Marina 的个人资料Marinas Space照片日志列表 工具 帮助

日志


4月13日

Lima

Hola,
 
uebermorgen gehts zurueck - da muss ich doch noch mal die Gelegenheit nutzen und sozusagen live aus Suedamerika in den Blog schreiben. Wer weiss schliesslich, wie chaotisch der morgige Pack- und was-wir-noch-sehen-muessen-und-auf-Freitag-verschoben-haben-Tag wird.
 
Ihr seid ja jetzt auf dem Stand, dass wir Cuzco verlassen und uns und unsere Rucksaecke das letzte Mal in diesen 8 1/2 Wochen in den Bus schmeissen wollten. Dies taten wir auch - aber erst nachdem wir noch im groessten Supermarkt Cuzcos, in dem es am fruehen Morgen noch kein Wechselgeld gab, auf die Broetchen warteten, die ebenfalls noch nicht eingetroffen waren, bei der Banco de la Nacion fuer den Polizeibericht bezahlten und dann einen abschliessenden Besuch bei der ach so netten Touri-Polizei in Cuzco hinter uns brachten. Der Beamte, mit dem wir uns am Vortag ja nicht so richtig gut verstanden hatten war nicht da, so dass uns sein Stellvertreter einen ausgedruckten Bogen hinhielt, den ich noch unterschreiben sollte. Dies musste ich allerdings nach dem ersten Lesen verweigern, da der Polizist von gestern zwar - wie ja zum Schluss zugesagt - nun doch meine Geschichte in den Bericht mit hinein genommen hatte, aber nicht die ganze, sondenr nur einen der unwichtigeren Teile (naemlich, dass wir im Hostel angerufen und erfahren hatten, dass der Fotoapparat dort nicht liegen geblieben war) und dann noch eine glatte Luege, die ich so nie geschrieben hatte: seinem Bericht nach hatte ich nach der Busfahrt festgestellt, dass mein Rucksack offen war und die Kamera fehlte. Hallo? Warum habe ich eine Din-A-4 Seite in meinem besten Spanisch mit einer ausfuehrlichen Schilderung des Geschehenen vollgekritzelt, wenn er einfach schreibt, dass der Rucksack offen war, obwohl das einfach nicht stimmte? Klar, logischer waere es gewesen - aber was ist schon logisch auf dieser Welt?! Ausserdem waren die Namen der Speicherkarte und des Akkus falsch geschrieben, was ja wohl eigentlich das Wichtigste am Ganzen war. Als ich dem Polizisten sagte, dass ich das so nicht unterschreiben kann, weil... mischte sich ein anderer vom Nachbarschreibtisch ein, der mir ziemlich sauer sagte, dass ich das doch gestern schon mit dem anderen (unhoeflichen) Kollegen diskutiert haette, und der mir erklaert haette, dass er mir nur etwas in dieser Form und keine Anzeige schreiben koennte. Ach nee, ganz bloed bin ich auch nicht. Ich sagte ihm, dass die Form ja auch voellig in Ordnung sei (natuerlich haette ich lieber eine Anzeige wegen Diebstahl aufgegeben, aber wenn das nun mal nicht geht, dann eben nicht), aber ich nichts unterschreiben wuerde, was einfach falsch sei. So ging das dann noch ziemlich lange hin und her, bis wir zwar nicht meinen handschriftlichen Bericht des gestrigen Besuchs, aber doch den des Polizisten fanden, in dem nichts von einem offenen Rucksack stand. Na gut, sie wuerden es aendern, wir sollten morgen wiederkommen, da dann der andere Polizist wieder da sei, und sie ja jetzt nicht in seinem Bericht rumfuschen koennten. Aeh... wir fahren um 2pm nach Lima. Dann muessten wir eben wann anders fahren. Aber unser Flug geht von dort aus (zwar erst in einer Woche, aber meine Guete). Dann sollten wir die Tickets zeigen. Wer sind hier ide Verbrecher?? Wir zeigten also die Busticket fuer den Bus nach Lima, und ploetzlich ging es dann doch, dass sie im Computer den Bericht korrigierten, ich ihn unterschrieb und endlich einen Zettel mit immerhin vier Stempeln und zwei Unterschriften in der Hand hielt, der zumindest nicht Falsches, wenn auch in der Menge ueberhaupt nur wenig aussagte. Jetzt hatten wir uns aber ein Fruehstueck im Café mit Blick auf die Plaza Mayor verdient! Und dann war es auch schon an der Zeit die Rucksaecke aus dem Hostel zu holen und ein Taxi zum terminal terrestre zu schnappen. Ueber die Fahrt nach Lima laesst sich eigentlich nicht viel sagen: Die Strecke war zu 90% extrem kurvig, weil an Berghaengen entlang, aber ich hatte mir in weister Voraussicht das erste Mal ein Scopolamin-Pflaster hinter das Ohr geklebt, dass kontinuierlich Scopolamin transdermal und transkutan ausschuettet, welches die Sensibilitaet des Gleichgewichtsorgans und somit Reiseuebelkeit mindern sollte. Ich war auch ziemlich zufrieden mit der Wirkung. Zwar war mir zwar des Oefteren schlecht, aber es war irgendwie anders und ich konnte gut schlafen - im Gegensatz zu der Kleinfamilie neben uns. Papa, Mama und kleines Kind, dass sich die ganze Zeit auf den Boden uebergeben hat, was natuerlich den Geruchssinn (vor allem ueber so einen langen Zeitraum) ganz schoen strapaziert hat. Die unfaehige Mutter hat dann immer wieder nachgefuellt, naemlich Milch und Kekse gegeben, hatte keine Tuete dabei... In dieser Hinsicht haette die Fahrt also etwas schoener verlaufen koennen.
 
Als letztes gibt es wohl nur noch anzumerken, dass die eigentlich 19 Stunden dauern sollende Fahrt im Endeffekt 24 dauerte, so dass wir also am Ostersonntag gegen 1pm im Hotel España in Lima waren, wo wir schon zwei Betten in einem dorm (12 Soles pro Nacht, also 3 Euro) per e-mail vorgebucht hatten. Ostersonntag... man wiess ja nie. Dieses Hotel ist super organisiert, relativ gross mit einer schoenen Dachterrasse zum Fruehstuecken und Abendbrotessenm es gibt warme Duschen (die in Cuzco deutlich noetiger gewesen waeren, denn Lima ist ziemlich warm) - nur die Touris, die es noch nicht gerallt haben, dass man Klopapier in den Muelleinmer und nicht ins Klo schmeisst und die Klospuelung etwas laenger betaetigen muss, damit es klappt, sind etwas nervig. Es ist bestimmt eines der schoensten Hotels die wir hatten (geraeumig, Kolonialstil mit vielen grossen Gemaelden, Stuck etc.), aber auch das mit dem groessten Kloverstopfungsproblem. Kurz Sachen abladen und losziehen zum Supermarkt - endlich mal wieder ein richtiger grosser Supermarkt mit allem was man braucht in grosser Auswahl - nur mal wieder keine einzelnen Schokoriegel, aber schon die Wise Guys singen ja so passend "Du kannst nicht alles haben...". Mit den Einkaeufen auf die Treppen vor der Catedrale an der Plaza Mayor und den ersten guten Schmierkaese seit (gefuehlten) Ewigkeiten vernichten. Natuerlich koennen wir, zwei blonde (ja, auch Sarah zaehlt fuer die Suedamerikaner zu den Blonden) extranjeras mal wieder nicht ungestoert einfach auf einem oeffentlichen Platz sitzen, ohne dass wir angequatscht werden, was mal netter und mal eher nervig ist. Diesmal war es eine Mischung, da der Peruaner in den 30ern sehr gut informiert war - zumindest was Klischees von Laendern und ihre Einwohnerzahlen etc. angeht. Ganz baff war er, als wir ihm erzaehlten, dass es in Deutschland um die 300 verschiedenen Brote gibt - da hat er neben den Biersorten und den ganzen Wuerstchen noch eine weitere Zahl gelernt. Sein 22-jaehriger Begleiter war deutlich schuechterner, aber dabei sehr sympathisch - vor allem im Vergleich mit diesem Laberkopp. Irgendwann konnten wir uns losreissen und fanden in der Fussgaengerzone einen Eisladen mit wirklich gutem Eis (wir meistens undichten Waffeln, aber s.Wise Guys...). Mit diesem bewaffnet gingen wir einfach mal los, was nach dem ganzen Sitzen im Bus aeusserst angenehm war. Schliesslich kamen wir wieder im Hostel an, was nur wenige Blocks von der Plaza Mayor entfernt ist, genossen die Dusche und unterhielten uns mit einem Israeli, der eben erst vom Flughafen gekommen und noch etwas verpeilt war. Wie die meisten Israelis, die man hier trifft - und das sind einige! - hatte er gerade seinen Militaerdienst hinter sich und jetzt noch 6 Monate Zeit zum Reisen bevor das Studium losgeht. Und wie fast alle, die wir trafen, wollte er dann Ingenieurwissenschaften studieren. Nee, aber Museen und so wollte er sich erstmal nicht angucken. Die hat er zu Hause, bei Tel Aviv, genug. Lieber nach Bariloche. Was? Argentinien ist noch teurer als Peru? Die 2 1/2 Liter Wasser haben doch gerade schon 0,75 Euro gekostet! Na ja, er wuerde sich schon noch an Suedamerika gewoehnen - und vielleicht sogar noch ein bisschen Spanisch lernen...? Dann gab es fuer uns nur noch eins: Schlafen - und zwar im Bett!
 
