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3月31日 Arequipa und UmgebungPuh, ist mir warm. Nein, kein Neid, draussen hat sich schon abgekuehlt, aber hier im Internetcafe direkt unter dem Dach ist die Luft etwas dicker... aber es ist schnell, und was will man mehr!
Nach wie vor sind wir in Arequipa und einfach begeistert von dieser schoenen, kleinen (vom Gefuehl her) - grossen (immerhin doch 750.000 Einwohner) Stadt auf 2325m - also eher tiefer gelegen, die Gute.
Wenn ich mich recht entsinne hatte mein Bericht mit letztem Montag, unserem Ankunftstag in Peru geendet. Nun ist also schon Dienstag, der 27.03. Nach dem tollen Erlebnis des Ausschlafens und einem gemuetlichen und ausfuehrlichen Fruehstueck im Innenhof unseres einfach tollen Hostels mit nur nettem, hilfsbereiten Personal, Duschen, die warm und kalt sind, wann man es moechte,... ich komme ins schwaermen. Wie gut, dass wir auf der Lonely Planet - Empfehlung bestanden haben und uns nicht vom Taxifahrer am Vortag einlullen liessen, der uns ja ein viel tolleres, billiegeres empfohlen... egal. Auf jeden Fall liefen wir nun also gut gesaettigt durch Wassermelone und Avocado-Broetchen zum terminal de buses, da wir auf jeden Fall das Highlight der Region, den Cañon del colca besuchen wollten, den einstmals tiefsten Cañon der Welt (ca. 3000m tief), der jetzt von einem seiner Nachbarn abgeloest wurde, der doch tatsaechlich noch 163m tiefer ist. Erstens sollte es dort landschaftlich sehr schoen sein, relativ untouristisch und toll zum Wandern und ausserdem ist das DER Ort zum Condore beobachten - die groessten Voegel der Welt und typische Andenbewohner, somit auch Landesvogel diverser suedamerikanischer Laender, wie z.B. Boliviens. Nun gut, also erstmal die grossen Tueten dreckiger Waesche zur lavanderia gebracht, kurz zur Post und dann auf zum terminal. Da dies ziemlich ausserhalb des Zentrums liegt, war schon dies eine kleine Wanderung - aber wenn wir eines moegen, dann ist es schliesslich laufen, laufen und nochmals laufen. Angekommen erfuhren wir, dass es zwei verschiedene terminales gibt, wir natuerlich zum falschen gelatscht waren, aber zum Glueck dass richtige direkt gegenueber lag. Dort gab es allerdings die schlechte Neuigkeit, dass der Bus, den wir nehmen wollten, naemlich um 6am nur bis Chivay, dem Anfangsort des cañons, und nicht bis Cabanaconde fahren sollte, wo wir eigentlich hin wollten, zwecks Condoraussichtspunkt (Cruz del condor). Aber besser bis Chivay als gar nicht zum cañon. Von da wuerden wir schon irgendwie weiter kommen. Nachdem wir auf dem Weg zurueck an der schicken medizinischen Hochschule vorbeigelaufen sind und tatsaechlich auch wieder auf irgendeinem Wege ins Zentrum gefunden hatten machten wir uns gleich an den zweiten Punkt des Tagesplanes: das Convento de Santa Catalina. Sauteurer Eintritt, aber angeblich der primaere Grund, warum ein Teil Arequipas ins Unesco Weltkulturerbe aufgenommen wurde. War auch wirklich eindrucksvoll, eine eigene Stadt. Zunaechst war es hier wohl ziemlich rund gegangen, bis 1870 irgendein hoher Glaubensmann vorbeikam und sich ueber das unzuechtige Verhalten aufregte, so dass er eine Aufpasserin hierher abstellte, die nun auf Zucht und Ordnung achtete, jede Nonne durfte z.B. nur noch eine Angestellte haben... Aber jede hatte im Prinzip ihr eigenes Apartment (von denen wir uns viiiiiiiele ansahen) mit Wohn-, Bet- und Kochraum, schick in blaub und rot mit vielen Blumen. So war das Leben also bis 1970 die Tueren fuer die Oeffentlichkeit aufgingen zwar beschraenkter und von jeglichem Kontakt nach aussen abgeschirmt, aber das Leben im Convento de Santa Teresa in Potosi schien uns doch deutlich haerter gewesen zu sein. Was ganz angenehm war, war die klassische Musik, die einen dezent begleitete. Und nicht zu vergessen die Dachterrasse, die jede Nonne hatte und ausserdem auch eine, die ueber der Kirche war und auf die man auch als Besucher kam. Diese Moeglichkeit nutzten wir gleich schamlos fuer ein Verschnaufen nach den ganzen "Zellen" (oder doch Apartments...?) und ein Picknick mit unserem unerschoepflichem Obstvorrat aus. Wir hatten es dann aber auch bald geschafft und machten uns hungrig auf die Suche nach etwas richtigem zu essen, was wir schliesslich in Form eines Restaurants mit dem klangvollen Namen "El Turko" fanden - vegetarische Doener, mjam! Nun war es auch schon spaeter Nachmittag und wir suchten, wie in jeder Stadt, eine gute Eisdiele. Wir fanden eine mit guten Waffeln, was schonmal ein grosses Plus ist, aber das Eis war zu viel fuer die kleinen Waffeln und auch nicht so super, wie z.B. das von DiMango in Arica, aber besser als nichts. Anschliessend das Uebliche: Supermarkt, Internet, Duschen und ab ins Bett. Am naechsten Morgen sollte es schliesslich frueh losgehen...
Tatsaechlich standen wir also mal wieder um 5am auf, verstauten unsere grossen Rucksaecke im deposito des Hostels, liessen uns vom Taxi zum terminal bringen und fuhren dann mit dem Bus nach Chivay. Die Fahrt bot mal wieder einiges an Natur. So fuhren wir beispielsweise an den Fernen Vulkanen, die Arequipa einsaeumen, in den ersten Sonnenstrahlen vorbei und direkt an einem schneebedeckten Gipfel entlang. Schliesslich ging es mal wieder in die Hoehe. Chivay liegt auf 3700m und Cabanaconde auf 3290m. Aber dahin mussten wir ja erstmal kommen. So nutzten wir die Klos am terminal von Chivay, assen die wohl schlechteste Plastik-Empanada, die wir auf der ganzen Reise gegessen haben und warteten zusammen mit zwei Franzosen auf den Bus nach Cabanaconde. Dieser kam gegen 10am und wir stiegen ein und freuten uns, dass so viele Leute ausstiegen. Leider stiegen die auch wieder ein, so dass wir den erwaehlten Platz raeumen und uns im Gang niederlassen mussten. Zum Glueck fuer meine Kreislauf- und Uebelkeitsprobleme wurden waehrend der Fahrt wieder Plaetze frei, was aber mein Wohlbefinden nur beschraenkt besserte. So war ich also ganz froh, als wir nach etwa 2 1/2 Stunden in Cabanaconde waren. Dort suchten wir uns ein Hostel und wurden schliesslich im Valle del fuego fuendig, wo wir zu zweit ein Zimmer mit vier Betten (die sich spaeter zum nasse Sachen drueber haengen als sehr praktisch erweisen sollten...) fuer gerade mal 20 Soles pro Nacht (2,50 Euro pro Person)belegten. Kurz die kleinen Rucksaecke umpacken und los - schliesslich waren wir ja nicht zum Vergnuegen hier ;-) Wir fragten also den Hosteltypen, mal wieder ein richtig netter, wie wir am besten den cañon runterwandern koennten. Er meinte, ob wir denn gut zu Fuss seien, da es schliesslich tief runtergeht, man fuer den Abstieg 2:30 Stunden und fuer den Wiederaufstieg mindestens 3:30 Stunden brauchen wuerde, es schon halb 1pm sei und man um 6:45 absolut nichts mehr sehen wuerde. Doch doch, das ist schon okay, wir muessen ja auch nicht ganz runter, keine Angst. Er brachte uns noch ein Stueck, damit wir uns nicht verlaufen ("Ach, ihr seid Deutsche, die sind starke Wanderer, im Bier sind schliesslich so viele Vitamine" - aeh, wir sind beide total unalkoholisch, aber ich glaube, an Vitaminen mangelt es uns als letztes...), erklaerte uns dann mehrmal, wo wir langlaufen muessten, mahnte nochmal vor der Dunkelheit und dann durften wir los. Wir sind also staendig in besorgten und guten Haenden. So liefen wir denn los, einfach einen geroelligen, sandigen Weg bergab, das konnte ja nicht falsch sein, schliesslich wollten wir nach unten. Etwa 1 1/2 Stunden liefen wir denn runter, unterbrochen von kleinen Fotopausen und uns ueberholenden Eseln mit antreibenden campesinos. Wir waren dann etwas weiter unten als zur Haelfte, hoerten den Fluss rauschen, und machten uns auf Grund fortgeschrittener Zeit wieder an den Aufstieg. Obwohl wir uns Zeit liessen waren wir, wie schon bei unserer Miniwanderung in Chulumani, fast in der gleichen Zeit wieder oben, in der wir runtergekraxelt sind. Wir sind schon ganz schoen fit, muss ich ja mal bemerken - Hoehentraining eben ;-) Wir waren im Endeffekt auch ganz froh, dass wir nicht die ganze helle Zeit bis Viertel vor 7pm ausgenutzt haben, denn die Wolken koennen auch ganz schoen die Sicht nehmen. Dies dachten wir uns, als wir hungrig und zufrieden in einem kleinen comedor an der Plaza sassen und man draussen nicht mehr zum naechsten Haus sehen konnte - und es war gerade mal etwa 5pm. Das Essen war ausgezeichnet - vor allem, weil es viel war. Spaghetti mit Fertigtomatensauce, aber extra vielen Zwiebeln reingebraten, dazu die obligatorischen Licuados (Banane mit Milch fuer Sarah und fuer mich den seit Guatemala geliebten Banane und Papaya mit Milch) - super! Draussen hatte es in der Zwischenzeit angefangen aus Kuebeln zu giessen, aber wir wollten den Regen nicht abwarten (eine Ende war auch nicht in Sicht), so dass wir die Kapuzen aufsetzten und losrannten. Eigentlich einmal ueber den Platz und zwei Bloecke weiter, aber nach den ersten Sekunden waren wir pitschnass, was durch die Strassen, auf denen zentimeterhoch das Wasser reissend rauschte, durch die wir aber dennoch durchmussten noch forciert wurde. Klatschnass kamen wir also im Restaurant, zu dem das Hostel gehoerte an und bestellten uns erstmal einen heissen Kakao, in dem tatsaechlich Kakao drin war - nicht unbedingt ein Selbstgaenger. Die Kroenung bildeten die gemuetlichen Sessel, auf denen wir uns niedergelassen hatten, das sanfte Kerzenlicht, das nur bedingt erhellend war, der an die Fensterscheiben klopfende Regen - und ein super-sonder Pfannkuchen mit Erdbeermarmelade. Einzig die nassen Klamotten waren etwas stoerend. Nachdem wir uns noch laenger mit dem Hosteltypen ueber die besten Plaetze in Peru unterhalten und ihm eine kleine medizinische Infostunde gegeben hatten ("Was ist besser fuer den Koerper: Alkohol trinken oder Marihuana rauchen?") rannten wir noch einmal durch den Regen einen Block weiter zum Hostel, wo wir die nassen Klamotten zum trocknen auf die freien Betten legten (aha!) und uns in die Decken kuschelten. Das half allerdings nichts, so dass wir uns waehrend der Nacht immer mehr wieder anzogen. Mit dem Schlafen wurde es also dank eiskalter Haende und Fuesse nicht so richtig was.
Somit war es kein Problem am naechsten Morgen gegen Viertel nach 5am aufzustehen - schliesslich wollten wir den Sonnenaufgang sehen. Also raus in die Morgenkaelte und zu einem Aussichtspunkt, wo man den Sonnenaufgang laut Hosteltyp ganz toll sehen koennen sollte. Waer ja bestimmt auch so gewesen, wenn es nicht so bewoelkt gewesen waere. Na ja, aber morgens draussen rumzurennen ist auch so toll - anschliessend nochmal zum Aufwaermen wieder ins Bett zu gehen aber auch. Fuer das Aufwaermen von innen gingen wir gegen halb 9am ins Restaurant nebenan, wo es fuer hungrige Reisende eine grosse Portion Ruehrei mit Broetchen und noch einen Pfannkuchen mit Erdbeermamelade gab - mjam! Dann ab zum Aussichtspunkt, an dem wir morgens schon waren, und noch ein Stueckchen weiter mit Blick direkt den cañon runter. Eigentlich wollten wir ja die 10km zum Cruz del condor wandern um dort die Condore zu beobachten, aber der Hosteltyp hatte gemeint, dass der Weg total schlammig und nicht schoen zu gehen sei, man aber vom mirador aus auch eine groessere Chance haette diese eindrucksvollen Tiere zu erblicken. Sie stehen naemlich total auf termische Aufwinde, die gerade wegen der kuehleren Temperaturen spaerlicher waeren, aber eher am mirador vorkaemen. Also gut, wir lassen uns ja gerne gute Tipps geben. Auf einem Stein mit super Blick ueber den cañon liessen wir uns von der Sonne aufwaermen und genossen die Ruhe. Kein einziger Touri war ausser uns hier. An diesem Morgen hatte uns der Hosteltyp erzaehlt, dass ein Freund von ihm ganz frueh am Cruz del condor war, aber es dort dermassen neblig gewesen sei, dass man weder Condore noch sonst was sehen koennte. Also gut, wir hatten einen super Blick, die Wolken, die aus dem cañon aufstiegen verhiessen zumindest Aufwinde - also warten. Wir sahen viele Schwalben, aber keine Condore. Bis halb 11am gaben wir ihnen eine Chance, dann wollten wir zum Bus. Wir rechneten eigentlich schon gar nicht mehr damit und waren auch eher semi-aufmerksam, als ich ploetzlich einen weissen Schleier von rechts kommend auf uns zu schweben sah. Aufgeregt machte ich Sarah darauf aufmerksam und tatsaechlich: ein Condor! Riesig mit seinen ausgebreiteten Schwingen flog er direkt vor uns laengs durch den cañon. Die Fluegelspannweite kann bis zu 3m betragen und so wirkte es auch. Dann kam ein zweiter und schliesslich ein Junges, dass vor uns einige Kreise zog und dann wohl zurueckflog. So schnell wie wir wollten konnten wir leider mit den Fotoapparaten nicht reagieren, so dass die Fotos wohl eher maessig werden und jeden Vogel darstellen koennten - aber es waren Condore!! Leider gefiel es den Alten wohl in der Ferne links besser als bei uns, so dass wir nach einigen Minuten aufgaben - immerhin hatten wir sie gesehen, im Gegensatz zu vielen, mit denen wir geredet hatten. Das Fungi-Law - der Gegensatz von Murphies-Law, das uns auf unserer Reise schon oft zur Hilfe geeilt ist. Toll!! Ich hatte morgens bei den Busgesellschaften nach Moeglichkeiten gefragt, wie wir nach Arequipa kommen koennten, aber angeblich war alles ausgebucht. Wir gingen einfach trotzdem Viertel vor 11am zur Plaza, wo uns ein deutscher Touri ansprach und meinte, dass der Bus, der um 11am fahren sollte wohl bei Chivay verreckt sei und er und einige andere nun hinten auf einem kleinen LKW auf der Ladeflaeche mitfahren wuerden. Da waer sicher noch Platz. Ist doch super, Hauptsache wir kommen heute wieder nach Arequipa. Somit fuhren wir beide mit vier Franzosen und dem anderen Deutschen auf der mit einer Plane abgedeckten Ladeflaeche eines kleinen LKWs, der ausser uns in einer Affenhitze Getraenke und Joghurt (natuerlich ungekuehlt) transportierte. Die Fahrt dauerte etwa zwei Stunden und fahr ganz vergnueglich - auch wenn wir keine Ahnung, wo wir waren, denn schliesslich konnten wir nicht nach draussen sehen. Aber: No risk, no fun. Im Endeffekt kamen wir nach einer ruckeligen Fahrt in Chivay an und wurden auch schliesslich rausgelassen - nachdem der Fahrer unauffaellig an einigen Polizeifahrzeugen vorbeigefahren war, denen er lieber nichts von seiner zusaetzliche Fracht zeigen wollte. Ab zum terminal, wo wir Tickets fuer den naechsten Bus kaufen, noch ein bisschen rumsitzen und die superleckeren Hershey-Riegel geniessen (auch Quaker's Muesliriegel sind nicht zu verachten) - suedamerikanische Schoki ist nicht immer zu empfehlen (ich habe wirklich viel probiert, aber ein Asche-Nachgeschmack oder aehnliches sind dann doch nicht so mein Fall) - und schliesslich ab in den Bus. Puenktlich zur Abfahrt faengt es an zu Regnen, draussen sieht man kaum noch was, da auch die Wolken wieder tiefer haengen, und somit "erfreue" ich mich eher am Film ("Black Hawk Down"). Das einzig spannende an der Fahrt ist, dass wir bei einem Bus halten, der in einen Graben gefahren ist, versuchen, ihn rauszusiehen, aber nach dem Reissen des Stahlseils aufgeben. Trotzdem dauert die Fahrt extrem lange und ich bin unheimlich kaputt. Eine Abwechslung bietet auch die Verkaeuferin, die uns im Bus mit einem heissen Maiskolben und einem Stueck Kase versorgt, aber irgendwie ist mein Bauch gerade nicht so ganz in Ordnung, so dass mir hinterher eher noch etwas unwohler ist. Aber schliesslich, gegen 8pm, also nach einer Reise von neun Stunden, sind wir endlich in Arequipa, sozusagen zu Hause, denn diese sympathische Stadt haben wir sofort adoptiert. Noch schnell ein Ticket fuer die Fahrt nach Cozco am Samstag gekauft und ab ins Taxi Richtung Zentrum. In dem kaputten Zustand, in welchem ich mich befinde, habe ich auch keine Lust auf Small-Talk mit dem Fahrer, der uns eigentlich auch nur ein anderes Hostel andrehen will, dem ich aber ziemlich deutlich sage, dass er uns einfach dorthin bringen soll, wo wir hinwollen, und dass dann alles Bestens ist. Beleidigt berechnet er uns auch gleich fast das Doppelte des eigentlichen Preises, da bringt auch unsere Bescherde nichts, dass wir nicht das erste Mal diese Strecke fahren und den richtigen Preis wuessten. So ein A... Ach, wie schoen ist es dagegen wieder in unserem netten, tollen Hostel zu sein, das unser Zimmer freigehalten hat, und sofort mit den grossen Rucksaecken hilft etc. Kaputt gibts fuer mich dann noch eine Dusche und dann nur noch das Bett. Endlich!!
