.B. einen Patienten mit Brugada-Syndrom, einen mit Fanconi-Syndrom etc., so dass ich immer viel Input und Ideen zum Nachlesen bekam. Praktisch lerne ich hier zwar tatsaechlich nicht sehr viel (der eine Assistenzarzt sollte gestern eine BGA aus nem venoesen Leistenzugang entnehmen und war voellig hilflos...), aber theoretisch schon. Insbesondere das multiethnische Einzugsgebiet bietet viele Eindruecke und seltene Krankheitsbilder. In der Visite mussten heute Sprachkenntnisse in Englisch, Spanisch, Franzoesisch und Russisch rausgekramt werden. Jeder konnte irgendwas beisteuern, weil nicht nur die Patienten, sonder auch die Aerzte aus allen Ecken der Welt kommen. Vor allem aus Indien kommen viele Aerzte.
 
Man muss sich selbst einfach extrem stark darum kuemmern etwas zu tun zu haben oder etwas zu lernen, bekommt Lehrveranstaltungen fuer amerikanische Studenten bzw. Konferenzen der Aerzte nur durch Zufall mit. Wenn man das etwa nach 2 Wochen raus hat, wird alles wirklich besser und man kann auch was sehen (z.B. Elektophysiologie, Herzkatheter etc.). Der leitende Oberarzt erklaert zwar super, wie auch manche andere Oberaerzte (attendings), aber die fellows oder gar residents (alles Assistenzaerzte grob gesagt) kuemmern sich ueberhaupt nicht um Studenten - wenn sie nicht muessen.
 
Gestern Morgen war ein ganz beruehmter Kardiologe, Dr. Scheinman, aus Kalifornien ruebergejettet und dem Kardiologie department in Elmhurst (also nur uns!) etwas zur Lokalisations von Ventrikulaeren Tachykardien, also grob interventioneller Elektrophysiologie, zu erzaehlen. Er war der erste, der 1982 die erste kardiale Ablation gemacht hat. Hui, also wirklich jemand Wichtiges. War ziemlich spannend - und ich muss dringend meine Elektrophysiologiekenntnisse ausbauen! ;-) Einige Aerzte aus meinem Krankenhaus hier haben daraufhin einige Faelle vorgestellt und er war voellig begeistert - einen Fall wie den ersten vorgestellten habe er in seiner ganzen Laufbahn noch nicht gesehen! Tja, Elmhurst eben, hier gibts alles...
Gestern wollte ich mir im elektrophysiologichen Labor ein paar Eingriffe ansehen, aber sie fielen alle aus. Also lief ich mit zwei PAs (Physician Assistents) rum, die Herzschrittmacher kontrollieren. Die haben auch ganz viel erklaert und so wars super. Da im Klinikum Links der Weser in Bremen, wo ich vorher in der Kardiologie war, die Elektrophysiologie in eine angegliederte Praxis ausgegliedert ist, habe ich dort nur einmal bei einer ICD-Implantation zugesehen. Ich werde hier auf jeden Fall die Moeglichkeit nutzen mir mehr Prozeduren (z.B. Ablationen aller moeglichen Arrhzthmien) anzusehen - sofern sie stattfinden. Heute war wieder nicht viel. Aber ich habe ja noch zwei Wochen - und jetzt weiss ich ja, wo ich hingehen muss und was mitnehmen zu koennen...! ;-) 
 
Hier noch ein paar kleine Einwuerfe ueber Dinge, die mir hier aufgefallen sind:
- Morgens in der Fruehkonferenz von 8-9 stellt immer jemand ein Thema vor (heute waren es interessante Faelle: schwere MI und MS und schwerer pulmonaler Hypertonus bei einer Schwangeren in der 24. Woche, schwere Aortenklappenendokarditis mit riesiger Vegetation bei einem jungen Mexikaner). Und dabei fruehstuecken immer alle - ausser den Studenten, die haben natuerlich vorher schon zu Hause gefruehstueckt. ;-) Jedenfalls bringt sich jeder seinen Kaffee im Pappbecher und seinen Bagel oder Burger mit und waehrend einer erzaehlt rascheln und schmatzen die anderen rum...
- Im ganzen Krankenhaus laufen viele Polizisten rum. Um ueberhaupt in den Aufzug zu den Abteilungen zu kommen muss man entweder seinen Mitarbeiterausweis (mit Lichtbild) oder eine Karte von der Rezeption sichtbar tragen. Es gibt auch immer mal wieder Patienten aus Gefaengnissen oder andere Kriminelle (?), vor deren Tuer und in deren Begleitung immer zwei Polizisten sind.
- Auf den Stationen laufen neben den Aerzten und Schwestern auch immer Orgaleute rum, die Telefonanrufe entgegennehmen, Sachen einsortieren etc. Sehr praktisch, sollte man sich in Deutschland ein Beispiel dran nehmen. Aber hier gibts sowieso extrem viele Angestellte, habe ich das Gefuehl. Wie war das mit den Mindestloehnen...?
 
So, gerade musste ich tatsaechlich meinen Eintrag unterbrechen, weil einer meiner elective-Kollegen kam und meinte, dass der eine attending uns drei elective students in CathLab (also Herzkatheterlabor) ruft. Das ist auch einer der Guten, finde ich. Hab schon Faelle einfach so mit ihm durchgesprochen, Echos angeguckt und rumdiskutiert, was an Diagnosemoeglichkeiten in Frage kommt. Aber es haengt eben alles an der Sympathiefrage. Ein anderer elective student hat Angst vor ihm, weil er ihn immer so bloed anmacht. Dafuer ist die fellow-Tante, von der ich geschrieben habe, die mich versetzt hat, zu diesem elective student super nett. Aber das gibts ja ueberall. Der Herzkatheter war uebrigens tatsaechlich ganz spannend, sehr aufwendig und langwierig. Die ganze RCA war voller Thromben und ganz zu - bei einem 42-jaehrigen Patienten ohne Risikofaktoren...!
 
Aber jetzt muss ich nach Hause, mich umziehen und los zu Chrissi nach Manhattan. Heute Abend gehen wir, also Chrissi, Aila, Timo und ich naemlich zu einer angesagten Party im American Museum of Natural History. Bin mal gespannt... Meine erste Party in NYC, juchu! Freu mich aufs Wochenende!! Diese Stadt hat einfach sooo viel zu bieten! :-) 
 
4月15日

Changes...