Ostermontag, den 09.04. also, konnten wir gleich mal unser erstes groesseres Lima-Projekt angehen: Pachacamac. Dafuer gingen wir ein ganzes Stueck bis zu einer der Hauptverkehrsadern - die es in dieser doch recht grossen Stadt mit seinen etwa 10 Mio. Einwohnern in einer Vielzahl gibt. An den Bussen steht bzw. die Busschreier schreien dann z.B. "Toda Arequipa" oder "Toda Grau" oder... , was einem dann eben sagt, dass sie diese ganze Strasse langfahren und man eben abspringt, wenn man da ist. Auch mal mitten auf der Strasse, weil die Spur am Buergersteig gerade belegt ist... Nun denn, wir fuhren etwa eine Stunde mit Umsteigen und noch einen kleinen Stueck laufen und dann waren wir an den Ruinen von Pachacamac. Pachacamac war seit etwa 300 v.Chr. ein Orakel fuer die Reiche und Maechtigen, gleichzeitig aber auch der Señor de los temblores, der ja schon in Cuzco einer der ganz wichtigen war, weil er mit einer einzigen Bewegung Erdbeben beenden konnte. Besonders interessant an dieser archaeologischen Staette - neben der Tatsache, dass sie mitten in der Wueste liegt und eine Oase an sie grenzt, die auf der anderen Seite vom nahen  Pazifik (endlich wieder Wasser!!) eingegrenzt wird - ist, dass die jeweiligen expandierenden Gruppen sich dort verewigten, in dem sie neue, hoehere und schoenere Tempel bauten. Erst die Lima, dann die Wari, dann die Yschma und schliesslich die Inka, die ja das groesste Territorium ihr eigen nennen konnten. Wenn schon, denn schon: wir nahmen uns eine guía, die viel spannendes zu erzaehlen hatte. Z.B. haben die Inka den Tempel der Sonne gebaut, den hoechsten des Komplexesm in welchem Jungfrauen geopfert wurden. Diese wurden erstmal "rangezuechtet", und zwar im Palacio de las Mamacuñas, dem Tempe der auserwaehlten Frauen. Diese lebten unter der Aufsicht aelterer Frauen separiert in diesem Tempel (konnten wohl auch gehen, wenn sie nicht mehr wollten, war kein Gefaengnis - aber wer verwehrt sich schon der Ehre den Goettern geopfert zu werden?!) und wurden dann irgendwann eben ihrem Schicksal, Sinn des Lebens oder was auch immer ueberlassen - dem Geopfertwerden. Super Sache... Also, wie gesagt: Wueste. Es war also ganz schoen warm und wir nach zwei Stunden besichtigen froh ueber den Schatten am Ausgang. Wir nahmen dann einen Bus zurueck ins Zentrum, wo es nach dem Eis erstmal kurz nach Hause ging um die gewaschene Waesche von der lavanderia nebenan abzuholen, die wir morgens hingebracht hatten. Auf frische Waesche freut man sich doch immer fast wie auf Weihnachten, gerade, wenn es so warm ist und man so stinkt wie in Lima. Umso enttaeuschender war es dann festzustellen, dass die Waesche irgendwie nicht richtig sauber, sondern immer noch etwas stinkig roch. Lima hat auf Grund seiner klinatischen Bedingungen Wasserrestriktionen und scheinbar war unsere Waesche irgendwie trocken gewaschen worden. Grummel... Um dem Abend doch noch etwas Positives zu geben ging es mal wieder in den Supermarkt, sowie ins Internet und dann mal ganz edel in ein schickes chinesisches (na ja, es liefen dort nur Peruaner rum, es gab Messer (!) zu der Gabel...) Restaurant mit schieken und vor allem ganz vielen Kellnern, fuer die doch eher uebersichtliche Menge an Gaesten - und das alles fuer so billig wie wir wohl noch nie assen. Jeder mit einer riesigen Portion Reis, Gemuese und Soyasauce (mjam und doppel-mjam!) und einem lauwarmen Ananassaft (na ja, zumindest war er frisch) ziemlich gut bedient. Nicht nur die Temperatur des Ananassaftes, sondern auch die aeussere haette zwar ruhig etwas niedriger sein koennen, aber mit diesem Reis waren wir im siebten Himmel! Natuerlich auch gleich wieder ne Karteikarte mit e-mail-Adresse abgesahnt, klar *grins* Na ja, wer kann denn auch Elmas Adresse nicht wollen - erinnert doch irgendwie gleich an Sesamstrasse, oder? Mal ein kurzer Abstecher in ein typisches Gespraech mit ganz egal welchem Anquatscher (auf der Strasse, beim Eiskaufen, im Restaurant, im Museum, auf der Plaza, beim Busfahren...): Wo kommt ihr her? - Aus Deutschland. - Ah, guten Tag. Wo genau? Berlin? - Nein. Aus dem Norden. - Muenchen? - Nein, aus dem Norden, Muenchen ist im Sueden. Hamburg ist im Norden. - Aah... Wirklich, mit ganz kleinen Abweichungen sieht das immer in etwa so aus. Je nach Allgemeinstimmung eben mal lustiger, mal nerviger.
 
Am Dienstag machten wir mal einen auf Kultur und gingen zunaechst in die grosse Catedrale an der Plaza de Armas und anschliessend  ins Museo de Arte. Dieses ist auf jeden Fall einen Besuch wert: Von praekolumbianischer Keramik und Textilverarbeitung ueber Kolonialkunst (wichtig: Escuela cuzqueña oder Cuzco Schule), unterbrochen durch eine aktuelle Fotoausstellung von Gruenwald und alte Fotos von Chambi und den Vargas-Bruedern, bis zu moderner Kunst war fuer jeden etwas dabei. Mehr Erklaerungen waeren, wie in den meisten Museen, die wir besucht haben, schoen gewesen, aber so konnte man sich eben ganz auf die Werke konzentrieren. Nach drei Stunden in eigentlich nur einem grossen Saal waren wir erstmal kunstgesaettigt und setzten uns draussen in den Park. Hier trafen wir auch die Nonne ganz in weiss mit ihren schwarzgekleideten Novizinnen (alle mit dem gleichen Haarschnitt), die schon in der Catedrale rumgewuselt waren, wieder, die meisten mit einem Wassereis und die Chefin mit einem digitalen Fotoapparat bewaffnet - ein Bild fuer die Goetter... oh, es gibt ja nur einen... Anschliessend wollten wir noch etwas Orgakram erledigen und unseren Flug bestaetigen. Bei Taca weiss man ja nie... Im ersten Reisebuero gaben sie uns eine Telefonnummer von Taca, im zweiten war die Frau so merkwuerdig, dass sie zwar irgendwo anrief, aber spaetestens als sie ueberrascht bemerkte, dass wir ja verwandt waeren, wegen der gleichen Namen auf den Tickets (ich glaube, sie meinte "Deutsche Lufthansa"), war uns klar, dass wir das selbst nochmal machen wollten. Es folgten die taeglichen Selbtsverstaendlichkeiten mit Eisessen, Supermarkt, Abendessen auf der Dachterrasse, Duschen und Schlafen. Wundervoll! Ach ja, und als wir im Internet waren lernte ich einen netten Taetowierer kennen, der mir sein Equipment gezeigt hat - sogar mit Sterilisator und eingeschweisster steriler Spitze fuer jeden einzelnen Kunden. Ich konnte mich aber dennoch beherrschen. Er ist aber mal ein ganz netter, nicht so ein Aufreisser, sondern eher schuechtern, mit dem man sich gut unterhalten kann. Mit seinen 20 Jahren hat er schon 'ne ordentliche Gastritis, was bei seinem Lebenswandel keine grosse Ueberraschung ist (mit 18 von zu Hause weg, Stress mit dem Ziehvater, zwei Jahre irgendwie durchgeschlagen, bei Freunden gewohnt, dann wegen seiner kleinen kranken Schwester, die wohl schlimmes Asthma hat, wieder zurueck, aber der familiaere Stress geht so natuerlich weiter). Sich hier mit einem Mann zu unterhalten, der einen nicht anmachen oder einem etwas verkaufen will, ist schon etwas Besonderes. Er hat mir im Endeffekt sogar einen Gluecksbringer geschenkt - den er doch wohl deutlich noetiger hat als ich...
 