Heute, Freitag, dem 30.04., war unser letzter richtiger Tag in Arequipa. Diesen nutzten wir zum Entspannen und Urlaubmachen. Zunaechst wachten wir frueh auf und gingen dann gegen 8am los zu einem Vorort von Arequipa, Yanahuara, wo wir den im Lonely Planet angekuendigten und gepriesenen mirador mit toller Sicht auf El Misti und die anderen Vulkane besuchen wollten. Na ja, wir fanden auch den Platz auf dem er sich befinden sollte und ebenso die Kirche, die nach ihrem Bau zunaechst abbrannte, dann einem Erdbeben zum Opfer fiel, und immer wieder aufgebaut wurde, ganz schick, neben einem Park mit Palmen, aber einen Turm mit toller Aussicht, nein, den kannte hierk einer. Trotzdem sahen wir die Vulkane neben uns und Arequipa von oben ganz gut, gingen dann auf eine Brueck zurueck, wo der Blick noch besser war und wieder runter ins Zentrum von Arequipa. Dort war gerade Gottesdienst in der Catedrale an der Plaza de Armas, dem Hauptplatz also - endlich mal die Gelegenheit sie von innen zu sehen, da sie sonst meinstens geschlossen war. Die Catedrale von aussen ist schon eindrucksvoll, da sie die einzige Catedrale in Peru ist, die die Laenge eines ganzen Blockes hat. Wir setzten uns in eine der Baenke im hinteren Teil der Kirche und liessen sie auf uns wirken. Kirchen sind einfach beeindruckende Bauwerke, gefallen mir aber deutlich besser, wenn nicht der Pfarrer vorne erzaehlt, wie schlecht wir doch alle sind... Was an dieser Catedrale aber meiner Meinung nach das beeindruckendste ist, ist ihre Internationalitaet. Der grosse haengende Leuchter ueber dem Altar ist aus Spanien, die Orgel, die die groesste in ganz Suedamerika sein soll, ist aus Belgien etc. Nach diesem geistigen Futter gab es koerperliches: Eis, sozusagen zum Fruehstueck. Und zwar in einem anderen Eisladen, der grosse Waffeln und extrem leckeres, recht unsuesses Eis hatte. Damit setzten wir uns in die Sonne, auf die Stufen vor der Catedrale, wollten waerenddessen weder Sonnenbrillen noch Handyhuellen kaufen, was wir den fleissigen Verkaeufern schnell klarmachen konnten. Nein, und bitte auch keine Heiligenbilder angepinnt bekommen und hinterher dafuer zur Kasse gebeten werden, hierbei musste man schon etwas rabiater werden, weil die Frauen einem sofort mit gezueckter Nadel am T-Shirt hingen. Aber da sind wir nun mal gnadenlos und voellig ohne Mitleid. Nach dem Eis wollte Sarah mit ihrem Freund telefonieren und ich legte somit eine fruehe Internetsession ein. Auf dem Weg zum Internet fiel mir ein 20 Soles - Schein aus der Hosentasche, die mir ein netter Peruaner rufend hinterherbrachte. Er ging aber auch gleich ran, wollte mein e-mail-Adresse, gab mir schliesslich seine "Karte" (einen Fetzen Papier), auf dem stand, dass er Angestellte suchte. Wenn ich also Interesse haette... Er haette eine internationale Firma (wofuer auch immer), wuerde Geschaefte mit Russland etc. machen. Ah ja, okay - und tschuess. Nach Internet bzw. Telefonat war uns nach Mittagessen, so dass wir eines der vegetarischen Restaurants aus dem Lonely Planet (manchmal ist er doch ganz schoen gut) ausuchten, wo wir endlich mal richtig gut gewuerztes Essen bekamen. Einen tollen Salat, Reisgerichte mit Tofu, Gemuese, teils scharf, teils suess-sauer, Licuados... Urlaub!! Danach der Einkauf im Super, ein Besuch in der Baeckerei "Las Americas", die gerade einen Preis gewonnen hat - und diesen zumindest fuer den Apfelkuchen auch verdient hat - und fanden tatsaechlich ein Cafe, das uns Coffee to go verkaufte, mit dem wir uns dann wieder auf unseren Stammplatz, die Stufen vor der Catedrale, setzten und somit ein gepflegtes Kaffee und Kuchen - Paeuschen einlegten. Unterhalten wurden wir dabei zunaechst von einem Peruaner, der fuer ein Kinderprojekt sammelte und dabei auch Erfolg hatte, weil er es einfach nett rueberbrachte und sich auch hinterher noch nett mit uns unterhielt und einem anderen, der uns fuer abends zu einem Event auf die Plaza einlud, wo wir mehr ueber die Kultur der Inka erfahren wuerden, zu einem heiligen Platz gehen etc. - und alles fuer umsonst! Mehr Eifer legte er allerdings an den Tag, als er seine Deutschkenntnisse auspackte und mehr lernen wollte. War ja auch ganz nett - aber wir wollten doch nur in Ruhe Kaffeetrinken und Kuchenessen... Da es hinteher schon relativ spaet war und wir frueh ins Bett wollten (morgen gehts schliesslich wieder frueh los) gingen wir anschliessend direkt ins Internet - schliesslich war mal wieder ein Blogeintrag faellig. Dieser hier schliesst naemlich mit Arequipa ab, da es morgen frueh um 7:15am nach Cuzco geht. Die Fahrt dauert zwischen 10 und 12 Stunden - hoffen wir 10... Cuzco soll toll sein, sagen uns alle Leute, mit denen wir sprechen. Nicht nur wegen Machu Picchu, sondern auch sonst. Unser Hosteltyp in Arequipa meinte, 10 Tage seien Minimum. Mal sehen... 3月27日 Nachtrag Chile - erster Tag in PeruEinen schoenen guten Abend,
kaputt und eine Stunde weiter zurueck (innersuedamerikanischer Zeitzonenwechsel vollzogen) sitze ich in einem peruanischen Internetcafé bei guter Musik, schnellem Internet und ohne Raucher - das muss doch gleich genutzt werden und Chile noch zu einem ordentlichen Ende gebracht werden. In dem Internet in Arica musste man im Vorherein sagen wie lange man im Netz sein wollte und dafuer bezahlen - war die Zeit abgelaufen ging einfach der PC aus (aeusserst gefaehrlich, wenn man sein Geschriebenes nicht immer wieder speicherte...).
Die Hektik lohnte sich gestern aber, da wir puenktlich zum Sonnenuntergang am Wasser waren und ihn mit davor rumfliegenden Moewen, Kormoranen und Pelikanen geniessen konnten. Was mich in Arica neben Sonnenuntergang, Meer und Entspannung besonders begeisterte, waren die Autofahrer: sahen sie einen an der Strasse stehen, hielten sie sofort an und liessen einen ruebergehen. Egal ob kleines Auto oder grosser Bus - da waren alle gleich. Dies war natuerlich nach den letzten Wochen, in denen wir immer wieder kleine Sprints von Buergersteig zu Buergersteig eingelegt hatten, Ampeln und Zebrastreifen eigentlich eher Zier waren, sehr positiv ueberraschend. In Chile gab es, wie auch schon in Bolivien, Unmengen zumeist gut aussehender Strassenhunde, die sich nur unter sich kabbelten und uns voellig uninteressant fanden. Man hatte nie Angst, dass sie einem unangenehm nahe kommen koennten.
Heute Morgen schliesslich, also Montag, dem 26.03., standen wir frueh auf, naemlich schon um halb 7am und waren puenktlich um 7:15 vor der Tuer, wo uns das Auto, dass uns auf unserem Weg nach Arequipa bis nach Tacna, also ueber die Grenze bringen sollte, abholen wollte. Tatsaechlich rief das Busunternehmen kurz nach halb 7 im Hostel an um zu sagen, dass es gleich kommen wuerde. Chilenen sind schon ganz schoen puenktlich. Kurze Zeit spaeter kam auch ein Taxi, dass uns versicherte von der Busgesellschaft, bei der wir die Tickets gekauft hatten, arrangiert worden zu sein uns abzuholen. Etwas misstrauisch stiegen wir ein, aber tatsaechlich brachte es zum internationalen Teil des terminals von Arica. Dort mussten wir peruanische migracións-Papiere ausfuellen und dann beim Auto auf dein Fahrer warten, der, nachdem er drei weitere Passagiere eingesammelt hatte, zurueckkam und wir losfuhren. Die Grenze war voellig unspektakulaer - vor allem der peruanische Stempel, auf dem man nicht mal den Laendernamen erkennen kann. Brav schmissen wir wieder Moehren und Brot weg, dam an es nicht ueber die Grenze bringen durfte, aber im Gegensatz zur Einreise interessierte sich niemand fuer unsere Rucksaecke - nicht einmal der Mann am Roentgengeraet, wo die Rucksaecke durchfuhren, denn er las lieber Zeitung als auf den Monitor zu schauen. Herzlich Willkommen in Peru! Schon in Tacna merkten wir, dass wir uns hier deutlich wohler fuehlten, als in Chile. Mit den vielen Strassenstaenden und den emsigen Maiskolben- und Empanadaverkaeufern, die durch den Bus liefen erinnerte es viel mehr an Bolivien. Durch zumeist trockene Sand- und Steinwuesten, unterbrochen von gruenen Oasen mit Feldern und Vacas ("vatas", wie das kleine Kind neben mir immer schrie) fuhren wir also nach dem Umsteigen vom Auto in den Pullmann-Bus in Tacna weiter nach Arequipa, wo wir gegen 3pm (peruanischer Zeit) ankamen, uns ein Taxi ins Zentrum schnappten, dass uns trotz der Beteuerung, dass es doch an der Plaza auch ganz tolle und gar nicht so teure Unterkuenfte gaebe (Provision laesst gruessen...) zu dem von uns aus dem Lonely Planet ausgewaehlten Hotel Tito brachte, dessen Preis der Taxifahrer gar nicht glauben konnte, aber eines besseren belehrt wurde. Fuer ein geraeumiges Doppelzimmer mit Waschbecken und einem super netten und informierten Peruaner an der Rezeption bezahlen wir pro Person pro Nacht 10 Sol (1 Euro ist etwas weniger als 4 Sol, also 10 Sol ca. 2,50 Euro - wieder eine neue Waehrung, damit es auch nicht langweilig wird und unsere Gehirne nicht unterfordert einstauben). Schnell Geld abheben und ganz schnell was zu Essen finden! Schliesslich hatten wir uns waehrend der Busfahrt mit Maiskolben, Erdnuessen und Bonbons aufrechtgehalten, da wir ja nichts ueber die Grenze bringen durften und wir ausserdem noch keine Sols hatten. Wir waehlten ein italienisches Restaurant aus, dessen Pizza zwar super war, aber uns nur ueber den groessten Hunger hinweghalf. Zumindest war genug Energie getankt und die unhoefliche und semi-informierte Touri-Info zu besuchen, den Supermarkt zu pluendern, eine Baeckerei und grosse Wasserflaschen zu suchen und schliesslich hier im Internetcafé zu landen. Wir sind froh und gluecklich wieder in einem etwas chaotischeren Land mit mehr deutlicher Lebensfreude zu sein. Natuerlich haben wir kaum etwas von Chile gesehen, zugegeben, und Arica war toll und entspannend - aber Bolivien und Peru sind schon vom ersten Eindruck und auf den zweiten Blick sowieso einfach entspannter, bunter und lebendiger. Ausserdem stresst hier der Blick aufs Konto nicht so wie in Chile. Torres del paine will ich auf jeden Fall eines Tages noch mal sehen, aber gerade ist mir das Chaos lieber als puenktliche, klimatisierte Buse. Es gibt da aber auch andere Stimmen: An unserem ersten Abend in Arica lernten wir zwei junge Industriekaufmaenner kenne, die gekuendigt hatten und nun mit einem around-the-world-ticket unterwegs waren. Der eine war relativ ruhig und auch sympatischer - aber wie konnte er es nur mit dem anderen aushalten?? Solche furchtbaren Typen habe ich selten kennengelernt. Sie waren an etwa den gleichen Orten wie wir, waren allerdings in Buenos Aires gestartet und erst seit einem Monat unterwegs von vier geplanten. Am besten hat dem A... San Pedro de Atacama gefallen. Na gut, wo die Liebe hinfaellt... Also wir meinten, dass uns das zu touriueberladen gewesen war, guckte er wie ein Auto - ebenso als wir auf die Frage nach unserem Studienfach Medizin antworteten (tja, der Sowi-Stempel broeckelte). Nee, Bolivien war ja furchtbar. Da hat ihm doch glatt mal ein Kind an die Hosentasche gefasst. Auf unseren Hinweis, dass man eben auf seine Sachen aufpassen muss, wenn man in ein Land reist, in dem man einer der reichsten ist, meinte er, das haette damit nichts zu tun, es sei einfach eine Frage des Anstands. Anstand siegt also ueber den Hunger, ah ja. Als er meinte, dass die Fahrt mit dem Fahrrad die gefaehrlichste Strasse der Welt runter (Coroico nach La Paz) und uns fragte, ob wir das auch gemacht haetten, wir dies verneinten, stichelte er nur "klar, zu touristisch". Ausserdem sah er uns nichts richtig an, sass in einer derartig abschaetzigen Haltung neben uns, halb abgewandt, obwohl er es war, der uns angesprochen hatte, dass wir und ziemlich Luft machen mussten, als die beiden endlich weg waren. Boa, solche Bloedmaenner!! Na dann ab nach Suedafrika, vielleicht haben die Kinder da ja mehr Anstand...
Wir werden auf jeden Fall einige Tage hier in der Gegend bleiben - auch wenn unser Hostelberaterfreund meinte, dass wir fuer Cuzco 10 Tage einplanen sollten. Wir sind ja nicht im Stress, fast drei Wochen sind noch uebrig von den urspruenglich 8 1/2. Die werden wir schon zu nutzen wissen :-) 3月25日 Chau Bolivia - Hola Chile(24.03.07 gegen 7pm chilenischer Zeit)
Hallo ihr Lieben, jetzt sitzen wir in einem billigen, aber Raucher-Internetcafé - kleine Opfer muss man eben bringen. In welcher Stadt sich dieses befindet werdet ihr nach aufmerksamem Studium dieses Eintrags erfahren. Also brav lesen ;-)
Den letzte Eintrag habe ich ja in Sucre fabriziert, am letzten Sonntag, also vor fast einer Woche. Was seit dem alles passiert ist...
Montag, dem 19.03., fuhren wir wie geplant von Sucre nach Uyuni. Wir waren in deutscher Puenktlichkeit natuerlich viel zu frueh am terminal de buses, naemlich schon um 6am, weil der Bus um 7am fahren sollte und man eine halbe Stunde vorher da sein sollte. Irgendwann gegen halb 8am ging dann die Fahrt auch tatsaechlich los und wir, gluecklich darueber, dass die Rucksaecke doch unten im Bus und nicht oben drauf Platz gefunden hatten, blickten voller Zuversicht auf die naechsten Reisetage. Der erste Teil der Reise nach Potosí, wo wir umsteigen mussten, war einfach wunderbar: ausgetrocknete Flussbetten mit z.T. mittelalterlich wirkenden Tuermen am Rand, ueber die wohl einst Bruecken drueber fuehrten, gruene Huegel, Abgruende - Boliviens Natur schafft es also mal wieder uns zu begeistern. In Potosí, wo wir kurz vor 11am ankamen hetzten wir (nach wie vor gut an die immerhin 4070m angepasst) einige Blocks hoch, wo unser Bus nach Uyuni abfahren sollte - um 11am! Angekommen erfuhren wir, dass er doch erst um 1:30pm fahren sollte, so dass wir die verbleibende Zeit fuer einen Besuch auf dem Aussichtspunkt nutzen konnten - also doch noch Fotos von Potosí bei Sonnenschein, mal wieder Glueck gehabt (wie eigentlich schon auf der ganzen Reise!). Gegen 1pm verliessen wir Potosí schliesslich endgueltig und fuhren durch eine wieder ganz andere und ebenfalls einfach atemberaubend schoene Landschaft mit schroffen Felsen, Sandwueste, gruenen Oasen mit Lamas und Vicuñas und durch und vorbei an Lehmhaeusern und -doerfern nach Uyuni, wo wir gegen halb 7pm ankamen. Darueber war ich im Endeffekt auch ganz froh, da die letzte Strecke doch recht kurvig gewesen war, und es mir dank zugezogener Gardinen und wie ueblich einer Wand, die den Fahrgast- vom Fahrerraum abgrenzt, nicht moeglich gewesen war Kurven vorauszusehen oder mich draussen zu orientieren und mein Gleichgewichtssinn dies nicht so toll fand - kurz: mir war ganz schoen schlecht. In Uyuni mieteten wir uns gleich im Hostal El Salvador ein, was uns Roberto empfohlen hatte. Der Preis und das Zimmer waren auch super - leider gab es aber kein Wasser, welches aber am naechsten Morgen zum Duschen funktionieren sollte. Auch gut. Anschliessend gingen wir nach nebenan, wo Copacabana Travel, die Agentur von Robertos Schwester, lag, bei der wir uns sofort fuer die Tour, die am naechsten Tag mit Roberto als guía beginnen sollte. Kurz Geld abheben, bezahlen und endlich was essen! Das Warten hatte sich aber eindeutig gelohnt, denn es gab einen Salat und eine riesen Portion Spaghetti mit superleckerer Tomaten-Gemuese-Sauce, dazu ein Papaya-Licuado - mjam! Satt und zufrieden ging es also zurueck in Hostel, wo wir das erste Mal wie so viele andere Touris die Wasserflasche zum Zaehneputzen mit ins Bad nahmen - es gab ja kein andere Wasser.