That's it! Gerade habe ich Frau Niemeyer, unserer PJ-Koordinatorin, meinen Wunsch fuer einen Wechsel meines PJ-Wahlfachs mitgeteilt. Am Montag hatte ich zunaechst angefragt, ob es moeglich waer, und sie hatte mir meine Moeglichkeiten aufgezeigt. Ich werde nun also mein Wahlfach-Tertial ab Oktober statt in der Anaesthesie in Sanderbusch in der Paediatrie, also Kinderheilkunde, in Oldenburg absolvieren. Ich hatte schon bei der initialen Wahl geschwankt, weil ich Paediatrie extrem spannend finde, besonders weil mich seit meinem Wahlfach im letzten Semester in der Paediatrischen Intensiv- und Notfallmedizin insbesondere die Kinderkardiologie immer mehr in ihren Bann zog. Ausprobieren moechte ich es auf jeden Fall. Auch wenn ich es hinterher vielleicht doch nicht machen moechte, ist bei mir die "normale" Kardiologie sonst auf Platz 1. Und wenn ich die Paediatrie nicht ausprobiere, weiss ich nie, ob es nicht genau das gewesen waere, was ich machen moechte...

Es regnet...

Hui, hab ja tatsaechlich seit genau einer Woche nichts mehr geschrieben. Da kann ich ja eigentlich meinem Blog mal wieder zumindest ein paar kleine Anekdoten und Lebensgefuehle hinzufuegen.

In der letzten Woche war ich jeden Tag morgens von 8-9am in der morgendlichen Kardiologie-Konferenz, wo immer ein Vortrag zu einem kardiologischen Thema gehalten und im Anschluss drueber diskutiert wurde, dann bis etwa 12am in der Visite der CCU (eben der kardiologischen Intensivstation), dann war bis etwa 1pm gratis Mittagsessen und Grand Round, also irgendein internistischer Vortrag (pulmonale Hypertonie, HIV...) - sofern er stattfand, also Donnerstag und Freitag - und dann irrten mein indischer Kollege und ich ohne wirkliche Aufgabe rum, bastelten an unserer Fallvorstellung fuer den leitenden Oberarzt am Freitag oder hingen im Echo rum. Dort war es immer sehr nett. Die nurses, die die Echos machen (nein, keine Aerzte, besonders studierte nurses, die die Bilder machen und speichern, so dass die Aerzte sie am PC im Nebenraum auswerten koennen), sind super, vor allem einer aus Rumaenien, die immer tolle Denkanstoesse gibt. So war ich immer bis mindestens 5pm im Krankenhaus. Ausser am Freitag, da hatten wir, die drei Studenten, die gerade in der Kardiologie eingeteilt sind, eine Fortbildungsveranstaltung mit dem leitenden Oberarzt (schaetze, so etwa ist er) Dr. Rubinstein. Die Veranstaltung begann damit, dass er uns aufforderte und Kittel auszuziehen und mitzukommen. Waehrend wir uns also ueber die Splittung des 2. Herztons bei pulmonalem Hypertonus unterhielten, gingen wir durch die Strassen von Queens und er lud uns auf 'nen Kaffee ein. Dann gingen wir zurueck und diskutierten so lange ueber den Fall des anderen Studenten, dass wir zu meinem nicht mehr kamen. Aber das fand ich auch nicht weiter schlimm. Ueber meinen hatten wir auch schon oft gesprochen, war ein spannender Fall, weil er eine Chagas Kardiomyopathie hatte, Z.n. ventrikulaeren Tachiykardien darunter, hat jetzt nen AICD, und jetzt zur Rhythmuskontrolle seines Afib (also Vorhofflimmerns) gekommen war.
Dann ging ich das erste Mal frueher, so dass ich um kurz nach 4pm am MoMA (Museum of Modern Arts) war, bei dem jeden Freitag der Eintritt zwischen 4 und 8pm umsonst ist. Dort traf ich mich dann mit einigen Freunden. Allerdings waren so viele Leute da und die Zeit sehr knapp fuer dieses vollgepackte Museum, dass ich es gar nicht richtig geniessen und aufnehmen konnte. Vielleicht geh ich noch mal regulaer rein. Es gab natuerlich Kunst, aber wirklich jeder Art. Gemaelde, Fotos und so, aber auch z.B. einen verrueckten Chinesen, der ein Jahr in einem Kaefig gewohnt hat und sich dabei immer fotografieren liess. Wie nennt man denn so was? Darstellende Kunst, Lebenskunst...? Das tollste war eine riesen Spielwiese mit lauter verrueckten, grossen Sachen drauf. Natuerlich nicht zum Spielen oder Anfassen, war ja schliesslich ein Kunstwerk, aber man konnte es die ganze Zeit angucken und fand immer wieder etwas anderes. Ein riesiges Spiegelei, dasaussah wie ein Sitz und um das Eisenbahnschienen fuehrten, ein Schreibtisch mit vertikalen Schubladen, die aus Bildern bestanden... Einfach toll! Uebrigens war der MoMA-Shop auch so ein Highlight fuer sich. Da muss ich unbedingt noch mal rein, wenn sich meine Finanzen mit der Zeit stabilisiert haben... ;-)
Anschliessend gingen wir (1 US-Amerikaner, 1 Brasilianer, 4 Deutsche) noch mexikanisch essen und waren aber alle recht kaputt vom "Arbeitstag", so dass wir nicht allzu lange machten.

Am Samstag traf ich mich mit Chrissi, Aila und Marisa, einer weiteren deutschen elective-Studentin in Manhattan. Das Wetter war mal wieder saumaessig, weil Regen pur, so dass wir ja gar nicht anders konnten, als shoppen zu gehen... Nein, halt, erst gingen wir ins Center of Photography, wo verrueckte und z.T. sehr provokante Modefotos hingen. Aber dann gingen wir shoppen: Banana Republic, Macy's, Victoria Secret... Oh ja, bei Voctoria Secret waren Visagistinnen, die Kunden mit Victoria Secret - Make up schminkten. An die gerieten wir irgendwie auch, und auf einmal malte eine wirklich witzige Afroamerikanerin in meinem Gesicht rum. Sie meinte, ich haette so ein schoenes Gesicht, ob ich schon mal Promotion gemacht haette. Nein? Das koenne sie ja gar nicht glauben! Wie gesagt, sie war echt gut in dem was sie machte - denn sowohl Chrissi als auch ich deckten uns hinterher mit Victoria Secret - Make up ein. Mal wieder zwei Kunden in die Falle gelockt! Das war also die Geschichte, wie ich fast zum Victoria Secret - Model wurde... ;-)
Spaeter trafen wir noch Timo und entdeckten DAS Cafe ueberhaupt: Le pain cotidien. Ganz auf franzoesisch getrimmt gibts dort tolles Brot, Kaeseplatten etc. Aber auch meine belgische heisse Schokolade war wirklich nicht zu verachten! Dann ab zu Chrissi in die Upper East Side, wo wir erst wieder einen riesigen Topf mit Obstsalat schnippelten und dann mit einigen Leuten lustig beisammen sassen und Chips futterten - natuerlich "fat free"... ;-) Die Mehrzahl wollte um 2am noch losziehen zu irgendeiner Party in Tribeca (Triangle before Canal, also im Suedwesten Manhattans), aber Chrissi und ich wollten am naechsten Tag, Ostersonntag einen Gospelgottesdienst in Harlem besuchen, so dass wir nicht mitgingen. Weil es schon so spaet war und ich am naechsten Morgen ohnehin wieder nach Manhattan bzw. noch weiter nach Harlem fahren muesste (dauert immerhin etwa eine Stunde von Brooklyn), schleppten wir eine Matratze eines anderen Studenten, Noel aus Brasilien, Luxemburg und Florida, in Chrissis Zimmer - wie gut, dass es Fahrstuehle gibt! - und ich schlief bei ihr. So gut hab ich lange nicht mehr geschlafen - kein Schnarchen! ;-)