Gestern, Mittwoch, dem 11.04., stand Urlaub ganz gross auf dem Programm. Wir nahmen also einen Bus nach Miraflores, DEM Shopping- und Strandviertel, wo auch die meisten Reisenden unterkommen (das Zentrum ist ja soooo gefaehrlich - haben wir noch nichts von gemerkt, na ja, sind ja auch immer spaetestens um halb 10pm im Bett...). Meer!! Als erstes also runter an den Strand. Dieser besteht aus Steinen und liegt direkt an einer grossen Strasse, aber nachdem wir uns die mehr oder weniger gluecklichen Versuche der Surfer angeschaut und ein bisschen am Wasser entlang gegangen waren, fanden wir einen tollen einsamen Platz - ohne Blick auf die Strasse und mit dem alleinigen, dafuer umso lauteren Geraeusch des Wassers und der rauschenden Steine bei jeder Welle. Sarah machte einen vorsichtigen Versuch zu plantschen, gab aber angesichts der ziemlich grossen Wellen ziemlich schnell wieder auf. Aber einfach am Wasser zu sitzen, in die Weite zu sehen und dem Wasser und den Steinen zuzuschauen ist schliesslich Erholung und Entspannung pur! Nach einiger Zeit machten wir uns wieder auf, hoch auf den oberen Teil der Steilkueste, wo eine Mall direkt in den Felsen gebaut ist - wir wollten aber bei diesen Preisen und der Waerme nicht gross shoppen: wir wollten ein Klo (super Klo, mit Klopapier, automatischer Spuelung, Seife und Papierhandtuechern, hui!!) und ein Eis. Letzteres war ebenfalls von extremem Erfolg gekroent, wir hatten schliesslich die Qual der Wahl aus 36 Sorten auszuwaehlen. Mit Blick uebers Meer genossen wir auch diesen Teil des Tages und machten uns auf, den angeblich groessten Supermarkt von Lima zu erkunden, der mit einer Mall mithalten koennen sollte. Eher enttaeuscht von diesem Supermarkt, der kleiner und teurer war, als unserer im Zentrum, erlagen wir der Versuchung und begruben unseren (angesichts dieses tollen Tages doch eher geringen) Frust bei KFC - auf den Imperialismus! Nach erfolgreichem Stoebern in artesanías-Maerkten war es auch schon ganz schoen spaet geworden, so dass wir den Bus zurueck ins Zentrum nahmen. Heute waren wir mal so richtige Klischee-Touris, muss ja auch mal sein. Na ja, doch nicht ganz, schliesslich kauften wir unser Abendessen mal wieder im Supermarkt und gingen nicht Essen... Der Appetit hielt sich aber ohnehin in Grenzen.    
 
Heute, vorletzter ganzer Tag der Reise: Nachdem Sarah gerade nicht mehr so der Durchschlaefer ist, hat sie etwas ganz schoen dreistes bemerkt. Wir haben gerade, nun ja, nicht ganz perfekte Leute im dorm. Der Israeli und ein netter Californier sind abgereist, jetzt haben wir Spanier und Amis, die sich hier wohl noch nicht ganz so aklimatisiert haben. Zumindest scheinen sie noch nicht zu wissen, dass man hier sein eigenes Klopapier kaufen muss. Jedenfall hat sich unser Vorrat ganz schoen dezimiert und Sarah haette wohl fast zuviel bekommen, als heute Nacht einfach jeder sich unsere Rolle geschnappt hat, die natuerlich heute Morgen kaum noch vorhanden war. Grrrr. Natuerlich, klar, kein Weltuntergang, aber wie dreist muss man eigentlich sein. Tztz... Wir lassen uns aber nicht unterkriegen und sind dann erstmal wieder in die Welt der Kultur abgetaucht - naemlich mit dem Bus (no gracias, wir wollen kein Taxi) ins Museo de la Nación gefahren. DAS Museum Perus. Puh, das war vielleicht anstrengend. Ich meine, klar, alles ueber die praekolumbianischen Voelkergruppen, das Besondere ihrer Keramik etc. zu erfahren ist schon interessant - aber auf vier Etagen, so dass man etwa vier Stunden braucht um da durch zu kommen? Und ausserdem: wenn es schon Mueo de la Nación heisst, haette ich eigentlich erwartet, dass meinetwegen zwei Etagen praekolumbianisch, dann eine Kolonialzeit und dann eine aktuelle Geschichte (Kolonialzeit bis jetzt) waere. Eher so ein bisschen wie in Ediburgh, wo es ein ganz tolles Naional Museum (ich glaube, es heisst so) gibt. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, finde ich, aber meine obengenannten Verbesserungsvorschlaege waeren doch durchaus beachtungswert... Nach einem kleinen Kraeftetanken in der Sonne draussen beim Koi-Becken, fuhren wir zurueck ins Zentrum und - ihr koennt es Euch schon denken - Eisessen, auf die Plaza und ins Internet. Und gleich gehen wir zur Feier des Tages und weil wir noch einige Soles haben Essen. Hunger!
 
Morgen folgt wohl ein Pack- und was-wir-noch-sehen-muessen-und-auf-Freitag-verschoben-haben-Tag. Samstag um 10:15am gehts dann ab in die Luefte. Und Sonntag um 10:45am landen wir hoffentlich samt Rucksaecken (man weiss ja nie, was Taca so macht - siehe Ankunft La Paz) in Hannover...
 
 
4月7日

Cuzco II

Schon mal am Anfang eine kleine Vorwarnung - dieser Eintrag koennte oder wird sogar ziemlich sicher weniger positiv ausfallen als die letzten. Wer also ohnehin schon schlechte Laune hat oder deprimiert ist, sollte das Lesen vielleicht auf einen guenstigeren Zeitpunkt verschieben. Nun denn...
 