Am naechsten Morgen wachten wir wie gewohnt frueh auf, in freudiger Erwartung auf eine reinigende Dusche - aber es gab nach wie vor kein Wasser. Ab 9am war die Aussage der Hostelbetreiber. Okay, also erstmal fruehstuecken. Das war einfach gesagt, aber schwieriger als gedacht - schliesslich war es erst kurz vor 8am und kein comedor hatte geoeffnet. Also erstmal eine Notfallration Mueslikekse und Wasser kaufen und schliesslich doch fuendig werden. Die Speisekarte hoert sich lecker an und wird von oben bis unten bestellt. Allerdings bezog sich wohl die Oeffnungszeit von 7am wohl wirklich nur aufs Oeffnen - das Fruehstueck kam naemlich etwa eine Stunde nach der Bestellung an, nachdem die Bedienung nochmal gefragt hatte, was wir wollten (fuenf Minuten bevor das Fruehstueck dann endlich kam). Wir sassen etwas auf heissen Kohlen, weil das deutsche Puenktlichkeitsempfinden doch nicht so schnell klein zu bekommen ist und wir fuer spaetestens 9am mit Roberto zum Ausreisestempel abholen verabredet waren. Natuerlich war das im Endeffekt alles kein Problem, wir hetzten zum Buero, fanden dort die voellig entspannte Schwester Robertos vor, die uns zur migarción brachte (die fast direkt neben unserem Fruehstuecksort war - Schicksal), wo wir voellig problemlos den Ausreisestempel fuer den uebernaechsten Tag, also den 22.03., den letzten Tag der Tour, erhielten. Bei der migración trafen wir auch Roberto und Yovanna wieder, die uns gutgelaunt begruessten. Wir liefen dann noch etwas in Uyuni rum (wofuer man nicht viel Zeit braucht, besteht hauptsaechlich aus Hostels, Agenturen und Pizzerias) und gingen schliesslich in unser Hostel zuruek um endlich zu duschen. Auf unser Fragen stellte der Besitzer auch tatsaechlich das Wasser an - aber jede nur 3 Minuten! Ja, okay, reicht uns ja - aber danach war das Wasser auch tatsaechlich wieder aus, schade, Zaehneputzen mit Wasser waere schon was gewesen... Ab ins Buero von Robertos Schwester, wo wir einen Teil unserer Mitreisenden, zwei Chilenen aus Valparaiso, kennenlernen. Den Rest, zwei Kolumbianerinnen, die Roberto mit ihrer dunklen Hautfarbe immer wieder begeistern koennen, lernen wir dann im Auto kennen. Mit zu unserer Gruppe gehoert der Fahrer, natuerlich Roberto, fuer Yovanna ist wegen der grossen Gruppe kein Platz mehr, sie bleibt also bei Robertos Schwester María und unser Fahrer ist auch noch der Koch. Rein in den 4WD, unsere Rucksaecke sicher in eine Plane gepackt aufs Dach und ab geht die Fahrt. Zunaechst zum cementerio de trenes, wo alte ausrangierte Zuege stehen, da sie seit 1970 nicht mehr fuer den Transport von Personen und Metallen zwischen Calama (Chile) und Villazón (Argentinien) gebraucht werden, die Strecke liegt jetzt also brach. Dann nochmal kurz zurueck, Wasser vergessen, und weiter nach Colchani - kurze Unterbrechung wegen plattem Reifen, der geschwind vom Fahrer gewechselt wird -, einem Dorf am Rande des Salar de Uyuni, der mit 11.000 qkm groessten Salzwueste der Welt und natuerlich der hoechsten. Dieses Dorf lebt allein vom Salz. Es wird zunaechst in der salar auf Huegel zum ersten Trocknen gehaeuft, dann mit LKWs nach Colchani gebracht, wo es weiter getrocknet und schliesslich eingetuetet und verkauft wird. Es gibt zwei Entstehungsgeschichten der salar - die legendaere wird im kleinen Salzmuseum, bestehend aus zwei kleinen Raeumen mit grossen Salzstatuen dargestellt: die Berge, die man um die salar sieht, waren einst zwei Maenner, die in die gleiche Frau, einen grossen Berg im salar, verliebt waren. Natuerlich konnte sie nur einer haben, sie bekamen ein Kind, welches aber vom anderen Mann aus Eifersucht entfuehrt wurde. Aus Trauer darum flossen Milch und Traenen aus der Frau, die zusammen die salar bildeten. Geographisch gesehen war die salar mal ein See, der verdunstete und nur das Salz ueberliess. Es kann also jeder glauben, was er moechte, die Legende ist auf jeden Fall eine plausible Begruendung, oder? ;-) Weiter ging es nun endlich durch die salar, die z.T. noch ueberflutet ist, so dass sich alles in ihr wie in einem Spiegel spiegelt, ein ziemlich beeindruckender aber unwirklicher Anblick, z.T. ist sie voellig trocken, so dass sich nichts spiegelt, sondern sie eine riesige, schneeweisse Flaeche mit wabenfoermigem Boden bildet. Beides fuer sich toll - und wir hatten das Glueck, beides sehen zu koennen! Wir hielten beim Hotel del sal mitten in der salar, dass wirklich ganz aus Salz ist. Kann man sich schlecht vorstellen, aber das trockene Salz der tieferen Schichten ist so gepresst, dass man es in Bloecken abbauen und zu allem bauen kann, was man moechte: Tische, Stuehle, Figuren, Kerzenstaender... Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Eigentlich sollte es nur ein kurzer Stopp werden, aber unser Fahrer wollte nicht ohne Reservereifen weiter fahren, was natuerlich fuer ihn sprach, aber es dauerte doch ziemlich lange, bis die zwei (sicher ist sicher) Reservereifen aus Uyuni ankamen und wir weiter fahren konnten. So hatten wir die Gelegenheit viele Fotos zu machen und ein Paar kennenzulernen, dass gerade auf seiner Fahrradreise durch Amerika in der salar rumgefahren war, was wohl waehrend den nassen Strecken nicht wirklich angenehm war - auf den trockenen kann man mit dem Auto 100km/h fahren, weil es ein voellig ebener Boden ist. Da kann man auch mal ne Runde beim Telefonieren fuer den besseren Empfang mit dem Kopf fast unter der Armatur verschwinden und nicht nach vorne gucken, sondern fuer die Konzentration lieber nach unten, wie unser Fahrer, denn Gegenverkehr oder Baeume im Weg gibts einfach nicht. Schliesslich konnten wir also weiter fahren - Richtung Isla del pescado, der einzigen Insel in der salar, auf der Kakteen wachsen - und zwar in einer Menge und Groesse, die kaum vorstellbar ist. Sie sind ja auch schon 500 bis 1000 Jahre alt. Damal haben die Inka auf einer ihrer ersten Reisen durch die salar Samen auf dieser Insel hinterlassen, damit sie einen Anhaltspunkt hatten, wo sie waren, und sich nicht in der riesigen Salzwueste verlaufen konnten. Man kann sich hier naemlich nur an den Sternen, der Sonne oder den Inseln orientieren - Kompass funktioniert auf Grund irgendwelcher Metalle hier nicht. So geht es heute also auch den Fahrern so, dass sie bei diesigem Wetter Probleme mit der Orientierung bekommen koennen, und es haben sich wohl schon einige ganz schoen verfahren. Auf der Isla del pescado angekommen gab es endlich was zu essen und wir erforschten die Isla. Die beiden Kolumbianerinnen hatten starke Probleme mit der Hoehe, waehrend Sarah und ich ganz in unserem Element waren (gerade mal poplige ca. 3500m) und vor den Maennern die Insel hochsprangen. Etwas protzen darf man doch wohl mal... *grins* Ganz oben auf der Insel gab es einen Opferaltar fuer die Pachamama - und einen wahnsinnigen, atemberaubenden Blick ueber die salar! Mit Sicherheit einer der schoensten Blicke, die ich je genossen habe! Sarah und ich waren voellig hin und weg und sassen eine Weile mit Roberto und den beiden Chilenen oben und waren sprachlos. Die Chilenen, vor allem der eine, nicht, der konnte die ganze Zeit quatschen und zeigen, was er nicht alles wusste. Der andere war ruhiger und weniger anstrengend. Wir waren wegen der Reifengeschichte ja spaeter hier als geplant, weswegen wir die einzigen Besucher waren, was natuerlich ein grosser Pluspunkt war. Was hier kurz mal zwischengeschoben werden muss: Waehrend der ganzen Tour waren wir kein bisschen gestresst, wie ich es von vielen anderen gehoert habe, die der Fahrer immer wieder gedraengt hatte, dass sie weiter muessten. Wir waren immer entspannt, hatten wirklich genug Zeit, Fotos zu machen und die Landschaft zu geniessen, es wurde sogar extra fuer Sarah und mich (die anderen machten kaum Fotos, die Chilenen nur mit dem Handy, nun denn...) angehalten, wenn sich waehrend der Fahrt ein besonders schoenes Fotomotiv bot. Das lag wahrscheinlich auch daran, dass Roberto so ungestresst war, zwischendurch ein Paar Inka-Rituale vollfuehrte, irgendwelche Felsen hochklettern wollte o.ae. Der Nachteil an dieser Entspanntheit lag darin, dass das Timing z.T. haette besser sein koennen - besonders was Sonnenauf- und untergaenge anging, aber dazu spaeter mehr. Nach einiger Zeit brachen wir zu unserer letzten Fahrt ueber die salar auf, an ihren Rand zu unserer Unterkunft, die sehr gut war. Waehrend wir dorthin fuhren fand der Sonnenuntergang statt, weswegen wir eine kurze Fotopause einlegten. Toller Himmel! In der Unterkunft schliesslich hatten wir 6er-Zimmer und erstmal nichts zu tun. Es war gegen 7pm und gegen 9pm sollte es Abendessen geben. Also setzten wir sechs uns zusammen und spielten Karten. Zunaechst brachten Sarah und ich ihnen Mau-Mau bei, dass es wohl bei ihnen so aehnlich gibt, aber Ocho loco heisst, dann lernten wir 31, was in etwa Black Jack entspricht und schliesslich wurde etwas Stress-aehnliches gespielt (Mareike, ich brauchte etwas Zeit, aber langsam spielte ich mich wieder ein, ist ja auch lange her...). Die eine Kolumbianerin bekam etwas Coca-Blaetter als Tee gegen die Hoehe und schliesslich war es wieder Essenszeit. Anschliessend gingen Sarah und ich nochmal raus, um Orion und das Kreuz des Suedens zu bewundern und dann nichts wie ab ins Bett.
Frueh am naechsten Morgen, naemlich gegen Viertel vor 6am standen Sarah und ich auf, um den Sonnenaufgang nicht zu verpassen, der auch ganz nett, aber leider nicht so spektakulaer wie erhofft. Spaeter als verabredet gab es ein eher karges Fruehstueck (Brot und Marmelade) und die Abfahrt in Richtung Sueden. Wir besuchten unterwegs - gut als Pinkelstopps nach dem Trimate-Tee - kleine Doerfer wie das fast ausgestorbene Julaca, das mal wichtig fuer die heute nicht mehr fahrende Bahn war, San Antonio, wo Roberto sich mit einer Frau, die nur Quechua sprach (in La Paz spricht man Aymara, Oruru Aymara und Quechua und Potosí Quechua) und schliesslich nach Alota, wo unser Fahrer wohnte und in seinem Haus Mittag gegessen werden sollte. Auf dem Weg dorthin fuhren wir durch ein gruenes Tal voller Lamas, wo wir wohl so glaenzende Augen bekamen, dass unser Fahrer fragte, ob er mal anhalten sollte. Super Idee! In Alota angekommen sahen wir uns kurz um, die schicke "antike" Kirche aus dem 19. Jhd. und den Dorfplatz an, bis es Mittag gab. Ganz kurz zum Essen: es gab eigentlich immer Avocado, Gurken, und dann Kartoffeln oder Reis oder Nudeln, Fleisch oder Fisch, einmal Eier fuer die, die kein Fleisch wollten, wichtig: Ketchup, Mayo und Senf standen immer auf dem Tisch - also im Endeffekt ganz okay, nur etwas wenig, so dass meine Mueslikekse ein willkommener zweiter Nachtisch nach dem Obst waren. Waehrend wir assen wusch der Fahrer die groebsten Sandreste vom Auto und weiter ging es. Durch das Valle de rocas, wo grosse Steine von der Natur so geformt worden waren, dass man tatsaechlich Tiere in ihnen sehen konnte, und zu lauter Lagunen, z.T. mit Flamingos, z.T. salzig, z.T. suess (Laguna salar, Cara laguna in der Desierto de silol). Die Wechsel in der Landschaft waren einfach toll. Von gruenen Huegeln ueber rote Felsen bis zur Sandwueste - alles war dabei und auf den Fahrten konnte man seine Gedanken fliegen lassen. Als es bereits nach 5pm war kamen wir schliesslich zum Arbol de piedra, einem Stein in Baumform, von dem einfach jeder ein Foto hat. Und letztendlich kamen wir bei der Laguna colorada an, wo wir die Nacht verbringen sollten. Inzwischen waren wir auf ca. 4300m Hoehe, es war sehr windig und hatte sich stark abgekuehlt. Leider waren wir so spaet da, dass wir bei der Anfahrt zwar noch die Roete des Wassers (durch den Wind bewegte Algen) sahen, aber nach dem Bezahlen des Eintritts und dem lahmen Gehabe der Mitreisenden leider die Sonne weg war und es zu keinem Foto mehr kam. Sarah und ich waren ziemlich genervt - gerade von den Kolumbianerinnen, die bei den letzten Stopps gar nicht mehr ausgestiegen waren, weil es soooo kalt war. Das Wort "frio" konnten wir echt nicht mehr hoeren und reagierten uns nun mutterseelenallein draussen im Sturm an der Laguna colorada ab, indem wir gegen den Wind liefen und dieses Daenemark-Feeling genossen. Es gibt schliesslich kein schlechtes Wetter, sondern nur die falschen Klamotten... Wieder in der Unterkunft, die bei weitem nicht so komfortabel war, wie die letzte (kein Licht oder ueberhaupt Strom nach 9pm, keine Duschen), aber Baracken vielleicht doch etwas untertrieben ist, suchte ich zunaechst nach einer Moeglichkeit, meinen Akku fuer den Fotoapparat aufzuladen. Es gab keinen Strom. Mist. Vielleicht spaeter. Wir gingen also erstmal zum Essen, was fuer unseren Geschmack sehr lecker, aber viel zu wenig war, und zwischendurch ging ich nachsehen, was der Strom machte, da das Licht im Essraum angegangen war. Nach einigem Gewackel an der Steckdose leuchtete eindlich auch mein Aufladegeraet, so dass ich beruhigt weiter essen konnte. Denn was ist der Reisende ohne Fotoapparat??!!
Am Donnerstagmorgen, dem letzten Tag der Tour, sollte es fuer den Sonnenaufgang frueh losgehen - aber Sarah und ich waren es im Endeffekt, die die anderen samt Roberto und Fahrer weckten, da wir als Einzige puenktlich um halb 6am, dem verabredeten Zeitpunkt zum Aufbruch, gestiefelt und gespornt warteten. Gegen 6:15pm kamen wir dann endlich los, aber den Sonnenaufgang verbrachten wir leider im Auto mit beschlagenen und teilweise gefrorenen Fenstern. Nach etwa einer Stunde Fahrt kamen wir bei den Geysiren an, die auf 5000m lagen, dem hoechsten Punkt, den wir also auf unserer ganzen Reise betreten hatten. Es war ein tolles Erlebnis: Schwefelgeruch, bubbernde Lawa, alles voller weissem Dampf, der aus den kleinsten - und groesseren - Erdspalten drang. Die Kolumbianerinnen stiegen natuerlich nicht aus, mahnten immer sofort an, dass wir die Tueren des Autos gegen die Kaelte schliessen sollten (was sie uebrigens nie taten, aehem...) und nervten Sarah und mich ziemlich. Wir liessen uns lieber beim Fotografieren die Haende abfrieren, wie es sich eben fuer gute Reisende gehoert! Zum Aufwaermen ging es anschliessend runter auf 4300m zu Thermalquellen, wo wir in einem kleinem Becken auftauten. Was fuer ein Genuss, nie wieder raus! Kurzer Einschub: auch hier kamen die Kolumbianerinnen nicht mit, dabei waer das doch mal warm gewesen. Sie interessierten sich aber ohnehin fuer nichts, obwohl sie eigentlich eine laengere Suedmaerikareise machen. Ein bisschen erklaert es sich vielleicht dadurch, dass sie eigentlich nur ueber die Grenze nach Chile wollten, was von Argentinien aus nicht geklappt hatte (sie meinten, wegen der Hautfarbe). Aber wenn man schon mal bezahlt hat, mitkommt etc. kann man es doch auch nutzen, oder? Gehetzt wurde uebrigens auch hier uebrhaupt nicht. Roberto war an einen anderen Ort zum Baden gewandert, weil er keine Badehose dabei hatte, aber natuerlich auch ins warme Nass springen wollte. Aufgewaermt und mit neuen Fotos im Kasten ging es weiter zur Laguna verde. Roberto hatte gemeint, dass wir warten wuerden, bis der Wind aufkommt und sie sich gruen faerbt, aber es war gerade mal kurz nach 9am und wie ich schon von vielen gehoert hatte, die den Farbwechsel nicht gesehen hatten, weil sie zu frueh da waren, wuerde Wind fruehestens gegen 11am aufkommen. Schade, aber von uns - im Gegensatz zu Roberto - schon befuerchtet. Roberto war ohnehin zwar nett wie gewohnt, aber auf die Dauer etwas anstrengend, weil er nicht nur spannende Geschichten und interessante Details erzaehlte, sondern diese immer wiederholte, uns auf alles hinwies, was wir auch selbst sehen konnten ("hier sind viele Steine, dort ist ein Haus..."), immer wieder fragte, obs das und das auch unserem Land gab (z.B. Landwirtschaft), was ja manchmal ganz nett war, aber uns etwas zu haeufig, als dass es wirklich von Interesse zeugte. Wir kamen uns z.T. wie kleine Kinder vor, denen man sagen musste, dass man sich warm anziehen soll, fuenfmal die Uhrzeit zum Aufstehen eintrichtern musste (und wir waren ja im Endeffekt diejenigen, die als Einzige puenktlich wach waren). Lieb und nett, aber auf die Dauer eben einfach etwas nervig und anstrengend. Dazu die doofen Kolumbianerinnen und der anstrengende Chilene. Aber das, was wir sahen, entschaedigte auf jeden Fall fuer alles. ___________________________ Der letzte Eintrag konnte auf Grund eines fluchtartigen Verlassens des Internetcafés wegen Sonnenuntergang nicht beendet werden, daher gehts jetzt vom gleichen verrauchten Ort weiter, wie gestern. Nachdem wir also die Laguna verde nicht in gruen bewundern konnten, gab es einen anderen Lichtblick: das Fruehstueck. Inzwischen war es immerhin halb 10am und wir waren ganz schoen hungrig. Tatsaechlich wurden wir auch satt - dank dem ersten richtigen Kaese der Reise (aber bitte jeder nur eine Scheibe - na klar doch, kein Problem). Anschliessend wurden wir zur blovianisch-chilenischen Grenze gebracht, wo wir in einen mittelgrossen Bus umzogen, der uns nach San Pedro de Atacama, die erste Stadt in Chile bringen sollte. Die Fahrt von 4300 auf 2300m dauerte etwa eine Stunde und ich war wie geblendet von der wohlasphaltierten Strasse mit den ordentlich und kraeftig-gelben Fahrbahnmarkierungen. Die Umgebung bestand einzig und allein aus Steinwueste und in der Ferne einem weissen Fleck, der die Salar de Atacama sein sollte (die drittgroesste der Welt, die groesste ist ja die von Uyuni und an zweiter Stelle kommt eine in den USA, ich glaube n Utah oder so). Am Anfang von San Pedro erwartete uns dann die chilenische Grenzstation, in der tatsaechlich alle grossen und kleinen Rucksaecke per Hand sozusagen unter den Handschuh genommen wurden, damit wir auch ja kein dreckiges Obst und Gemuese aus Bolivien einschleppen konnten. Wir hatten in weiser Voraussicht auf der Fahrt schon die letzten beiden Aepfel vernichtet. Was aber meiner Meinung nach noch eindrucksvoller war, war die grosse Schale, ausgefuellt von einem in Spueli getraenkten Schwamm, durch den wir erstmal gehen mussten. Das dreckige Bolivien eben... Nach dem kuehlen Beginn des Tages folgte nun heisses Wuestenwetter. In San Pedro richtig angekommen suchten wir uns zunaechst ein Hostel - und waren ziemlich geschockt von den Preisen (das billigste was wir fanden und schliesslich nahmen war ein dormitorio mit fuenf Betten fuer 10 