Am Sonntagmorgen, nach einem Dunkin' Donut als Ersatz fuer ein Osterei, fuhren wir nach Harlem zur fuer ihren extrem guten Chor beruehmten Abbasynian Church. Wir stellten uns ins eine Schlange vor der Kirche, wurden aber zu einer anderen, einer Touristenschlange verwiesen. So gab es also eine sehr dunkle und eine sehr helle Schlange. Die dunkle native Schlange kam nach etwa einer halben Stunde Schlangestehen auch rein, wir mussten draussen bleiben, weil die Kirche voll war. Etwas deprimiert zogen wir ab und kamen zufaellig an einer anderen Kirche vorbei. Der St. Mark's United Methodist Church. Dort wurden wir diskret im Gottesdienst platziert. Es gab auch einen Chor, na ja, nicht weltberuehmt, aber immerhin. Der Pastor dafuer umso charismatischer und energiegeladener. Z.T. hatte ich ein etwas merkwuerdiges Sektengefuehl, aber das habe ich eigentlich immer, wenn ich in irgendeine Kirche geh, aber bei dieser exzentrischen Art zu predigen vielleicht noch mehr. Dennoch konnte ich mich der Energie, die von der Predigt ausging, nicht immer entziehen. Wir fuehlten uns gerade nach dem frustrierenden Versuch in die andere Kirche zu kommen wie Gestrandete, die von einem anderen Boot aufgelesen wurden. Ach, klingt das poetisch...! ;-)
Danach - also nach ueber 2 Stunden - gingen wir raus in den Sonnenschein. Ja, die Sonne schien, und wie! So konnten wir den ganzen Rest des Tages einfach laufen, laufen, laufen. Zum Hudson, am Husdon entlang, zur Columbia University (krasser Campus!), zur groessten Kirche der USA und drittgroessten der Welt (Hauptsache groesser...), der St. John irgendwas church in der Upper West Side. Die Upper West Side ist ein richtig sympathisches Studentenviertel, mit Buecherlaeden, Chocolaterien (juchu, doch noch ein Osterhase!) und netten Cafes - sowie einem tollen Sandwichladen! Mit 3 Sandwiches beladen machten wir uns auf zum Central Park. Er ist einfach unbeschreiblich, ueberwaeltigend, oasengleich! Hinter der Baumwipfeln sieht man in der Ferne noch skyscraper, ist aber selbst mitten in der Natur, mit richtig grossen Seen und Waeldern... Wir trafen dann Timo, der sich ueber sein Sandwich freute - ebenso wie wir, denn wir waren ueber 5 Stunden einfach nur rumgelaufen. Langsam war die Sonne weg und es wurde schnell kalt. Wir trafen noch kurz Suzin und machten uns dann aber auf unsere diversen Heimwege. Ich nicht ohne noch einmal am Whole Food Market am Union Square, meinem teuren Lieblingssupermarkt, in dem es naemlich richtiges Muesli gibt (aber Achtung: Auschrift "this is not a low calorie food", damit auch keine Zweifel aufkommen. Aber ich will doch auch satt werden! Wie soll ich eine 3-stuendige Visite mit fat free Hamburgern durchhalten?!) einzukehren.