Vorgestern, am Mittwoch, dem 04.04., schnappten wir uns unsere kleinen Rucksaecke mit dem Noetigsten, unsere Essenstueten (die gut vorbereiteten Deutschen eben...) und liessen unsere grossen Rucksaecke im deposito de Hostels zurueck. Um halb 9am fuhr passenderweise gerade als wir bei der Busstation ankamen einer nach Urubamba ab, wo wir nach etwa 1 1/2 Stunden Fahrt ankamen und in einen Minibus umstiegen, der uns in etwa 20 Minuten nach Ollantaytambo brachte. Dort gab es eine kleine Staerkung auf dem Hauptplatz dieses kleinen touristischen und trotzdem sympathischen Staedtchens (2000 Einwohner), das am Fusse einer Inkaruine gelegen ist, auf welche wir nun klettern wollten. Zuvor wollte ich bereit sein fuer alle Schandtaten und tollen Ausblicke und meinen Fotoapparat herausholen, machte also meinen Rucksack auf, fand darin meine geoeffnete aber leere Tasche fuer den Fotoapparat und wuehlte, zuerst sicher, dass er nur rausgefallen und irgendwo in den Tiefen des Rucksacks laege, doch immer besorgter meinen Rucksack durch, kippte ihn aus, durchwuehlte alle Tueten - aber der Fotoapparat blieb verschwunden. Morgens hatte ich ihn ganz sicher eingepackt, das wusste ich, da ich noch den Akku nach dem Laden wieder eingesetzt hatte. Ich hatte zum Trocknen noch ein Handtuck ueber den Rucksack geknotet, so dass der Zugang noch schwieriger geworden waere, ganz davon abgesehen, dass wir nicht durch Menschenmengen gegangen sind und sich auch sonst niemand dem Rucksack genaehert hatte. Im Bus nach Urubamba hatte ich einmal kurz etwas aus dem Rucksack geholt und ihn hinterher gleich wieder geschlossen und im Minibus anschliessend hatten wir alleine auf der letzten Bank gesessen - mit verschlossenem Rucksack. Die einzige Moeglichkeit das Verschwinden zu erklaeren war also, dass im Bus von Cuzco nach Urubamba ein aeusserst geschickter Dieb am Werk gewesen, oder dass der Fotoapparat rausgerutscht war - was ich aber eigentlich wirklich haette bemerken muessen, ganz davon abgesehen, dass die kleine Tasche des Fotoapparats geschlossen gewesen war. Zunaechst riefen wir im Hostel in Cuzco an, um zu fragen, ob er vielleicht doch liegen geblieben war, aber beim Saeubern des Zimmers war nichts gefunden worden. Danach schnappten wir uns ein teures Taxi, damit wir schneller als mit einem colectivo, also einem Minibus, wieder in Urubamba waren, und es wahrscheinlicher war, dass unser Bus noch da und nicht schon wieder auf dem Rueckweg nach Cuzco war. So waren wir kurze Zeit spaeter wieder in Urubamba am terminal de buses, das gerade einer der Busse verliess. Ich war viel zu konzentriert ihn aeusserlich zu checken, nicht das unser Bus vor unserer Nase wegfuhr, als dass ich den metertiefen Abwasserkanal bemerkte, ihn den ich dann natuerlich erstmal mit einem Bein fiel. Egal, Hauptsache den Bus finden! Dieser stand zum Glueck noch auf dem Hof und wir gingen gleich rein um nach der Kamera zu suchen. Nichts. Draussen fanden wir den Fahrer, der meinte, dass er ihn noch nicht gereinigt habe und wir doch noch einmal gut suchen sollten. Wieder erfolglos. Genauso wie das Fragen im Buero der Busgesellschaft - wer gibt auch schon eine gefundene Fotokamera ab? So ein Mist. Natuerlich ganz schoen fertig (nicht nur wegen des materiellen Verlusts, sondern vor allem wegen den fuer immer verlorenen Fotos immerhin einer ganzen Woche!) nahmen wir dann den naechsten Bus zurueck nach Ollantaytambo. Was haetten wir auch anderes tun koennen? Dort gingen wir zum Eingang der archaeologischen Staette und konnten netterweise unsere schweren Essenstueten in einem Kabuff deponieren. Da nun einmal alles zusammen kommen muss stiess ich mir beim Verlassen dieses Kabuffs ziemlich doll den seitlichen Teil meines Kopfes, so dass er noch am naechsten Tag droehnte und mir schlecht war (das kann natuerlich auch einfach an dem allgemeinen Stress und Schrecken des Verlusts gelegen haben, den ich nicht verleugnen kann). Das Aergerlichste fuer mich ist, dass ich einfach nicht nachvollziehen kann, wie der Fotoapparat wegkommen konnte. Ich hatte ihn in der geschlossenen Fototasche in meinem geschlossenen Rucksack, der waehrend der ganzen Fahrt auf meinen Knien in meinen Armen lag und zusaetzlich von einem Handtuch bedeckt war. Als mir in Guatemala meine Sachen geklaut wurden, war ich wenigstens wirklich bloed und selber Schuld, wusste, wie es passiert war, aber jetzt? Nun denn. Wir stiegen also auf die Ruinen hoch, die einstmals sowohl eine tempel- als auch eine militaerische Funktion hatten. Hier erlebten die Spanier z.B. eine ihrer schlimmsten Niederlagen gegen die Inka - auch wenn sie spaeter mit Verstaerkung wieder kamen und doch noch siegten, aber trotzdem: bei den steilen Stufen und Abhaengen kann es kein Kinderspiel gewesen sein. Nach einigem Rumgekletter und Gegucke verliessen wir die Ruinen wieder und picknickten erstmal an einem Fluss. Fuer die Nerven fuehrte die anschliessend Suche nach einem Eis schliesslich zum teilweisen Erfolg: wir fanden Eis, aber es war das schlechteste Eis, der ganzen Reise. Wie gesagt: wenn schon, dann richtig (Murphy's Law, das Fungi Law schien eine Pause zu brauchen)! Dass die Ruinen uns trotz allem begeisterten, spricht eindeutig fuer sie! Ich war ziemlich kaputt, eindeutig zu viel Adrenalin ausgeschuettet heute, also liefen wir zwar kurz ueber den artesanias-Markt, aber landeten schliesslich in einem Café, wo ich selbigen auch konsumierte - irgendwie muss man ja wieder wach werden. Waehrend ich also ueber meinem Kaffee doeste loeste Sarah das Geheimnis einer Knotentechnik eines Bandes, das an einer Kette baumelte, die ich auf dem Markt gekauft hatte - eindeutig zu viel fuer meinen Kopf nach diesem Tag. Das Einzige, was ich wollte, war ganz kurz ins Internet zu gehen und meine Eltern zu informieren, da sie besonders in solchen Situationen einfach immer weiter helfen koennen - ja, ganz tolle Eltern!! Wir warteten etwa eine halbe Stunde, weil eine Amifrau mit ihrem Sohn unbedingt von Ollantaytambo, wo das Internet (wie wir selbst spaeter feststellten) extrem lahm und unzuverlaessig war, einen Flug uebers Netz buchen mussten. Super Idee... Nachdem ich nach einer Stunde auch endlich die mail fuer meine Eltern losgeworden war und es mittlerweile draussen dunkler wurde, machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof, wo der Zug nach Aguas Calientes (DEM Ausgangspunkt fuer Machu Picchu - Besuche) abfahren sollte, fuer den wir ja immerhin schon Tickets hatten - an einem Tag wie heute, an dem fast alles schief ging also aeusserst wertvoll. Auf dem Weg zum Bahhof lernten wir Joergen und Kaj kennen, zwei daenische Rentner, die so nett waren, dass wir uns gleich mit ihnen am Banhof in ein Café setzten und einen Tee tranken. Schliesslich schien sich draussen was zu regen und nach einigem Warten und Draengeln waren wir im Zug und gegen 20:15 ging die Fahrt los. Wir fuhren die ganze Zeit an einem reissenden, rauschenden Fluss entlang, dem Urubamba, der in den Amazonas und schliesslich in den Atlantik muendet. Daruber der Vollmond - wirklich schoen. Wir hatten ja bereits eine Hostelreservierung gemacht und wurden dann auch prompt nach unserer Ankunft gegen 10pm vom Bahnhof abgeholt und ueber den Hauptplatz dieses fast noch touristischeren Staetchens (ebenfalls 2000 Einwohner), der fast direkt am Bahnhof lag, gefuehrt, in dessen Ecke unser Hostel gebaut war. Suboptimal, weil mit Fenstern in perfekter Einstiegshoehe (ich hatte ja sowieso nichts spannendes mehr fuer moegliche Diebe...) und extrem verstaubt, aber relativ guenstig (etwa 3,75 Euro pro Nacht pro Person). Wir waren beide voellig fertig und fielen nach dem Zaehneputzen in einer Staubwolke ins Bett. Fuer Sarah war dies tatsaechlich ein Problem, da sie allergisch auf Hausstaub reagiert - sie meinte zwar, dass sie schon Schlimmeres erlebt hatte (das sagen wir des oefteren...), aber der Schlaf kam bei ihr in den beiden Naechten in Aguas Calientes eher etwa kurz. 
 