US$ pro Person pro Nacht - schon was anderes als die 1,50 Euro Unterkunft in Sucre...). Das mit dem Geld ist sowieso so ne Sache: in Bolivien wars ganz einfach mit dem Umrechnen, da 10 Bs. etwa 1 Euro entsprachen. In Chile entsprechen 500 Chilenos etwa 1 US$ bzw. 700 Chilenos einem Euro. Wenn dann das Zimmer 5000 Chilenos kostet geht erstmal die Rechnerei los. Aber man gewoehnt sich ja an alles. Oder auch fast alles, San Pedro ueberforderte uns naemlich nicht nur preislich, sondern auch mit seinen ganzen Tourangeboten. Es war noch kleiner als Uyuni, hatte aber noch mehr Hotels und agencias - und hatte als einzige Einwohner Touris. Puh, anstrengend. Schliesslich waren wir uns zum Glueck voellig einig, dass wir den Nachmittag fuer eine kleine Tour nutzen wollten, aber noch mehr Salzwuesten, Geysire und Lagunen nach der Uyuni-Tour nicht noetig waeren. Erstens war es einfach wahnsinnig schoen geworden und zweitens waren die Touren sauteuer. Mal eben 60 US$ fuer 'ne Tagestour muessen irgendwie nicht sein. Also buchten wir bei der Agentur Atacama Connection, die uns Roberto noch empfohlen hatte, eine Tour, die um 3pm losgehen sollte, hoben Geld ab (hui, 70.000 einzugeben hat schon was), kauften ein Busticket fuer den naechsten Morgen nach Calama, San Pedro war laengerfristig nichts fuer uns, und kauften uns Avocados, Tomaten und Brot zum Mittag, das wir in dem wirklich schoenen Innenhof unseres Hostels einnahmen. Da entspannten wir uns dann auch wieder. Nachdem wir noch einen Deutschen kennengelernt hatten, der mit uns im dormitorio wohnen wuerde und ein bisschen rumgegangen waren, ging es auch schon los mit der Tour. Zunaechst fuhren wir an einen mirador, von wo man einen tollen Blick ueber die Cordillera del sal hatte, die zwar ueberhaupt nichts mir Salz zu tun hat, sondern nur so aussieht, als haette man kleine und grosse Felsen mit Salz bestaeubt, aber das machte nichts. In der Ferne sah man wie eine Oase San Pedro im trockenen grau der Wueste und den weissen Fleck der salar. Dann ging es weiter zum Valle de la muerte, einer Schlucht mit Sand, durch die wir gingen. Wie es zu diesem Namen kommt sollen drei Geschichten erzaehlen: Entweder starben viele Inka, die diesen Weg als Handelsrute nutzten wegen der Trockenheit an Durst, oder die Spanier trieben die Inka dort hinein um sie "natuerlich" zu toeten, oder - die dritte hab ich gerade vergessen. Auf jeden Fall war es sehr eindrucksvoll. Danach ging es zur Hauptattraktion, die der Tour den Namen gab: dem Valle de la luna. Mal wieder, denn schliesslich hatten wir ja schon einen Namensvetter bei La Paz genossen. Als erstes gingen wir mit Taschenlampen durch Salzhoehlen, die knackten, wenn sich die Temperatur veraenderte, anschliessend zu einer frueheren Abbaugrube (oder auch Gruebchen, war naemlich mini) mit drei Steinen davor, den Tres Marías, die der Mine den Namen gaben und schliesslich stiegen wir fuer den Sonnenuntergang auf eine Felsen mit Blick ueber das Valle de la luna. Leider gab es zu wenig Wolken fuer tolle Faerbungen am Himmel, aber es war trotzdem schoen mal zum Sonnenuntergang "in time" zu sein ;-) Die Tour war auch ganz in Ordnung, aber Sarah und ich merkten ziemlich deutlich, dass wir genug von Tour hatten, genug von Touris, und endlich wieder alleine losziehen wollten, unserem eigenen Zeitplan folgend. Daher waren wir froh, als wir gegen 7:15pm wieder in San Pedro waren, noch schnell Avocados zum Abendbrot kauften und ins Hostel gingen. Dort genossen wir als erstes die Dusche, die warm oder kalt wurde, ganz wie man wollte - wir genossen es einfach schon, das Wasser aus der Leitung kam. Und ich, dass es die ganze Zeit Strom fuer meine Fotoapparat-Akkus gab. Ausgeschlafen ging es am naechsten Morgen, Freitag, dem 23.03., mit einem Frueckstueck im wirklich tollen Innenhof unter Baeumen auf Gartenmoebeln los. Dann zogen wir noch etwas durch den Ort, fanden abgelegen und hinter einer Baustelle auch die Baeckerei Mony Pan, die im Lonely Planet hochgelobt worden war, aber so frueh noch nicht ueberzeugen konnte. Wer weiss, vielleicht haben sie ja nachmittags mehr als das normale Brot, was es ueberall gibt. Schliesslich schnappten wir uns unsere Sachen und gingen zum Bus nach Calama, der um 10:30am fahren sollte. Der naechste Kulturschock! Ayudante in schwarzer Hose und weissem Hemd, Klimaanlage, alles piekfein und sauber - nach den letzten Wochen wirklich ein krasser Luxusbus. Dabei war der noch bezahlbar gewesen mit seinen 1400 Chilenos fuer eine Fahrt von etwa 1 1/2 Stunden. Diese ging die ganze Zeit durch Steinwueste, so dass wir uns dazu entschlossen fuer die naechste, laengere Strecke irgendwann nach Arica den Nachtbus nehmen zu koennen, da wir landschaftlich nichts verpassen, dafuer aber das Geld fuer eine Uebernachtung sparen wuerden. In Calama angekommen war schon zu sehen, dass wohl irgendwas gefeiert wurde - die Stadt hatte ihren 128. Geburtstag. Somit war das Unterkunftfinden etwas schwierig, da wir dann doch nicht 50US$ fuer eine Nacht ausgeben konnten und wollten. Als wir in der Tourist Info auch noch erfuhren, dass man Chuquicamata, die groesste Kupfermine Chiles (Chile lebt praktisch vom Kupferabbau) weder heute noch morgen wegen der Besucheransturms zur Party, besuchen koennen wuerde, erst Montag, Calama aber nicht Charm und billige Hostels genug hatte um uns zu halten, buchten wir gleich fuer diese Nacht einen Bus nach Arica - der billigste fuer 9000 Chilenos pro Person fuer eine Fahrt von etwa neun Stunden, wenn man das mit Bolivien vergleicht, wo man fuer eine Nachtfahrt 50 Bs. bezahlt (also im Vergleich: 18 US$ zu 5 Euros...) ist das schon zunaechst schockierend. Wir brachten dann unsere Rucksaecke ans andere Ende der Stadt zur Mall, wo der Bus abends abfahren sollte und gingen dann zurueck und noch etwa eine Stunde weiter suedlich, wo im Parque El Loa (der massstabsgetreuen Nachbildung des Andendoerfchens Chiu-Chiu ein Paar Kilometer weiter) die Feploa stattfand, das jaehrliche Feiern und Zusammentreffen von Kuenstlern verschiedener Provinzen und auch der naeheren Laender um Chile herum zum Vorstellen ihrer traditionellen Kunst, Essens etc. Das war ganz nett und wir probierten Moehren-Marmelade (wenn man auf extrem suess steht bestimmt toll), Mote con Huesillos (sowas wie Mocachinchi, also Pfirsichnektar, diesmal mit getrockneten Pfirsichen und gestossenen Maiskoernern, oder einem aehnlichen Getreide) - man muss ja alles mal probieren, aber die Vorstellung von suess ist bei uns etwas anders als in Bolivien oder Chile. Nachdem wir auch noch das Muesum zum Thema Schamanen besucht hatten gingen wir zurueck ins Zentrum, einmal kurz mails checken und ab zur Mall, wo wir das saubere Klo mit Papier und Seife (!) genossen, ebenso wie unser Avodaco-Picknick im Essbereich (nachdem wir freunlich von einem Security-Mann von einer Bank verscheucht worden waren, dabei hatten wir uns doch extra nicht in eine Ecke auf den Boden gesetzt, von wo man ja auch in Budapest gerne mal aufgeschreckt wird...). Dann noch eine Runde Mall-Gucken (immer wieder toll, so sauber, gross... eben mal kurz in ne heile Welt reinspringen) und es wurde auch schon Zeit fuer den Bus. Dieser fuhr tatsaechlich puenktlich um 21:30 los - kreuzte noch eine Stunde in der Stadt rum und dann ging es tatsaechlich los in Richtung Arica, in den Norden Richtung Peru. Der Bus konnte schon begeistern: semi-cama, Beinfreiheit, Klimaanlage, sauber und ordentlich. Schon okay. Aber trotzdem nicht so, dass ich mein Reisevergnuegen jetzt davon abhaengig machen wuerde, ob es so ein Bus, oder eben ein bolivianischer Bus ist, bei dem dauernd Verkaeufer reinkommen, die alte Frau mit dem grossen rosa Tuch sich auf den Gang setzt etc. Das ist fuer mich eher Authentizitaet, Reisen, Laender-Menschen-Abenteuer. Aber so sind die Reisenden eben verschieden... Nach einer entspannten Fahrt waren wir Samstagmorgen gegen 7am in Arica, wo wir den (mit schwerem Rucksack) ziemlich langen Weg ins Zentrum in Angriff nahmen und dort aber gleich Glueck hatten, da es ein freies Doppelzimmer fuer 4000 Chilenos pro Person pro Nacht gab - immerhin etwas guenstiger als in San Pedro und bei einer netten aelteren Dame. Der blaube Himmel, die Waerme und die Sehnsucht nach Meer trugen dazu bei, dass wir uns sofort nach einer Banane Staerkung auf den Weg machten und erstmal den Aussichtspunkt hochstiegen, von wo man einen tollen Blick ueber die Stadt, das mehr oder weniger geschaeftige Treiben am Hafen mit vielen Containern von Hamburg-Sued, Maersk und Hapag-Lloyd zu sehen gab, die gleich heimische Gefuehle bei mir ausloesten - und natuerlich das weite Meer, den Pazifik! Wir konnten uns vom Blick gar nicht losreissen, und blieben somit erstmal oben, einfach nur in die Ferne schauen und den Hafenarbeitern beim Containerverladen zusehen. Das Museum zur Schlacht zwischen Peru und Chile um Arica liessen wir uns dann doch lieber entgehen. Kurz muss dazwischengeschoben werden, dass Arica ja eigentlich sowieso zu Bolivien gehoert, das ja tatsaechlich mal einen Zugang zum Pazifik hatte. Daher war uns Arica wahrscheinlich auch so sympathisch. Meer, Waerme, buntes Treiben, Entspannung pur - Urlaubsfeeling! Nachdem wir uns vom Ausblick losgerissen hatten suchten wir schliesslich erfolgreich die Tourist Info, da wir wissen wollten, wie man am Besten zur Playa Corazones kaeme, da es dort eine Seeloewen-Kolonie gab. Fahrraeder waeren etwa doppelt so teuer wie das Taxi gewesen, fuer das wir uns dann schliesslich entschieden. Aber erstmal musste eine Ananas geschlachtet und Leute im Park (tatsaechlich das erste Mal in Chile eine Frau mit dem obligatorischen bolivianischen rosagestreiften Tuch auf dem Ruecken!!) beobachtet werden. Gegen 12am gings dann los mit dem Taxi zur Playa Corazones, wo zwei Stunden lang am Wasser langliefen, tatsaechlich auch Kormorane und tote Seeloewen sahen, die von geieraehnlichen Voegeln mit roten Koepfen verspeist wurden - und schliesslich bruellte es uns von einem Felsen aus an. Dort war alles voller Seeloewen, die mich schon aus der Ferne einfach beeindruckten. Super Sache!! Und vor allem: KEINE TOUR!! Stehenbleiben und Fotosmachen wann man moechte und wie lange man moechte. Gegen 2pm holte uns das Taxi wieder ab und wir fuhren zurueck nach Arica. Dort holten wir uns erstmal ein Eis bei DiMango, einem supertollen Eisladen mit dem besten Mangoeis, was ich je gegessen habe (habe ich schonmal welches gegessen...??). Dann noch zwei Empanadas und ein Maiskuchen hinterher, ne Runde auf dem Markt rumgucken, Supermarkt auschecken, der direkt neben unserem Hostel war - einfach perfekt. Und alles bei schoenster Waerme. Das wir dann im Internet und zu spaet fuer den Sonnenuntergang waren, habe ich ja bereits erwaehnt. Heute haben wir ewig ausgeschlafen und sind dann an den Strand im Norden gewandert, nachdem wir uns fuer morgen ein Ticket nach Arequipa, Peru, besorgt haben. Arica hat es bei uns echt gerissen, sonst waeren wir von Chile eher enttaeuscht gewesen. Aber Arica ist ja auch eigentlich Bolivien ;-) Nach einigem Planschen im Pazifik und rumliegen am Strand ging es dann wieder ins Zentrum, wo wir eigentlich wieder zu DiMango wollten, der aber entaeuschenderweise (am Sonntagnachmittag bei einer Hitze...!!) zu hatte, wie auch der Supermarkt und fast alle Geschaefte der Fussgaengerzone, die eigentlich sehr zum Charme dieses Staetdchens beitraegt. Im Endeffekt fanden wir aber doch wenigstens noch eine geoeffnete Baeckerei fuers Abendbrot, eine Empanada fuer Zwischendurch und ein Ersatzeis, was aber mit DiMango nicht so richtig mithalten konnte. Man gewoehnt sich einfch zu schnell daran, dass hier alle Laeden auch sonntags aufhaben, was ja fuer Reisende (die kein Wochenende haben *grins*) aeusserst praktisch ist. Gleich ist meine Zeit hier im Internetcafé abgelaufen - und das mit dem Sonnenuntergang soll ja schliesslich auch klappen heute :-) Aber so ist der Blog wieder auf dem neuesten Stand. Das Wichtigste: Uns gehts super! Und ich hoffe, Euch auch!! 3月19日 Potosí - SucreHola amigos,
nach der Verabschiedung von den suessen chicas in der oficina unsere Hostels (natuerlich auch mit der obligatorischen Lindt-Schoki) fuhren wir die Nacht von Donnerstag auf Freitag von 8pm bis etwa 5:30am mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus La Paz raus und nach Potosí. Waehrend der Fahrt wurden wir mit einem asiatischen Horrorfilm, in dem Puppen lebendig wurden und Leute umbrachten wach gehalten-war aber bisher der beste Busfilm, finde ich. In Potosí kamen wir also in der morgendlichen Dunkelheit an, fanden schliesslich ein leeres Taxi, welches uns ins Koala Den, unser bisher teuerstes (40 Bs., also 4 Euro) und schickstes Hostel brachte. Dort hatten wir zwei Betten in einem 5er dormitorio - und wie ich nach einigen Stunden Schlaf feststelle - eine super Dusche mit Wasser der Waerme, die man haben wollte, tolle Sache! Fruehaufsteher wie wir sind waren wir trotz wenig Schlaf gegen 9am auf der Strasse und irrten erst ein bisschen durch die Gegend auf der Suche nach dem Café Belen. Hierzu eine kleine Geschichte: Meine Eltern, beide voellig reiseverrueckt, waren vor 27 Jahren das erste Mal in Potosí und machten dort eine Tour durch den Cerro Rico (=reicher Berg), den Berg, dem die Stadt aufgrund seiner immensen Silbervorkommen ueberhaupt ihre Existenz verdankt. Nachdem Potosí somit einst die reichste Stadt der Welt war ist es nun, da die Spanier das ganze Silber rauskloppen lassen haben, die aermste Boliviens. Nun denn, jedenfalls hatten meine Eltern einen jungen Mann gefunden, der sie durch die Minen fuehrte, Roberto Méndez. Er war selbst von seinem 9. Lebensjahr an Arbeiter im Cerro Rico gewesen (noch heute arbeiten 14% der 200.000 Minenarbeiter - nebenbei: Potosí hat 170.000 Einwohner auf einer Hoehe von 4070m) und hatte festgestellt, dass die Touris gerne auch die nicht-staatlichen Minen besuchen, die nicht so modern, gut beleuchtet etc. sind, wie die der Regierung. Ende der 70er, vor ziemlich genau 27 Jahren, fing er also als "primer guía de Potosí" an Touren durch die Minen zu machen - und meine Eltern waren zwei seiner ersten Touris. Anfang der 80er war es verboten Fremde durch die Minen zu fuehren, Roberto machte es trotzdem und musste dann Hals ueber Kopf nach La Paz fluechten, da er sonst wegen Erwischtwerdens ins Gefaengnis gemusst haette. Er war das aelteste von 11 Kindern und hatte daher nicht lange zur Schule gehen muessen, sondern musste Geld erarbeiten. Trotzdem war er immer sehr neugierig gewesen und hatte, wenn er Zeit hatte, viel gelesen und sich weitergebildet. Somit hatte er bei den Touren viel zu erzaehlen und hielt sich nun auch in La Paz als guía ueber Wasser. Zwischendurch arbeitete er auch in Chile, ebenfalls als guía, genauer in der Atacama-Wueste. Als meine Eltern vor ziemlich genau drei Jahren wieder nach Potosí kamen, gingen sie ins Café Belen, wo sie auch damals schon gewesen waren - und wen trafen sie dort? Genau, Roberto Méndez. Tatsaechlich erkannten sie sich gegenseitig und Roberto fuehrte sie wieder durch die Minen, stellte sie seinem Sohn Leonardo Da Vinci vor, in dessen Schule sie auch gingen (mein Papa ist ja Lehrer, also besonders interessant) und freuten sich einfach des Wiedersehens. Nun war es natuerlich fuer mich (und somit auch fuer Sarah *grins*) obligatorisch Roberto zu suchen und uns von ihm durch die Minen fuehren zu lassen. Daher fragten wir im Café Belen, was wir nach laengerem Suchen gefunden hatten, die super freundliche Besitzerin nach Roberto, die uns daraufhin einen Flyer gab, auf dem auch seine Telefonnummer stand. Nun folgte eine Telefonmarathon auf dem sonnenbeschienen Platz vor dem Café Belen, da der Muenzautomat keine Handynummern mochte, Roberto aber auch ueber Kartentelefon nicht erreichbar war, die agencia de viaje, die wir anriefen, da ihre Nummer auch auf dem Flyer stand meinte, dass Roberto gerade in der Mine sei etc. Schliesslich verabredeten wir mit der agencia de viaje, dass Roberto uns um halb 2pm vom Café Belen abholen wuerde und wir dann mit ihm die Tour durch den Cerro Rico machen wuerden. Wir nutzten die Zeit bis dahin mit einem Besuch in der Casa de moneda, wo seit der Kolonialzeit noch bis 1951 die Silbermuenzen hergestellt wurden - ein zentraler Ort also in Potosí. Es war sehr eindrucksvoll und ausser dem rein technischen beeindruckte mich vor allem ein Gemaelde (es war zwar gerade nur der Druck da, aber egal), dass "Die Jungfrau des Cerro Rico" hiess und die Zusammenhaenge zwischen Kolonialherrscher, indígena-Kultur, Silber und Potosí darstellte. Dazu gab es auch eine Geschichte, wie alles begann: Ein Peruaner war mit seinen Lamas in der Gegend unterwegs, doch eines der Lamas lief weg. Er suchte es, fand es aber nicht. Es wurde dunkel und er machte sich ein Feuer an. Dieses Feuer schmolz das oberflaechliche Silber des Cerro Rico, das er somit als erster entdeckte. Er sollte es aber nicht mitnehmen, da spaeter derjenige kommen wuerde, fuer den es bestimmt war. Tatsaechlich kamen spaeter zwei Maenner, die als erste Reichtum aus dem Silber zogen, sich aber in die Haare bekamen und es schliesslich an die Spanier fiel, die dann den Berg ausschlachten liessen. Nachdem zu viele versklavte indígenas gestorben waren, holten sie die afrikanischen Sklaven, die aber mit der Hoehe und den Arbeitsbedinungen noch mehr Probleme hatten, als die Inka. Es waren aber auch extreme Bedingungen: fuer sechs Monate mussten die Arbeiter in den Minen bleiben, ohne einmal nach draussen zu kommen. 12 Stunden arbeiteten sie, 12 Stunden war "frei" - aber sie waren eben die ganze Zeit dort unten. Wenn sie es ueberlebten durften sie vier Monate in ihr Dorf, sollten sich dort ordentlich vermehrten um dann wieder fuer sechs Monate im Cerro zu wohnen. Die Silbermuenzen wurden natuerlich nach Europa verschifft, aber die Schiffe wurden z.T. entweder von englischen oder hollaendischen Piraten ueberfallen oder sanken auch einfach so. So auch ein Schiff mit Silber im Wert von ueber 350 Mio. beladen, dass im 20. Jhd. von US-Amerikanern gehoben wurde und nun in Florida im Museum ausgestellt wird - dem Casa de moneda wurden von dem Schatz ganze zwei Silbermuenzen zum Ausstellen gegeben - ein Hoch auf die Grosszuegigkeit der Amis!