Gestern wollte ich im Krankenhaus endlich consults mitmachen. Es gibt hier in den Krankenhaeusern fuer alles Teams. Stationsteams, aber eben vor allem auch Konsilteams, die z.B. als Kardiologie-consult-Team Patienten des gesamten Krankenhauses angucken, die irgendwelche Herzproblemunklarheiten haben. Letzte Woche hatte ich Mittwoch und Donnerstag schon mal den fellow (also so was wie Internisten, der gerad die Spezialisierung fuer Kardiologie macht, glaub ich), eine junge Aerztin in diesem Fall, gefragt, ob ich mitkommen koennte (da hat man wohl auch eigene Patienten zu betreuen, die man dann nachmittags dem attending (also Oberarzt) vorstellt). Beide Male sagte sie aus einem fadenscheinigen Grund wie, es sei heute zu viel zu tun, ab. Na und? Sie muss sich ja nicht weiter um mich kuemmern, ich komm eben einfach mit und seh Patienten. Jedenfalls schickte sie mich jedes Mal wieder auf die CCU zurueck, auf der ausser den morgendlichen Visiten tatsaechlich ueberhaupt nichts fuer mich zu tun ist. Jedenfalls hatte mich Dr. Rubinstein am Freitag gefragt, was ich denn in der naechsten Woche machen wollte, und ich hatte gemeint consults. Also sprach ich ihn gestern Morgen direkt an, an wen ich mich denn nun fuer consults wenden sollte. Er verwies mich an die direkt neben ihm sitzende fellow, die ich letzte Woche gefragt hatte. Jetzt konnte sie schlecht nein sagen. Sie schickte mich dann zu einer Patientin, ich solle sie anpagen, wenn ich fertig sei. Nachdem ich ihre charts gelesen und ihr EKG angesehen hatte, wollte ich die history der Patientin aufnehmen und sie untersuchen, aber gerade da wurde sie zum X-Ray, also Roentgen, abgerufen. Na gut, also warte ich auf sie. Nachdem ich eine halbe Stunde gewartet habe, treffe ich die fellow, die meint, ich solle sie anrufen, wenn die Patientin wieder da ist. Also warte ich weiter. Eine Stunde. Da kommt die fellow wieder und meint, warum ich sie nicht angepagt habe. Na ja, weil die Patientin noch nicht wieder da ist. Ach so. Dann erzehle ich ihr kurz worum es sich bei der Patientin handelt, zwischendurch kommt Dr. Rubinstein dazu, der der fuer die consults zustaendige attending ist. Irgendwann ist die Patientin wieder da, ich untersuche sie, stelle sie Dr. Rubinstein und der fellow noch mal vor. Eigentlich krass. V.a. Pneumonie, okay, aber nebenbei arbeitet sie bei Dunkin' Donut, wo sie fuer einen kleinen Abschlag auch hinten im Laden schlaeft. Eigentlich ist sie also obdachlos, vielleicht aufgrund ihrer Depression? Schon erschreckend.
Jedenfalls ist es jetzt etwa Viertel nach 11 und die fellow meint, sie koenne mich ja pagen, wenn Dr. Rubinstein zur Visite kommt. Aehm, ich hab keinen Pager. Dann soll ich im Kardio-Konferenzraum warten, sie ruft dann dort an. Aehm, ich komme nicht in den Raum rein, meine Karte geht da nicht. Dann soll ich in der CCU warten, sie ruft dann dort an. Also warte ich in der CCU. Wo natuerlich nichts fuer mich zu tun ist. Aber ich bewege mich da nicht weg, schliesslich will ich die Visite nicht verpassen. Die Zeit vergeht. Es wird halb 3pm. Die fellow reagiert weder auf ihren Pager noch auf ihr Telefon. Da sehe ich die CCU-fellow zur outpatient-clinic, also Betreuung ambulanter Patienten, entschwinden und haeng mich einfach an sie dran. Sie ist zwar erst auch abweisend, es waere immer viel los und so, aber ich lasse nicht locker. Bin echt gerade ziemlich frustriert und wuerde sonst einfach nach Hause gehen. In der clinic - von wegen so viel los - hat sie keinen einzigen Patienten. So schickt sie mich zu einer Kollegin, die gleich einverstanden ist. Und das ist mein Glueck. So lande ich bei Mary, einer weiteren fellow, die super ist. Sie fragt mich ab, sie erklaert mir was, laesst mich untersuchen, bindet mich ein. Oh, ist das schoen! Ich lerne was!! - Schon mal was von der ACCORD-Study gehoert? - Nein. Les ich nach. Juchu, input fuer mein Gehirn. Es lebt noch! So bleibe ich doch bis um 6pm und bin Mary sehr dankbar. Sie gibt mir auch positives feedback und laedt mich ein, doch morgen mit ins Echo zu kommen, wenn ich nichts anderes zu tun habe. Na ja, Echo hab ich ja die ganze letzte Woche gesehen, aber egal. Super!! :-)
Vom Krankenhaus fahre ich direkt nach Manhattan, genauer Soho. Wow, was fuer ein Stadtteil. Wie eine europaeische mediterane Stadt mit Cafes, wahnsinnig tollen, stylishen Laeden...! Ich treffe Chrissi und wir wollen was essen gehen. Bin auch echt hungrig, schliesslich habe ich morgens um halb 7 mein Muesli gegessen - und dann die Mittagszeit mit Warten in der CCU verbracht...! Wir finden in Little Itlay einen bezahlbaren Italiener (hey, nur $10 ohne tax, das ist hier immer das Fiese...). Schoener Abschluss des Tages. Chrissi und ich wollen in etwa das Gleiche, naemlich viel sehen, viel laufen, na ja, vielleicht ein bisschen (mehr) shoppen... ;-) Passt super!

Heute war ich erst wie immer (ich hatte keine Lust mehr auf consults mit dieser arroganten, hinterhaeltigen fellow - vor dem Chef erklaert sie natuerlich immer ganz toll und redet auch mit Studenten, oho!) in der kardiologischen Fruehkonferenz (Thema "Abrechnungen von consults", na ja), dann in der CCU-Visite (z.T. ganz spannend, ein Patient mit Brugada-Syndrom, einer mit Fenconi-Syndrom, eine Patientin, die dann notfallmaessig intubiert wurde - allerdings weiss ich nicht so richtig warum und fand alles sehr chaotisch: BGA war gut bis auf O2 von 60, ausserdem hab ich noch nie gesehen, dass man Patienten bebeutelt, waehrend sie noch voellig ansprechbar sind, da wuerde ich mich auf wehren, und dann kein Propofol wegen Hypotension, okay, aber nur Fentanyl, warum denn kein Eto oder so? Ich bin ja nur Laie, aber ich fand das alles etwas komisch... Vor allem meinte die Kardiologin zum Anaesthesisten, dass er wegen des Drucks kein Propofol nehmen sollte, woraufhin er etwas hilflos fragte, was denn dann...). Dann ging ich zur Grand Round zum Thema "Pulmonary politics", was ich echt ganz spannend fand. Da war der Chef der ACCP, Dr. Berlin, der ueber Gedunheitspolitik sprach. Mein indischer Mit-elective-student ging wieder, als er das Thema sah. Das waere ja nur interessant, wenn er hier bleiben wuerde. Na ja, kann man sich denn sonst nicht dafuer interessieren? Er wollte aber z.B. am Freitag auch nicht mit ins MoMA. Das waere ja nur zum Vergnuegen. Na ja, meinte ich, aber Kultur, und einfach mal sehen, was es auf der Welt sonst noch so gibt. Man ist ja nicht so oft in New York City. Nee, meinte er, er hat seine eigene Kultur. Und er wuerde lieber lernen. Medizin sei fuer ihn das einzig wichtige. Aber in den USA arbeiten will er jetzt wohl doch nicht mehr. Erstens hat er Heimweh, und zweitens wuerden die hier, wie er jetzt in der einen Woche gesehen hat, keine gute Medizin machen. Ist ja alles nur mit Maschinen. Die koennen gar nicht richtig klinisch untersuchen. Hm, klar, es wird sicherlich zu viel und zu teuer technisch gearbeitet, aber ist denn das eigene, das, was man kennt, wirklich das einzig wahre? Kann man nicht aus beiden System das fuer einen selbst beste extrahieren und so ein immer besserer Arzt werden?