Wir hatten uns ja fest vorgenommen frueh aufzustehen, hoch zu der archaeologischen Inkastaette Machu Picchu zu wandern (uebrigens eines der Sieben Weltwunder) und wachten somit dank Wecker um 20 vor 4am auf. Draussen prasselte der Regen, so dass wir den Wecker auf Viertel nach 4am stellten - keine Chance, draussen regnete es Bindfaeden. Na gut, schade, aber dann eben nicht. Somit gingen wir erst zwischen 6 und halb 7am los: erst etwa 20 Minuten die Strasse am Río Urubamba entlang, die auch die Touribusse nach Machu Picchu nehmen und dann den gut beschilderten, steilen, fast nur aus unregelmaessigen Stufen (beim Rueckweg gezaehlte 1580) bestehenden "Fussweg" hoch. Gegen 8am waren wir endlich oben - toller Weg mit tollen Blicken auf die benachbarten teils wolkenverhangenen gruen bewachsenen Berge, aber Stufen sind nun einmal nicht der angenehmste Weg zuf einen Berg zu steigen. Wir hatten bei 2040m Hoehe angefangen und waren hinterher auf etwa 2500m. Eigentlich also nicht wirklich viel an Hoehenmetern, da sind wir schon deutlich hoeher gestiegen, aber die Art des Steigens war einfach anstrengend - vielleicht auch gerade, weil wir ohne Fruehstueck dort hochgegangen sind. Nach der Fruehstueckspause oben waren wir voller Tatendrang nun endlich die Staette zu sehen. Wir nahmen uns einen guía, der ein richtiger Gluecksgriff war: ein aelterer Mann namens Francisco, der von den Inka und ihrer Intelligenz - sowohl was das Bauen, als auch was das astrologische Wissen anbelangte - extrem beeidruckt war, die Spanier, wie er im Nebensatz nuschelte, eher nicht so mochte, Ahnung von Pflanzen hatte, die er uns immer wieder zum Riechen unter die Nase hielt und erzaehlte, was man damit machen koennte, sich Zeit nahm, und vom Fotografieren (unsere Sammlung von Fotos, auf denen Sarah und ich sind, hat sich von einem nach sieben Wochen Reisen auf etwa 10 bei dieser einen Tour vermehrt) fast genauso begeistert war, wie von den Inka. Gerade diese Begeisterung und sein geheimnisvolles Erzaehlen von Energien etc. machten ihn so sympathisch. Gegen 11am war die Tour zu Ende und wir brauchten erstmal eine Pause, die wir erst in der Sonne (bloss nicht auf den Rasen der Terassen gehen, sonst wird man von den Aufpassern mit Trillerpfeife runter gepfiffen!) und dann, durch Steine von den meisten anderen Touris abgeschirmt im Schatten verbrachten. Trotz Nebensaison war es recht voll (die meisten fuhren mit den zirkulierenden Bussen hoch und waren mit organisierten Touren unterwegs - wie schoen frei zu sein, muss mal wieder gesagt sein!) und wir wollten uns lieber nicht vorstellen, wie es hier in der Hauptsaison aussehen musste. Machu Picchu war einfach beeindruckend. Ich weiss gar nicht, wie ich es beschreiben soll - fahrt also am Besten alle mal hin - aber diese "verlorene" Stadt, die erst 1911 von dem US-Amerikaer Hiram Bingham verlassen wieder entdeckt und vorher von keinem conquistador o.a. erwaehnt worden war, ist einfach dermassen intelligent gebaut und hat so viele Details - ob die geometrischen, meist im Halbkreis angeordneten Terrassen an der steilen Wand, der Intihuatana, mit dem eben anhand des Sonnenstandes das Sonnenjahr bestimmt wurde, der Wahnsinnspostkartenblick ueber die ganze Stadt oder der Condor, dessen einer Fluegel aus den Folterbuchten besteht: beeindruckendst!! Was ich auch spannend fand, ist die gegenseitige Begruessung der Inka: "Sei kein Raeuber, sei kein Luegner, sei kein Faulenzer" - "Du auch nicht" Wenn man eine dieser als schlimmste angesehenen Eigenschaften besass, war man reif fuer einer der erwaehnten Folterbuchten. Im Hintergrund DES Postkartenbildes gibt es den Huayna Picchu (2690m), den kleinen Bruderberg des Machu Picchu sozusagen, den man hochlaufen kann, aber irgendwie waren wir ganz schoen kaputt von dem, was wir bisher gesehen und gelaufen hatten und verzichteten somit auf diese Moeglichkeit. Was total super war, war, dass die liebe Sarah mir eine ihrer Kamaras in Hand drueckte (sie hat zwei Spiegelreflex dabei, eine fuer Farbfotos und eine fuer s/w - das konnte ich ja in meiner digitalen durch eine Drehbewegung am Rad einstellen *schnief*) und ich so auch eigene Fotos von Machu Picchu habe, was ja doch einfach ein was anderes ist, als "nur" ihre Kopien. Ausserdem sind Spiegelreflexkamaras einfach toll - wir sind schon auf der ganzen Reise dabei, die Vor- und Nachteile von Spiegelreflex- und Digitalkameras zu vergleichen... Ein endgueltiges Ergebnis gibt es aber nicht, da natuerlich jede ihre guten und ihre schlechten Seiten hat. Digitale Spiegelreflex - das muss das hoechste der Gefuehle sein (mal ein paar Inhaber interviewen). Hauptsache Fotos - und sogar selbst gemachte Fotos. Danke, Sarah!! Nach den letzten Fotos machten wir uns an den Abstieg, der nur 40 Minuten dauerte, so dass wir gegen 3pm wieder unten in Aguas Calientes waren und uns dort zunaechst auf die Suche nach einem Kugeleis machten - unglaublich in einem solchen Touritown, aber erfolglos, so dass wir schliesslich ein ebenfalls leckeres Wassereis lutschend an der Plaza mayor sassen. Ein kurzer Internetbesuch, der mich etwas aufmunterte, da es sein kann, dass die Gepaeckversicherung einspringt. Morgen also gleich zur Polizei in Cuzco gehen, damit das Verschwinden aufgenommen wird und ich was fuer die Versicherung in der Hand habe. Nach dem Internet kurz in die Markthalle und dann auf der Plaza picknicken (aetsch, ihr vor-den-Restaurants-Steher - euer Werben und Rufen hat nichts gebracht, wir haben unsere Provianttueten). Zum Glueck ist es gegen 6pm schon dunkel, so dass wir uns nicht allzu komisch fuehlen um halb 7pm im Bett zu liegen. Aber wir sind einfach total kaputt und muessen am naechsten Morgen mal wieder frueh aufstehen, um den Zug zurueck nach Ollantaytambo zu nehmen.
 
Somit standen wir heute, Freitag, Morgen um Viertel nach 5am auf und fuhren bis etwa halb 8am mit dem Zug nach Ollantaytambo zurueck, wo wir uns erstmal ein tolles Fruehstueck mit allem was dazu gehoert (Ruehrei, Pfannkucen, Kaffee etc.) goennten und ein Wechselgeldproblem entfachten, weil wir die 25 Soles mit einem 100 Soles-Schein bezahlten (immerhin etwa 25 Euro, soviel Wechselgeld hat man doch in einem Touritown am fruehen Morgen noch nicht in der Kasse). Die Zeit des Wartens nutzte allerdings ein suedamerikaniches Paerchen um sich mit uns fotografieren zu lassen (toll, blond!) und nachdem aus der Not heraus von den Kellnern ein Sixpack gekauft worden war, gab es auch Wechselgeld. Wir schnappten uns einen Minibus nach Urubamba, wo wir noch einmal im Buero nach meinem Fotoapparat fragten, erfolglos, und meine e-mail-Adresse fuer den unwahrscheinlichen Fall des Wiederauftauchens dort liessen und fuhren schliesslich weiter mit dem Bus ueber Pisac (wo wir bei Regen allerdings keine Lust auf weitere Ruinen hatten) nach Cuzco. Dort war das Wetter auch nicht das dollste, so dass wir uns freuten, gestern bei Sonnenschein in Machu Picchu gewesen zu sein. Der allererste Weg fuehrte zur Polizei, wo wir in den ersten Stock zur Policía turística und dort in ein Buero geschickt wurden. Im Lonely Planet hatten wir gelesen, dass es eben diese grosse Touripolizei in Cuzcu gab, waehrend z.B. in Urubamba keine aufgefuehrt war, weshalb wir erst jetzt und in Cuzco die Anzeige aufgeben wollten. Da gab es aber zwei Probleme: man musste eine Anzeige innerhalb von 24 Stunden aufgeben (bei mir waren es jetzt ja schon 48) und sie musste am Ort des Geschehens, also des Diebstahls, aufgegeben werden, was in meinem Fall Urubamba gewesen waere. Ich war natuerlich bloed und ehrlich und der Polizist erzaehlte mir immer wieder, warum er keine Anzeige aufnehmen koennte (aus den beiden oben genannten Gruenden), und sie hier nicht dafuer da waeren Berichte fuer Versicherungen zu schreiben, sondern den Fall zu untersuchen. Das war mir schon klar... Aber meine Argumente, dass ich nicht wusste, wie das in Peru laeuft, mir so etwas nicht jeden Tag passiert und es mir ja leid tut, dass ich alles falsch gemacht haette, aber man doch auch noch jetzt etwas machen koennen muesste liess er nicht gelten. Dass der Lonely Planet schrieb, dass hier die Touristenpolizei sei war fuer ihn auch kein Argument, ich wuerde schliesslich sehr gut spanisch sprechen und haette zu jeder Polizeistation gehen koennen - ja, wenn ich nur englisch spraeche, dann waere das ja vielleicht noch ein Grund. Er nahm also meine Anzeige nicht auf, weil ich bloederweise spanisch spreche??!! Als er dann meinte, das es schliesslich genug betruegerische Touris gaebe, die nur die Versicherung prellen wollten, wurde es mir doch etwas zu viel, und ich meinte, dass ich keine Luegnerin sei und mir das hier auch keinen Spass machen wuerde, ich ausserdem Opfer und nicht Taeter waere und es mir ja wie gesagt leid tun wuerde, dass ich mich nicht an die peruanischen Regeln fuer Anzeigen gehalten haette, aber dies ja nicht aus boeser Absicht geschehen waere. Ich wurde langsam etwas wuetend und wenn ich wuetend werde habe ich mit den Traenen zu kaempfen. Dies schien zu helfen, denn er meinte, er koennte meine Aussage aufnehmen, aber nicht als Diebstahl, sondern als Verlust, als ob ich die Kamara also verloren haette. Besser als nichts, dachte ich mir, schrieb ihm also detailliert auf, was passiert war - und benutzte dabei weder "verloren" noch "gestohlen". Er schrieb es dann scheinbar ab, aber bei Sarahs und meinem Korrekturlesen merkten wir gleich, dass er nur die verschwundene Kamara beschrieben hatte, und kein bisschen meine Geschichte (geschlossener Rucksack auf den Knien etc.). Als mir dies anmerkten, meinte er, dass er uns dies ja schon vorher die ganze Zeit gesagt haette, dass er keine Anzeige aufnehmen , sondern nur den Verlust aufschreiben wuerde. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass mir dies irgendetwas bringen wuerde, unterschrieb aber und gab auch einen Fingerabdruck - meinen Pass hatte er ueberhaupt nicht kontrolliert. Er gab mir dann einen Zettel, mit dem ich am naechsten Tag zur Banco de la Nacion gehen sollte, danach wieder zu ihm um die Kopie des Geschriebenen abzuholen. Voellig unzufrieden, enttaeuscht und wuetend ging ich mit Sarah aus dem Buero, antwortete dem Polizisten der uns in dieses Buero geschickt hatte auf seine Frage, ob man uns helfen konnte mit einem deutlichen Nein und wir gingen vor die Tuer, wo ich ob des Aergers einen kleinen Weinanfall hatte. So ein A...!!! Und das soll jetzt die Touristenpolizei der Touristenhauptstadt Perus sein - unfaehig und unmoeglich, nicht sehr gastfreundlich! Da kam ein anderer Polizist vorbei, der sah, dass es mir nicht sonderlich gut ging, der meinte, wir sollten reingehen, man wuerde uns helfen, was ich nicht glaubte und ihm dies auch sagte, aber er schob uns trotzdem wieder rein, wo auch schon der Rezeptionspolizist auf uns zu kam, wir uns setzen sollten und der Polizist, mit dem wir vorher die ganze Zeit verhandelt hatten, aus seinem Buero geholt wurde. Auf einmal meinte er, er wuerde meine Darstellung des Ganzen noch dazufuegen und ich koenne das dann morgen, nachdem ich in der Bank war, abholen. Ich weiss zwar nach wie vor nicht, ob und wie er das macht, aber wenn dies erst geht, wenn man mit den Traenen und anderen Polizisten kommt, finde ich es ganz schoen schwach! Wenn es dann immernoch nicht gegangen waere, okay, konsequent, aber so? Merkwuerdig. Ich hoffe also, dass es tatsaechlich klappt, auch wenn ich es noch nicht so ganz glauben kann. Nach dieser ganzen Seifenoper war ich mal wieder voellig fertig und ging mit Sarah erstmal in ein Café an der Plaza de armas, wo wir immerhin einen sehr netten Kellner hatten, mit dem wir uns ein bisschen ueber die Polizei aufregen konnten und den besten heissen Kakao unserer ganzen Reise genossen - der warme Apfelkuchen war ebenfalls nicht zu vernachlaessigen! Mit Zucker versorgt und etwas beruhigt rief ich anschliessend meine Eltern an, um die Neuigkeiten loszuwerden - gerade die Aussage, dass ich zu gut spanisch sprechen wuerde, als dass er meine Aussage aufnehmen wuerde, loeste deutliche Heiterkeit aus. Es war aber auch einfach zu verrueckt! Das Wetter war nach wie vor nicht so doll, so dass wir nur einmal kurz zur Touri Info gingen um zu fragen, was es mit der Banco de la Nacion auf sich haette (aha, ich muss da 3 Soles bezahlen um die Kopie des Geschriebenen zu bekommen, interessant - hoffentlich schreibt er es jetzt wirklich richtig...!!), stockten unseren Schokoriegel- und Olivenvorrat auf, wobei wir mal wieder (zum 4. Mal?) einen der Daenen von Ollantaytambo trafen und machten uns dann auf den Weg hierher, ins Internet. Ich hoffe, ich habe an alle spannenden und kuriosen Aspekte dieser doch eigentlich nur drei letzten Tage gedacht - es ist einfach unheimlich viel passiert. Wir haben eine der beeindruckendsten Sehenswuerdigkeiten der Reise gesehen und gleichzeitig den aergerlichsten Teil der selbigen erlebt. Es ist also kaum zu sagen, ob diese Tage jetzt super oder bescheuert waren - alles wohl eben zu seiner Zeit.
 