Nach dem Museum gingen wir durch Potosí, suchten den besten Blick auf den Cerro Rico, assen etwas und setzten uns in den Park zum Leute beobachten (highlights: eine Polizistin mit hochhackigen Schuhe und Kindermassen mit Begleitung, die wohl gerade aus der Schule kamen. Dann war es Zeit und wir schlenderten zum Café Belen an der Plaza 10 de Noviembre. Und wer tippte mit davor auf die Schulter? Mariano. Der war naemlich auch gerade noch hier unterwegs und wollte nachts zurueck nach Argentinien fahren. Wir tauschten schnell die besten Potosí-Tipps aus und verabschiedeten uns dann, weil Sarah und ich ja im Café auf Roberto warten wollten. Wir warteten, und warteten... Zwischendruch gab es die Info der netten Besitzerin, dass Roberto gerade vom Cerro runterkaeme, also mit der morgendlichen Tour fertig sei. Irgendwann war eine verwartete Stunde rum - wie gut, dass es draussen regnete und wir somit im Trockenen ganz froh sein konnten. Aber langsam hatten wir doch keine Lust mehr rumzusitzen - 1 1/2 Stunden. Die Besitzerin meinte, er kaeme in 10 Minuten. Also nutzten wir die Zeit und assen Schokokuchen, mjam. Und weiter ging das warten... Vielleicht sollten wir doch einfach eine andere Agentur nehmen... Aber wenn Mama und Papa so begeistert von ihm sind... Der muss schon ganz schoen gut sein, wenn er uns fuer das Warten entschaedigen koennen will... Und das konnte er!!! Als er nach 2 Stunden des Wartens tatsaechlich in Gumminstiefeln und mit Helm auf im schicken Café stand und wir uns kurz vorstellten und ich ihm die Frage beantwortete, wie wir denn auf ihn gekommen waeren, geriet er ganz aus dem Haeuschen und wusste tatsaechlich sofort, wer meine Eltern waren und erzaehlte die Geschichte gleich der Besitzerin und dem Bruder von Alberto Leyton, den wir wegen seiner tollen Stadtfuehrung laut elterlichem Rat auch suchen sollten, der aber keine Touren mehr macht. Alle fanden die Geschichte toll und Roberto kam aus seinem Redeschwall gar nicht mehr raus. Schliesslich entschieden wir uns auf Grund der fortgeschrittenen Zeit und des schlechten Wetters (er war z.T. so spaet, weil er wegen der Wassermassen nicht ueber die Strasse gekommen war) dafuer, uns am naechsten Morgen am gleichen Ort zu treffen und dann die Tour durch die Minen zu machen. Sarah und ich waren nach diesem Treffen total begeistert von diesem kleinen Bolivianer mit Helm, dass wir unheimlich gute Laune hatten und den verblieben Nachmittag mit einem Besuch des Convento y mueso de Santa Teresa (Carmeliter) fuellten - wir hatten Gleuck, dass der Regen aufgehoert hatte und wir tatsaechlich mit kleineren Spruengen ueber Sturzbaeche ueber die Strassen kamen. Zunaechst war es eine sehr exclusive Fuehrung, lediglich wir beide und eine nette Historikerin aus Hamburg, die gerade in Sucre am Forschen ist, doch nach und nach wurde die Gruppe immer groesser. Lidia, die die Fuehrung machte, war super und so war auch dieser Besuch ein voller Erfolg. Aber diese ganzen blutueberstroemten Jesus-am-Kreuz-Darstellungen... Nun denn, dafuer toll bepflanzte Innenhoefe mit lila gestrichenen Pfeilern (2 Varianten: entweder zum Schutz des Holzes gegen die Sonne, oder um den Schwestern, die heutzutage nebenan in einem schlichten
-haesslichen- weissen Haus wohnen, gute Laune zu machen), reiche goldene Altare... Astrid gab uns den Tipp doch am Sonntag nach Sure und von da aus weiter nach Tarabuco zu fahren wo Pajllay sei, ein tolles, grosses, buntes Fest zu Ehren der Pachamama, der Mutter Erde also. Es wuerde auch viel doerflicher und weniger touristisch sein, als carnaval in Oruru. Das hoerte sich gut an. Eigentlich wollten wir ja Sonntag schon nach Uyuni fahren um dann am Montag mit der Tour durch die Salar de Uyuni, die hoechste und groesste Salzwueste der Welt zu starten - andererseits hatte Roberto erzaehlt, dass er auch nach Uyuni fahren und am Dienstag eine Tour als guía anfangen wuerde. Also gut, wir haben Zeit und Ferien - stuerzen wir doch unsere Plaene ueber den Haufen und fahren mit Roberto, der bestimmt nicht so hetzt, wie man es von anderen Agenturen hoert, sondern viel erklaeren wird und sich Zeit nimmt (zu dieser Einsicht kamen wir besonders am naechsten Tag, doch dazu spaeter...). Ausserdem ist Roberto Vegetarier - perfekt fuer Sarah. Er isst zwar Fisch, aber keine Eier, schliesslich kommen da ja die kleinen Kueken raus... Was fuer ein uriger Typ - ein bolivianischer Vegetarianer, kaum zu glauben, wo doch Fleisch hier Grundnahrungsmittel Nr. 1 ist (laut diario, dass besorgt war, dass wegen El Niño die Grundnahrungsmittel knapp und teuer werden - an erster Stelle das Fleisch...). Somit buchten wir gleich nach dem Museumsbesuch per Telefon ein Doppelzimmer in Sucre fuer den naechsten Tag - nachdem wir an der Telefonbox versucht hatten, einem kleinen Jungen zu helfen, der seinen Vater anrufen wollte, und immer wieder eine andere Nummer eintippte, weil er die Nummer nicht wusste, bzw. sie natuerlich doch wusste, aber dennoch immer etwas anderes eintippte, meinte, mit seine Vater gesprochen zu haben, aber das Geld kam wieder raus, kurz: Chaos. Hungrig und vor allem mit dem Verlangen nach etwas Warmem (mir war in Potosí so kalt, wie auf der ganzen Reise noch nicht) setzten wir uns in ein vegetarisches "italienisches" Restaurant und waren vom Salat und den Portionen Pasta schwer begeistert. Dazu lief eine DVD des live8-Konzerts vor zwei (?) Jahren, so dass wir auch noch gute Musik hatten - perfekt! In einem Nachbarrestaurant (dem Potocchi) sollte es um 21h Folklore geben, so dass wir dorthin umzogen und uns an Kakao und Api (einer Art Weihnachtspunsch, Apfelsaft mit Zimt und Nelken, mjam!) warm hielten. Der Besitzer war wieder sehr nett und ebenso sein Laden, aber da ausser uns keiner Musik wollte (doofe Touris am Nachbartisch), zogen die Musiker unverrichteter Dinge wieder ab. Wir folgten ihnen etwas enttaeuscht bald, aber eigentlich waren wir auch ziemlich muede. Im Hostel angekommen wollten wir uns ins Bett werfen - aber meins war belegt, so wie auch die restlichen im Haus, nur Sarahs war noch unberuehrt und wartete auf sie. Der Hostelmensch wusste gar nicht was er mit mir machen sollte und war sehr dankbar und erleichtert, als wir ihm vorschlugen, dass wir ja zusammen in dem einen Bett schlafen koennten, dafuer aber nur die Haelfte bezahlen wuerden. Somit war das Hostel doch gar nicht mehr so teuer ;-)
Am naechsten Tag, Samstag, dem 17.03., also, nutzten wir das Fruehstuecksangebot des Hostels -zum Glueck, denn sonst waere uns etwas entgangen: heisser Kakao, Bananenmilch, Broetchen mit Marmelade, Ruehrei - was will man mehr. Gut gestaerkt gingen wir zum Café Belen (das jetzt, da wir besser orientiert waren, eigentlich direkt um die Ecke unseres Hostels lag) und trafen dort auf Roberto und seine Assistentin, die 17-jaehre Yovanna, der er sein Wissen weitergibt, und die bei ihm fuer die Uyuni-Tour Kochen lernt (natuerlich vor allem vegetarisch). Wir erzaehlten ihm, dass wir die Salar-Tour mit ihnen machen wollten, was ihn natuerlich freute und er wollte uns auch noch Hostels in Uyuni empfehlen fuer die erste Nacht. Nachdem er uns immer wieder eindruecklich gesagt hatte, dass wir, wenn die agencia de viaje - Frau uns nach dem Tour-Preis fuer die Minen fragen wuerde, wir sagen sollten, dass wir es nicht wuesstens (natuerlich die standarmaessigen 80 Bs.) und auch ziemlich schnell klar wurde, dass er selbststaendig arbeitete und die Agentur eher doof fand, sie ihn aber z.T. mit Touris versorgte, da er zwar Leute in Hostels und auf der Strasse ansprach und ihnen seine Empfehlungen von anderen Touris in einem kleinen Buch zeigte, aber Touris eben eher auf Agenturen als auf Bolivianer mit wilden schwarzen Locken auf der Strasse vertrauen. Frueher war er bekannter gewesen, erzaehlte er, und in Reisefuehrern empfohlen worden, aber dann musste er ja nach La Paz fluechten und einer seiner ehemaligen Assistenten gab sich fuer ihn aus und machte auch eine Agentur auf, die seither lobend in jedem Reisefuehrer (auch meinem Lonely Planet) empfohlen wird, obwohl der Ruf eigentlich Roberto gebuehrt. Sie heisst Koala Tours und unser Hostel, das Koala Den, gehoert auch diesem Typen, der inzwischen reich gewornden ist, und Roberto mit dem A... nicht anguckt. Roberto fasste sich also ordentlich an den Kopf als wir ihm sagten, wo wir in Potosí wohnten... Nachdem wir noch etwa eine halbe Stunde auf vier Israelis gewartet hatten, die in unserer Gruppe mitkommen sollten, brachen wir auf zum Markt der mineros, der Minenarbeiter. Es regnete und wir dachten, dass es dann ja logischerweise nachmittags nicht mehr regnen wuerde, was noch mal ganz schoen waere um sich die Stadt anzusehen und Fotos zu machen. In einer kleinen tienda am Markt hielten wir uns gingen hinein, wo Roberto uns das Dynamit samt Lunte, TNT etc. zeigte - je weniger Geld der minero hat, in desto kuerzere Stuecke schneidet er die Lunte, um mehr Sprengungen machen zu koennen - die Zeit zum weggehen ist also dementsprechend kuerzer. Ausserdem zeigte er uns den 96%en Alkohol, den die mineros trinken, die Zigaretten, mit denen sie den bitteren Coca-Geschmack zu uebertoenen versuchen, die sie die ganze Zeit gegen die Anstrengung und den Hunger kauen. Zwischendurch kam immer die Frau von der Agentur rein, die auch eine Tour fuehrte und meinte, er soll sich beeilen, doch Roberto meinte, dass noch so viel zu erzaehlen sei. Ausserdem wurden natuerlich noch die traditionellen Geschenke fuer die mineros gekauft - die Israelis stuerzten sich aufs Dynamit, was sie selbst sprengen duerfen sollten, waehrend Sarah und ich uns an Coca-Blaetter und Suesses (fuer die ganzen Kinder, die in der Mine arbeiten) hielten. Da jeden Freitag gesoffen wurde, wuerden heute auch weniger Leute arbeiten, erzaehlte Roberto. Gehalt gibt es woechentlich oder zweiwoechentlich - am Ende der Woche selbstverstaendlich. Ausserdem war Freitag immer das Ritual fuer den tío. Den tío haben die Spanier erfunden, weil die Arbeitsmoral der Sklaven wohl verstaendlicherweise nicht so doll war. Es sollte eigentlich ein boeser Gott sein, als ein díos, der die Sklaven und ihre Familien bestraft, wenn sie nicht gut arbeiten. Es half wohl zuerst auch, aber die Aufgabe des tío, wie die Sklaven ihn nannten, da sie díos nicht richtig aussprachen, aenderte sich. Er wurde zum Schutzgott der mineros, die mindestens einmal pro Woche, naemlich am Freitag, den 96%igen Alkohol ueber ihn schuetten, ihm Coca-Blaetter opfern etc., damit er sie beschuetzt und ihre Wuensche erfuellt. Aber der Reihe nach: waehrend die Israelis noch am Kaufen waren und Sarah und ich warteten, kam die Frau der agenica de viaje um scheuchte uns in den minibus, wo uns Roberto zwei Minuten spaeter wieder rausscheuchte. Wir liefen mit ihm zu einem Schuppen, wo Yovanna schon mit Gummistiefeln, Regenhose und -jacke, Helmen und den Lampen wartete. Wir zogen uns schnell um und warteten dann mit Roberto und Yovanna, die vor allem Quechua spricht, aber wohl auch Spanisch und gerade Englisch von Roberto lernt und mit der man lauter reden muss, weil sie auf dem einen Ohr nichts hoert (sie wurde verhext, ist Robertos These) auf einen Bus hoch auf den Cerro Rico. Die Israelis waren wohl mit der anderen Truppe weitergefahren, fanden wir aber auch nicht schlimm. Sie fuhren nur zur Mine, besichtigten sie, und das wars. Wir dagegen fuhren auf den Berg und gingen dann an den Arbeitern vorbei, die Roberto alle kannte, und von denen wir Fotos machen durften ("aber nur von den armen, nicht von den reichen mineros mit den elektrischen Loren, die moegen das nicht"), und stiegen schliesslich durch Matsch und Steine hoch zu der Mine, die wir besichtigen sollten. Dort musste Saras Lampe (wir hatte nicht die modernen mit Batterie, sondern die von frueher, die mit Wasser und einem Calciumoxid betrieben werden, und Leben retten, da die Flamme die Farbe aendert, wenn ein Gas ausstroemt und man sich so in Sicherheit bringen kann, bevor man erstickt. Noch heute muss einer der Gruppe von mineros eine solche Lampe tragen) noch besser gefettet werden, weil die Flasche mit dem Wasser und dem Calciumoxid an Sarahs Taille beim Brennversuch tatsaechlich brannte, was sie eigentlich nicht sollte. Aber auch Assistentinnen muessen ja dazulernen - sie ist erst seit vier Monaten bei Roberto. War dennoch etwas erschrecend, als Srah sozusagen in Flammen stand. Die Reparatur fand in einer kleinen Huette statt, wo ein minero, der schon seit 38 Jahren in den Minen arbeitet, den Regen abwartete. Er hat schon, wie die meisten mineros irgendwann, eine Silikose durch das Asbest in den Minen und hustete Blut. Wenn sie anfangen, sind sie meistens noch Kinder zwischen 9 und 13 Jahren, arbeiten dann 10 Jahre als Assistenten und sind dann socios, koennen also eigenverantwortlich arbeiten und sind wohl versichert. Wenn sie allerdings nichts finden (heute kein reines Silber mehr, sondern Kupfer, Zinn und Zink, z.T. im Gemisch mit Silber), verdienen sie eben nichts. Etwa 20% der mineros sind reich, haben also gute Ausbeuten gehabt, der Rest haelt sich irgendwie ueber Wasser. Schliesslich gingen wir in die Mine, deren erste Meter ganz schoen flach waren, spaeter konnte man aber meistens gerade stehen. Ich fand es z.T. sehr beklemmend, natuerlich stockduster, was wir merkten, als Roberto unsere Lampen einmal ausblies, schlechte Luft (z.T. mit Arsen), aber am schlimmsten fand ichs, als die Sprengungen losgingen. Die sind nur drei Mal in 24h - die Mine schlaeft nie, nachts wirs genauso gearbeitet wie tagsueber. Die ersten Sprengungen waren wohl so 30m weit entfernt, aber dann waren da auf einmal mehrere sehr nahe, so dass Robertro sich auch fragte, arum die denn so nahe waeren. Dann kamen Steine von oben runtergerieselt, so dass wir uns aus der hohen Hoehle doch lieber in einen sichereren Gang entfernten - der bei naeherem Hinsehen auch nicht so doll war, so dass wir lieber noch ein Stueck weitergingen. Das fand ich wirklich beaengstigend und waere am liebsten rausgegangen. Aber Roberto hatte noch ne Menge zu erzaehlen: z.B. die Geschichte, wie er ueber Weihnachten einmal 3 Tage in der Mine war, weil er sich verlaufen hatte und er sozusagen in letzter Sekunde durchgefroren, hungrig und durstig gefunden wurde und seine Eltern danach nicht mehr wollten, dass er in der Mine arbeitet. Mit Touris hatte er sich erst fuenf Mal verlaufen - und jetzt gaebe es ja die Faenchen im Stein, die den Weg wiesen... Nachdem wir fuer Coca Fotos von mineros gemacht hatten, das Ritual mit dem tío gemacht hatten und durch die Stollen gekrochen waren gingen wir endlich gegen 2pm wieder raus an die frische Luft. Was fuer ein Gefuehl! Draussen fuehlten wir uns auf jeden Fall besser als in der Mine. Darin arbeiten zu muessen ist wirklich keine schoene Vorstellung, obendrei, weil so viele Unfaelle passieren. Die Witwen suchen Steinhaufen nach kleinen Resten von irgendwas ab, um etwas Geld zu bekommen, nachdem sie waehrend der Mann noch gelebt hat, nicht arbeiten durften - der Mann bringt schliesslich das Geld nach Hause. Wir fuhren dann wieder nach unten, zogen uns um, wuschen das Arsen von den Haenden und verabredeten uns mit Roberto und Yovanna fuer Dienstagmorgen in Uyuni. Inzwischen war es halb 4pm geworden und wir hatten einen Baerenhunger. So gingen wir ins Potocchi, wo uns die Speisekarte schon am Abend zuvor begeistert hatte und assen uns satt. Fuer mich gab es Lama, das ziemlich lecker war, ganz zart, gegrillt, wirklich nicht uebel. Hinterher waren wir pappsatt, es regnete ziemlich und so gingen wir ohne nochmal durch Potosí zu gehen, was wir ja urspruenglich vorgehabt hatten (es hatte fast waehrend der ganzen Potosí-Zeit geregnet, schade) zum Hostel, liessen uns von einem Taxi zum terminal fahren und nahmen dort ein Sammeltaxi nach Sucre. Nach dem ganzen Essen und bei den wilden Kurvenfahrten wurde mir auf der Fahrt ziemlich schlecht - wie gut, dass es SuperPep (H1-Rezeptor-Antagonist) gibt! Nach etwa 3 Stunden (ca. 160 km) in Sucre angekommen - regnete es natuerlich, wie konnte es auch anders sein. In dem Hostel, wo wir angerufen hatten, empfing uns ein Klogeruch und keiner wusste etwas von uns. So wurden wir in ein dormitorio gesteckt - immerhin hatte jeder ein eigenes Bett -, was auch nicht viel mehr als sein 15 Bs. (1,50 Euro) pro Nacht wert war. Wir waren einfach froh im trockenen und im Bett zu sein, so dass wir kaputt nach einem Obstabendbrot sofort einschliefen. Allerdings waren wir in der Nacht oefter wach, da direkt unter uns bis morgens um 6am Karaoke gesungen wurde, was je spaeter - oder frueher - desto schiefer wurde. Puh...