Nun denn, jedenfalls ging ich nach der Mittagskonferenz ins nuclear lab, wo gerade ein medikamentoeser Stresstest gemacht wurde. An einer Gefaengnisinsassin, wie ich hinterher hoerte. Sie hatte mal deutsch in der Schule gelernt, erzaehlte sie stolz. Aber wieder wurde nichts erklaert, auf meine Fragen nur kurz geantwortet. Tja, und dann kam der Inder und wir gingen. Er war heute voellig frustriert, wie ich gestern Morgen, denke ich, und meinte, wie muessten noch mal mit Dr. Rubinstein ueber die unzulaengliche Lehre reden. Die Einzigen, die mir bisher etwas beibringen wollten, sind Dr. Rubinstein, der nurse im Echo und Mary in der outpatient-clinic gestern. Alle anderen beachten uns ueberhaupt nicht. Und so ist man einen grossen Teil des Tages untaetig und wartet. Ich war sofort einverstanden und wir gingen zu seinem Buero. Aber dort war nur die Sekretaerin. Wir erzaehlten ihr kurz, worum es uns ginge und sie verstand es zuerst nicht, meinte, was wir denn ueberhaupt wollten, wir seien schliesslich nur 4 Wochen hier, es haette sich noch nie jemand beschwert und wir seien doch hier um zu lernen. Ja, das wuerden wir ja auch gerne. Und wir bemuehen und wirklich, waren mittlerweile in jeder Funktionsdiagnostik, in der CCU, der clinic und den consults. Aber wir erzaehlten ihr auch, dass die fellow fuer die consults uns abgewehrt hatte. Da war sie dann doch auch endlich auf unserer Seite, meinte, dass das der Job der fellow sei und wir es Dr. Rubinstein erzaehlen sollten. Aber ich hab auch keine Lust auf Zickenkrieg. Na ja, jedenfalls pagten wir Dr. Rubinstein dann an, gingen zu ihm und er war gerade mit der besagten fellow in der Visite der consult-patients. Wir liefen dann einfach mit und das war super - wie immer, wenn wir mit ihm etwas machen. Er fragt, foerdert, erklaert - alles auf eine sehr angenehme Art und Weise. Und interessant: z.B. die Fragestellung, ob es Sinn macht bei einer 76-jaehrigen Patientin einen ASD zu verschliessen, die unter ihrem paroxysmalen VHF symptomatisch wird, aber nicht ganz klar ist, ob das am VHF oder am ASD liegt...
Wir kamen nicht mehr dazu mit ihm ueber das Problem zu reden, werden wir morgen machen.

Hier im Hostel riecht es langsam wieder besser. Ich sitze naemlich direkt neben einem Gasherd, in dem eine tote Maus lag. Einer hat sich gerade erbarmt und sie rausgeschmissen. Das war wohl gerade kurz bevor ich kam ein riesen Problem. Maeuse ueberall, auch in den Schlafraeumen und Kuechen sowieso. Glueck gehabt...

Und jetzt ab ins Bett - solange noch keiner schnarcht. Aber ich habe mir gerade eine neue Packung mit Ohrstoepseln gekauft, da kann nichts mehr schiefgehen! ;-)







 










4月8日

Mein Anfang im US-amerikanischen Gesundheitssystem

Zwei Tage meines ersten electives, also meiner ersten 4-woechigen Arbeitseinheit, sind nun schon um. Allerdings bestand der erste Tag, naemlich gestern, lediglich aus Organisation. Ich traf mich im Hauptkrankenhaus der Mount Sinai School of Medicine zwei Blocks vom Central Park in der Upper Eastside mit zwei anderen Goettingern, Chrissi und Aila. Wir trabten dann zuerst zu Mrs. Persaud, mit der wir alle schon mehr oder noch mehr regen Kontakt bei der Vorbereitung unseres Aufenthalts und unserer Arbeit am Mount Sinai gehabt hatten. Sie stellte sich als eine etwa 50-jaehrige resolute Afroamerikanerin raus, die total busy war und etwas ungeduldig. Wir waren etwa 15 Studenten aus der ganzen Welt, insbesondere Deutschland, Singapur, Schweden, einigen US-Amerikanern und einem Englaender mit einem krassen Akzent (Oxfoeoeoeoedt statt Oxford und so). Dann ab zum Kittel abholen (jeder nur einen, den wir zu Hause waschen sollen, wenn wir meinen, dass er nicht die zwei Monate durchgetragen werden sollte...), mal wieder einige der gesammelten Traveler check's abgegeben, mit einem Shuttle ein paar Blocks weiter zur Immigration (oh Mist, ich hab immernoch keine mail mit einer Zimmernummer oder so was geschickt, die Adresse allein reicht nicht, da finden sie mich ja gar nicht im Hostel! Ah ja...). Einen kleinen Schreck bekam ich, als ein Test angekuendigt wurde, den wir mit mindestens 70% bestehen muessten, sonst koennten wir gleich wieder nach Hause fahren. Das faellt denen ja frueh ein. Ich machte mich dann auch gleich nach den anderen Formalitaeten dran, und dieser bloede Test stellte sich zwar als machbar heraus, aber auch als extrem langwierig. So sass ich 2 Stunden vor einem PC in der Library des Krankenhauses und las etliche Seiten zu Datenschutz, Patientendaten etc. und immer nach einigen Duzend ein Quiz ueber das gerade gelesene zu machen. Danach durfte ich mir von Mrs. Persaud einen Brief abholen, den ich in meinem Krankenhaus, dem groessten Lehrkrankenhaus der Mount Sinai School of Medicine, naemlich dem Elmhurst Hospital Center in Queens abgegeben sollte, wenn ich dort am naechsten Tag anfangen wuerde. Das einzig gute an diesem Test war es, im Anschluss immerhin diese eine ueberfluessige Formalitaet zu boykottieren, indem eine andere und ich unsere Antworten unter den Kommilitonen verteilten... Aber Pssssst! ;-)
Nachdem ich um halb 4 endlich mit allen Formalitaeten durch war, endlich nebenan in einem Diner was gegessen hatte und mir noch im Krankenhausshop ein Buch gekauft hatte, was ich schon lange haben wollte ("Microbiology for dummies" oder so) ging ich mit Chrissi und Suzin, einer richtig netten Ex-Goettingerin, nach Midtown um die Shoppinlage zu checken... Und ich habe nichts gekauft, echt! ;-) Richtig schoen wurde es auch noch, als ich mit Suzin zu Chrissi in die Upper East Side zurueck fuhr, wir da auch Timo trafen und uns einen riesigen Topf voll Obstsalat zusammenschnibbelten und bei stimmungsvoller Musik in Chrissis Loft-Zimmer assen. So schoen kann das Leben sein.