Morgen frueh verbringen wir hier unsere letzten Stunden in Cuzco - voraussichtlich mit einem Gang zur Banco de la Nacion, dem Abholen eines hoffentlich passablen Schreibens von der Polizei und einem Grosseinkauf. Um 2pm geht naemlich unsere letzte und laengste Fahrt der Reise los: (hoffentlich nur) 20 Stunden nach Lima, von wo aus wir ja morgen, also Samstag, in einer Woche unseren Rueckflug antreten werden. Angeblich soll Lima die gefaehrlichste Stadt ueberhaupt sein - wurde mir schon von einer peruanischen Aerztin am Hospital de Clinicas in La Paz eingebleut -, aber da ich ja nichts mehr zu verlieren habe... Nein, wir werden natuerlich angemessen vorsichtig sein, gleich bei Ankunft den Flug bestaetigen und uns die Bestaetigungsnummer ordentlich notieren, nicht nachts durch irgendwelche dunklen Gaesschen huepfen - also das fortfuehren, was wir bereits in den letzten 7 1/2 Wochen exerziert haben. Kein Grund also sich Sorgen zu machen! :-)
4月4日

Cuzco I

Samstagmorgen, 31.03., ging es also fast puenktlich um halb 8am in Arequipa los - 10 Stunden Fahrt nach Cuzco lagen vor uns (mindestens, man weiss ja nie was die Reifen so hergeben, wie oft man stehenbleiben muss, um Leute ein- oder auszuladen...). Wieder trennte eine Wand den Fahrer- vom Fahrgastraum ab, schade, sonst haetten wir von unserer ersten Reihe aus eine noch tollere Sicht gehabt. So hatten wir zumindest ein ziemlich grosses seitliches Fenster. Ueber den Gang neben uns sass ein Peruaner, der ganz konzentriert im "Kauderwelsch Peru" und einem Woerterbuch Deutsch-Spanisch las und uns schliesslich auch ansprach, da wir wohl offensichtlich deutsch waren (mit den grossen Tueten voller Proviant fuer die lange Fahrt - die Deutschen und ihre Vorsorge- und Planeigenschaft... von der er allerdings auch profitierte, da er naemlich nichts dabei hatte). Er hatte Tourismus studiert und war letztes Jahr fuer acht Monate in Deutschland, genauer in Bonn, gewesen, was er wohl total toll fand - obwohl die Maedchen alle so unromantisch waren (wollten sich keinen Stuhl unterschieben lassen oder gar ihre Rucksaecke selber tragen - was Unselbststaendigkeit mit Romantik zu tun hat ist mir zwar nach wie vor unklar, aber gut), Vermieter rassistisch (weil sie ihm sagten, dass die Wohnung schon vergeben sei, aber ein deutscher Freund von ihm sie spaeter fuer ihn bekommen hat) und Bahnkontrolleure ungebildet (er ist schwarz gefahren und hat dann erzaehlt, er wusste nicht, dass er ein Ticket brauchte, weil er aus Peru kommt, wo es nur Lamas und Alpacas gibt, sie ihm das "glaubten" - ziemlich kulant -, manche Leute trotz Deutschland als erster Welt nicht wussten, wo Peru lag etc.). Na ja, das sahen wir etwas anders. Ausserdem war er auch nicht sonderlich gut informiert, dafuer, dass er hier als guia arbeitet, denn er meinte, unter 25 US$ wuerden wir kein Hostel finden und die Fahrt nach Machu Picchu plus Eintritt fuer etwa 120 US$ waere ein guter Preis. Als wir gegen halb 6pm in Cuzco waren fanden wir ein zentrales Hostel mit Dachterrassenblick auf die Plaza de Armas, also den Hauptplatz mit der Cathedrale fuer 30 Soles (etwa 7,50) pro Nacht fuer uns beide und um schon mal kurz vorzugreifen: fuer die Fahrt von Ollantaytambo, welches eine weitere Inkaruine hat und wo man von Cuzco fuer etwa 1 US$ mit einem oeffentlichen Bus, von dort aus bezahlt man fuer die Fahrt nach Aguas Calientes (bei Machu Picchu) hin und zurueck 47 US$ und schliesslich als Student fuer den Eintritt nochmal etwa 20 US$ - somit waeren wir insgesamt bei 68 US$ (etwa 51 Euro) statt seinen mindestens 120 US$ - vielleicht sollten wir einen Infostand fuer Low Budget-Reisende aufmachen...  Jedenfalls waren wir nach der Fahrt - obwohl wir doch nur gesessen hatten - ziemlich kaputt. Draussen regnete es und somit gab es noch ne Avocado und dann nichts wie ab ins Bett. Man merkte ziemlich deutlich die Hoehe - Cuzco liegt immerhin auf 3326m -, es war naemlich um einiges kuehler hier als in den letzten Tagen. Die Betten hatten drei Wolldecken, aber Struempfe im Bett waren zum ersten Auftauen nicht zu verachten ;-)
 