Trotzdem recht gut ausgeschlafen startete ich den Sonntag mit einer Dusche, aus der meistens Wasser, ganz am Schluss sogar warmes Wasser kam. Was fuer eine Wohltat! Wir brachen dann recht frueh auf, kauften fuer Morgen, Montag, Tickets fuer den Bus nach Uyuni und nahmen dann den Micro C zum Halt der Busse nach Tarabuco, denn dort sollte ja das Pujllay (gesprochen Puchjai) stattfinden. Natuerlich boten auch lauter Agenturen eine Fahrt dorthin an, aber wenn man mit oeffentlichen Verkehrsmitteln fuer weniger als die Haelfte fahren kann... Nach knappen zwei Stunden Fahrt waren wir gegen 11am da. Leute in verschiedenen bunten Trachten liefen durch die Gegend, gestalteten Umzuege, es gab Maerkte mit Essen und Souvenirs (wo ich mich mal wieder nicht zurueckhalten konnte...) und natuerlich waren wir nicht die einzigen Touris, die durchs Bild liefen... Auch Astrid, die Historikerin, die wir im Convento in Potosí kennengelernt hatten, trafen wir kurz. Irgendwann setzte sich alles in Richtung Sportplatz in Bewegung und wir natuerlich mittendrin. Dort stand eine Art Maibaum, allerdins behangen mit lauter Flaschen (Bier, Cola, Limo etc.), Obst, Gebaeck... Darum tanzte eine Gruppe nach der anderen. Manche hatten grosse, klirrende Sporen an ihren Holzschuhen und waren vor allem in grelles Pink gekleidet, andere sahen eher harmlos aus, sangen aber in so extremen Stimmen (besonders die Frauen), dass es sich kaum mehr menschlich anhoerte. Nach vielen Eindruecken, Fotos, gefundenen und gegessenen Maiskolben, machten wir uns gegen 2pm wieder auf den Weg zum Bus. Da hoerten wir einen Hubschrauber ueber uns kreisen, Menschenmassen liefen an uns vorbei auf den Platz den wir eben verlassen hatten - Evo kam! Evo Morales, der Praesident Boliviens ist also immer dort, wo was los ist. Ob carnaval in Oruru oder Pujllay in Tarabuco - Evo ist volksnah und dabei und das Volk liebt ihn, den ersten indigenen Praesidenten, der sich mit seinem Freund Chavez gerade in El Alto, also eigentlich La Paz getroffen hatte um ueber den Mercado Sur (Art suedamerikanische Weltbank, momentan mit Venezuela, Argentinien und eben Bolivien als Mitgliedern) zu sprechen. Wir gingen aber weiter und schnappten uns einen Bus Richtung Sucre, Evo wuerde sowieso von einenr riesigen Menschenmenge umgeben sein. So waren wir gegen 4pm wieder in Sucre und hatten noch Zeit durch diese weisse Stadt zu gehen - man bemerke: bei schoenstem Sonnenschein und blauem Himmel! Nach drei Tagen Regen war dies aber auch wirklich mal wieder ganz nett. Sucre liegt ja ohnehin tiefer bei "nur" 2600m, so dass es auch waermer ist als in Potosí. Wir gingen erstmal zum Hauptplatz (Plaza 25 de Mayo), assen eine Pizza auf der Plaza, die natuerlich auch von weissen Haeusern bzw. der strahlenden Kathedrale umgeben war. Sucre ist fuer mich eine Mischung aus La Paz und Cochabamba - voller Leben und Menschen in Trachten, aber mit weniger Verkehr, sauberer Luft und angenehmer Hoehe sowie Temperatur - perfekt also. Eine Stadt, die begeistert - vielleicht auch ein bisschen, weil endlich die Sonne wieder scheint, und somit die weissen Haeuser umso strahlender scheinen. Wir fanden auch noch einen tollen Supermarkt, in dem wir uns fuer die morgige etwa 9-11-stuendige Busfahrt nach Uyuni eindeckten. Anschliessend noch ein bisschen durch die Strassen wandeln und da der Abend ja noch freuh ist (war) mal wieder den Blog fuellen. Die naechsten Tage werden schliesslich dank Abgeschiedenheit in der Salar internetfrei. Aber es kann ja nichts schiefgehen - mit einem guía wie Roberto (ich schaetze, meine Eltern werden fast ein wenig neidisch werden, hm?). Wir freuen uns schon sehr auf unsere letzten Tage Bolivien - denn nach der Salar geht es nahtlos weiter nach San Pedro de Atacama, Chile...
3月15日 Abschied von La PazHallihallo liebe Lesenden, den ganzen Nachmittag schon regnet es hier in La Paz in stroemen - sogar der Himmel weint also darueber, dass wir heute nach einem Monat dieses grosse Dorf verlassen und in die Welt hinausziehen... Daher also dieser abschliessende Eintrag (wenn der Blog es endlich zulaesst, dass ich ihn reinstelle, er ist gerade etwas zickig...), obwohl ich doch gerade eben meinen letzten geschrieben hatte. Mir geht es koeperlich wieder gut, nachdem ich Montag wirklich ziemlich schlapp war. Nach dem Internetbesuch bin ich gleich ab ins Bett und habe erstmal ein paar Stunden geschlafen. Irgendwann kam dann Sarah aus ihrer Spanischschule und ich raffte mich auf, da wir ja dringend noch auf Souvenirjagd in der Sagarnaga, DER Souvenirmeile von La Paz, gehen mussten, was wir uns fuer unsere letzten Tage hier aufgehoben hatten. Die Einkaufstour begann allerdings in einem Sussigkeitenladen ("Chocolandia"), in dem Sarah sich mit Lakritze, ich mich mit Gummifroeschen ("Mein Froeschli") von Haribo eindeckte und wir auch noch Lindtschoki fuer Gastgeschenke erstanden. In der Sagarnaga schliesslich war ich tatsaechlich auch ziemlich erfolgreich, merkte aber schnell, dass wir in fitterem Zustand wohl noch einmal wiederkommen muessten. Ich war schlapp und Sarah nicht in Shoppinglaune. Also wieder zurueck ins Bett. Dort fand uns dann auch Mariano, der eigentlich am Titicacasee sein wollte, aber wieder zurueckgekommen war, weil er ohne Reisepass, den er im Hostel gelassen hatte, nicht weiterkam. Bloed gelaufen. Dienstag ging es mir schon wieder besser, so dass ich ins Hospital ging. Schliesslich wollte ich meine letzten Tage dort noch einmal richtig nutzen. In der Visite war mein Kreislauf ziemlich im A..., aber die war ja irgendwann zu Ende. Dann war eine kleine Unterrichtsstunde mit Felix und den Studis ueber EKG-Auswertung, was ich von ihm schon einmal mit der anderen Gruppe gehoert hatte, da die Studenten nur drei Wochen Kardiologie haben, und ich ja nun mal einen Monat dort war und so eben z.T. in den doppelten Genuss von Inhalten kam, was bestimmt nicht geschadet hat, aber auch nicht mehr ganz so spannend war. Da Felix etwas spaeter kam, unterhielt ich mich vorher noch mit Viviana, die gerade von den anderen geschnitten wird, weil ihr Handy im Hospital geklaut wurde, sie jemanden verdaechtigt hat, von dem man immer noch nicht weiss, ob er es war, und sie jetzt alle doof finden, was ich etwas albern finde. Jedenfalls findet sie es wohl gerade ganz gut, dass ich wenigstens zum Unterhalten da bin, und die anderen scheinen das auch in Ordnung zu finden; mich behandeln sie jedenfall nach wie vor sehr herzlich und nett. Nach dem Unterricht zog ich mit Felix auf Konsiliarbesuch los und schliesslich war es halb 1pm und wir gingen nach Hause. Allerdings verabredeten wir uns fuer spaeter, da er nachmittags immer Echokardiographien (Ultraschall vom Herzen) in einem andern Zentrum macht. Erstmal ging ich allerdings wie gewohnt nach Hause, ass Mittag und ging anschliessend mit Sarah ins Musikinstrumente-Museum, was ganz nett war, weil in jedem Ausstellungssaal passende Musik zu den Exponaten (Charangas, Panfloeten, Gitarren jeder Form und Groesse etc.) lief und man auch alles mal ausprobieren konnte, was wir natuerlich extensiv machten. Es schloss sich auch noch eine kleine Kunstausstellung an - aber das eigentlich interessante war die cocakauende alte Frau im Innenhof. Und natuerlich die Strasse (Calle Jaen), in der das Museum lag, da sie gar nicht nach La Paz passte: eine enge Kopfsteinpflasterstrasse mit ganz bunten Haeusern, richtig gemuetlich - was man in dieser Stadt nicht alles finden kann... Nach der Museumstour und einem kurzen Internetcheck machte ich mich auf den Weg nach Sopocachi, einem Viertel im Sueden der Stadt, wo ich mich mit Felix vor dem Hipermercado Ketal, dem einzigen richtigen Supermarkt, den wir hier entdeckt und gerne besucht haben, verabredet hatte. Er war auch ganz stolz in deutscher Puenktlichkeit angekommen zu sein, aber ich war immer noch frueher da gewesen *grins* Wir nahmen uns ein Taxi, dass eine bestimmte Strecke abfuhr, und daher guenstiger war, als normale Taxis, und fuhren noch weiter in den schickeren Sueden. Dort war naemlich das Kardiozentrum, was tatsaechlich so hiess, da seine Besitzer deutscher Abstammung sind und, zwar mit ziemlichem Akzent, aber doch deutsch sprachen. Felix, der ja immer ganz wild auf neue deutsche Woerter ist, lernte "Hallo Chefin" und "Tschuess Chef" und fand es unheimlich witzig - so ein Scherzkeks. Ausser der Besitzerin, die Echos von Kindern macht, und Felix, der fuer die Erwachsenen zustaendig ist, arbeiten noch zwei Aerzte, mit denen Felix befreundet ist und sehr gut zusammenarbeitet neben der Krankenhausarbeit in dieser freundlichen, organisierten und gut ausgestatteten Praxis. Heute hatte er nur einen Patienten, allerdings dauert so ein Echo hier etwa eine Stunde (viel laenger als in Deutschland), alles wird durchgecheckt und im Endeffekt bekommt der Patient fuer die immerhin etwa 100 US$ eine CD mit 30-40 Bildern und kleinen Filmen (in anderen Teilen der Welt, die sich entwickelt nennen, gibt es wohl nur zwischen vier und sechs Bildern pro Patient, was Felix zu wenig findet. Nach der einstuendigen Untersuchung, die ich total spannend fand und dank Felix' vielen Erklaerungen auch tatsaechlich was sah und verstand, und vielen Small-Talk (die hier groesser ausfallen) nahmen wir ein Colectivo und fuhren zurueck in die Stadt. Dort fuhr ich dann nach Hause wo ich Sarah und Mariano traf, mit dem wir Abendempanadas zum Abschied assen, weil er noch in dieser Nacht nach Potosí fahren wollte. Mittwoch, gestern also, war morgens wir immer mittwochs zunaechst die Vorstellung eines Caso Clinico, diesmal von Ximena, einer total netten Assistenzaerztin, den ich mal wieder sehr informativ fand, die anderen, besonders der maestro, aber natuerlich wieder auseinandernahmen. Hm, kann man das nicht auch irgendwie respektvoller und freundlicher machen? Ich glaub, ich haette da Probleme mit, als "Betroffener" nicht zu widersprechen - aber das ist eben auch ein Unterschied zwischen dem Verhaeltnis zwischen Aerzten hier und in Deutschland. Natuerlich ist es nicht immer Fride-Freude-Eierkuchen-Stimmung, aber im Grossen und Ganzen empfinde ich es doch eher als weniger kriecherisch und untertaenig, was ich bisher so erlebt habe. Mal sehen, wie es das in 10 Jahren so erlebe... Anschliessend, wie mittwochs eben, luden ein Paar Pharmavertreterinnen zu Empanadas und Cola/Café ins Sekretariat, Fruehstueckspause... Dann Visite und ab mit Felix zu Konsiliaruntersuchungen. Immer wieder toll! Er stellt mich dann immer irgendwelchen mal ehrerbietigen, mal lustigen, mal interessanten Aerzten vor, die wir auf dem Weg treffen, so dass mich immer wieder Leute gruessen, die ich gar nicht mehr einordnen kann. Unser letzter Besuch war in der Neurologie, wo ich Klaus kennenlernte, ein Famulant aus Tuebingen, der aber die ersten beiden Jahre in Goettingen studiert hatte, was fuer ein Zufall. Felix fing gleich mit seinen tollen Erklaerungen an und begeisterte und interessierte Klaus gleich so, dass dieser naechste Woche Dienstag mit Felix mitlaufen wird - beneidenswert! Ich lernte gleich auch noch, dass sistolische Geraeusche ueber der Mitralklappe, die bandfoermig Richtung Xiphoid laufen, ueber der Mitralklappe aber am staerksten zu hoeren sind, fuer einen Ventrikelseptumsdefekt (bei hohem Ton eher weiter unten, weil Muskeltrabekel es etwas verschliessen, bei tiefem Ton eher weiter oben, also membranoes) sprechen und nicht fuer eine Mitralklappeninsuffizienz, die man eher ueber der Mitralklappe Richtung lateral hoeren wuerde. Ziemlich logisch eigentlich - und mal wieder total spannend. Mit Klaus verabredete ich mich dann fuer abends um mal Erlebnissberichte auszutauschen. Nachmittags ging ich mit Sarah erstmal Buskarten fuer den naechsten Tag fuer unsere Nachtfahrt nach Potosí kaufen - das Ende der tollen La Paz-Zeit war also in greifbarer Naehe... Sehr zwiegespaltene Gefuehle: toll endlich losreisen zu koennen, andererseits auch traurig das vertraute und liebgewonnene La Paz sowie auch die Kollegen, besonders natuerlich Felix, zu verlassen... Aber erstmal ging es fuer einen zweiten Souvenirkauf-Anlauf in die Sagarnaga, wo wir wieder aeusserst erfolgreich waren. Es gibt aber auch einfach so schoene Dinge hier... Es war aber auch schon relativ spaet geworden, so dass wir Richtung Plaza Murillo gingen, ich noch schnell eine zweite Foto-CD brennen liess, wir schliesslich auf Klaus trafen und in Café Torino gingen, das im Torino-Komplex, wozu ja auch unser Hostel gehoert, liegt und wo wir lieber spaet auch nie endlich mal essen wollten. War auch ganz lecker. Ich ass das erste Mal seit wir hier sind richtig Fleisch, allerdings finde ich nach wie vor, dass Bolognese mit Hackfleisch und nicht normalem Fleisch gemacht wird, aber nun denn. Es wurde ein sehr netter Abend mit abschliessendem Internetbesuch - direkt neben dem Essbereich, wie praktisch. Klaus fuhr wieder nach Hause und wir machten uns ans endgueltige Packen. Mein Rucksack ist ganz schoen voll geworden, uiuiui - wir haben doch noch einen Monat... Heute, Mittwoch, brachten wir erstmal unsere Rucksaecke ins deposito des Hostels, wo natuerlich der bloede Giftzwerg an der Rezeption sass, der einen nicht anguckt, aber nur bloede anmacht, von wegen, wenn der Schluessel nicht abgegeben wird, muessen wir noch eine Nacht bezahlen - wir sind ja nicht doof. Ausserdem waren wir garantiert die Gaeste des Monats, wer bleibt schon so lange wie wir? Nun denn... Im Hospital angekommen ging ich zunaechst zum maestro um meine Einmalhandschuhe und eine Flasche Desinfektionsmittel abzuladen, die ich nicht gebraucht habe, und jetzt nur Gewicht sind. Er fands wohl super. Vor allem wahrscheinlich die Tafel Lindt-Schoki... Letzte Visite mit Kreislaufproblemen, letzte Unterrichtsstunde und dann noch einmal mit Felix Consulta machen. Ich bat ihn, mich auch mal eben abzuhorchen - wann trifft man schon mal so 'nen tollen Kardiologen? Er fand heraus was ich schon wusste (funktionelles Systolikum, nur ganz kurz in Proto-Systole), aber auch nicht mehr. Ausserdem erzaehlte er, dass das Krebsrisiko auch mit der Blutgruppe zu tun hat. Leute, die A oder B haben bekommen eher Krebs also welche mit 0 - juchu, dann siehts ja gut fuer mich aus. Warum das so sein soll, weiss ich aber nicht... In der Consulta machte ich sogar eine richtige Diagnose und Felix war ganz stolz auf mich: zweiter Herzton verstaert wegen Parasiten, wahrscheinlich Taenien, die mit ihrem Zyklus (Loeffler-Zyklus???) dafuer verantwortlich sind. Ausserdem wertete ich die EKGs aus und Felix war auch damit sehr zufrieden. Freu mich gerade total aufs naechste Semester, da gehts naemlich gleich mit Kardiologie los! Und ich habe mich auch schon ueber gute Untersuchungsbuechr informiert - hab gerad ganz viel Lust mehr ueber klinische Untersuchungen zu lernen und hoffe, dass dieser Entusiasmus lange anhaelt. Um 11am war wie jeden Donnerstag Unterricht mit einem groesseren Teil des Semesters im Instituto Nacional del Tórax nebenan. Heute ging es um Blutdruckmessen und Bluthochdruck - nicht viel Neues fuer mich nach dem Monat. Ich kann jedem interessierten nur den 7. Internationalen Konsens zum Hypertonus zum Lesen empfehlen - da hat man ab 120/80 schon einen Praehypertonus... Das wird aber wohl eher in Amerika als in Europa so gesehen, die haben dann wieder anderen Leitlinien... Nach dem Unterricht kam der Unterricht von den Studenten - und der von Felix, der uns beiden nicht ganz leicht fiel. Er meinte schon den ganzen Tag, dass er mich vermissen wuerde - aber nicht lange, denn er fliegt dann einfach nach Deutschland und besucht mich. Damit er auch fleissig weiterlernt, habe ich ihm mein Woerterbuch geschenkt - er hat mich ja ohnehin jedem als seine "instructora del aleman" vorgestellt. Und natuerlich gab es auch fuer ihn die obligatorische Lindt-Schoki. Ihn kennenzulernen war wirklich toll - was kann motivierender sein, als ein guter Arzt?! Wir wollen auf jeden Fall in Kontakt bleiben. Ich verabschiedete mich dann noch vom Rest des Pabellón Italia und schliesslich natuerlich auch vom maestro, der mir zum Abschied noch eine aktuelle Veroeffentlichung von ihm schenkte und ausserdem ein Buch mit Leitlinien, ebenfalls vor allem von ihm, zwar von 1997, aber bestimmt interessant. Fand ich total lieb und werds mir auf jeden Fall mal vornehmen. Und wenn ich mal als PJlerin wiederkommen wollte, sei ich immer willkommen - mal schauen. Was ich ziemlich krass finde, ist, dass der maestro schon 70 Jahre alt ist - normalerweise arbeitet man hier bis 65, aber er ist einfach begeistert von dem, was er tut. Der eine residente, also Assistenzarzt meinte heute, dass es zwar unheimlich hart sei unter ihm zu arbeiten, aber die Behandlung im Pabellón Italia sei dir Beste in ganz Bolivien. Kann ich ihm glaub ich wirklich fast glauben. Jeder muss hier immer auf dem Laufenden mit der neuesten Forschung und den neusten Studien sein, die zwar nicht so sehr als Dogma gelten sollten ("Ich glaube nur der Studie, die ich selbst gefaelscht habe"), aber die Ansaetze sind bestimmt nicht immer ganz schlecht. Sarah holte mich ab und wir gingen erstmal was essen - bei Dumbo, einem der tollsten Eislaeden hier. Das Essen war super!! Frisch, lecker - und sie haben auch sehr gute nicht-Eis-Gerichte. Nach langem Essen, Sitzen und dem Regen zuschauen, rafften wir uns doch auf, kauften noch etwas Esskram fuer heute Nacht, denn schliesslich dauert die Fahrt normalerweise zwischen 9 und 11 Stunden - um 8pm gehts los, juchu! Ab nach Potosí, der hoechsten Stadt der Welt (4070m) ...! 