Heute morgen war ich dann nach meinen neuen NYC-Ritualen (wie Aufstehen, Duschen, Fruehstuecken, zur Subway laufen, auf dem Weg bei Dunkin' Dounut einen Kaffee kaufen) in der Subaway nach Queens und fand das Elmhurst Hospital Center auch recht schnell. Dort wartete ich auf Beenish, eine Studentin aus Florida, die ich gestern auch bei Mrs. Persaud kennengelernt hatte, und die ebenfalls in Elmhurst anfangen wuerde. Wir gingen dann zusammen auf in den naechsten Formalitaetenkrieg - den ich mir allerdings gar nicht mehr so schlimm vorgestellt hatte, schliesslich war ja am Tag zuvor schon alles geregelt worden. Dachte ich zumindest. Nanu, da hatte mir Mrs. Persaud ja in dem Papierstapel, den ich in Elhurst abliefern sollte, meinen PPD (Tuberkulose-Test) vom letzten Jahr mitgegeben, nicht den von diesem. Den brauchte Mrs. Rose Bales aber auf jeden Fall. Ohne koennte ich nicht anfangen. Also habe ich Mrs. Persaud angerufen. - Aber sie haette doch geschrieben, ich sollte eine Kopie mitbringen. - Aber ich habs ihr doch auch geschickt. - Na gut, sie sucht mal. Findet aber nichts. - Und was soll ich jetzt machen? - Wiederholen. (Das dauert aber Tage!) Na gut, sie guckt nochmal... - *Bibber, aerger* - Ja, sie hat ihn gefunden. Sie faxt ihn. - Puh! Also nochmal ein paar Formulare ausfuellen, im Keller bei der Polizei ein Foto fuer den Personalausweis machen lassen (wer weiss, wo das Foto jetzt ueberall gespeichert ist...), zum Buero der Cardiology, von dort weitergeschickt zur CCU, einer Art Intensivstation, insbesondere fuer kardiologische Patienten. Dort ist gerade Visite. Ausser mir hat noch ein indischer Student seinen ersten Tag dort heute. Der Oberarzt (?) in der Visite ist super. Erklaert viel, zeigt interessante Herzkatheter- und Echobefunde. Aber die Aerztin, die die Patienten vorstellt ist grottig. Erzaehlt ganze Romane, ohne das man weiss, warum der Patient ueberhaupt da ist. Aha, aber interessant, er hatte vor 7 Jahren eine Blinddarmentzuendung... Tztz. Die Visite geht bis etwa 12, dann schicken uns die Aerzte in den Konferenzraum, wo es auch Essen umsonst geben soll. Die Konferenz faellt aus, das Essen ist alle, also gehen wir in die Cafeteria, der Inder und ich. Die Aerzte, die wir nach dem Weg zur Kafeteria fragen, lachen gutmuetig und meinen, dies seien die USA, die Kantine gibts nicht mehr, aber vor Jahren wurde ein Vertrag mit MacDonalds abgeschlossen, so dass im Keller ein MacDonalds ist. Hatte ich schon gehoert, also stimmt es wirklich. Ich schlug vor, auf der Strasse vor dem Krankenhaus nach Essenstaenden zu gucken, aber der Inder wollte nicht. Also gabs zum Mittag French Fries und Diet Coke. Was fuer ein Mittagessen... Wieder auf Station waren alle im Stress, keiner kuemmerte sich um uns. Also schlug ich vor, Patienten zu untersuchen. Besser, als bloed rumzustehen. Danach guckten wir bei der relativ schwierigen Anlage eines Dialysekatheters in die Leiste eines relativ jungen Patienten zu. Ich will ja nicht laestern, aber es war doch etwas anstrengend mit dem anderen Studenten zusammenzuarbeiten. Er hat seine Examen schon hiner sich, muss nur noch 3 Monate praktisch arbeiten (also wie uns das PJ) und bekommt dann sein BBS, also Zertifikat fuers bestandene Medizinstudium. Daher glaubte er alles zu wissen - oder zumindest alles besser als ich. Allerdings hat er noch nie Blut abgenommen geschweige denn hatte er eine Ahnung von der Seldinger-Technik. Er konnte einfach nicht begreifen, warum die Aerztin jetzt einen Draht in die Leiste schob. Soll der zum Herzen? Nein... Ist ja nicht schlimm, wenn man was nicht weiss, aber dann so besserwisserisch zu sein... So was finde ich extrem nervig! Z.B. habe ich doch tatsaechlich schon einige Blutkulturen abgenommen und weiss daher vielleicht ein bisschen besser, was da schiefgehen kann. Er hat noch nie in den letzten 5,5 Jahren seines Medizinstudiums Blut abgenommen. Wenn dann in einer Blutkultur S. epidermidis waechst, ist die Wahrscheinlichkeit tatsaechlich gegeben, dass es nicht unbedingt der Erreger einer Sepsis sein muss, sondern vielleicht einfach eine Verunreinigung der Probe ist. Als ich das meinte, hat er darauf beharrt, dass es dann ja eine nosokomiale Infektion ist. Na ja, nosokomial, also im Krankenhaus erworben, in diesem Sinne ist die Verunreinigung schon, aber eine Infektion hat der Patient damit noch lange nicht. Das konnte er ueberhaupt nicht verstehen. Ausserdem war im Sputum des Patienten MRSA gefunden worden. Und er war nicht isoliert. Fand ich ganz interessant. War sowieso ein ganz interessanter Fall: Der Patient hatte ventrikulaere Tachykardien gehabt, war dann abladiert worden (was ich bei VTs noch nicht so richtig verstehe, muss ich noch mal nachlesen, kenns nur von SVTs) und hatte zwei Wochen spaeter einen Herzstillstand, musste reanimiert werden. Scheinbar war fuer so lange Zeit keine Zirkulation vorhanden gewesen, er im kardiogenen Schock gewesen, dass die Nieren ausstiegen, er neurologisch immer schlechter wurde und nun eben dialysepflichtig ist. Ach ja, der andere Student wollte mir weissmachen, dass die unterschiedlichen Probleme gar nichts mir einander zu tun haetten... Ich habs irgendwann aufgegeben. Ach ja, toll war aber, dass tatsaechlich viele Patienten kein Englisch sprachen - aber Spanisch! Es war so schoen, wie die Patienten merklich entspannten, als ich sie dann auf Spanisch weiter befragte und mit ihnen redete. Die Stationsaerztin und der Oberarzt sprachen auch mehr oder weniger gut Spanisch.
Als die Aerzte auf Station uns nach Hause schicken wollten, weil nichts mehr zu sehen sei, gingen wir in die Funktionsdiagnostik und sahen beim Echo zu. Dort war es sehr nett und vor allem wurde uns auch was erklaert. Gegen 5 machte ich mich dann auf den Weg, der Inder war traurig, dass er keine Nachtdienste hatte, woraufhin ich meinte, dass er bestimmt welche mitmachen kann. Er ging dann nochmal ins Echo. Er wohnt naemlich direkt neben dem Krankenhaus, wo er sich ein Zimmer gemietet hat. Er war noch gar nicht in NYC unterwegs, obwohl er sogar etwas laenger da ist also ich, weil die Gegend nicht so sicher sei, wie er meinte. Ah ja... Er ist lieber Tag und Nacht im Krankenhaus. Als ich meinte, dass ich nach Hause gehen wuerde, wenn ich nichts mehr lernen wuerde, war er sehr perplex...
Ich fuhr dann jedenfalls noch mal rueber nach Manhattan, wo ich Aila traf, wir in einem supertollen Healthy-Food-Supermarkt umherwanderten und ein bisschen durch die Viertel liefen. Eigentlich wollte Suzin auch kommen, aber das hat leider nicht mehr geklappt. Bei ihr ist es richtig bloed gelaufen. Sie sollte heute in der Bronx mit Chirurgie anfangen, allerdings wollten die dort 2 offizielle ID sehen (z.B. Reisepass und Fuehrerschein). Allerdings hatte Suzin nur eins, warum sollte man auch in NYC nen Fuehrerschein dabei haben?! Tja, so geht das aber nicht. Jetzt muss sie sich von zu Hause ihren Fuehrerschein schicken lassen, sonst kann sie nicht anfangen. Also musste sie unverrichteter Dinge wieder aus dem Krankenhaus abziehen. Wie aergerlich! Ich kann den Frust echt nachvollziehen, weil es mir ja wegen der PPD-Geschichte fast ebenso ergangen waere. Ich finde auch, dass diese organisatorischen Dinge Mrs. Persauds Sache sind. Wir probieren ja alles so auszufuellen und zu erledigen, wie uns vorgeschrieben wird. Und der ganze Papier- und Orgakram fuer diese zwei Monate war wirklich immens, habe ich ganz ehrlich unterschaetzt. Und dann jetzt auf den letzten Metern noch Steine in den Weg gelegt zu bekommen, ist einfach unfair.

Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich den Tag heute enttaeuschend fand. Von einigen elective students, die im Hauptkrankenhaus in der Upper East Side Manhattans arbeiten, habe ich von richtigen Lehrplaenen gehoert. Ich kam an, keiner hatte Zeit, es gab keinen Plan, keiner wusste so richtig, wer wir waren, was man von uns erwarten konnte. Also mal wieder alles selbst organisieren. Ist ja okay, aber fuer dieses sauteuren electives kann man ehrlich gesagt mehr verlangen, finde ich...

Aber vielleicht ist es einfach der erste Tag und morgen wird alles besser... Ich gebe die Hoffnung nicht auf, auch wenn ich gerade echt etwas enttaeuscht bin. Da haette ich von zwei Monaten LdW in Bremen wirklich mehr gehabt. Das einzig gute ist, dass der Tag mit der angenehmen Treffen mit Aila endete. Immerhin. Und New York bleibt New York. :-)





4月6日

Kurze Einblicke

Morgen ist also mein erster Tag im Krankenhaus und vorher wollte ich wenigstens einige der spannendsten Highlights rauslassen, bevor ich sie ueber den naechsten vergesse.

Zuallererst das Letzte: Die A-Linie der Subway, mit der ich gern von Brooklyn nach Manhattan fahre muss gerade repariert werden, deshalb faehrt die F-Linie, die ich auch gut nehmen kann anders und alles ist etwas chaotisch. Gestern war das alles kein Problem, bin einfach allen anderen Passagieren hinterher gedackelt und hab mich in den Shuttlebus zur naechsten Station bringen lassen. Heute war das zunaechst auch der Plan - nur, dass der Shuttlebus nicht an den Zwischenhalten stoppte, sondern nur am Endhalt, ich also viel zu weit fuhr. Der Fahrer reagierte auch auf keinerlei Rufe und Bitten auch anderer Passagiere. Nebenbeibemerkt war ich die einzige Weisse, was ein ganz interessantes Gefuehl war. Kann ich mich ja schon mal dran gewoehnen, fuer Malawi. Ich wohne hier in Brooklyn im Stadtteil Bedford-Stuyvesant, einem traditionell afroamerikanisch gepraegten Stadtteil. Der Bus fuhr aber nicht nur immer weiter, er ging auch immer aus. Alle drei Minuten mindestens, immer wenn der Fahrer auf die Bremse trat. Dann ging alles Licht aus, der Motor sowieso. Ach so, es war so gegen 19 Uhr, also schon langsam am Daemmern. Dann fuhr der Bus auch noch gegen ein Auto und schliesslich stieg nach Gummi stinkender Qualm vom hinteren Reifen auf. Endlich gingen dann die Tueren auf und alle stuermten raus. Tja, aber wo war ich denn jetzt - und vor allem: wie kam ich nach Hause? Wie gut, dass ich heute Morgen in schoenstem Sonnenschein um kurz vor 7am schon (dem Jetlag sei Dank) Joggen war. In diesen 1,5 Stunden zum, im und weg vom Prospect Park (von den gleichen Machern wie der Central Park, nur angeblich noch toller - eben der mir am naechsten gelegene Park) hatte ich die Moeglichkeit meine Orientierung aus zu bauen und landete somit und nach einigem Durchfragen bei sehr hilfebereiten Leuten endlich zu Hause. Ich hatte mich trotz der etwas dunklen Gegend aber eigentlich immer sicher gefuehlt, also: keine Angst, mir gehts gut! :-) Habe ich schon erwaehnt, dass hier immer und ueberall die beruehmten gelben New Yorker Taxis rumfahren? Ich haette auch sofort eins genommen, aber wenn man sie mal braucht... Kein Einziges! Uebrigens, aber morgen frueh um 5am sollen die Bauarbeiten fertig sein... ;-)

Ansonsten waren der gestrige und heutige Tag ein voller Erfolg. Gestern traf ich erst meinen Goettinger Freund Thomas und sein girl-friend aus Boston Christine, dann kam Chrissi dazu, die mit mir im Mount Sinai anfaengt und schliesslich komplettierten wir uns mit Timo, einem Kommilitonen, der auch morgen anfaengt, allerdings in einem anderen Krankenhaus hier in New York. Mit ihm waren wir am Times Square verabredet, der mehrere Strassen umfasst, wir waren eine halbe Stunde zu spaet - und dennoch trafen wir uns sofort.So war ich gestern erst bei Ground Zero, irgendwie auf eine komische Art und Weise wirklich beeindruckend, dann bei der Wall Street, die aber wegen einer grossen Anti-Kriegs-Demonstration gesperrt war (auf einem T-Shirt stand "George W. killed my son"), wir gingen runter durchs Financial District bis zum Ableger der Faehren nach Ellis Island, sahen die Statue of Liberty aus der Ferne und bei AT&T besorgte ich mir eine Simcard mit recht guten Konditionen auch fuer internationale Anrufe (wer die Nummer gerne haette, schreibt mir bitte kurz oder fragt Andre oder meine Eltern). Schliesslich trafen wir einen Freund von Christine im "Klong", einem Thai-Restaurant in Noho (Aha-Erlebnis: das kommt von North of Houston Street, dementsprechend kommt von Soho von... Na?... Genau, South of Houston Street!). Das ist ein ziemlich toller, bunter, multikulti, alternativer Stadtteil.