Sonntag waren wir gut ausgeschlafen und machten uns erstmal an den Orgakram. Aber keine Hektik, erstmal in Ruhe fruehstuecken - und zwar ausgiebig. Vielleicht sollte ich das zu Hause auch oefter machen (zumindest Andre waere garantiert mit Begeisterung dabei). Es gab Ruehrei, Brot und Marmelade, Pfannkuchen mit Obst, Muesli, heisse Schokolade und Fruchtsaft - mjam! Gut gestaerkt konnten wir uns nun also an den Orgakram machen. Zunaechst gingen wir zur Bahnkartenverkaufsstation, wo man eine Nummer ziehen musste und dann, wenn man dran war, seine Zahl auf einem grossen Bildschirm lesen konnte - der helle Wahnsinn, wie organisiert! Wahrscheinlich ist dieses System gerade in der Hauptsaison Gold wert, jetzt, in der Nebensaison, war es einfach ueberraschend und nicht unpraktisch. Wir hatten uns vorher schon in der Touris-Info und im Lonely Planet informiert und wussten somit, was wir wollten - die Frage war nur noch, inwiefern in den angeblich immer ausgebuchten Zuegen zu einem Zeitpunkt, der uns passte noch Platz war. Wir wollten Tickets fuer Mittwochabend von Ollantaytambo aus (s.o.) kaufen und dann am Freitagmorgen zurueck fahren. Gar kein Problem, wir bekamen Platz 1 und 2 (die planenden Deutschen also mal wieder). Nicht richtig erfolgreich war dagegen bisher die Geldautomatensuche gewesen - wir konnten zwar abheben, aber immer nur kleine Betraege, was auf Grund von Abhebungsgebuehren natuerlich unpraktisch war. Aber nach einigem Suche wurden wir auch in dieser Hinsicht fuendig. Das lief ja wie am Schnuerchen. Unser naechster Weg fuehrte uns zum terminal terrestre, da wir uns schon mal um unsere Bustickets nach Lima kuemmern wollten. Bis zu unserem geplanten Abfahrtstag, dem naechsten Samstag, war zwar noch fast eine Woche Zeit, aber diese Woche ist nicht irgendeine Woche: es ist Semana santa, die Woche vor Ostern, in der hier lauter Prozessionen, Gottesdienste u.ae. stattfinden. Wohl die wichtigste Woche des Jahres. Aber auch hier schlug das Fungi-Law wieder zu: wir fanden ein Busunternehmen, dass uns fuer 70 Soles pro Person (etwa 17,50 Euro) in 20 Stunden von Cuzco nach Lima bringen wuerde. Unsere allerletzte grosse Fahrt dieser Reise war also auch geregelt. Perfekt! Nun konnte fast mit dem Cuzco-Kennenlernen angefangen werden. Aber zunaechst kauften wir im groessten Supermarkt der Stadt ein - eher enttaeuschend, dafuer waren die Broetchen die wir dort kauften mit Abstand die besten der letzten beiden Monate. Einkaeufe die steilen und bei Regen ziemlich rutschigen Stufen zum Hostel hoch bringen(der Name der Strasse und des Hostels - resbalosa - ist also Programm...) und los ziehen. Die Cathedrale war leider zu, ebenso dass Museo de Historia Regional (Sonntagsschlaf), daher gingen wir in die Iglesia de la Campañia, die der Cathedrale mal Konkurrenz gemacht hat und daher beschlossen wurde, dass sie dies nicht duerfte und man beim Bauen darauf achten sollte. Da war es aber schon zu spaet, und jetzt stehen an der Plaza de Armas in naechster Nachbarschaft zwei ziemlich protzige Kirchen. Toll an diesem Besuch war, dass man auf einen der Tuerme ein Stuckchen raufsteigen konnte, so dass man einen schoenen Blick ueber die Plaza de Armas hatte. Auf dieser war am Morgen schon ordentlich was losgewesen mit Militaerparaden und so, wohl um die Semana santa einzuleuten. Jetzt liefen nur noch die Touris und die Verkaeufer von Postkarten, Bildern, Finger- und groesseren Puppen in traditioneller Kleidung und weiterem artesanias-Kram auf der Plaza rum. Wir hatten auch noch voller Freude einen kleineren aber ueberzeugenderen Supermarkt an der Plaza gefunden, wo wir uns mit allem moeglichen und Schokoriegeln (die amerikanischen sind einfach ueberzeugender, als die lokalen) eindeckten. Dank der nachmittaeglichen Sonne und den hoeheren Temperaturen waren wir in Eislaune und fanden tatsaechlich einen Eisladen mit ziemlich leckerem Eis - vor allem das Minzeis war super, Schoki kann ja fast jeder halbwegs gut hinbekommen. Mit Eis machten wir uns auf den Weg zur Iglesia de Santo Domingo, die auf den Inkaruinen von Coricancha, einem ehemals goldenen Inkatempel, gebaut wurde. Nach der Eroberung Cuzcos der Spanier hatte Francisco Pizarro den Tempel seinem Bruder Juan geschenkt, der ihn dann den Dominikanern weitergeschenkt hat. Somit wurde aus dem Inkatempel eine dominikanische Kirche. Das Gold war natuerlich nach der Conquista nicht mehr an seinem Platz - wer es da wohl weggeholt und geschmolzen hat...? Heute wird zwar die Kirche nach wie vor genutzt, aber ausserdem gibt es eben ein Museum, in dem man die alten Inkamauern, die heute eine Symbiose mit dem Kolonialbau und einem modernen Glasdach bilden, bewundern kann. Es ist einfach unglaublich, wie genau die Inka Steine bearbeitet um dann aus ihnen perfekt-passgenau eine Mauer zu bauen - und zwar ohne Moertel versteht sich. Es war nun schon halb 6pm und nach einem Foto von einem einsturzgefaehrdeten Haus, dass mit Holzbalken fast kuenstlerisch gehalten wird, wurde noch einmal kurz ins Internet geschaut und dann ging es auch schon nach Hause, zum Abendessen und zum kalten Duschen (von wegen 24 Stunden heisses Wasser, was bei den abendlichen Aussentemperaturen schon ziemlich schoen gewesen waere - aber so haertet man eben ab).
 