3月12日 Tanzmarathon und CochabambaUeber eine Woche seit dem letzten Eintrag - da ist natuerlich ne Menge passiert: Am Sonntag, dem 04. Maerz also, nahmen wir den Micro (Art amerikanischer Schulbus, nur viel bunter) Richtung Sueden von La Paz. Zunaechst uebermannte uns Sprachlosigkeit, denn in diesem reichen Viertel (je weiter nach unten, sowohl suedlich als auch von der Hoehe her, desto reicher, El Alto oben also am aermsten) fuehlten wir uns wie in einer anderen Welt. Schicke Haeuser, Gaerten, Jogger, alles sauber und ordentlich, keine Menschen in traditioneller Kleidung... Schliesslich kamen wir am Valle de la Luna, unserem Ziel an. Es traegt seinen Namen zu Recht: wenn der Mond nicht so aussieht, wie dann? Na gut, die vielen bluehenden Kakteen und anderen bunten Blumen vielleicht ausgenommen. Wie hatten mal wieder ein riesen Glueck mit dem Wetter, so dass die weissen Sandsteinfelsen in der Sonne weiss strahlten. Nach einem Rundgang verliessen wir diesen aeusserst empfehlendwerten Ort und gingen etwa eine halbe Stunde bergab, bis wir zum Zoológico kamen. Dort sahen wir uns Flamingos, Lamas, Vicuñas und Alpacas, Pferde, Schafe und Ziegen (na so was), Condore, Wildkatzen (als einzige in viel zu kleinen Kaefigen, nach dem Motto: Puma, Jaguar etc. Braucht jeder Zoo, auch wenn er eigentlich nicht so dafuer ausgelegt ist) und Affen – und wir waren auch eine Attraktion, als einzige Touris, so dass ein Bolivianer sogar ein Foto von mir machte. So ist das also... Puenktlich zu den ersten Regentropfen nahmen wir einen minibus zurueck ins Zentrum. Dem Wetter zum Trotz wollten wir endlich mal das leckere Eis probieren, was es an der Verlaengerung der grossen Strasse, der Av. Arce gab. Ananas schmeckte zwar erst nach der ersten halben Kugel, aber schweizer Schoki und die Waffel waren super. Montag ging es wieder an die Arbeit. Die neuen Studenten kamen um sich vorzustellen und Felix wies sie in die wichtigsten Punkte bei uns im Pabellón Italia, unserer Kardiologie/Nephrologie also, ein, die denn waeren: Puenktlichkeit (wer erst nach 8am zur Visite erscheint, gilt als nicht dagewesen und muss eine Entschuldigung mitbringen), Hoeflichkeit (oder auch Unterwuerfigkeit (?) dem maestro gegenueber, ein lautes und deutliches „Buenos dias, doctor!“ also, auf das er wie es ihm gefaellt antwortet oder auch nicht) und Hausaufgaben, die man selbststaendig gemacht hat (daher handschriftlich und kein copy-paste) und die immer zum darauffolgenden Tag zu machen sind. Nach der Arbeit traf ich mich mit Sarah im Supermarkt von wo aus wir zum Restaurant „Armonía“ aufbrachen, was als DAS vegetarische Restaurant im Lonely Planet gehandelt wurde. Es war auch gar nicht schlecht – vor allem, weil es ein Bueffet gab, an dem man sich mit Suppe, Reis, Bohnen und anderem Gemuese und Salat vollfuttern konnte, aber etwas mehr Waerme und Geschmack, sprich Gewuerze, haetten nicht geschadet. Anschliessend machten wir uns auf die Suche nach dem Reisebuero von Michael Schoettle, der uns bei unserer Ankunft das Taxigeld vorgetreckt hatte, was wir ihm nun zurueckbringen wollten. Nach einigem Gesuche fanden wir auch tatsaechlich das Gebaeude, bastelten einen Briefumschlag fuer das Geld und gaben es in der Rezeption ab. Schulden beglichen, gutes Gefuehl. Auf dem Nachhauseweg gingen wir an einer superbilligen Telefonierstation vorbei (0,80 Bs., also weniger als 0,08 Euro), von wo ich zu Hause anrief und mich nett mit meiner Schwester Marcella unterhielt, da sonst keiner da war. Risiko des Spontananrufs, der ja aber Dank Marcella nicht vergeblich war. Noch kurz ein Besuch auf dem Markt zwecks Avocado, Bananen und Weintrauben einkaufen und dann kurz zum Ausruhen und Essen nach Hause ins Hostel. Um 19:30pm ging es schliesslich schon wieder weiter: Salsaunterricht! Dort lernte ich Paula und Patricia kennen, mit denen ich mir immer einen Mann teilen musste, da dieses mal wieder Mangelware waren. Wie es der Zufall so wollte hatte Paula gerade ihr Medizinstudium beendet, und war wo 15 Tage ihres PJs gewesen? Im Pabellón Italia. So ein Zufall! Sie war aber ziemlich froh, dort nur so kurz gewesen zu sein, weil der maestro so streng und anspruchsvoll ist und ganz schoen laut werden kann, wenn ihm etwas nicht passt. Am Dienstag wollten Sarah und ich nachmittags ins Museo de Textiles. Wir brachen also nach dem Mittagessen und traditionellen anschliessenden Doesen im Bett gegen 3pm auf. Nach etwa einer halben Stunde fanden wir das Museum auch tatsaechlich und es sollte auch offen sein, man moege doch bitte klingeln, wenn man es besuchen wollte. So klingelten wir, und klingelten nochmal, klopften, klingelten – doch nichts ruehrte sich. Schade eigentlich. Also Rueckkehr ins Zentrum, Besuch im Internet und nach Hause. Dort schnell was essen, damit der Verdauungsvorgang schon halbwegs beendet ist, wenn es dann um 8pm zum Tango geht. Ja, ausser der Reihe war diesmal dienstags Tango, nicht nur samstags, was fuer uns immer ziemlich unguenstig gelegen ist, da wir am Wochenende ja immer unterwegs sind. Es war eine Benefiztangostunde fuer die Opfer von El Niño im Beni. War auch ganz nett und wir haben El Ocho und La Marcha gelernt – aber alles mit der Tanzlehrerin, da Anfaengermaenner leider nicht vorhanden waren. Ich muss aber sagen, dass ich bis jetzt eindeutig eher der Salsafan bin – auch wenn die Tangomusik auf jeden Fall schoen ist. Wahrscheinlich muss ich einfach noch mehr lernen – z.B. naechsten Dienstag, da gibts naemlich schon wieder Tango. Find ich super. Mittwoch war der Morgen etwas durcheinander. Positiv war, dass zunaechst um 8am eine Fallvorstellung eines Assistenzarztes war – die natuerlich vom maestro hinterher auseinander genommen wurde. Aber man konnte dabei sitzen, was nach dem beiden Morgen davor, an denen mein Kreislauf ziemlich rumgesponnen hatte und ich mich immer irgendwann in Assistenzartzzimmer aufs Bett zurueckgezogen habe, sehr gut war. Anschliessend wartete ich mit den Studenten auf die Visite. Wir warteen ziemlich lange, aber die Gespraeche waren sehr interessant. Eine der Studentinnen, Viviana, arbeitet neben der Uni in einem Strassenkinderprojekt, dass sie selbst mit gegruendet hat - insgesamt mit 8 Freiwilligen und 250 Kindern. Sie haben jetzt einen US-amerikanischen Sponsor gefunden, um ein Gesundheitsnetz fuer diese Kinder ins Leben zurufen - sie will natuerlich Kinderaerztin werden. Ein anderer Student fragte mich, warum denn alle Deutschen so rassistisch waeren. Da musste ich erstmal schlucken und fragte ihn, wie er denn darauf kaeme. Na, bei der Fussball-WM letztes Jahr in Deutschland wollten doch die Deutschen nicht, dass dunkelhaeutige Spieler spielten. Ich stellte erstmal klar, dass das ueberhaupt nichts mit Rassismus, sondern internationalen von der FIFA und nicht von Deutschland aufgestellten Regeln zu tun hat, mit Nationalitaet und nicht mit Hautfarbe und fragte noch mal nach, ob er wirklich dachte, dass alle Deutschen Rassisten waeren. Ja, das hatte er gedacht. Ich kam gar nicht darueber hinweg und meinte, dass es natuerlich in jedem Land bescheuerte Menschen gab, aber die grosse Mehrzahl nicht so stupide waere. Viviana pflichtete mir bei und meinte, dass es auch hier in Bolivien rassistische Menschen gibt, was er aber sofort abstritt. Hier doch nicht! Sie ist aber scheinbar viel besser informiert und auch weltpolitisch eher auf dem Laufenden als er. Als ich spaeter mit Felix unterwegs war, erzaehlte er mir, dass er nach seiner Facharztausbildung, also schon als fertiger Kardiologe, einige Zeit in einem der groessten und besten Krankenhaeuser in Santiago de Chile gearbeitet haette. Dort machte er vor allem Echokardiographien und wurde immer nur "Bolivianer" gerufen, wenn jemand was wollte. War ja nur einer aus dem armen Nachbarland. Eines Tages kam ein Patient mit Verdacht auf Chargas in die Klinik. Da man in Bolivien viel mehr Erfahrung mit dieser Krankheit hat, als in Chile, wurde Felix, "der Bolivianer" also, gerufen, um ihn sich mal anzusehen. Er ging einmal ums Bett rum, fuehlte den Puls, und - ohne den Patieten abzuhorchen - meinte er, dass er kein Chagas haette, sondern eine Aortenklappe, die sofort ausgetauscht werden muesse, die Mitralklappe koennte man noch reparieren. Fassungslos meinte der Chef, dass, wenn er Recht haette, er ab morgen ein maestro sei, also Unterricht fuer die Studenten geben sollte, falls seine Diagnose falsch sei, haette er ein Problem. Sie verifizierten also die Diagnose per Echokardiographie, der Patient wurde sofort operiert - sozusagen in letzter Sekunde - und Felix gab seine ersten Unterrichtsstunden. Mit klinischem Blick und Wissen kann man also echt ne Menge machen - u.a. Leben retten und Eindruck schinden. Hinterher war er nicht mehr "der Bolivianer"... Nachmittags wollten Sarah und ich eigentlich einen zweiten Versuch machen, ins Textilmuseum reinzukommen. Allerdings waren wir beide so kaputt, dass wir die mittaegliche Doesetradition ausdehnten, bis es sich nicht mehr gelohnt haette. Also ein bisschen Zeitungslesen, nochmal auf den Markt und abends wieder zum Salsa, ich zumindest, zum Salsalernen hat Sarah hier keine Lust. Nachdem ich meinen Partner von vor einer Woche frohen Mutes einer anderen Frau ueberlassen hatte, tanzte ich mit Alvaro, der es besser drauf hatte und mit dem es ganz witzig war.
Donnerstagmorgen herrschte eine nicht so gute Stimmung bei der Arbeit. In der Visite wurde der maestro teilweise ziemlich laut, weil irgendwas nicht gemacht worden war. Ich finde es auch immer wieder merkwuerdig, dass die Assistenzaerzte es nicht schaffen, bei einer Patientin, die wegen Diabetischem Koma kam und nun auf Insulin eingestellt wird, morgendlich vor der Visite den Blkutzucker zu messen, was doch eigentlich der Standard ist – und das geht nun schon seit ueber einer Woche, dass der maestro jeden Morgen fragt, wie denn der Blutzucker ist, und dann einer losrennt um das Geraet zu besorgen. Wenn man da an den Standard in Deutschland denkt, ist es schon krass. Da wuerde einfach eine Schwester alle zwei Stunden messen und man haette einen informativen Ueberwachungsbogen. Im Unterricht ging dann die Strenge weiter: Zwei der Studenten waren zu spaet in die Visite gekommen, was ja die Verletzung einer der heiligen Regeln widersprach, so dass Felix ziemlich sauer war und ueber sie sprach, als waeren sie gar nicht da – waren sie ja laut der Ankuendigung am Montag auch nicht, sie waren ja zu spaet gewesen. Gut das ich immer puenktlich und zuverlaessig bin, mit Felix komme ich nach wie vor richtig gut klar. Er meinte auch schon, dass er es richtig schade findet, dass meine Zeit hier bald zu Ende ist. Ich solle doch als Pjlerin wiederkommen... Samstag machten wir ganz im Urlaubsfeeling weiter. Nachdem es die ganze Nacht durchgeregnet und auch noch nicht so ganz aufgehoert hatte, als wir gegen 8am voellig ausgeschlafen loszogen, setzten wir uns ins Cristal und fruehstueckten. Was fuer eine Fruehstuck! Obstsalat, frischer O-Saft, Pfannkuchen, Ruehreier, Milchkaffee – einfach super. Sehr gut gestaerkt machten wir uns also auf den Weg zum teleférico, der Seilbahn hoch zur angeblich groessten Christusstatue der Welt (Cristo de la Concordia), die die Stadt ueberblickt und nachts sogar in verschiedenen Farben leuchtet, ja ja. In diese konnte man auch reingehen und in ihr hochklettern, so dass man einen schonen Blick ueber die weite Stadt mit ihrem Tuempel, der Laguna, hatte. Anschliessend stiegen wir den Cristo und den Berg wieder runter und rannten etwas durch die Stadt – voellig entspannt bei dieser geringen Hoehe und den fehlenden Bergen, die man in La Paz die ganze Zeit hoch und runter rennt. Vorbei an der Universidad Mayor de San Simon erreichten wir einen Park in den wir uns setzten – und wo Sarah fast einen O-Saft von einem der Strassenverkaeufer gekauft haette, wenn er nicht seinen Plastiksaftbecher im Springbrunnen in der Mitte des Parks ausgespuelt haette. Wir zogen weiter, erstanden auf dem Weg eine Ananas, die wir an einer Strassenecke sitzend schlachteten, riefen in einer der billigen Telefonstationen mal zu Hause an, da es gerade anfing zu nieseln – und diesmal war sogar meine ganze Familie (ausgenommen natuerlich mein Bruder Manuel – www.manuincostarica.blog.de) am Telefon versammelt, was natuerlich toll war. Fertig telefoniert wandelten wir ueber den super Obst- und Gemuesemarkt, wo wir einen Grosseinkauf mit Bananen, Moehren, Tomaten, Weintrauben, Avocado etc. machten und Neues probierten: Mocachinchi (Pfirsich in verduenntem Pfirsichnektar), Tunas, Pacaya, spaeter auch noch frische Feigen. Von den Tunas und Feigen waren wir ziemlich begeistert, so dass sie in unseren Essensplan aufgenommen werden. Nachdem wir unser Rueckfahrtsticket fuer den naechsten Tag nach La Paz besorgt hatten machten wir uns auf den Weg in Richtung Norden, also im Prinzip Zentrum von Cochabamba. Dort setzten wir uns auf die Plaza Colón, wo uns eine schicke Frau tatsaechlich fragte, warum wir denn so schlechte Menschen seien, nachdem wir ihr irgendwas fuer nen guten Zweck nicht abgekauft hatten. Da musste ich dann doch mal widersprechen, ich mach ja viel mit, aber von so einer Tante, ne! Wir assen dann die besten Empanadas bisher – von Wistupiku, sehr zu empfehlen. Und zum Nachtisch ein super Eis. Schlemmend sassen wir also auf der Plaza, genossen die Sonne und die gute Luft. Cochabamba ist zwar toll – aber nicht so wirklich Bolivien. Hat mich etwas an Antigua erinnert. Ausser auf dem Markt und im Terminal de buses eigentlich keine Menschen in Trachten, ziemliches Urlaubsfeeling mit der Sonne, der viel saubereren Luft als in La Paz und auch einfach breiteren und leereren Strassen. War fuer mal rausfahren toll und sehr entspannend, aber wir sind beide froh, dass wir in La Paz wohnen und dort doch einen ganz anderen Eindruck von diesem Land bekommen – unserer Meinung nach einen autentischeren. Nachdem wir dann fuer Sarahs Nikon-Spiegelreflex leider nicht erfolgreich auf Objektivjagd gegangen waren (hier wohl viel billiger, als in Deutschland), setzten wir uns auf die Plaza 14 de Septiembre, sahen jugendlichen Breakdancern zu, die fuer einen Auftritt am Abend Werbung machten, wohl ein Programm, um Jugendliche von Drogen abzuhalten, danach einem Sprazkuenstler, der sogar einen Atemschutz aufhatte, sehr ueberraschend. Und dann ab ins Hostel, Abendbrot essen, noch ein bisschen Quatschen und frueh schlafen. Schlafen ist doch einfach toll!!!
Sonntag schliesslich fuhren wir bei Regen um 10am in Cochabamba los. Von der Fahrt gibt es eigentlich nicht viel spannendes zu berichten. Wahnsinnslandschaft, klar. Ausserdem war der Bus ein Doppeldecker und wir sassen oben in der ersten Reihe, hatten also einen richtig tollen Blick. Neben uns sassen ein Israeli und ein Touri aus irgendeinem englischsprachigen Land. Hier ist es oefter so, dass Leute in den Bussen Werbung fuer ihre Produkte machen und da wirklich ne Menge labern, was aber immer ziemlich amuesant ist. Heute: Zahnbuersten. Die beiden neben uns fanden das wohl total aetzend und stoerend, stoehnten genervt, und drehten schliesslich ihr Radio ganz laut auf, was wir total unhoeflich und voellig unmoeglich fanden. Wir sagten ihnen dann auch, dass sie es doch bitte leiser machen sollten, wir wuerden da zuhoeren. Warum das denn? Weil das interessant sei – und ausserdem sei das Bolivien! Verstanden sie gar nicht, und jetzt waren wir natuerlich auch total doof. Solche Bloedis! Vor allem der Israeli benahm sich daneben, legte seine dreckigen Schuhe gegen die Fensterscheibe, obwohl ihm einer der Busleute schon gesagt hatte, dass er das nicht machen solle. Dementsprechend sah natuerlich hinterher die Scheibe aus. Ausserdem gab es zeitweise richtige Meutereien im Bus. Gerade zwei Frauen regten sich sehr darueber auf, wenn der Bus irgendwo anhielt, Leute auflud etc. Es sei kein colectivo, sie haetten bezahlt, muessten puenktlich ankommen und so. Schliesslich kamen wir eine Viertel Stunde zu spaet an, naemlich um Viertel nach 5pm, was sie natuerlich darin bestaetigte sich umgehend bei seinem Vorgesetzten, der Busgesellschaft und ueberhaupt beschweren zu wollen. Das waren Bolivianer – und fuer uns war klar, dass sie wohl nicht so richtig oft Bus fahren, oder sich einfach sehr gerne aufregen. Es war voellig in Ordnung, er ist gut und zuegig gefahren. Man kann sich echt ueber alles aufregen. Heute, Montag also, bin ich schon ziemlich frueh fuer meine Verhaeltnisse im Internet - eigentlich muesste ich ja gerade im Hospital sein. Ich war auch etwa eine Viertel Stunde da, habe dann aber aufgegeben. Mein Bauch zickt gerade ziemlich rum, und der Krankenhausgeruch traegt nicht unbedingt zu einer Verbesserung der Symptomatik bei, ebenso wenig das lange Stehen. Hier, im Internetcafé direkt neben unserem Hostel, ist das Klo ausserdem naeher... So, dies war nun zwar eher eine Auflistung der gemachten Dinge als ein sehr emotionaler Bericht, aber es war einfach so viel zu erzaehlen. Unsere letzten 4 Tage in La Paz brechen nun an, und laut Plan geht es Donnerstagnacht nach Potosí, der Silberminenstadt... Vielleicht werden wir mit Mariano zusammen fahren, der auch nach Potosí fahren moechte. Die Frage ist nur, ob er seinen akribischen Plan aendert, hinter dem er dann einen Tag hinterherhinken wuerde. 3月3日 Salsa, Revolución und keine salteñas am Nachmittag...Einen wunderschoenen guten Tag,
bin wohl gerade ein wenig sentimental angesichts der viiiielen lieben mails ich bekommen habe - wer so alles an mich denkt, obwohl ich doch nun schon 23 Jahre auf dem Buckel habe... DANKE!!!!