Heute war ich dann wieder mit Chrissi und Timo unterwegs. Eigentlich wollten wir ins MoMA (Museum of Modern Art), aber die Sonne strahlte einfach so verlockend, dass wir uns lieber 2 Stunden im Empire State Building anstellten - zum Glueck schien die Sonne aber immernoch, als wir dann oben im 86. Stock auf der Aussichtsplattform ankamen. Ist eben ein "Must do", war aber etwas ernuechternd - vor allem nach der langen Wartezeit. Ausgehungert stuerzten wir uns anschliessend in die Subway Richtung Meatpacker Viertel , wo wir leckere Pizzastuecke fanden. Zum Nachtisch gab es Eis im Univiertel Greenwich Village, mit dem wir uns in den Washington Park in die Sonne setzten und von allen Seiten Trommeln, Gitarren und im Rhythmus quietschende Schaukeln vom Kinderspielplatz hoerten und bunte, ausgelassene, entspannte (besonders junge) Leute beobachteten.
Den Rueckweg von diesem schoenen Tag habe ich ja gleich oben schon beschrieben... ;-)

Jetzt gehts ab ins Bett. Hoffentlich schnarcht die eine in meinem Zimmer nicht wieder so laut und vielleicht sind meine roomates ja auch etwas leiser, wenn sie mal wieder betrunken nachts ins Bett gehen. Die haben naemlich gerade Spring brake. Und sind glaub ich alle juenger als ich, zumindest vergnuegungssuechtiger. Oder ich bin einfach alt und langweilig... Aber so gehts mir ganz gut, und dann kanns ja nicht falsch sein.

Gute Nacht! :-)



4月4日

Erster Eindruck

So kaufte ich mir gestern also einfach eine Monatskarte fuer die Subway, stieg ein und los gings. Zuerst landete ich in DUMBO (Down Under the Manhattan Bridge Overpass), noch auf der richtigen Seite des Hudson, also in Brooklyn (*g*), wo ich auch gleich das Highlight des Tages erlebte: Die Brooklyn Bridge von unten und der erste Blick, unter der Brooklyn Bridge stehend, auf Manhattan's Skyscraper, die bis in die - zugegebenermassen tiefhaengenden - Wolken reichten. Vor dem flutartigen Regen fluechtete ich je nach Gelegenheit in stylishe Bookstores und Schokoladen-Confisserien. Die letzte Rettung war schliesslich die trockene Subway, die mich nun auf die andere Seite des Hudson brachte - ab nach Manhattan, in den Puls der Stadt.
Am Liebsten gehe ich, wenn ich neu in einer Stadt bin, erstmal einfach rum, mach mir einen Eindruck von Entfernungen und Orientierungsmoeglichkeiten und bekomme ein Gefuehl fuer die Stadt. Mir bringt es nichts gleich alle Museen abzuklappern, habe ich waehrend meiner Reisen gemerkt. Ich fuehle mich viel mehr Angekommen, wenn ich, wie hier, z.B. einfach die Subway am Rockefeller Center verlasse, mich in diesem Rieseneinkaufcenter verlaufe, ploetzlich auf der 5th Avenue stehe, direkt vor der St. Patrick's Cathedral, mich dann in Richtung Times Square aufmache, also die 7th Avenue runterlaufe bis zur 42nd St. ungefaehr, mich von lauter bunten Werbetafeln anblinken lasse, dann ab in die Natur, na ja, also den Bryant Park und kulturell wertvoll durch die Public Library laufe, die von aussen wirklich beeindruckend, edel und riesig wirkt, aber die Reading rooms nichts im Vergleich zur Library in Dublin sind. Viele Leute, viel zum Shoppen, sehr bunt und schnell. Aber ich bin trotzdem ganz entspannt gewesen, hab mich einfach treiben lassen und die Freiheit genossen, dorthin zu gehen, wo ich wollte, und immer irgendwas zu sehen, was mir bekannt vorkam. Das hab ich doch schon mal im Fernsehen gesehen... ;-)
Schliesslich fand ich tatsaechlich einen Sitzplatz in einem Starbuck's im ersten Stock eines Buchladens (nichts gegen den in DUMBO, aber immerhin mit Cafe!), wo ich bei einer riesigen Hot chocolate und einem Blueberry Scone mein Buch weiterlas, welches ich auf dem Flughafen London-Heathrow zugeklappt hatte - immerhin handelte der Anfang von einem Flugzeugabsturz ueber London-Heathrow... Aber gut geschrieben (Saturday von ...).
Inzwischen war es 5pm geworden, und ich merkte doch langsam meinen Jetlag. Also verschob ich das Treffen mit Chrissi, meiner Kommilitonin, auf den naechsten Tag.
Der ist heute. Also mache ich mich gleich auf in die Lower Eastside zum World Trade Center Tribute Center, wo ich neben Chrissi auch noch meinen Freund Thomas aus Goettingen und seine Freundin Christine aus Boston treffen werde. Und es regnet im Moment gar nicht...! ;-)


4月3日

New York, New York...

Hallihallo,

da bin ich also. Gut angekommen im Big Apple. Draussen regnet es ununterbrochen und ich trockne gerade, nachdem ich meine 20kg Einkaeufe (u.a. 9 Liter Wasser) nach Hause geschleppt habe und meine Arme immer noch am Zittern sind. Aber so lange ich noch tippen kann... ;-) Das Einkaufen war uebrigens ein Erlebnis: es gab ein meterlanges Regal mit Mueslis und Cornflakes, aber kein einziges Schokomuesli! Von wegen, Land der unbegrenzten Moeglichkeiten... Aber dafuer hat mich ein anderer Einkaeufer ploetzlich angesprochen und meinte "Your jeans looks great. Wow!". Ich war zugegebenermassen etwas perplex. Dafuer fuehlte ich mich fast "wie zu Hause", weil die meisten Angestellten sich in Spanisch ueber den ganzen Laden weg unterhielten. Wie schoen! :-)

Mein Hostel ist uebrigens super, hat alles was man braucht. Wie z.B. auch diese Internetmoeglichkeit, die ich gerade nutze. Zwar ist wohl gerade alles ausgebucht - mit extrem vielen Deutschen Studis, die alle bei irgendeinem 5-taegigen Event der UN mitmachen -, aber alle sind weg oder schlafen noch, so dass ich hier ganz entspannt vor mich hin tippen kann.

Waehrend ich trockne, schmoeker ich im Lonely Planet um trockene Aktivitaeten fuer meinen ersten Tag auszukundschaften. Gleich werde ich mir mal ein Subway-Ticket besorgen und einfach losfahren. Mal sehen, wo ich ankomme... ;-) Und fuer heute Abend bin ich schon mit einer Kommilitonin in Manhattan zum Kochen verabredet. Aufs Global Village!