Am Montag, dem 02.04., schliesslich legten wir das Kulturprogramm ein. Gestern war ja schon ein netter Einstieg gewesen, aber Cuzco hatte ja noch mehr zu bieten. Wir fingen mit der Cathedrale an der Plaza de armas an, in der der Erzbischof gerade eine Predigt hielt, die ueberraschenderweise gar nicht so schlecht war. Nicht nur "wir sind alle schlecht und schuldig" wie man es hier so oft hoert, nein, es ging um Liebe, vor allem Naechstenliebe, die wichtiger ist als Geld und sozialer Stand. Na ja, wenn man das hat ist es einfach zu sagen, dass es nicht wichtig ist, aber immerhin. Die Cathedrale an sich war schon beeindruckend. Die Baenke waren zur Seite geraeumt, so dass die Leute alle standen und ehr Platz war. Was ich toll fand, war die live-Musik. Es gab naemlich einen kleinen Chor, der zu Orgelmusik gesungen hat, was dann ueber die Lautsprecher ueberall zu hoeren war. Musik kommt hier sonst in der Kirche, nach dem was ich bisher so erlebt habe, ziemlich kurz. Vorne am Altar war auch schon der Señor de los temblores aufgestellt. Eine dunkelhaeutige Jesusfigur, die angeblich 1650 dafuer gesort hat, dass das Erdbeben aufhoert. Laut Lonely Planet, der ja doch manchmal einfach die Sachen auf den Punkt bringt, ist dies kein Wunder: schliesslich hoeren alle Erdbeben irgendwann mal auf, und wenn man lange genug betet und Prozessionen macht... Na ja, jeder soll glauben, was er will. Wir gingen weiter zur Tourist Info, um noch ein paar Dinge zu fragen und das Boleto Turistico zu erwerben, mit dem man hier in die meisten Museen und Inkaruinen rein kommt. Um dies gleich zu nutzen, gingen wir weiter zum Museo de la Historia Regional, das in dem ehemaligen Haus des interessanten Historiker und Mestizen Inka Garcilaso de la Vega eingerichtet ist. Das Museum bestand aus einigen praekolumbianischen Gegenstaenden und einigen Bildern der Escuela Cusqueña, DER Kunstrichtung hier in der Gegend. Europaeische, gerade natuerlich spanische Maler wurden imitiert und mit der traditionellen Inkakunst zu einem interessanten Hybrid zusammengefuehrt. Leider fanden wir trotz Suchens keinen guia, der uns mehr dazu erzaehlen konnte. Schade, wenn man mal einen guia braucht... Sonst bieten sich einem die ganze Zeit irgendwelche Menschen mit mehr oder weniger Wissen an, egal, was man besucht. Im naechsten Museum im Keller der Tourist-Info war das Museo de Arte popular, fuer das man wirklich keinen guia brauchte. Es war ganz nett, aber auch nicht mehr. Vor allem Plastiken der Weihnachtsgeschichte und des alltaeglichen Lebens in Peru und der Region waren zu sehen, die seit Jahrzehnten am Weihnachtstag auf der Plaza de armas verkauft werden. Nach einem Besuch der Hauptsouvenirstrasse und einer Baeckerei, deren gesamter Gewinn in ein Projekt fuer jugendliche Maedchen fliesst, setzten wir uns auf die Stufen vor der Cathedrale, assen und warteten darauf, dass DAS Semana santa - Event Cozcos losging: die Prozession des Señor de los Temblores. Wenn man sich in Cuzco auf oder an die Plaza de armas setzt muss man damit rechnen alle zwei Minuten von irgendwelchen Verkaeufern oder Bettlern angesprochen zu werden, was sich natuerlich anbietet, aber doch mit der Zeit nervig und anstrengend wird. Wir bekamen dort sitzten mit, dass die kleine Pressegruppe mal zu einem ankommenden Auto rannte, mal Richtung Hintereingang und sahen somit bestimmt ne Menge Prominenz - nur schade, dass wir keinen erkannten. Wir sind aber irgendwie schon auf der ganzen Reise immer dort, wo auch die Praesidenten des jeweiligen Landes sind: erst Evo Morales mit seinem Hubschrauber auf der Pujllay in Tarabuco in Bolivien, dann waren wir einen Tag nach dem Besuch der chilenischen Praesidentin in Arica und nun also Semana santa in Cuzco. Schliesslich postierte sich das Militaer und andere fahnentragenden Gruppen vor der Cathedrale und alle warteten darauf, dass der Bischof und der Señor de los Temblores, getragen auf einem Kreuz der Anden, aus der Cathedrale kommen und die Prozession losgehen wuerde. Aber ploetzlich entleerten sich die schwarzen Wolken und alle rannten los um sich unterzustellen. Nur Sarah und ich standen in Regenjacken mitten auf dem Platz und amuesierten uns ueber das vor dem Regen fluechtende Militaer. Schliesslich hatten die Regenueberwuerfeverkaeufer den Umsatz des Jahres gemacht und die Prozession ging trotz nicht ganz trockenen Wetters los. Das imposanteste war fuer mich aber nicht die eigentliche Prozession, sondern die aufmarschierten Muellmaenner- und frauen, die sich hinter der Prozession postiert hatten und schliesslich loslegten zu fegen, damit auch keine der ueber die Jesusfigur geworfenen Blueten die Strasse "verschmutzen" sollte. Die spinnen die Peruaner! Wir gingen schliesslich in die andere Richtung als die Prozession und sahen uns noch einige beeindruckende Imkamauern und einer kleinen Gasse an, bevor wir zum Museo de la Arte contemporanea weitergingen. Dort gab es zwar wirklich interessante Bilder, aber leider war kaum einer der Saele geoeffnet - wohl der Preis der Nebensaison. Aber es reichte jetzt auch mit Kunst und Kultur. Ich war ziemlich kaputt und kreislauf- und bauchtechnisch auch nicht so ganz fit und Sarah war auch fuer eine Verschnaufpause, so dass wir uns in eines der Cafes an der Plaza de armas setzten. Das tolle an diesen Cafes ist, dass sie im ersten Stock meistens einen Balkon haben, auf dem man sitzen und dem Treiben auf dem Platz zusehen kann. Ausserdem war hier die Musik gut und der Cafe wuerde schon seine aufputschende Wirkung bringen. Nach diesem kleinen Ausruhstopp ging es noch einmal in die artesanias-Geschaefte, die uns aber ueberhaupt nicht ueberzeugen konnten, so dass wir ziemlich direkt weiter ins Internetcafe und schliesslich zum Essen in eine Pizzeria zogen. Satt und zufrieden fielen wir also bald nach einem Blick ueber die Lichter der Stadt von der hosteleigenen Dachterrasse ins Bett.
 
Heute, Dienstag, dem 03.04. war mal wieder ein Tag zum fruehen Aufstehen. Der Regen der Nacht hatte zum Glueck aufgehoert, der Himmel war blau, und so zogen wir gegen 8am los zu den Bussen Richtung Pisac. Wir fuhren aber nur etwa 8km und stiegen dann bei Tambomachay, dem sogenannten Bad der Inkas, einer Ruine mit noch intakten Wasserabfluessen, aus. Als wir die ganzen Leute, die dies mit Touren machten, sahen, waren wir so froh ganz allein entscheiden zu koennen, wo wir lang gehen, wie lange wir stehen bleiben um zu gucken und Fotos zu machen und zu entscheiden, wann wir weiterziehen. Keine Tour mehr fuer uns! Schraeg gegenueber von Tambomachay liegt Puca Pucara, eine weitere Inkaruine, von der aus man einen tollen Blick ueber das Cuzco-Tal hat, den auch die Inka schon zum Spaehen und Jagen genutzt haben. Nach diesem Besuch gingen wir die Strasse in Richtung Cuzco entlang, bis wir rechts abbogen und bergab zur naechsten Ruine, der groessten und wichtigsten hier, Sacsayhuaman. Sie war sowohl von religioeser als auch von militaerischer Bedeutung. Die Inka bauten Cuzco in der Form eines Pumas, von dem Sacsayhuaman den Kopf darstellen sollte und die zickzackfoermigen Waende dessen Zaehne. Diese bildeten auch eine extrem effektive Verteidigungsmaschinerie. Ausserdem hatte man von oben auch einen tollen Blick ueber Cuzco und auf die grosse, weisse Jesusstatue auf dem Nebenhuegel - natuerlich nicht so gross wie die in Cochabamba, aber immerhin. Die letzte Ruine des Tages war Qenko, etwa eine Viertelstunde bergauf von Sacsayhuaman. Qenko heisst Zickzack, was sich auf die zickzackfoermigen Wasserabfluesse bezieht, die von runden Wasserauffangbehaeltern ausgehen. In den vielen Loechern, die das ganze etwas wie Schweizerkaese erscheinen lassen, haben die Inka die Konstellation der Sterne, die sich spiegelten, betrachtet und gedeutet. Ein Kettenverkaeufer sprach uns an, wollte uns aber eigentlich nur ein bisschen was zu dieser Ruine und zu Heilpflanzen erzaehlen, sich mit uns unterhalten, und war nicht auf Geld aus, was hier schon wirklich selten und mal ganz entspanend ist. Es war interessant und er wirklich nett. Schliesslich zeigte er uns einen kleinen Weg, auf dem wir wieder ins Zentrum von Cuzco kommen wuerden, was super war, weil es ja nicht so richtig spannend ist nur an der Strasse lang zu latschen. Somit waren wir gegen zwei, halb drei wieder in Cuzco und goennten uns erstmal ein grosses Eis in besagter Eisdiele, mit dem wir uns wieder vor die Cathedrale setzten. Es war naemlich ganz schoen warm geworden, und die Sonne hatte ziemlich gebrannt - man sollte eben die Hoehensonne (Tambomachay war immerhin auf 3750m gewesen) nie unterschaetzen, und ich bin mal wieder etwas verbrannt. Aber man soll ja auch naechste Woche Sonntag, wenn wir wieder in Deutschland landen, sehen, dass wir im Urlaub waren *grins*. Nach dieser kleinen Verschnaufpause gingen wir mal wieder in die Tourist Info und weiter zu einem Buero, wo man Eintrittskarten fuer Machu Picchu kaufen koennen sollte. Dort waren sie aber gerade in ausgedruckten Eintrittskarten ertrunken, so dass wir erstmal einkaufen gingen, anschliessend klappte auch der Ticketkauf. Eben die Sachen nach Hause bringen und wieder raus. Tja, und so sitze ich hier nun im Internet und bekomme langsam Hunger. Aber Sarah und ich sind ja gut organisiert, so dass das ziemlich guenstige vegetarische Restaurant gleich neben dem Internetcafe liegt ;-)
 
Morgen geht es nach Ollantaytambo, wo wir uns die Ruinen ansehen werden, und von wo wir abends nach Aguas Calientes weiterfahren werden. Das Hostel dort ist schon gebucht, die Karten fuer Machu Picchu fuer Donnerstag ebenfalls. Freitag werden wir wieder in Cuzco sein und schliesslich Samstag mit der Fahrt nach Lima starten - wo wir planmaessig am Ostersonntagvormittag ankommen werden. Ob der Osterhase wohl auch in Bussen Eier versteckt...??