Aber ich fange mal besser chronologisch an, der letzte Eintrag war ja schon etwas chaotisch. Es koennte mehr werden - Zeit also fuer einen Blogtag (z.B. zwischen Dienstag und Mittwoch...?!).
Wie ja bereits angekuendigt wollte ich mir am Mittwochabend mal anschauen, wie der Salsaunterricht im Gebaeude unseres Hostels, dass im Prinzip auch ein kulturelles und politisches Zentrum ist, so dass wir oftmals mit hitzigen Debatten im Ohr einschlafen, die schraeg unter uns stattfinden. Sarah kam mit, wollte aber mit Ruecksicht auf ihren Kreislauf, der heute eigentlich das erste Mal wieder besser ist, nur zusehen. Es kamen ziemlich viele Leute (ich war die einzige extranjera) in den antikanmutenden grossen Saal mit relativ gutem Holzboden, auf dem sich auch meine Allzweck-Camel-Schuhe drehen konnten (bei denen ja nun endlich die Sohle nicht mehr halb abfaellt, ich kann es gar nicht oft genug betonen!). Zunaechst stellten wir uns in zwei Reihen hintereinander auf und zwei Lehrer und eine Lehrerin machten uns zuerst ein paar Merengue-, dann endlich Salsakombis vor, die fuer mich neu waren und auch nicht ganz einfach. Ich schlug mich aber, laut Sarahs Beobachtungen, ganz gut, fand es wohl nicht als einzige z.T. etwas kompliziert und schnell. Aber nun denn, besser als zu billig. Nachdem wir uns so etwa eine halbe Stunde warmgetanzt hatten, sollten wir uns in Gruppen aufteilen. Ich stellte mich zunaechst zu denen, die das erste Mal da waren, aber da kam schon einer der Lehrer, der meinte, dass ich ja keine Anfaengerin mehr sei und gab mich einfach einem aus einem fortgeschritteneren Kurs an die Hand. Der hatte es leider nicht so wirklich gut drauf - dachte das aber von sich. Ab und zu kam der Lehrer vorbei, tanzte mit mir einen neuen Schritt vor, den wir und die anderen aus dem Kurs dann ueben sollten. Die grosse Gruppe war aufgeteilt in die Anfaenger, uns und einige die Salsa rueda, also das ganze eher als "Gemeinschaftsspiel" tanzten, was ich so ganz gut fand. Allein schon die Musik zu hoeren loesst bei mir ja bekanntermassen einen Adrenalin- und Endorphinschub aus, weshalb es auch nur halb so schlimm war, dass der Typ nicht so doll war. Mit dem Lehrer zu tanzen machte natuerlich viel mehr Spass und am Schluss probierte er noch mal extensiv aus, was ich denn so konnte, inkl. irgendwelcher wilder Fallfiguren, wo ich mit dem Kopf fast auf dem Boden landete - gut, dass der kleine Bolivianer so stark war und ich mich wirklich einfach fallen liess. Ach ja, ich komme ins Schwaermen - aber Salsa ist und bleibt einfach was ganz besonderes fuer mich! Lebenslust hoch 10! Nach zwei Stunden, die unheimlich schnell vergangen waren, war ich verschwitzt und gluecklich, hatte, wie ich unbescheidenerweise erwaehnen muss, ne Menge Komplimente fuers Tanzen bekommen - von Lehrern und Schuelern (na gut, nach 3 1/2 Jahren sollte ich auch etwas besser tanzen, als als Anfaengerin) und ging beschwingt unter die Dusche. Jeden Montag und Mittwoch ist Unterricht - dann habe ich also noch vier Mal die Moeglichkeit... :-)
Am Donnerstag war bei uns auf Station ein grosser Wechsel - die neuen Assistenzaerzte (residentes) und PJler (internos) loesten naemlich die alten rotierenderweise ab. Somit hatte der "maestro", wie der Chefarzt Prof. respektvoll genannt wird, ne Menge zu meckern. Ich glaube, wenn man bei ihm fertig ist, ist man echt fit, aber der Weg ist schwer und voller Angst, dass man wieder was falsch macht, vergisst etc. Nach der Visite war zunaechst ein kleines Treffen der Studenten, neuen residentes und internos mit Dr. Felix Loza, der ihnen was ueber Verantwortung und Zusammenhalt erzaehlte. Beispielsweise fehlte ein EKG und eine Notiz in einer Akte, was der maestro waehrend der Visite kritisierte. Beides waren Aufgaben des alten residentes, Javier, der Felix' Schuetzling ist, und somit sagte Felix, dass Javier schon auf dem Weg sei es vorbei zu bringen. Das war allerdings eine Notluege, damit Javier keinen Aerger bekommt. Der eine neue residente hatte, als waehrend der Visite etwas fehlte gesagt, dass der eine interno es nicht gemacht hatte, was Felix jetzt kritisierte, da es nicht loyal dem Kollegen gegenueber gewesen war. Ich finde es sehr sympathisch, wie Felix solche Sachen sieht und auch dementsprechend handelt. Es sollte wirklich mehr Aerzte wie ihn geben, finde ich! Zwinschendurch wurde ich rausgerufen, weil ich zur consulta externa, der Sprechstunde, zum maestro sollte. Bei ihm lerne ich aber im Prinzip nicht viel, weil er so respekteinfloessned ist, dass ich mich gar nicht traue, was zu fragen - wie auch die anderen "Untergebenen", die sich immer bemuehen bei ihm nur positiv aufzufallen. Ach ja, meine Historia Clínica war dem maestro zu stichwortartig, ich sollte die aktuellen Beschwerden ausfuehrlich in Prosa schreiben - daher dauern die Uebergaben am Krankenbett, die die residentes machen auch immer ewig lange. Ich finde ja kurz und praezise besser, aber na ja, ich bin ja auch nur eine kleine unwissende Studentin... Jedenfalls war ich ganz froh mich gegen kurz vor 11am entschuldigen zu koennen, da ich zu Felix' Unterricht wollte. So ging ich also mit den Studenten rueber in ein anderes Krankenhaus, das "Tórax", wo er stattfinden sollte. Wir warteten und warteten... Aber kein Felix kam. Ich unterhielt mich laenger mit Clara, einer Studentin im vierten Jahr, die mit mir auf den Balkon der Krankenzimmer rausging und mir ein Gebaeude mit kaputten Scheiben zeigte, in dem die Praep-Leichen (fuer den Anatomiekurs) lagen. Man kann wohl meistens die Kadaver erahnen - ich liess meiner Phantasie lieber nicht freien lauf. Wenn man Tote auf der Strasse findet kommen sie in dieses Haus und wenn sie nach drei Monaten noch nicht identifiziert worden sind, kommen sie halbherzig einformalyiniert in das Anatomiegebaeude zum Rumschnippeln fuer die Studenten. Das fand ich dann doch ganz schoen krass. Wenn man bedenkt, dass man in Deutschland - zum Glueck! - der Koeperspende zustimmt und sogar 600 Euro dafuer bezahlen muss, dass man der medizinischen Lehre dient, hinterher einen wuerdevollen Gottesdienst und die Beerdigung bezahlt bekommt... Medizinstudieren kann man uebrigens unabhaengig von den Noten in der Schule, sofern ich das richtig verstanden habe. Es gibt Vorkurse, in welchen man Tests absolvieren muss, damit festgestellt wird, ob man geeignet fuer dieses Studium ist. Klingt eigentlich ganz sinnvoll, finde ich. Nachdem kein Dozent kam, gingen wir raus und erfuhren, dass der Unterricht auf 2pm verlegt wurde. Also ging ich zurueck zum Hospital de Clinicas und sah bei der consulta von Felix zu - bei dem ich hier eigentlich alles gelernt habe, was ich gelernt habe. Er meinte auch, wenn man einen guten Arzt gefunden hat, soll man sich pietaetlos an ihn dranhaengen und alles aus ihm raussaugen, was er kann. Na dann... Nach der consulta fragte Felix mich, ob ich noch etwas Zeit haette - ich koennte auf einen Hausbesuch mitkommen. Klar, da bin ich doch dabei! Wir wurden von einem Bolivianer der Mittel- bis Oberschicht mit dem Auto seines Sohnes, der inzwischen us-amerikanischer Staatsbuerger ist, abgeholt und zu ihm nach Hause gefahren, wo wir seine Mutter untersuchen sollten. Sie hat eine Aortenklappeninsuffizienz, war voller Oedeme und geistig ueberhaupt nicht mehr da. Sie hat eine eigene Krankenschwester und ein super O2-Geraet mit Nasenbrille und allem drum und dran - in Bolivien schon wirklich etwas besonderes. Natuerlich war auch das Geld fuer Medikamente kein Problem. Hinterher erzaehlte mir Felix, dass diese Familie ziemlich anstrengend waere, weil sie sich nie dran haelt, was die Aerzte sagen und sich dann wundern, dass er der alten Dame schlechter geht. War auf jeden Fall mal interessant zu sehen, wie es in einem betuchteren bolivianischen Haus so aussieht. Gegen 2pm traf ich mich dann voellig ausgehungert mit Sarah im Hostel. Nach Broetchen mit Avocado und Frijoles war ich fuer neue Schandtaten bereit und so nahmen wir uns dekadent ein Taxi zum Museo de la Revolución Nacional. Dort waren lauter Fotos und ein grosses Wandgemaelde, viele Namen von damaligen Politikern und Aktivisten - das wesentlich was wir mitnahmen war, dass es 1952 eine Revolution gegeben hatte und hinterher auch die kleinen Bueger was zu sagen hatten (z.B. Wahlrecht fuer indígena) - ob sich aber im Endeffekt so viel verbessert hat...? Wir unterhielten uns dann noch sehr lange mit der vom alleine Rumsitzen gelangweilten Eintrittskartenverkaeuferin, wobei vor allem rauskam, dass die "chiquitos", also die kleingewachsenen Politiker immer die Schlimmen waren. Deutschland kannte sie aus Kriekgsfilmen mit, wie hiess er noch, Hitler? Das war doch auch so ein chiquito, auch so ein boeser, oder? Und ob denn heute ein ziviler Praesident an Deutschlands Spitze waere. Das fuer uns alle Bolivianer chuiquitos waren sagten wir lieber nicht ;-) Ausserdem fing sie an von dem tollen bolivianischen Essen zu schwaermen, und ueberhaupt, sie verstand gar nicht, warum so viele Leute aus Bolivien weggehen wuerden. Es sei doch das tollste Land ueberhaupt, die Heimat! Und, nein, ihren Sohn (26) wuerde sie nicht mal alleine nach Cochabamba fahren lassen, dass sei doch viel zu gefaehrlich, und ausserdem wuerde er sich dann nur besaufen. Dass wir jungen Huepfer alleine in der Welt rumgondeln wuerden, also nein, sie wuerde das ja nie erlauben. Wir kamen also kurz gesagt nicht mehr weg. Nach ewiger Zeit verabschiedeten wir uns dann, sie gab uns ihre besten Wuensche, und que dios nos bendiga mit, und futsch waren wir weg. Puh, interessant, aber wenn sie nicht mehr aufhoert... Wir machten uns also auf den Heimweg und waren wie immer so kaputt, dass wir gegen 8pm im Bett lagen. Gaehn...
Freitag: Morgens wie immer Visite und sich dann an einen guten Arzt ranhaengen - wie waers mit Felix? Zunaechst musste er aber den residentes und internos eine Standpauke halten. Es gibt wohl immer einen Bericht eines internos und einen eines residentes zu einem Patienten. Nun aehnelten sich zwei dieser Berichte bis auf die Uhrzeit, die Schriftart und - groesse - einer hatte also copy-paste gemacht, was wohl leider oefter passiert. Wie bloed muss man eigentlich sein? Mit den gleichen Fehlern etc... . Er zaehlte bis fuenf und schliesslich bekannte sich der eine interno schuldig und Felix zerriss den Bericht, meinte, er wolle bis morgen Punkt 8am einen neuen, und wenn das nicht klappen wuerde, dann Sonntag um 7, Montag um 6, Dienstag um 5 - er koennte sowieso nicht gut schlafen und wohne in der Naehe, also kein Problem fuer ihn. Wenn man ihn verarscht kann er ganz schoen hart sein - aber wenn man sich gut mit ihm versteht, hat man wirklich ne Menge gewonnen! Anschliessend gingen wir in die consulta, wo ein richtig spannender Fall war: der Patient hatte mit 5 Jahren Malaria, dann Gelbfieber und schliesslich Leishmaniose. Die fiesen Parasiten hatten in seiner Nase und seiner Uvula (dem Zaepfchen hinten am Gaumen) gewuetet und schliesslich war die Uvula an den Rachen gewachsen, so dass er durch die Nase nicht mehr atmen konnte und sich immer erkaeltet anhoerte - seit fuenf Jahren! Er hatte zunaechst wegen der Leishmaniose ein halbes Jahr im Krankenhaus gelegen, ewig auf das Amphotericin B, das Medikament, gewartet und dann keine Lust mehr auf die OP gehabt. Jetzt schon. Ich sollte mir das EKG angucken und fand es ziemlich pathologisch - bis Felix einen Blick drauf warf und meinte, dass waere fehlerhaft gemacht und muesste wiederholt werden. Dafuer diagnostizierte ich bei einem anderen Patienten eine Hypertrophie des linken Ventrikels richtig, juchu ;-) Aber dieser Patient mit den vielen Tropenkrankheiten, dass muss noch erwaehnt werden, hielt mich fuer 15!! Als ob ich mit 15 Jahren allein in der Weltgeschichte rumwandeln, als Studentin im immerhin fast 7. Semester! Tztz... Um heute 8 Jahre verschaetzt!
Um 11am sollte ich hoch in die Aula gehen, wo wohl irgendwas stattfinden wuerde. Im Endeffekt wurde die neuen eingewiesen ("hier wird nicht nach Gewohnheit, sondern nach Evidenz behandelt, also lest neue Studien etc.!") und sie sollten einen Test schreiben - ich natuerlich nicht, also sollte ich mir "Patienten angucken" und sie wuerden mich dann zum salteñas-Essen rufen. Aber nur aufs Essen warten? Da hatte ich keine Lust zu, obendrei, weil Felix nicht zu finden war, was Spannung versprochen hatte. Also goennte ich mir den Luxus und ging zum grossen Supermarkt und dann hoch zum Hostel. Nach dem Essen waren wir beide ziemlich kaputt, kuschelten uns also unter die Decken und verschoben einen weiteren geplanten Museumsbesuch auf einen anderen Tag. Wir gingen nur abends noch mal etwas raus und waren wieder frueh im Bett - allerdings wurde es eine sehr unruhige Nacht mit wenig Schlaf, weil Bonanza gerade bei uns im Hostel ist! Noch nicht von Bonanza gehoert? Das ist doch DIE bolivianische Band schlechthin. Machten auch wirklich super Musik, mit viel Panfloeten und so, aber nicht wie angekuendigt um halb 10pm, nein, da kam die Vorband. Sie spielten von halb 12 bis halb 3 Uhr morgens! Und zwar wieder fast direkt unter uns in einer Lautstaerke... Heute Abend spielen sie nochmal - und wir kaufen uns auf jeden Fall eine CD. Aber koennten sie nicht vielleicht frueher spielen...?!
Heute morgen standen wir zu meiner gewohnten Zeit auf - um Viertel vor 7am. Wir wollten naemlich einen schonen Geburtstagsausflug nach Tiahuanacao/Tiwanaco (sie schreiben es immer wieder anders), DER archaeologischen Seheneswuerdigkeit etwa 1 1/2 Stunden westlich von La Paz machen. Wir fuhren also mit dem Taxi zum Minibus, und mit diesem auf den besten Plaetzen vorne beim Fahrer in die ewige Weite - so fuehlt man sich zumindest, wenn man vor sich nur eine nichtendenwollende Strasse und am Horizont Bergketten - kurz also: die bolivianische Landschaft sieht. Einfach unbeschreiblich! Nachdem wir den ziemlich ueberteuerten Preis von 80Bs. pro Person Eintritt bezahlt hatten, kletterten wir auf den Ueberbleibseln der ehemaligen Zentrale des Inkareichs rum, was aber nach dem Maya-Ruinen eher nicht so beeindruckend war und wohl auch fuer Reisende die aus Peru kommen eher ernuechternd, aber wir fanden etwas, das uns begeisterte: lauter kleine Tiere. Eine Meerschweinchenart, die rumflitzte, laute, gelbe Voegel und ein Lama boten uns genug Grund den Fotoapparat immer wieder rauszuholen. Die zwei Museen waren leider etwas wenig beschildert und somit ohne Guía, den wir uns sparten nicht so sehr informativ - warum haengt man z.B. eine Inka-Mumie in einem Jutesack auf, dass nur noch der Kopf rausguckt? Nachdem wir den Souvenirstaenden erlegen waren und auch noch den letzten archaeologischen Hoehepunkt, den Tempel Puma Punku - oder das, was davon uebergeblieben war - besichtigt hatten, kam wie bestellt ein Minibus Richtung La Paz vorbei, in den wir uns dann reinschmissen und die Beine anzogen - Bolivianer haben eindeutig kuerzere Beine als wir! Wieder in La Paz nahmen wir im Regen ein Taxi zum Supermarkt, deckten uns mit Oliven, Kaese und Tomaten ein, nahmen ein Taxi zum Hostel (ich weiss, es klingt extrem dekadent, aber wenn man pro Fahrt um die 0,60 Euro bezahlt, und sonst eine halbe Stunde durch den Regen laufen muesste, am besten noch vollbepackt mit Einkaeufen...?! Kleine Verschnaufpause im kuschligen Hostelbett und los auf die Suche nach salteñas, die wir uns zum Abendessen goennen wollten (so was wir empanadas, der Unterschied ist uns noch nicht 100%-ig klar, scheinen eine andere Fuellung zu haben). Allerdings lernten wir dazu - salteñas gibts naemlich nur morgens. Also werden wir uns zur Feier des Tages nach etwas anderem umsehen muessen. Z.B. einer Pizza, oder Nudeln? Auf jeden Fall mal etwas anderes als Broetchen, Avocado und Frijoles! Das kann ich naemlich - zumindest fuer einen Tag - nicht mehr sehen! Ausserdem ist meine 1GB-Speicherkarte meines Fotoapparates voll, so dass die Fotos gerade auf CD gebrannt werden - damit die naechsten einmaligen Motive kommen und festgehalten werden koennen! Was fuer ein Geburtstag! Auf jeden Fall ein ganz anderer, als sonst. Aber durch die vielen Glueckwuensche, die ich eben gelesen habe, ist mir jetzt doch auch etwas nach Geburtstag, ein Jahr aelter werden, 03. Maerz eben!
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